Malvin WG
Malvin WG ist ein hochkonzentriertes, kontaktwirksames Fungizid in Form eines wasserdispergierbaren Granulats (WG), das speziell für den professionellen Einsatz im Obst- und Beerenanbau entwickelt wurde. Mit einem Gehalt von 800 g/kg des bewährten Wirkstoffs Captan bietet das Pflanzenschutzmittel einen robusten Schutz gegen ein breites Spektrum wirtschaftlich relevanter Pilzkrankheiten. Die moderne Granulatformulierung garantiert eine staubfreie Dosierung, eine schnelle Benetzung sowie eine hervorragende Schwebefähigkeit in der Spritzbrühe.
Das Anwendungsspektrum erstreckt sich über bedeutende Kulturen wie Kernobst (Apfel, Birne), Steinobst (Kirsche, Pfirsich) sowie verschiedene Beerenobstarten (Erdbeere, Himbeere, Brombeere und Heidelbeere). Malvin WG besetzt im Markt eine Schlüsselrolle als protektiver Standard, der die Kulturen in den kritischen Infektionsphasen von der Blüte bis zum Beginn der Fruchtreife zuverlässig vor pathogenen Pilzen schützt.
Durch seine ausgeprägte Kontaktwirkung bildet das Präparat eine lückenlose Barriere auf Blättern, Blüten und Früchten. Es verhindert effektiv das Keimen von Pilzsporen und schützt die Kulturen so vor Erstinfektionen und einer weiteren Ausbreitung im Bestand. Seine hohe Pflanzenverträglichkeit in den zugelassenen Kulturen macht es zu einem verlässlichen Partner für den integrierten Pflanzenschutz.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in Malvin WG enthaltene Wirkstoff Captan gehört zur chemischen Gruppe der Phthalimide und ist im FRAC-Code unter der Gruppe M04 (Multi-Site-Inhibitoren) klassifiziert. Captan greift unspezifisch in verschiedene biochemische Prozesse der Pilzzelle ein, indem es mit Thiolgruppen von Proteinen und Enzymen reagiert. Dies führt zu einer Blockade der Zellatmung, der Membranfunktion und des gesamten Energiestoffwechsels des Schaderregers. Da dieser Wirkungsmechanismus an mehreren Stellen gleichzeitig ansetzt, verhindert das Pflanzenschutzmittel effektiv das Auskeimen der Pilzsporen sowie das Wachstum des Keimschlauchs auf der Pflanzenoberfläche. Da keine kurative Wirkung vorhanden ist, muss der Wirkstoffbelag vor dem Eintreffen der Sporen auf den Kulturen etabliert sein.
Resistenzmanagement
Aufgrund seines Multi-Site-Wirkungsmechanismus (FRAC M04) besteht für Captan kein praktisches Risiko einer Resistenzselektion bei den Zielpathogenen. Malvin WG ist daher ein unverzichtbares Werkzeug im modernen Antiresistenzmanagement. Es wird empfohlen, das Produkt als Mischpartner oder im Blockwechsel mit systemischen Fungiziden (wie z. B. SDHI oder Triazolen) einzusetzen, um deren wirkortspezifische Profile vor einer schnellen Resistenzbildung zu schützen und die Gesamtwirksamkeit der Spritzfolge abzusichern.
