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Orthocid

BVL Zul.-Nr. 005177-60

Orthocid ist ein hochwirksames, protektiv wirkendes Pflanzenschutzmittel in Form eines wasserdispergierbaren Granulats (WG), das auf dem bewährten Wirkstoff Captan (800 g/kg) basiert. Als etablierter Standard im professionellen Obst- und Beerenanbau in Deutschland bietet das Präparat ein breites Wirkungsspektrum gegen wirtschaftlich bedeutende Pilzkrankheiten. Die hochwertige Formulierung zeichnet sich durch eine hervorragende Suspendierbarkeit im Spritztank und eine exzellente Haftfähigkeit auf den behandelten Pflanzenteilen aus.

Das Einsatzgebiet von Orthocid erstreckt sich über sensible Kulturen wie Kernobst, Steinobst sowie verschiedene Beerenobstarten (darunter Erdbeeren und Himbeeren). Es schützt die Kulturen zuverlässig vor Ertragseinbußen und Qualitätsverlusten durch Schorf, Botrytis und verschiedene Ruten- sowie Triebsterben-Erreger. Durch seine rein kontaktwirksame Formulierung bildet das Produkt einen stabilen Schutzfilm, der das Eindringen von Pilzsporen in das Pflanzengewebe effektiv verhindert.

In modernen integrierten Anbausystemen nimmt Orthocid eine Schlüsselrolle ein. Da es frühzeitig in der Saison eingesetzt werden kann, schützt es den empfindlichen Neuzuwachs in den kritischen BBCH-Wachstumsstadien. Seine Zuverlässigkeit und Kulturverträglichkeit machen es zu einem unverzichtbaren Baustein für Erzeuger, die auf qualitativ hochwertige und rückstandsarme Ernten abzielen.

Wirkstoffe

Captan
800 g/kg · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der in Orthocid enthaltene Wirkstoff Captan gehört zur chemischen Gruppe der Phthalimide und wird vom FRAC (Fungicide Resistance Action Committee) in die Gruppe M04 eingestuft. Als sogenannter Multi-Site-Inhibitor greift der Wirkstoff an mehreren Stellen gleichzeitig in den Stoffwechsel der Schadpilze ein. Er blockiert wichtige enzymatische Prozesse, stört die Zellatmung und hemmt die Sporenkeimung sowie das Wachstum des Keimschlauchs auf der Pflanzenoberfläche. Da dieser biochemische Eingriff an verschiedenen biologischen Zielorten (Multi-Site) parallel erfolgt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Schaderreger eine Resistenz gegen Captan entwickeln, als äußerst gering einzustufen. Das Produkt wirkt rein präventiv; es muss daher vor einer Infektion appliziert werden, um seine volle Schutzwirkung auf der Kultur zu entfalten.

Resistenzmanagement

Aufgrund seines Multi-Site-Wirkungsmechanismus (FRAC-Gruppe M04) ist Orthocid ein idealer Partner für das Resistenzmanagement im Obst- und Beerenbau. Es eignet sich hervorragend zur Abwechslung oder als Mischungspartner mit systemischen Fungiziden, die nur an einem einzigen Ort im Pilzorganismus ansetzen (Single-Site-Wirkstoffe wie SDHI oder Triazole). Durch den gezielten Einsatz von Orthocid in Spritzfolgen wird der Selektionsdruck auf diese gefährdeten Wirkstoffklassen effektiv minimiert und deren langfristige Wirksamkeit gesichert.

