Abtötung von Ausläufern
Die „Abtötung von Ausläufern“ (EPPO-Code: YEXAL) ist ein folgenschwerer Schaderreger-Komplex im professionellen Erdbeeranbau (Fragaria x ananassa), der primär durch pilzliche Erreger wie Gnomoniopsis comari oder Colletotrichum-Arten verursacht wird. Diese Beeinträchtigung führt zu einer schnellen Nekrose und dem anschließenden Absterben der Stolonen, was die vegetative Vermehrung der Kultur massiv stört.
Ökonomisch ist dieser Schaderreger von herausragender Bedeutung für Vermehrungsbetriebe und Baumschulen, da er die Ausbeute an lebensfähigen Frigo- und Topfpflanzen drastisch reduziert. Befallene Bestände zeigen oft einen Totalausfall der betroffenen Ausläuferstränge, was zu erheblichen finanziellen Verlusten führt. Der Komplex tritt in ganz Europa auf, insbesondere in feuchtwarmen Sommern und in intensiv geführten Freiland- und Substratstrukturen.
Biologie / Lebenszyklus
Der assoziierte Schaderreger überwintert als Myzel oder in Form von Fruchtkörpern auf infizierten Pflanzenresten und im Falllaub der Kultur. Im Frühjahr werden bei steigenden Temperaturen und feuchter Witterung Sporen freigesetzt, die durch Regenspritzer oder Wind auf die frisch austreibenden Stolonen gelangen. Die Erstinfektion erfolgt meist an mechanischen Wunden oder den Blattachseln der Jungpflanzen. Nach der Etablierung des Myzels im Leitgewebe kommt es zur Abschnürung des Saftstroms, woraufhin der Pilz rasch neue Konidien für sekundäre Infektionszyklen im Sommer bildet.
Bonitur
Das Monitoring startet im Frühsommer ab dem BBCH-Stadium 41 (Entstehung der Ausläufer) und läuft kontinuierlich bis BBCH 49. Die Bestände sollten wöchentlich, insbesondere nach warmen Regenperioden bei Temperaturen über 18 °C, visuell kontrolliert werden. Da in Vermehrungsbeständen eine sehr geringe Toleranz herrscht, gilt das erste Auftreten von nekrotischen Flecken an den Stolonen als kritische Schadschwelle, die sofortige Pflanzenschutzmaßnahmen auslöst.
Symptome
Das Hauptsymptom sind kleine, eingesunkene, rotbraune bis schwarze Läsionen an den noch grünen Ausläufern. Diese Flecken breiten sich ringförmig aus und schnüren den Stolon komplett ein. In der Folge verwelkt der distal gelegene Teil des Ausläufers, wird braun und stirbt ab, noch bevor die Jungpflanze eigene Wurzeln bilden kann. Bei feuchtem Wetter ist auf den Nekrosen oft ein lachsfarbener bis grauer Sporenschleim sichtbar.
Integriertes Management
Die Bekämpfung erfordert eine integrierte Strategie. Kulturtechnisch stehen der Einsatz von gesundem Pflanzgut, weite Pflanzabstände zur schnellen Abtrocknung und eine tropf- statt überkopfbasierte Bewässerung im Vordergrund. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten vorbeugend ab Beginn der Stolonbildung appliziert werden. Hierbei ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel zwischen den FRAC-Gruppen 3 (DMI), 7 (SDHI) und 11 (QoI) zwingend erforderlich, um das Risiko von Resistenzbildungen zu minimieren. Jede Behandlung muss exakt auf die zugelassene Aufwandmenge und die einzuhaltende Wartezeit abgestimmt sein.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Abtötung von Ausläufern von mechanischen Schäden im Feld?
Mechanische Schäden zeigen meist scharf abgegrenzte Knickstellen ohne vorherige Verfärbung. Die durch den Schaderreger verursachte Abtötung beginnt hingegen mit diffusen, eingesunkenen, dunkelbraunen Läsionen, die sich langsam gürtelförmig ausbreiten und bei hoher Feuchtigkeit einen feinen Sporenbelag aufweisen.
Welchen Einfluss hat die Stickstoffdüngung auf die Anfälligkeit der Stolonen?
Eine überbedarfsgerechte Stickstoffdüngung führt zu sehr weichem, mastigem Gewebe der Ausläufer. Dies erleichtert es dem Schaderreger, die Epidermis zu penetrieren, und beschleunigt den Infektionsverlauf in der Kultur erheblich.
Kann der Schaderreger über das Pflanzgut in das Folgejahr verschleppt werden?
Ja, latente Infektionen in den Jungpflanzen sind ein Hauptübertragungsweg. Daher ist der Bezug von zertifiziertem, pathogenfreiem Elite-Pflanzgut die wichtigste vorbeugende Maßnahme zur Gesunderhaltung der Folgekulturen.
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserer Datenbank, filtern Sie nach der Kultur „Erdbeere“, wählen Sie das passende BBCH-Stadium und filtern Sie gezielt nach dem EPPO-Code YEXAL, um alle für diese Anwendung zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge und Wartezeit anzuzeigen.
Welche physikalischen Maßnahmen mindern das Infektionsrisiko im geschützten Anbau?
Im geschützten Anbau unter Folientunneln oder Glas sollte die relative Luftfeuchtigkeit durch konsequentes Lüften unter 70 % gehalten werden. Da der Schaderreger für die Keimung der Sporen auf freies Wasser angewiesen ist, unterbricht das schnelle Abtrocknen der Kulturen den Infektionszyklus effektiv.