Mischbarkeit & Tankmischung
Malvin WG ist physikalisch und chemisch mit den meisten gängigen Fungiziden und Insektiziden mischbar. Dennoch sollte vor jeder Tankmischung eine Verträglichkeitsprobe (Kübeltest) durchgeführt werden. Absolut zu vermeiden sind Mischungen mit stark alkalischen Produkten (wie Schwefelkalk) oder flüssigen Ölformulierungen, da diese die physikalische Stabilität der Spritzbrühe stören und schwere Blattschäden verursachen können. Für eine optimale Benetzung der Kulturen ist auf eine ausreichende Wassermenge und eine gleichmäßige Applikationstechnik zu achten.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Bei der Anwendung von Malvin WG sind die gesetzlich vorgeschriebenen PSA-Maßnahmen (persönliche Schutzausrüstung) für den Anwender strikt einzuhalten. Zum Schutz von Gewässern und aquatischen Organismen müssen die vom BVL vorgegebenen Abstandsauflagen und Abschwemmungsminderungsklassen (z. B. durch den Einsatz abdriftmindernder Düsen) genau beachtet werden. Der Wirkstoff ist bei sachgemäßer, zulassungskonformer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte direkter Kontakt mit blühenden Unkräutern im Unterwuchs vermieden werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Brombeere | Rankenkrankheit (Rhabdospora ruborum) | — | 1.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Apfel | Obstbaumkrebs (Nectria galligena) | — | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | — |
| Heidelbeere | Triebsterben (Godronia cassandrae) | — | 1.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Sauerkirsche | Bitterfäule (Glomerella cingulata) | 71–81 | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 21T |
| Süßkirsche | Bitterfäule (Glomerella cingulata) | — | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 21T |
| Himbeere | Rutensterben (Didymella applanata) | — | 1.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | — |
| Birne | Schorf (Venturia spp.) | — | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 21T |
| Erdbeere | Botrytis cinerea, Colletotrichum | 60–65 | 1.5 KILOGRAM_PER_HECTARE | 21T |
| Apfel | Schorf (Venturia spp.) | — | 0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT | 21T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit Malvin WG?
Da Malvin WG ein reines Kontaktfungizid ist, muss die Behandlung zwingend präventiv – also vor einer Infektion – erfolgen. Der optimale Zeitraum erstreckt sich je nach Kultur von der Blüte bis zur Fruchtreife (BBCH-Stadium 60 bis 81). Der Spritzbelag muss auf den Kulturen angetrocknet sein, bevor ein Infektionsereignis (z. B. ein Regenereignis) eintritt.
Welche Rolle spielt Malvin WG im Antiresistenzmanagement?
Der Wirkstoff Captan greift als Multi-Site-Inhibitor (FRAC-Gruppe M04) gleichzeitig an verschiedenen Stellen im Stoffwechsel der Pilzzellen an. Aufgrund dieses vielseitigen Wirkungsmechanismus ist das Risiko einer Resistenzentwicklung extrem gering. Das macht das Produkt zu einem idealen Partner in Spritzfolgen, um die Wirksamkeit von systemischen Fungiziden mit nur einem Wirkort (Single-Site) langfristig zu sichern.
Wie regenfest ist der Spritzbelag nach der Anwendung?
Nach dem vollständigen Antrocknen des Spritzbelags weist das Produkt eine gute Regenbeständigkeit auf. Bei extremen Niederschlägen (über 20 mm) oder anhaltendem starken Regen kann der Schutzbelag jedoch teilweise abgewaschen werden. In solchen Fällen und bei anhaltendem Infektionsdruck sollte die Behandlung im Rahmen der zulässigen maximalen Anwendungen und unter Berücksichtigung der Wartezeit wiederholt werden.
Gibt es Unverträglichkeiten oder Risiken für Phytotoxizität bei Mischungen?
Mischungen mit ölhaltigen Präparaten oder Anwendungen kurz nach einer Ölbehandlung sollten unbedingt vermieden werden, da dies die schützende Wachsschicht der Blätter schädigen und zu Phytotoxizität führen kann. Auch bei extremen Temperaturen über 25 °C oder starker Sonneneinstrahlung ist von einer Anwendung abzuraten, um Blatt- und Fruchtschäden zu verhindern.
Welche spezifischen Schaderreger werden in Beeren- und Steinobstkulturen erfasst?
Neben dem klassischen Schorfschutz im Kernobst und der Botrytis-Vorsorge erfasst das Mittel ein breites Spektrum an Ruten- und Triebkrankheiten. Dazu gehören das Rutensterben (Didymella applanata) und die Rankenkrankheit an Him- und Brombeeren sowie das Triebsterben (Godronia cassandrae) an Kulturheidelbeeren und die Bitterfäule an Äpfeln.
Wie finde ich weitere Details zu den BVL-zugelassenen Anwendungen dieses Produkts?
Auf agronomy.farmable.tech können Sie über die Such- und Filterfunktion gezielt nach dem Wirkstoff "Captan" oder der BVL-Zulassungsnummer "005177-00" filtern. Dadurch erhalten Sie eine tagesaktuelle Übersicht aller für den deutschen Markt zugelassenen Indikationen, spezifischen Abstandsauflagen und Anwendungsbestimmungen.