Brombeere
Die Brombeere (Rubus fruticosus, EPPO-Code: RUBFR) gehört zu den bedeutendsten Strauchbeerenkulturen im mitteleuropäischen Erwerbsobstbau. Botanisch handelt es sich um eine Sammelsteinfrucht aus der Familie der Rosengewächse. Im professionellen Anbau haben sich dornenlose Sorten durchgesetzt, die entweder an Spalieren im Freiland oder zunehmend unter geschützten Regendächern und in Folientunneln kultiviert werden, um eine gleichbleibend hohe Fruchtqualität für den Frischmarkt zu sichern.
Die Kultur stellt hohe Ansprüche an den Standort und die Kulturführung. Da Brombeeren zweijährig wachsen – wobei die Ruten im ersten Jahr wachsen (Primocanes) und im zweiten Jahr fruchten (Floricanes) –, ist ein präziser Schnitt und eine konsequente Erziehung am Gerüst essenziell. Neben der klassischen Freilandkultur gewinnt der Substratanbau in Stellagen an Bedeutung, da er eine bessere Kontrolle über Wasser- und Nährstoffströme ermöglicht und Bodenmüdigkeit sowie bodenbürtige Schaderreger umgeht.
Bodenmanagement
Für einen erfolgreichen Anbau benötigt die Kultur tiefgründige, humusreiche und gut durchlüftete Böden ohne Staunässe, da die Wurzeln sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel reagieren. Eine regelmäßige Zufuhr von organischem Material, beispielsweise durch Mulchen oder Kompostgaben, fördert das Bodenleben und stabilisiert den Wasserhaushalt im empfindlichen Flachwurzelbereich. Da Brombeeren chloridempfindlich sind, solltest du bei der Düngung bevorzugt auf kaliumsulfatbasierte Dünger zurückgreifen. Eine Tröpfchenbewässerung ist im professionellen Anbau unverzichtbar, um eine gleichmäßige Wasserversorgung während der Fruchtentwicklungsphase zu garantieren und gleichzeitig das Laub trocken zu halten. Bei der Etablierung von Neuanlagen empfiehlt sich zudem eine Gründüngung im Vorjahr, um den Boden optimal vorzubereiten und Unkräuter zu unterdrücken.
Schaderreger-Management
Im integrierten Pflanzenschutz steht die Gesunderhaltung der Ruten und Früchte im Vordergrund, wobei vorbeugende kulturtechnische Maßnahmen wie ein luftiger Erziehungsschnitt und das rasche Entfernen abgetragener Ruten essenziell sind. Gegen den Grauschimmel (*Botrytis cinerea*), der besonders in feuchten Jahren erhebliche Ernteverluste verursachen kann, sind gezielte Anwendungen von Fungiziden während der Blütezeit (BBCH 61 bis 69) oft unumgänglich. Schaderreger wie die Brombeermilbe, die für das gefürchtete Scheckigbleiben der Früchte verantwortlich ist, müssen bereits beim Austrieb im Frühjahr überwacht und gegebenenfalls mit nützlingsschonenden Pflanzenschutzmitteln reguliert werden. Auch die Kirschessigfliege (*Drosophila suzukii*) stellt eine massive Bedrohung dar, weshalb engmaschige Netze und eine extrem kurze Pflückfrequenz wichtige Bausteine der Befallsminimierung sind. Achte bei allen chemischen Maßnahmen stets auf das Resistenzmanagement und wechsle die Wirkstoffklassen regelmäßig ab.
Sorten
Loch Ness
Mittelfrüh (ab Mitte Juli)Sehr hoch und regelmäßig, oft über 15 t/ha unter optimalen Bedingungen.
Resistent gegen: Rutenkrankheit
Anfällig für: Falscher Mehltau, Grauschimmel
Die weltweit am häufigsten angebaute dornenlose Sorte im Erwerbsanbau. Sie besticht durch aufrechten Wuchs und hervorragende Transportfähigkeit der Früchte.
