Welsches Weidelgras
Welsches Weidelgras (Lolium multiflorum, EPPO-Code: LOLMU), auch als Italienisches Raygras bekannt, ist eine der ertragreichsten und qualitativ hochwertigsten Futterpflanzen im mitteleuropäischen Ackerfutterbau. Die Kultur zeichnet sich durch ein extrem rasches Jugendwachstum, eine hervorragende Konkurrenzkraft und eine sehr gute Gärfuttereignung aus. Sie wird sowohl im Hauptfruchtanbau als auch als winterharte Zwischenfrucht intensiv genutzt, um hochwertiges Grundfutter mit hohen Zucker- und Energiegehalten für die Milchviehhaltung bereitzustellen.
Durch die ausgeprägte Ertragsleistung im ersten Aufwuchs liefert die Kultur bereits früh im Jahr hohe Trockenmasseerträge. Im Vergleich zum Deutschen Weidelgras ist Lolium multiflorum jedoch kurzlebiger und wird meist ein- bis zweijährig genutzt. Die Kultur stellt hohe Ansprüche an die Nährstoffversorgung, insbesondere an Stickstoff, und benötigt für optimale Leistungen gut wasserführende, nährstoffreiche Böden in Regionen mit ausgeglichenen Niederschlägen.
Bodenmanagement
Welsches Weidelgras stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und verlangt ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett, um einen optimalen Bodenschluss für das feine Saatgut zu garantieren. Da die Kultur sehr stickstoffbedürftig ist, musst du die Düngung eng an den Schnittnutzungen ausrichten und organische sowie mineralische Dünger direkt nach den Schnitten ausbringen. Eine ausreichende Versorgung mit Kalium und Phosphor ist für die Winterhärte und Standfestigkeit unerlässlich. Auf schweren, zur Staunässe neigenden Böden leidet die Winterhärte der Kultur erheblich, weshalb eine gute Entwässerung oder die Auswahl durchlässiger Standorte wichtig ist. Zudem solltest du den Boden nach der Aussaat anwalzen, um den Keimlingen den nötigen Kapillaranschluss zu sichern.
Schaderreger-Management
Im intensiven Ackerfutterbau steht die Regulierung von unerwünschten Schaderregern wie dem Einjährigen Rispengras (Poa annua) und dem Windhalm (Apera spica-venti) im Vordergrund, da diese die Futterqualität und den Ertrag mindern können. Gegen pilzliche Schaderreger wie Kronenrost (Puccinia coronata) oder Schneeschimmel im Winter helfen vor allem eine angepasste Sortenwahl und ein rechtzeitiger Reinigungsschnitt vor dem Winter. Sollte ein starker Befall mit tierischen Schädlingen wie der Fritfliege auftreten, ist eine gezielte Überwachung der Jungpflanzen im Herbst ratsam. Chemische Pflanzenschutzmittel kommen im reinen Futterbau nur restriktiv zum Einsatz, weshalb du mechanische Maßnahmen wie den Striegel oder eine dichte Grasnarbe zur Unkrautunterdrückung bevorzugen solltest. Achte bei jeder Anwendung von Pflanzenschutzmitteln strikt auf die zugelassenen Indikationen und die einzuhaltenden Wartezeiten vor der Nutzung als Futter.
Sorten
Lema
mittelfrühSehr hoher Ertrag im ersten Aufwuchs, gute Gesamttrockenmasseleistung.
Resistent gegen: Kronenrost, Winterauswinterung
Anfällig für: Bakterienwelke
Sehr bewährte, diploide Sorte mit rascher Jugendentwicklung und hoher Ausdauer im Zwischenfruchtanbau.
Gisel
mittelspätSehr hohe Trockenmasseerträge über alle Schnitte hinweg.
Resistent gegen: Kronenrost, Mehltau
Anfällig für: Schneeschimmel
Tetraploide Sorte mit hervorragender Futterqualität, hoher Schmackhaftigkeit und sehr guter Silierbarkeit.
Melquatro
mittelfrühSpitzenerträge im ersten Schnitt und sehr gute Nachwuchsleistung.
Resistent gegen: Kronenrost, Blattfleckenkrankheit
Anfällig für: Lagerung
Leistungsstarke tetraploide Sorte, die sich besonders für den mehrschnittigen Hauptfruchtanbau eignet.
Alisca
frühHoher Ertrag im ersten Aufwuchs, ideal für die frühe Frühjahrsnutzung.
Resistent gegen: Auswinterung, Kronenrost
Anfällig für: Rost
Frühreife, diploide Sorte mit exzellenter Winterhärte und raschem Ergrünen im Frühjahr.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidest du Welsches Weidelgras im Feld am besten von Deutschem Weidelgras?
Achte auf die morphologischen Merkmale: Welsches Weidelgras besitzt im Gegensatz zum Deutschen Weidelgras deutlich begrannte Ährchen und die jüngsten Blätter sind im unentfalteten Zustand gerollt (Knospenlage gerollt), während sie beim Deutschen Weidelgras gefaltet sind. Zudem wächst das Welsche Weidelgras deutlich horstbildender und aufrechter.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den ersten Schnitt im Frühjahr?
Der optimale Schnittzeitpunkt für eine hohe Futterqualität liegt zu Beginn des Ährenschiebens (BBCH-Stadium 51 bis 53). Wartest du länger, sinkt die Verdaulichkeit und der Rohfasergehalt steigt drastisch an, was die Futterqualität für dein Milchvieh deutlich mindert.
Wie verhältst du dich bei starkem Druck durch das Einjährige Rispengras?
Da das Einjährige Rispengras (Poa annua) Lücken rasch besiedelt, musst du für eine lückenlose, konkurrenzstarke Grasnarbe sorgen. Mechanisches Striegeln im Frühjahr kann flach wurzelnde Rispengräser schwächen; bei starkem Befall im Ackerfutterbau hilft oft nur ein rechtzeitiger Umbruch und eine optimierte Fruchtfolgegestaltung.
Welche Rolle spielt der Reinigungsschnitt vor dem Winter für die Bestandsgesundheit?
Ein Reinigungsschnitt im Spätherbst (Oktober/November) ist essenziell, um den Bestand mit einer Aufwuchshöhe von maximal 8–10 cm in den Winter gehen zu lassen. Zu üppige Bestände lagern unter Schneelast leicht um, was die Entstehung von Schneeschimmel (Microdochium nivale) massiv fördert und zu Kahlstellen im Frühjahr führt.
Wie kannst du Resistenzen bei der Bekämpfung von Acker-Windhalm im Weidelgras verhindern?
Da der Acker-Windhalm (Apera spica-venti) schnell Resistenzen gegen ALS-Hemmer entwickelt, solltest du Wirkstoffklassen konsequent rotieren und pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine dichte Saat und angepasste Schnittfrequenzen nutzen. Nutze die Filterfunktionen in unserer App, um gezielt Pflanzenschutzmittel mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (HRAC-Klassen) für deine Anwendungen zu finden.
Welchen Einfluss hat die Stickstoffdüngung auf die Nitratakkumulation im Futter?
Welsches Weidelgras nimmt Stickstoff sehr gierig auf. Wenn du kurz vor der Ernte oder bei anhaltender Trockenheit zu viel Stickstoff düngst, kann es zu gesundheitsschädlichen Nitratanreicherungen im Aufwuchs kommen; passe die Gaben daher immer exakt an den erwarteten Ertrag und die Witterung an.