Abtötung von Wurzelschossern
Die Abtötung von Wurzelschossern (wissenschaftlich gelistet unter "kill of root suckers", EPPO-Code: YEXWS) beschreibt eine essenzielle kulturtechnische Maßnahme im professionellen Wein- und Obstbau. Ungewollte Stock- und Wurzelschosser entziehen der Hauptkultur wertvolle Nährstoffe sowie Wasser und beeinträchtigen die Durchlüftung der Anlage. Dies schafft ein feuchtes Mikroklima, welches die Ansiedlung von Pilzkrankheiten begünstigt.
Im modernen Anbau von Weinreben (Vitis vinifera), Kernobst und Steinobst ist die gezielte Beseitigung dieser Triebe von hoher wirtschaftlicher Relevanz. Werden die Schosser nicht rechtzeitig entfernt, erschweren sie zudem die mechanische Unterstockpflege und die Erntearbeiten. Die chemische oder thermische Regulierung hat sich als zeit- und kosteneffiziente Alternative zum händischen Ausbrechen etabliert.
Biologie / Lebenszyklus
Die Entstehung von Wurzelschossern beginnt im Frühjahr mit dem Austrieb schlafender Knospen am Stamm oder aus dem Wurzelsystem, meist zeitgleich mit dem allgemeinen Knospenaufbruch der Kultur (ab BBCH 09). Begünstigt durch starken Saftdruck, intensiven Rückschnitt oder Frostschäden wachsen diese Triebe im Laufe des Frühsommers rasant heran. Ohne korrigierende Eingriffe verholzen sie bis zum Spätsommer vollständig und etablieren dauerhafte Leitungsbahnen, die die Vitalität der Hauptkrone schwächen. Im Herbst lagern sie Reservestoffe ein, was im Folgejahr zu einem noch stärkeren Wiederaustrieb führt.
Bonitur
Die regelmäßige Bonitur der Stammbasis beginnt ab dem Austrieb im Frühjahr (BBCH 11 bis 19). Ein optimaler Behandlungszeitpunkt liegt vor, wenn die Schosser noch krautig, unverholzt und etwa 10–15 cm lang sind (meist um BBCH 53 bis 61 der Hauptkultur). Zu diesem Zeitpunkt ist die Leitungsbahnverbindung noch schwach, und die Triebe reagieren hochsensibel auf Kontaktherbizide oder thermische Verfahren. Warte nicht, bis die Triebe verholzen, da sich dann die Wirksamkeit drastisch verringert und das Risiko von Rindenschäden an der Hauptkultur steigt.
Symptome
Das Auftreten von Wurzelschossern äußert sich durch stark wüchsige, meist vertikal ausgerichtete Triebe, die direkt aus der Veredelungsstelle, dem Unterstock oder dem Bodenbereich austreten. Sie weisen oft größere Blätter und längere Internodien auf als die Triebe in der Ertragszone. Nach einer erfolgreichen chemischen Behandlung zeigen sich innerhalb weniger Tage typische Symptome wie Chlorosen, Nekrosen, Welke und das anschließende vollständige Absterben des behandelten Gewebes, während der Hauptstamm unbeschädigt bleibt.
Integriertes Management
Die integrierte Regulierung kombiniert mechanische, thermische und chemische Verfahren. Mechanisch können Bürstengeräte im frühen Stadium eingesetzt werden, was jedoch ein Risiko für Rindenschäden birgt. Chemisch kommen im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes selektive Kontaktherbizide (z. B. aus der HRAC-Gruppe 14 / PPO-Inhibitoren) zum Einsatz. Wichtig ist die Verwendung von Spezialdüsen (z. B. Abdriftschutzdüsen) und Abschirmungen, um einen Kontakt des Pflanzenschutzmittels mit grünen Teilen der Hauptkultur zu verhindern. Ein Wirkstoffwechsel ist zur Vermeidung von Selektionseffekten im Unterstockbereich ratsam.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie vermeidest du Schäden an der Hauptkultur bei der chemischen Schosserbekämpfung?
Verwende ausschließlich gut abgeschirmte Bandspritzgeräte und spezielle Antidrift- oder Injektordüsen bei geringem Arbeitsdruck (unter 2 bar). Achte penibel darauf, dass die Rinde der Hauptkultur im Applikationsbereich bereits vollständig verholzt ist und keine frischen mechanischen Wunden aufweist, um ein Eindringen des Kontaktherbizids in den Saftstrom zu verhindern.
Welchen Einfluss hat die Witterung auf den Erfolg der Abtötung?
Für eine optimale Wirkung von Kontaktherbiziden solltest du an warmen, sonnigen Tagen bei hoher Luftfeuchtigkeit applizieren. Das beschleunigt den Wirkstofftransport und die Zellzerstörung im Gewebe der Schosser. Vermeide Windgeschwindigkeiten über 3 m/s, um jegliche Abdrift in die grüne Laubwand der Kultur absolut auszuschließen.
Kannst du die Schosserbekämpfung mit der Unterstock-Unkrautbekämpfung kombinieren?
Ja, das ist in vielen Fällen möglich und spart wertvolle Überfahrten. Viele der zugelassenen Pflanzenschutzmittel zur Schosserabtötung besitzen gleichzeitig eine hervorragende Wirkung gegen ein- und zweikeimblättrige Unkräuter im Unterstockbereich. Prüfe vorab die Zulassungsbestimmungen und Mischbarkeit der jeweiligen Pflanzenschutzmittel.
Wie findest du im Hub schnell die passenden Pflanzenschutzmittel für diese Anwendung?
Nutze die Filterfunktion in unserem Hub und suche gezielt nach deiner Kultur (z. B. Weinrebe) und dem Verwendungszweck "Abtötung von Wurzelschossern". Dort werden dir alle aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, Wartezeiten und spezifischen Anwendungsbestimmungen übersichtlich angezeigt.
Warum ist das Ausbrechen von Hand trotz moderner Technik manchmal noch sinnvoll?
Das händische Ausbrechen ist besonders bei Junganlagen in den ersten zwei bis drei Standjahren dringend zu empfehlen. Da die Rinde der jungen Kulturen noch dünn, grün und empfindlich ist, besteht bei chemischen oder mechanischen Verfahren ein extrem hohes Risiko für dauerhafte Stammbeschädigungen oder Totalausfälle.