Mischbarkeit & Tankmischung

Orthocid ist im Allgemeinen gut kompatibel mit den meisten gängigen Fungiziden, Insektiziden und Blattdüngern. Um phytotoxische Reaktionen an den Kulturen zu vermeiden, darf das Produkt jedoch nicht mit stark alkalischen Mitteln oder ölhaltigen Präparaten gemischt werden. Auch die zeitliche Nähe zu einer Ölbehandlung sollte vermieden werden (Sicherheitsabstand von mindestens einer Woche einhalten). Vor der Ansetzung größerer Tankmischungen wird dringend empfohlen, eine physikalische Mischbarkeitsprobe in einem separaten Gefäß durchzuführen und auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge für eine lückenlose Benetzung zu achten.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Bei der Anwendung von Orthocid sind die gesetzlichen Vorgaben zum Anwenderschutz strikt einzuhalten; das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bei der Tankbefüllung und Ausbringung ist obligatorisch. Zum Schutz von Gewässern und aquatischen Organismen müssen die vom BVL vorgegebenen Abdrifteleitlinien und länderspezifischen Mindestabstände zu Oberflächengewässern genau beachtet werden. Das Mittel ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte der direkte Kontakt mit blühenden Unkräutern im Unterwuchs vermieden werden.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
HeidelbeereTriebsterben (Godronia cassandrae)1.5 KILOGRAM_PER_HECTARE
ErdbeereBotrytis cinerea, Colletotrichum60–651.5 KILOGRAM_PER_HECTARE21T
HimbeereRutensterben (Didymella applanata)1.5 KILOGRAM_PER_HECTARE
BirneSchorf (Venturia spp.)0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT21T
SauerkirscheBitterfäule (Glomerella cingulata)71–810.6 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT21T
BrombeereRankenkrankheit (Rhabdospora ruborum)1.5 KILOGRAM_PER_HECTARE
SüßkirscheBitterfäule (Glomerella cingulata)0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT21T
ApfelObstbaumkrebs (Nectria galligena)0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT
ApfelSchorf (Venturia spp.)0.6 KILOGRAM_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT21T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit Orthocid im Kernobst?

Die Anwendung sollte strikt präventiv erfolgen, idealerweise vor angekündigten Infektionsbedingungen (Niederschlägen) ab dem Beginn der Blüte (BBCH 60). Da es sich um ein reines Kontaktfungizid handelt, muss der Spritzbelag auf den Blättern und Früchten angetrocknet sein, bevor die Sporen der Schaderreger auskeimen.

Kann Orthocid auch bei bereits sichtbaren Schorfflecken kurativ eingesetzt werden?

Nein, Orthocid besitzt keine kurativen oder abstoppenden Eigenschaften. Bei bereits sichtbarem Befall müssen systemische Fungizide mit heilender Wirkung eingesetzt werden. Orthocid kann in solchen Fällen jedoch als Mischungspartner dienen, um die Produktion neuer Konidien (Sporen) zu hemmen und Resistenzen vorzubeugen.

Wie verhält sich die Regenfestigkeit von Orthocid nach der Applikation?

Nach dem vollständigen Antrocknen des Spritzbelags verfügt Orthocid über eine gute Haftung und Regenbeständigkeit. Bei extrem starken Niederschlägen (über 20 mm) oder starkem Neuzuwachs der Kultur wird der Schutzbelag jedoch verdünnt bzw. lückenhaft, sodass eine Folgebehandlung eingeplant werden muss.

Warum dürfen keine ölhaltigen Produkte mit Orthocid gemischt werden?

Ölhaltige Formulierungen oder Additive können die natürliche Wachsschicht der Blätter anlösen. Wenn Captan (der Wirkstoff in Orthocid) dadurch tiefer in das Pflanzengewebe eindringt, kann dies zu schweren phytotoxischen Schäden wie Blattverbrennungen und vorzeitigem Blattfall führen. Zwischen Öl- und Orthocid-Anwendungen sollte ein Abstand von mindestens 7 bis 10 Tagen liegen.

Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger im Beerenobst?

Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion auf agronomy.farmable.tech. Filtern Sie nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Himbeere oder Erdbeere) und wählen Sie den Ziel-Schaderreger (z. B. Botrytis cinerea) aus, um eine vollständige Liste aller in Deutschland registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Auflagen und Aufwandmengen anzuzeigen.