Brombeere
Die Brombeere (Rubus fruticosus, EPPO-Code: RUBFR) ist eine mehrjährige, strauchartig wachsende Kultur aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), die im professionellen Beerenobstanbau in Mitteleuropa eine bedeutende Rolle einnimmt. Die Kultur zeichnet sich durch zweijährige Ruten aus, wobei im ersten Jahr die vegetativen Triebe (Schösslinge) wachsen, die im zweiten Jahr nach der Überwinterung Blüten und Früchte tragen. Moderne Erwerbsanbaubetriebe setzen zunehmend auf dornenlose Sorten und geschützte Anbausysteme unter Folienüberdachungen, um eine gleichmäßige Fruchtqualität zu sichern und das Risiko von Ernteausfällen durch Witterungseinflüsse zu minimieren.
Für einen wirtschaftlich erfolgreichen Anbau sind ein tiefgründiger, humusreicher Boden sowie eine ausgeglichene Wasserversorgung entscheidend, da die Kultur empfindlich auf Staunässe reagiert. Neben dem Freilandanbau gewinnt die Substrat- und Tunnelkultur an Bedeutung, da sie eine präzise Steuerung der Nährstoffzufuhr ermöglicht und die Ernteperiode signifikant verlängert. Eine fachgerechte Erziehung am Spalier sowie ein konsequenter Sommerschnitt sind unerlässlich, um eine optimale Belichtung der Fruchtruten zu gewährleisten und das Risiko von Pilzinfektionen durch eine rasche Abtrocknung des Laubwerks zu senken.
Bodenmanagement
Die Kultur stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und bevorzugt gut durchlüftete, humose und mittelschwere Böden mit einem stabilen Gefüge. Da Brombeeren extrem empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagieren, ist eine Tiefenlockerung vor der Pflanzung sowie das Anlegen von Dämmen im Freilandanbau dringend zu empfehlen. Eine kontinuierliche Zufuhr von organischem Material, beispielsweise durch Mulchen mit Stroh oder Kompost, fördert das Bodenleben, stabilisiert den Feuchtigkeitshaushalt und unterdrückt unerwünschte Begleitvegetation. Die Nährstoffversorgung sollte auf Basis regelmäßiger Bodenanalysen erfolgen, wobei insbesondere auf eine harmonische Stickstoff- und Kaliumversorgung geachtet werden muss. Dies steuert das Rutenwachstum optimal und verhindert, dass die Frosthärte der Ruten im Winter gefährdet wird.
Schaderreger-Management
Im integrierten Pflanzenschutz der Kultur steht die vorbeugende Hygiene im Vordergrund, um Infektionen durch pilzliche Schaderreger wie Botrytis cinerea (Grauschimmel) oder die Rutenkrankheit einzudämmen. Ein luftiger Erziehungsaufbau und ein konsequenter Rückschnitt abgetragener Ruten unmittelbar nach der Ernte fördern eine rasche Abtrocknung des Bestandes und entziehen Erregern die Überwinterungsgrundlage. Gegen tierische Schädlinge wie die Brombeermilbe, welche die gefürchtete Rote-Beeren-Krankheit verursacht, müssen Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln exakt zum Austrieb und vor der Blüte terminiert werden. Zudem erfordert das Auftreten invasiver Schaderreger wie der Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) ein engmaschiges Monitoring mittels Fallen sowie den Einsatz feinmaschiger Schutznetze im geschützten Anbau. Der gezielte Einsatz von Nützlingen, insbesondere Raubmilben zur Spinnmilbenregulierung, ist fester Bestandteil moderner Bekämpfungsstrategien im Tunnelanbau.
Sorten
Loch Ness
Mittelfrüh (ab Mitte Juli)Sehr hoch und ertragssicher
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Falscher Mehltau, Rutenkrankheit
Die wichtigste Erwerbsobstsorte in Deutschland mit aufrechtem Wuchs und großen, glänzenden Früchten.
Asterina
Mittelfrüh (ab Ende Juli)Hoch
Resistent gegen: Rutenkrankheit
Anfällig für: Frost
Hervorragendes Aroma, Früchte schmecken bereits im halbreifen Zustand süß. Sehr gut für den Direktabsatz geeignet.
Navaho
Spät (Anfang August bis Oktober)Hoch und langanhaltend
Resistent gegen: Rutenkrankheit
Anfällig für: Brombeermilbe
Sehr straff aufrecht wachsend, dadurch einfacher Erziehungsaufwand. Lange Ernteperiode mit festen Früchten.
Chester Thornless
Sehr spät (ab Mitte August)Sehr hoch
Resistent gegen: Frost, Rutenkrankheit
Anfällig für: Botrytis
Äußerst robuste und frostharte Sorte, die auch in raueren Lagen zuverlässige Erträge liefert.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich die Rote-Beeren-Krankheit (verursacht durch die Brombeermilbe) im Erwerbsanbau effektiv regulieren?
Die Regulierung der Brombeermilbe basiert auf einer präzisen Terminierung von Pflanzenschutzmitteln. Erste Behandlungen mit nützlingsschonenden Präparaten (z. B. Netzschwefel) sollten beim Austrieb (BBCH 10–15) erfolgen, wenn die Milben ihre Winterquartiere verlassen. Eine Folgebehandlung kurz vor der Blüte (BBCH 59) schützt die jungen Fruchtansätze, da spätere Anwendungen aufgrund von Wartezeiten und Rückstandsrisiken oft nicht mehr möglich sind.
Welche Bedeutung hat der Schnitt der zweijährigen Ruten für die Hygiene im Bestand?
Der Schnitt ist die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen Rutenkrankheiten (z. B. Didymella applanata). Unmittelbar nach der Ernte müssen alle abgetragenen, zweijährigen Ruten bodennah abgeschnitten und komplett aus dem Bestand entfernt werden, um das Infektionspotenzial für die neuen einjährigen Schösslinge zu minimieren. Dies verbessert zudem die Belichtung und Durchlüftung im Folgejahr.
Wie unterscheidet sich das Temperaturmanagement im geschützten Tunnelanbau im Vergleich zum Freiland?
Im Folientunnel kann die Akkumulation der Temperatursumme (GDD) im Frühjahr gezielt beschleunigt werden, um den Erntebeginn um bis zu zwei bis drei Wochen vorzuverlegen. Agronomen müssen jedoch an heißen Sommertagen auf eine konsequente Lüftung achten, da Temperaturen über 30 °C zu Sonnenbrand auf den Früchten und zu einer verminderten Pollenfertilität führen können.
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Botrytis cinerea für Brombeeren?
Navigieren Sie im Portal über die Kultur Brombeere zum Bereich „Schaderreger“ und wählen Sie dort Botrytis cinerea aus. Das System listet Ihnen alle aktuell für diese Indikation in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel auf, inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen pro Saison und der einzuhaltenden Wartezeit.
Warum ist die Kaliumversorgung im späten Sommer für die Winterhärte der Kultur so entscheidend?
Eine ausreichende Kaliumverfügbarkeit ab BBCH 75 fördert die Einlagerung von Reservestoffen und beschleunigt die Verholzung der einjährigen Schösslinge. Dies senkt den Gefrierpunkt des Zellsafts und schützt die Ruten vor Frostschäden im Winter, während eine übermäßige, späte Stickstoffdüngung das Gewebe weich hält und die Frostempfindlichkeit drastisch erhöht.