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Sonstiger Schaderreger

Abtötung von Wurzelschossern

kill of root suckers
YEXWS

Die Abtötung von Wurzelschossern (wissenschaftlich als „kill of root suckers“ bezeichnet, EPPO-Code: YEXWS) beschreibt die gezielte Beseitigung unerwünschter, bodennaher Triebe, die aus der Unterlage oder dem Wurzelhals von Gehölzkulturen austreiben. Dieses Phänomen tritt weltweit in intensiv bewirtschafteten Dauerkulturen auf, insbesondere im Weinbau (Vitis vinifera) sowie im Kern- und Steinobstbau. Wurzelschosser konkurrieren direkt mit der Hauptkultur um Wasser, Nährstoffe und Licht, was die Vitalität und den Ertrag der Kultur erheblich beeinträchtigen kann.

Darüber hinaus erschweren diese Triebe die mechanische Bodenpflege im Unterstockbereich und begünstigen ein feuchtes Mikroklima in der bodennahen Zone. Dies erhöht das Risiko für Pilzinfektionen und bietet Schaderregern sowie Schadinsekten ideale Rückzugsorte. Aus ökonomischer Sicht ist die rechtzeitige und effiziente Regulierung dieser Schosser daher eine Standardmaßnahme zur Erhaltung der Ertragsfähigkeit und zur Erleichterung der Erntearbeiten.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
YEXWS
Wirte
1 Kultur
Verbreitung
Wurzelschosser treten weltweit in allen Anbauregionen von Wein sowie Kern- und Steinobst auf. Ohne konsequente Regulierung führen sie zu erheblichen Ertragseinbußen durch Ressourcenkonkurrenz und erhöhen die Bewirtschaftungskosten durch erschwerte mechanische Arbeiten drastisch.

Biologie / Lebenszyklus

Die Entstehung von Wurzelschossern beginnt im Frühjahr mit dem Einsetzen des Saftstroms und dem Austrieb der Knospen an der Unterlage oder dem Stammfuß, meist ab dem BBCH-Stadium 09 bis 15 der Hauptkultur. Begünstigt durch intensiven Rückschnitt der Hauptkrone oder Verletzungen im Stockbereich treiben schlafende Knospen stark aus und bilden rasch krautige, später verholzende Triebe. Ohne regulierende Eingriffe wachsen diese Schosser über den Sommer hinweg kontinuierlich weiter und verholzen bis zum Herbst vollständig. Im folgenden Frühjahr treiben sie erneut aus und verstärken die Verbuschung im bodennahen Bereich, was die mechanische Bewirtschaftung dauerhaft erschwert.

Bonitur

Das Monitoring erfolgt durch regelmäßige visuelle Kontrollen der Stammbasis und des Unterstockbereichs ab dem Austrieb im Frühjahr (BBCH 11 bis 19). Eine gezielte Bonitur ist besonders wichtig, sobald die Schosser eine Länge von 10–15 cm erreicht haben, da sie in diesem Stadium noch weich und nicht verholzt sind, was eine chemische oder mechanische Regulierung maximal effektiv macht. Ein kritischer Schwellenwert für eine Behandlung ist überschritten, wenn im Mittel mehr als zwei bis drei vitale Schosser pro Stock bzw. Baum auftreten oder die Triebe die Arbeitshöhe von Unterstockgeräten beeinträchtigen.

Symptome

Das Auftreten von Wurzelschossern äußert sich durch den Austrieb kräftiger, meist vertikal wachsender Triebe direkt aus der Unterlage, dem Wurzelhals oder dem bodennahen Stammbereich der Kultur. Diese Triebe weisen oft eine abweichende Blattmorphologie, stärkere Bedornung oder andere Färbung als die Edelsorte auf, da sie genetisch der Unterlage entsprechen. Im fortgeschrittenen Stadium führen sie zu einer dichten Verbuschung des Unterstockbereichs, einer Schwächung der Hauptkrone und einer erhöhten Feuchtigkeit in der Stockzone.

Integriertes Management

Ein integriertes Management kombiniert mechanische, thermische und chemische Maßnahmen. Mechanisch können die Schosser im frühen Stadium von Hand ausgebrochen oder mit speziellen Bürstengeräten (Stockputzern) entfernt werden. Chemisch erfolgt die Regulierung durch den gezielten Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel (Kontaktherbizide oder Wuchsstoffe) im Unterstockbereich, wobei eine Abdrift auf die grünen Teile der Hauptkultur strikt zu vermeiden ist. Zur Vermeidung von Wirkstoffresistenzen und zur Schonung der Kultur ist ein Wirkstoffwechsel gemäß den HRAC-Richtlinien (Herbicide Resistance Action Committee) zu beachten. Zudem mindert eine ausgewogene Stickstoffdüngung und ein fachgerechter Schnitt der Hauptkrone den physiologischen Druck zur Bildung neuer Schosser.

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Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine chemische Behandlung zur Abtötung von Wurzelschossern?

Der optimale Zeitpunkt liegt im Frühjahr, wenn die Schosser noch jung, krautig und ca. 10–20 cm lang sind (meist zwischen BBCH 15 und 55 der Hauptkultur). In diesem Stadium ist die Cuticula noch dünn, wodurch die Pflanzenschutzmittel optimal aufgenommen werden und eine geringere Aufwandmenge ausreicht.

Welche Rolle spielt die Düngung bei der Entstehung von Wurzelschossern?

Eine übermäßige oder zu späte Stickstoffdüngung fördert das vegetative Wachstum und regt schlafende Knospen an der Stammbasis verstärkt zum Austrieb an. Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Nährstoffversorgung hilft, das Triebwachstum auf die Ertragszone der Kultur zu konzentrieren.

Wie lässt sich eine Schädigung der Hauptkultur bei der chemischen Applikation verhindern?

Um Schäden an der Kultur zu vermeiden, müssen Düsen mit exakter Abdriftminderung (z. B. Injektordüsen) und spezielle Abschirmungen (Spritzschirme) verwendet werden. Zudem darf die Applikation nur bei Windstille und niedrigen Temperaturen erfolgen, um eine Thermikdrift in die Laubwand zu verhindern.

Warum ist die mechanische Entfernung allein oft nicht ausreichend?

Mechanische Methoden wie das Bürsten verletzen oft die Rinde des Stammes, was den Austrieb neuer schlafender Knospen im Folgejahr sogar stimulieren kann. Zudem werden tief sitzende Knospen oft nicht vollständig zerstört, weshalb eine Kombination mit thermischen oder chemischen Verfahren oft nachhaltiger ist.

Wie finde ich im Portal registrierte Pflanzenschutzmittel für diese Anwendung?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kultur (z. B. Weinrebe oder Kernobst) und dem Anwendungszweck „Abtötung von Wurzelschossern“. Achten Sie dabei stets auf die aktuellen Zulassungsbestimmungen, die maximalen Anwendungen pro Saison und die vorgeschriebene Wartezeit.

Gibt es Unterschiede bei der Empfindlichkeit verschiedener Unterlagen?

Ja, die Neigung zur Bildung von Wurzelschossern ist stark genetisch bedingt. Bestimmte Unterlagen im Obst- und Weinbau neigen physiologisch stärker zu Stockausschlägen als andere, was bereits bei der Sorten- und Unterlagenwahl bei der Neuanlage berücksichtigt werden sollte.