Abtötung von Ausläufern
Die „Abtötung von Ausläufern“ (wissenschaftlich als kill of stolons bezeichnet, EPPO-Code: YEXAL) beschreibt ein folgenschweres Schadbild im professionellen Erdbeeranbau (Fragaria x ananassa), das insbesondere für Vermehrungsbetriebe eine erhebliche ökonomische Bedrohung darstellt. Bei diesem Phänomen sterben die für die vegetative Vermehrung essenziellen Ausläufer (Stolonen) vorzeitig ab, was die Produktion von qualitativ hochwertigen Jungpflanzen drastisch reduziert.
Häufig handelt es sich hierbei um einen Komplex aus pilzlichen Schaderregern (wie Colletotrichum spp., Phomopsis oder Rhizoctonia) und physiologischen Stressfaktoren wie Hitze oder anhaltende Staunässe. Wenn die Stolonen absterben, können sich keine lebensfähigen Tochterpflanzen mehr etablieren, was zu empfindlichen Ertragsausfällen in der Jungpflanzenanzucht führt.
Biologie / Lebenszyklus
Der Entwicklungszyklus dieses Schadkomplexes ist eng an die Aktivität der Mutterpflanzen und die Witterung im Sommer gekoppelt. Sobald die Bildung der Ausläufer ab BBCH 40 einsetzt, können latente Pilzinfektionen bei feucht-warmer Witterung reaktiviert werden oder bodenbürtige Erreger über Mikrowunden in das Gewebe eindringen. Die Erreger breiten sich interzellulär im Stolonengewebe aus, verstopfen die Leitungsbahnen und führen zu einer schnellen Nekrose. Überdauerungsorgane der beteiligten Pilze verbleiben im Boden oder auf Pflanzenresten und infizieren in der Folgesaison die neuen Triebe der Kultur.
Bonitur
Das Monitoring sollte intensiv ab dem Beginn der Ausläuferbildung (BBCH 41 bis 49) durchgeführt werden, insbesondere bei feucht-warmen Wetterperioden mit Temperaturen über 20 °C. Du solltest wöchentlich mindestens 50 zufällig ausgewählte Mutterpflanzen und deren Stolonen auf erste braune, leicht eingesunkene Läsionen untersuchen. Eine feste Schadschwelle existiert für diesen Komplex nicht; da in der zertifizierten Jungpflanzenvermehrung eine Nulltoleranz für systemische Krankheiten gilt, muss bereits beim ersten Auftreten von Symptomen eine Behandlung eingeleitet werden.
Symptome
Typisch sind lokal begrenzte, dunkelbraune bis schwarze, leicht eingesunkene Läsionen an den noch grünen Stolonen. Im weiteren Verlauf schnüren diese Flecken den Ausläufer ringförmig ein, wodurch die Nährstoff- und Wasserversorgung unterbrochen wird. Die distal gelegene Tochterpflanze welkt, vertrocknet und stirbt schließlich vollständig ab. Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann sich auf den betroffenen Stellen ein feiner, lachsfarbener bis grauer Pilzrasen bilden.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt primär auf vorbeugende kulturtechnische Maßnahmen wie die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Pflanzgut und eine weite Pflanzung zur besseren Abtrocknung der Kultur. Eine bedarfsgerechte, stickstoffreduzierte Düngung stärkt das Gewebe der Stolonen gegen das Eindringen von Schaderregern. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt und präventiv ab Beginn der Stolonenausbildung eingesetzt werden, wobei ein konsequenter Wirkstoffwechsel nach den FRAC-Richtlinien zur Vermeidung von Resistenzen zwingend erforderlich ist.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie kann ich im Farmable-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schadkomplex suchen?
Navigiere im Hub zum Bereich Pflanzenschutz und filtere nach der Kultur Erdbeere sowie dem spezifischen Schaderreger oder der Indikation „Pilzliche Blatt- und Stängelkrankheiten“. Achte darauf, nur Pflanzenschutzmittel auszuwählen, die eine explizite Zulassung für die Anwendung in der Jungpflanzenvermehrung besitzen.
Welche Rolle spielt die Tröpfchenbewässerung bei der Vermeidung der Abtötung von Ausläufern?
Eine Tröpfchenbewässerung ist der Überkopfberegnung dringend vorzuziehen. Da viele der beteiligten Pilzerreger durch Wasserspritzer (Splash-Effekt) von Kultur zu Kultur verbreitet werden, minimiert die gezielte Bodenbewässerung die Blattnässezeit und senkt das Infektionsrisiko drastisch.
Kann ich infizierte Ausläufer einfach abschneiden, um die Mutterpflanze zu retten?
Ja, das frühzeitige Entfernen und Entsorgen infizierter Stolonen außerhalb der Kultur ist eine wirksame mechanische Maßnahme. Du solltest dabei jedoch unbedingt deine Werkzeuge nach jedem Schnitt desinfizieren, um den Schaderreger nicht mechanisch weiterzuverbreiten.
Welchen Einfluss hat die Bodenart auf das Risiko dieses Schadbildes?
Schwere, zur Verdichtung neigende Böden fördern Staunässe, was die Wurzeln schwächt und die Anfälligkeit der Kultur für bodenbürtige Erreger erhöht. Auf leichten, gut durchlüfteten Böden oder in Dammkultur ist das Risiko deutlich geringer, da überschüssiges Wasser schneller abfließen kann.
Gibt es resistente Erdbeersorten gegen die Abtötung von Ausläufern?
Eine vollständige Resistenz ist derzeit bei keiner kommerziellen Sorte bekannt, da es sich um einen komplexen Schaderreger-Mix handelt. Allerdings zeigen Sorten mit einer geringeren Anfälligkeit für Anthraknose meist auch eine deutlich höhere Toleranz gegenüber dem Absterben der Stolonen.
Wann ist der späteste Zeitpunkt für eine chemische Behandlung im Vermehrungsbestand?
Die Behandlung muss streng unter Beachtung der jeweiligen Wartezeit und der zugelassenen BBCH-Stadien erfolgen. In der Regel enden die zugelassenen Anwendungen mit dem Ende der Stolonenausbildung (BBCH 49) bzw. vor dem Ausheben der Jungpflanzen, um Wirkstoffrückstände auf dem Pflanzgut zu minimieren.