Weiden-Arten
Die Weiden-Arten (wissenschaftlich: Salix sp., EPPO-Code: SAXSS) gewinnen in der mitteleuropäischen Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung, insbesondere im Rahmen des Anbaus in Kurzumtriebsplantagen (KUP). Als schnellwachsende Forstgehölze zeichnen sich diese Kulturen durch ein enormes vegetatives Leistungspotenzial und eine hervorragende Stockausschlagfähigkeit aus. Dies macht sie zu einem wertvollen Rohstofflieferanten für die regionale Erzeugung von Hackschnitzeln zur energetischen Nutzung sowie für stoffliche Verwertungswege.
Die Etablierung der Kultur erfolgt im Frühjahr über unbewurzelte Stecklinge auf landwirtschaftlichen Flächen. Für einen wirtschaftlich erfolgreichen Anbau sind eine sorgfältige Standortauswahl mit ausreichender Wasserversorgung sowie eine konsequente Unkrautregulierung in der kritischen Etablierungsphase entscheidend. Durch die mehrjährige Nutzung über mehrere Rotationsperioden hinweg tragen Weiden zudem aktiv zur Humusakkumulation, zum Erosionsschutz und zur Förderung der lokalen Biodiversität bei.
Bodenmanagement
Die Bodenvorbereitung für diese Kultur muss extrem sorgfältig im Vorfeld erfolgen, da eine mechanische Bodenbearbeitung nach dem Anwachsen der Stecklinge stark erschwert ist. Im Herbst vor der Pflanzung wird in der Regel tief gepflügt, um ein optimales Absetzen des Bodens über den Winter zu ermöglichen und Verdichtungen aufzubrechen. Im Frühjahr folgt eine flache Saatbettbereitung, die eine gleichmäßige Tiefenablage der Stecklinge sichert. Da Weiden-Arten einen hohen Wasserbedarf aufweisen, sind Standorte mit gutem Anschluss an das Grundwasser oder ausreichenden Jahresniederschlägen von über 600 mm zu bevorzugen. Eine moderate Stickstoffdüngung ist meist erst ab dem zweiten Standjahr wirtschaftlich sinnvoll, da im ersten Jahr das Wurzelwachstum im Vordergrund steht und zusätzliche Nährstoffe primär das Unkrautwachstum fördern würden.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz in Weidenkulturen konzentriert sich vor allem auf die kritische Etablierungsphase im ersten Standjahr, in der Begleitvegetation konsequent reguliert werden muss, um Licht- und Wasserkonkurrenz zu minimieren. Als Schaderreger treten primär verschiedene Rostpilze (Melampsora-Arten) auf, die zu vorzeitigem Blattfall und erheblichen Zuwachsverlusten führen können. Unter den tierischen Schädlingen sind der Blaue Weidenblattkäfer sowie verschiedene Blattlausarten von wirtschaftlicher Bedeutung. Da der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel in Kurzumtriebsplantagen gesetzlich stark reglementiert ist, bildet die Sortenwahl mit hoher Widerstandsfähigkeit die wichtigste Säule der Prävention. Bei akutem Befall im Jungstadium können spezifisch zugelassene Pflanzenschutzmittel im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes angewendet werden.
Sorten
Tora
mittelfrüh10–14 t TM/(ha*a)
Resistent gegen: Weidenrost, Trockenstress
Anfällig für: Weidenblattkäfer
Sehr ertragreiche, schwedische Sorte mit aufrechtem Wuchs, ideal für die mechanische Ernte im Kurzumtrieb.
Sven
mittelspät9–13 t TM/(ha*a)
Resistent gegen: Weidenrost
Anfällig für: Spätfrost
Robust gegen Windbruch, zeigt eine sehr gute Jugendentwicklung und dichte Bestandsbildung.
Inger
früh8–12 t TM/(ha*a)
Resistent gegen: Trockenheit, Weidenrost
Anfällig für: Wildverbiss
Hervorragend geeignet für trockenere Standorte im ostdeutschen Raum, treibt im Frühjahr sehr zeitig aus.
Tordis
mittelfrüh10–15 t TM/(ha*a)
Resistent gegen: Weidenrost, Frost
Anfällig für: Blattläuse
Schnellwüchsige Kreuzung mit sehr geraden Ruten, was die Erntetechnik schont.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie tief müssen Weidenstecklinge bei der Pflanzung in den Boden eingebracht werden?
Stecklinge sollten fast vollständig, d. h. zu etwa 90–95 % ihrer Gesamtlänge (bei Standardstecklingen von 20 cm Länge), vertikal in den Boden gesteckt werden. Es darf maximal eine Knospe bzw. 1–2 cm des Stecklings über der Erdoberfläche sichtbar bleiben, um ein vorzeitiges Austrocknen des Holzes vor der erfolgreichen Wurzelbildung zu verhindern.
Welche gesetzlichen Vorgaben gelten für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in KUP-Weiden?
Da Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Flächen rechtlich als landwirtschaftliche Kulturen gelten, dürfen nur Pflanzenschutzmittel angewendet werden, die eine explizite Zulassung für Forstgehölze oder speziell für Energieholz besitzen. Die aktuelle Zulassungssituation muss stets über die Online-Datenbank des BVL geprüft werden, wobei in vielen Fällen Einzelgenehmigungen nach § 22 Abs. 2 PflSchG für die jeweilige Anwendung erforderlich sind.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Ernte im Kurzumtrieb?
Der erste Umtrieb erfolgt typischerweise nach 3 bis 4 Standjahren in der vegetationsfreien Zeit zwischen Dezember und März, idealerweise bei gefrorenem Boden, um Strukturschäden zu vermeiden. Zu diesem Zeitpunkt haben die Ruten den optimalen Durchmesser für gängige Erntemaschinen und die Kultur hat ausreichend Reservestoffe in den Wurzelstöcken eingelagert, um im Frühjahr kräftig wieder auszutreiben.
Wie lässt sich das Risiko von Weidenrost (Melampsora spp.) ohne chemische Pflanzenschutzmittel minimieren?
Die effektivste präventive Maßnahme ist der Anbau von Klonmischungen im Feld. Durch das Mischen von 3 bis 5 verschiedenen Weidenklonen mit unterschiedlichen Resistenzgenen auf derselben Parzelle wird die Ausbreitung des Pilzes drastisch verlangsamt, da der Schaderreger nicht flächendeckend auf empfängliche Wirte trifft.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der mechanischen Unkrautregulierung?
Eine mechanische Unkrautbekämpfung mittels Hack- oder Striegeltechnik ist nur in der sehr frühen Phase (BBCH 05 bis BBCH 13) im ersten Standjahr sicher durchführbar. Sobald die Triebe das BBCH-Stadium 15 überschreiten und die Seitentriebbildung (BBCH 21) einsetzt, ist das Risiko von mechanischen Beschädigungen an den jungen, noch nicht verholzten Trieben zu hoch.