Asterina
Mittelfrüh bis spät (Ende Juli bis September)Hoch, mit einer langen Ernteperiode.
Anfällig für: Frost, Grauschimmel
Hervorragender Geschmack mit ausgeprägtem Brombeeraroma bereits im halbreifen Zustand. Sehr gut für den Direktabsatz geeignet.
Navaho
Spät (August bis Oktober)Konstant hoch über einen langen Zeitraum.
Resistent gegen: Rutenkrankheit
Anfällig für: Brombeermilbe
Wächst sehr straff aufrecht, was den Schnitt- und Heftaufwand erheblich reduziert. Die Früchte sind fest und gut lagerfähig.
Chester Thornless
Sehr spät (Mitte August bis Frostbeginn)Extrem ertragreich, erfordert jedoch eine lange, warme Herbstperiode zur vollen Ausreife.
Resistent gegen: Frost, Rutenkrankheit
Anfällig für: Grauschimmel, Kirschessigfliege
Eine der frosthärtesten dornenlosen Sorten. Starker Wuchs, benötigt ein stabiles Gerüst.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie kann ich die Brombeermilbe im Erwerbsanbau effektiv kontrollieren?
Die Brombeermilbe (*Acalitus essigi*) überwintert in den Knospenschuppen. Eine Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln wie Netzschwefel sollte frühzeitig beim Austrieb (BBCH 09 bis 15) erfolgen, sobald die Milben ihre Winterquartiere verlassen. Spätere Anwendungen während der Blüte sind meist wirkungslos, da die Schaderreger dann bereits geschützt in den Blüten und jungen Früchten sitzen.
Welche Rolle spielt der Schnitt nach der Ernte für die Pflanzengesundheit?
Der Sommerschnitt direkt nach der Ernte ist eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen gegen Rutenkrankheiten. Du solltest alle abgetragenen zweijährigen Ruten bodennah herausschneiden und konsequent aus der Anlage entfernen, um das Infektionspotenzial für Pilze zu minimieren. Die diesjährigen Jungruten werden anschließend luftig am Gerüst formiert, damit sie schnell abtrocknen.
Wie schütze ich meine Brombeerkultur vor Frostschäden im Winter?
Da viele dornenlose Sorten frostempfindlich sind, solltest du windgeschützte Lagen bevorzugen. Im späten Herbst können die Ruten bei flach wachsenden Systemen auf den Boden gelegt und mit Vlies abgedeckt werden, um sie vor extremen Barfrösten zu schützen. Im geschützten Anbau (Tunnel) lässt sich das Risiko durch das rechtzeitige Schließen der Folien im Spätwinter deutlich senken.
Warum bleiben manche Brombeeren zur Erntezeit teilweise rot und sauer?
Dieses Phänomen wird meist durch die Brombeermilbe verursacht. Die Milben saugen an den Einzelsteinchen, wodurch diese nicht ausreifen und rot sowie sauer bleiben (Scheckigkeit). Ein weiterer Grund kann Sonnenbrand bei extremen Hitzewellen sein; hier hilft eine leichte Schattierung der Kultur oder der Anbau unter diffusionsoffenen Folien.
Wie finde ich im Portal die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Grauschimmel?
Nutze dafür einfach die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere nach der Kultur 'Brombeere' und dem Schaderreger 'Botrytis cinerea'. Dir werden dann alle aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Aufwandmengen, der maximalen Anzahl an Anwendungen und der einzuhaltenden Wartezeit übersichtlich angezeigt.
Welche Bewässerungsstrategie empfiehlt sich während der Fruchtreife?
Während der Fruchtreife (BBCH 81 bis 89) benötigt die Kultur eine kontinuierliche, aber moderate Wasserzufuhr über die Tröpfchenbewässerung. Vermeide stoßweises Gießen, da dies zum Aufplatzen der reifenden Früchte führen kann. Eine Überkopfberegnung ist in dieser Phase tabu, um das Risiko von Grauschimmel-Infektionen nicht unnötig zu erhöhen.