Mycosphaerella brassicicola
Die Ringfleckenkrankheit, verursacht durch den pilzlichen Schaderreger Neopseudocercosporella brassicae (EPPO-Code: MYCOBR, ehemals Mycosphaerella brassicicola), ist eine wirtschaftlich bedeutende Blattkrankheit an verschiedenen Kulturen der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Besonders betroffen sind intensiv kultivierte Kohlgemüsearten wie Rosenkohl, Blumenkohl, Brokkoli und Kopfkohl. Der Schaderreger ist weltweit in gemäßigten, feuchten Anbauregionen verbreitet und kann bei anhaltend feuchter Witterung epidemische Ausmaße annehmen.
Die ökonomische Relevanz der Krankheit resultiert vor allem aus der optischen Entwertung der Ernteprodukte. Befallene Blätter von Rosenkohl oder Kopfkohl sind unverkäuflich, was zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten führt. Zudem schwächt ein starker vorzeitiger Blattverlust die Vitalität der Kulturen, wodurch das Wachstum gehemmt und die Anfälligkeit für Sekundärinfektionen durch bakterielle Nassfäulen erhöht wird.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert primär als Myzel oder in Form von Pseudothezien auf infizierten Ernterückständen im Boden sowie auf kreuzblütigen Unkräutern. Im feuchten Frühjahr oder Herbst werden bei Temperaturen zwischen 15 °C und 20 °C Ascosporen aus den Pseudothezien entlassen und durch Wind und Regenspritzer auf die unteren Blätter der Kulturen übertragen. Nach der Primärinfektion entwickeln sich auf den Blattflecken winzige, schwarze Fruchtkörper (Pyknidien und Pseudothezien), die unter feuchten Bedingungen fortlaufend Konidien und Ascosporen freisetzen. Diese Sekundärsporen sorgen für eine rasche, mehrfache Ausbreitung innerhalb des Bestandes während der gesamten Vegetationsperiode, solange ausreichend freies Wasser auf den Blättern vorhanden ist.
Bonitur
Die regelmäßige Befallsüberwachung sollte ab dem BBCH-Stadium 15 bis 19 (Blattentwicklung) beginnen, besonders aber ab dem Reihenschluss (BBCH 31–39), da sich hier ein feuchtes Mikroklima im Bestand etabliert. Ein systematisches Monitoring erfolgt durch die wöchentliche Kontrolle von mindestens 50 Pflanzen je Schlag, wobei gezielt die älteren, bodennahen Blätter auf die charakteristischen Ringflecken untersucht werden. Eine feste Schadensschwelle existiert meist nicht; eine gezielte Behandlung mit einem Pflanzenschutzmittel wird jedoch dringend empfohlen, sobald erste Symptome im Bestand sichtbar werden und die Wettervorhersage anhaltende Niederschläge oder Nebelperioden ankündigt.
Symptome
Auf den Blättern, Blattscheiden und teilweise auch auf den Trieben zeigen sich zunächst kleine, blassgrüne bis gelbliche Flecken. Diese vergrößern sich zu kreisrunden, graubraunen bis dunkelgrauen Läsionen mit einem Durchmesser von bis zu 2 cm, die oft von einem hellen Hof umgeben sind. Das markanteste Diagnosemerkmal im Feld ist die konzentrische Anordnung zahlreicher winziger, schwarzer Punkte (Fruchtkörper des Pilzes) innerhalb der Flecken, was den Läsionen ein ringförmiges oder "zielscheibenartiges" Aussehen verleiht. Bei starkem Befall fließen die Flecken zusammen, das Blattgewebe vergilbt vorzeitig, vertrocknet und stirbt ab.
Integriertes Management
Ein integriertes Management basiert auf einer konsequenten Feldhygiene, um das Inokulum zu reduzieren. Dazu gehören eine weite Fruchtfolge (mindestens 3–4 Jahre Anbaupause für Brassicaceae), das tiefe Unterpflügen von Ernterückständen direkt nach der Ernte sowie die konsequente Regulierung von kreuzblütigen Unkräutern. Kulturtechnisch sollte auf eine weite Pflanzdichte und eine Ausrichtung der Reihen zur Hauptwindrichtung geachtet werden, um ein schnelles Abtrocknen des Bestandes zu begünstigen. Chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide) sollten vorbeugend oder unmittelbar bei Befallsbeginn eingesetzt werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein strikter Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen FRAC-Klassen (z. B. SDHI, Strobilurine und Triazole) zwingend einzuhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich das Schadbild der Ringfleckenkrankheit von der Alternaria-Blattbräune?
Während Alternaria-Flecken oft deutliche, konzentrische Ringe aus dunklem, abwischbarem Sporenstaub aufweisen, zeichnet sich die Ringfleckenkrankheit (Neopseudocercosporella brassicae) durch das Vorhandensein winziger, fest im Gewebe eingebetteter schwarzer Punkte (Fruchtkörper) aus, die wie konzentrische Ringe angeordnet sind und sich nicht abwischen lassen.
Welche klimatischen Bedingungen begünstigen eine Epidemie im Herbst besonders?
Der Schaderreger benötigt für die Sporenkeimung und Infektion langanhaltende Blattnässe (mindestens 12 bis 24 Stunden) und moderate Temperaturen zwischen 12 °C und 20 °C. Häufige Niederschläge, Nebel und Taubildung im Spätsommer und Herbst führen daher oft zu einer explosionsartigen Ausbreitung im Bestand.
Wie kann ich auf agronomy.farmable.tech nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutzmittel-Hub und filtern Sie nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Rosenkohl) und dem Schaderreger "Neopseudocercosporella brassicae" oder "Ringfleckenkrankheit". Achten Sie darauf, die regionalen Zulassungsdatenbanken abzugleichen, um die aktuell gültigen Aufwandmengen, Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten einzusehen.
Warum ist die Einhaltung der Fruchtfolge bei diesem Schaderreger so kritisch?
Die Pseudothezien des Pilzes können auf infizierten Pflanzenresten im Boden mindestens zwei Jahre lang überleben und infektiöse Ascosporen freisetzen. Eine Anbaupause von mindestens drei bis vier Jahren unterbricht diesen Zyklus effektiv, da dem Pilz die Wirtskulturen für eine erneute Vermehrung fehlen.
Welche Rolle spielen kreuzblütige Unkräuter bei der Übertragung der Krankheit?
Wildsenf, Hirtentäschelkraut und andere kreuzblütige Unkräuter dienen dem Pilz als Zwischenwirte. Sie ermöglichen es dem Schaderreger, außerhalb der Anbauzeiten der Hauptkulturen zu überleben, und bilden ein ständiges Inokulumreservoir direkt am Feldrand.
Gibt es resistente Kohlsorten gegen die Ringfleckenkrankheit?
Es gibt derzeit keine vollständig resistenten Kultivare, jedoch zeigen einige moderne Hybrid-Sorten von Rosenkohl und Kopfkohl eine deutlich geringere Anfälligkeit (Toleranz). Beim Sortenvergleich für gefährdete Standorte sollte gezielt auf eine geringe Anfälligkeit geachtet werden, um den chemischen Pflanzenschutzaufwand zu minimieren.