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Kultur

Welsches Weidelgras

Lolium multiflorum
LOLMU

Welsches Weidelgras (Lolium multiflorum, EPPO-Code: LOLMU), auch als Italienisches Raygras bekannt, ist eine der ertragreichsten und qualitativ hochwertigsten Futtergräser-Kulturen im mitteleuropäischen Raum. Es zeichnet sich durch ein rasches Jugendwachstum, eine hervorragende Konkurrenzkraft und eine sehr gute Futterqualität mit hoher Verdaulichkeit aus. Die Kultur wird sowohl im Hauptfruchtanbau als auch als winterharte Zwischenfrucht zur Futtergewinnung oder Gründüngung intensiv genutzt.

Botanisch unterscheidet man zwischen dem einjährigen Weidelgras (Lolium multiflorum var. westerwoldicum) und dem zweijährigen Welschen Weidelgras (Lolium multiflorum var. italicum). Letzteres benötigt für das Schossen einen Kältereiz (Vernalisation) und liefert im Hauptnutzungsjahr mehrere ertragreiche Schnitte. Aufgrund des hohen Nährstoff- und Wasserbedarfs ist die Kultur besonders für wüchsige Lagen mit gleichmäßiger Niederschlagsverteilung geeignet.

Im Ackerbau dient Lolium multiflorum zudem als wertvoller Humusbildner und Erosionsschutz über Winter. Bei der Saatguterzeugung oder im intensiven Futterbau erfordert die Kultur jedoch eine präzise Führung, um Schaderreger wie Rostpilze oder konkurrierende Ungräser erfolgreich zu regulieren und die Winterhärte durch gezieltes Schnittmanagement im Herbst abzusichern.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Frühjahrssaat) oder August bis September (Herbstsaat)
Erntefenster
Mai bis Oktober (mehrere Schnitte im Hauptnutzungsjahr)
Reihenabstand
10–15 cm (Drillsaat)
Typischer Ertrag
100–150 dt TM/ha (Trockenmasse über alle Schnitte)
Wärmesumme (GDD)
1850
Boden-pH
5,5–7,0

Bodenmanagement

Welsches Weidelgras stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und die Nährstoffversorgung, weshalb tiefgründige, humose Lehmböden mit guter Wasserführung ideal sind. Eine sorgfältige Saatbettbereitung ist entscheidend, um einen gleichmäßigen Feldaufgang der feinen Samen zu gewährleisten; der Boden sollte rückverfestigt und feinkrümelig sein. Da die Kultur extrem stickstoffbedürftig ist, muss die Düngung präzise auf die einzelnen Aufwüchse aufgeteilt werden, wobei direkt nach jedem Schnitt eine bedarfsgerechte Gabe erfolgen sollte. Um Bodenverdichtungen zu vermeiden, darf das Befahren der Flächen nur unter trockenen Bedingungen erfolgen, da die Grasnarbe empfindlich auf Fahrspuren reagiert. Eine gezielte Kalkung zur Stabilisierung des pH-Werts im optimalen Bereich sichert zudem die Nährstoffverfügbarkeit und fördert das aktive Bodenleben.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz von Lolium multiflorum steht die Regulierung von pilzlichen Schaderregern wie Kronenrost (Puccinia coronata) und Schneeschimmel (Microdochium niveum) im Vordergrund, die Ertrag und Futterqualität massiv beeinträchtigen können. Ein rechtzeitiger Reinigungsschnitt im Spätherbst mindert das Risiko von Auswinterungsschäden durch Schneeschimmel unter einer geschlossenen Schneedecke erheblich. Bei der Saatguterzeugung ist zudem auf Ungräser wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) und den Windhalm (Apera spica-venti) zu achten, da deren Samen die Reinheit des Ernteguts gefährden. Der Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln muss streng nach den Schadschwellen und unter Beachtung der jeweiligen Wartezeiten erfolgen. Zudem unterstützt eine weite Fruchtfolge und die Wahl resistenter Sorten die Gesunderhaltung der Kultur nachhaltig.

Sorten

Lema

mittelfrüh

Sehr hoher Gesamtertrag, besonders stark im ersten Schnitt.

Resistent gegen: Kronenrost, Bakterienwelke

Anfällig für: Schneeschimmel

Sehr bewährte, diploide Sorte mit rascher Anfangsentwicklung und hoher Ausdauer. Zeigt eine gute Winterhärte und eignet sich hervorragend für den mehrjährigen Feldfutterbau.

Gisel

mittelspät

Hohe Trockenmasseerträge über alle Aufwüchse hinweg.

Resistent gegen: Kronenrost, Fusarium

Anfällig für: Auswinterung

Tetraploide Sorte mit sehr hoher Futterqualität und exzellenter Schmackhaftigkeit. Besitzt breite Blätter und eine gute Standfestigkeit vor der Ernte.

Alisca

früh

Spitzenerträge im ersten Aufwuchs, ideal für die Silagebereitung.

Resistent gegen: Kronenrost

Anfällig für: Lagerung

Frühe Sorte mit exzellenter Massenbildung im Anfangswachstum. Ideal für den Zwischenfruchtanbau und die frühe Frühjahrsnutzung.

Melquatro

mittelfrüh

Sehr gleichmäßige Ertragsverteilung über das gesamte Nutzungsjahr.

Resistent gegen: Kronenrost, Blattfleckenkrankheit

Anfällig für: Trockenstress

Tetraploide Sorte mit sehr hoher Verdaulichkeit und gutem Zuckergehalt. Zeigt eine rasche Regeneration nach dem Schnitt.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie beeinflusst der Schnittzeitpunkt im Herbst die Winterhärte von Welschem Weidelgras?

Der letzte Schnitt vor dem Winter sollte so gelegt werden, dass die Kultur mit einer Aufwuchshöhe von etwa 8–10 cm in die Vegetationsruhe geht. Ein zu üppiger Bestand im Winter fördert den Befall mit Schneeschimmel (Microdochium niveum), während ein zu tiefer Schnitt die Reservestoffeinlagerung in der Halmbasis schwächt und das Risiko von Auswinterungsschäden erhöht.

Welche Rolle spielen tetraploide Sorten im Vergleich zu diploiden Sorten beim Anbau?

Tetraploide Sorten besitzen einen doppelten Chromosomensatz, was zu breiteren Blättern, einem höheren Wassergehalt und einem besseren Zucker- und Energiegehalt führt, wodurch sie sehr schmackhaft für das Vieh sind. Diploide Sorten hingegen sind meist triebdichter, ausdauernder, winterhärter und weisen einen höheren Trockensubstanzgehalt auf, was die Silierung erleichtert.

Wie lässt sich das Einjährige Rispengras (Poa annua) in der Saatgutvermehrung von Lolium multiflorum regulieren?

Da chemische Pflanzenschutzmittel im stehenden Grasbestand oft selektiv unzureichend wirken, müssen pflanzenbauliche Maßnahmen im Vordergrund stehen. Dazu gehören eine saubere Stoppelbearbeitung der Vorfrucht, die Vermeidung von Lücken in der Grasnarbe durch optimale Aussaatstärken und gegebenenfalls der gezielte Einsatz von zugelassenen Herbiziden im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf.

Warum ist die Stickstoffdüngung nach jedem Schnitt bei dieser Kultur so kritisch?

Welsches Weidelgras besitzt ein extrem schnelles Regenerationsvermögen und entzieht dem Boden nach dem Schnitt rasch Nährstoffe. Eine zeitnahe Gabe von Stickstoff (oft kombiniert mit Schwefel) reizt die Bestockung an und sichert das Ertragspotenzial sowie den Rohproteingehalt des Folgeaufwuchses; verzögerte Gaben führen zu deutlichen Ertragseinbußen.

Wie kann man Kronenrost (Puccinia coronata) im Futterbau ohne Fungizideinsatz bekämpfen?

Im reinen Futterbau ist der Einsatz von Fungiziden meist unwirtschaftlich und regulatorisch stark eingeschränkt. Die effektivste Strategie ist ein vorgezogener Nutzungsschnitt (Schrofschnitt) direkt bei den ersten Anzeichen von Rostpusteln, um die Sporenverbreitung zu unterbrechen und das infizierte Material abzufahren, gefolgt von einer angepassten Stickstoffdüngung zur Wachstumsförderung.

Welche Fruchtfolgebeschränkungen gelten beim Anbau von Welschem Weidelgras?

Welsches Weidelgras ist mit sich selbst und anderen Gräsern nur bedingt verträglich, da sich bodenbürtige Schaderreger wie Fusarium-Arten oder Nematoden anreichern können. Nach einem Umbruch sollte eine Anbaupause von mindestens 2–3 Jahren zu anderen Hauptfrucht-Gräsern eingehalten werden; hervorragende Vorfrüchte sind Leguminosen, Raps oder Hackfrüchte.