Botrytis
Die Pilzgattung Botrytis (EPPO-Code: 1BOTRG), insbesondere bekannt durch den Erreger des Grauschimmels (Botrytis cinerea), gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im weltweiten Garten- und Weinbau. Dieser nekrotrophe Pilz befällt ein extrem breites Wirtsspektrum, darunter wichtige Kulturen wie Tomaten (Solanum lycopersicum) und Auberginen (Solanum melongena). Die Infektion führt zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten sowohl im Freiland als auch unter Glas.
Der Schaderreger tritt ubiquitär auf und ist besonders in gemäßigten Klimazonen sowie in geschützten Anbausystemen mit hoher Luftfeuchtigkeit gefürchtet. Neben der direkten Schädigung der Kultur im Feld verursacht Botrytis erhebliche Nachernteverluste während der Lagerung und des Transports, da latente Infektionen oft erst nach der Ernte ausbrechen. Die Bekämpfung erfordert aufgrund des hohen Risikos von Ernteausfällen ein konsequentes, integriertes Management.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert als widerstandsfähiges Sklerotium im Boden oder auf infizierten Ernterückständen sowie als Myzel in abgestorbenem Gewebe. Im Frühjahr keimen die Sklerotien aus und bilden Konidiophore, die bei feucht-warmer Witterung (optimal 15–25 °C und freies Wasser) Unmengen an Konidien (Sporen) freisetzen. Diese Sporen werden durch Wind, Regen oder Arbeitsgeräte verbreitet und dringen meist über Wunden, absterbende Pflanzenteile (wie Blütenblätter) oder direkt durch die Kutikula in das Gewebe der Kultur ein. Nach der Etablierung breitet sich das Myzel rasant aus, tötet das Wirtsgewebe ab und bildet innerhalb weniger Tage eine neue Generation von Konidien, was zu fortlaufenden Sekundärinfektionen während der gesamten Vegetationsperiode führt.
Bonitur
Die regelmäßige Befallskontrolle sollte bereits ab dem frühen vegetativen Stadium (BBCH 15–19) beginnen, insbesondere in dichten Beständen und bei feuchter Witterung. Ein kritischer Schwerpunkt liegt auf der Blütephase (BBCH 61–69), da abgeworfene Blütenblätter auf Blättern oder Stängeln als Nährboden für Primärinfektionen dienen. Da es keine starren Schadschwellen gibt, gilt im professionellen Anbau eine Nulltoleranz für sichtbare Stängelinfektionen im geschützten Anbau. Das Monitoring konzentriert sich auf bodennahe Pflanzenteile, Blattachseln und alte Wunden (z. B. nach dem Entblättern oder Geizen bei Tomaten), um frühzeitig mechanische oder chemische Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Symptome
Das charakteristischste Symptom ist ein dichter, mausgrauer bis bräunlicher Sporenträger- und Sporenrasen auf den betroffenen Pflanzenteilen. An Stängeln entstehen hellbraune bis graue, sich ausbreitende Läsionen, die oft zum Absterben der darüber liegenden Pflanzenteile führen (Stängelbrand). Auf den Blättern zeigen sich v-förmige, vom Blattrand ausgehende Nekrosen. Infizierte Blüten verbräunen und faulen vorzeitig. An den Früchten von Tomaten und Auberginen äußert sich der Befall entweder als weiche, wässrige Fäulnis mit grauem Schimmelrasen oder als sogenannte „Geisterflecken“ (kleine, helle Ringe mit dunklem Zentrum), die durch abgebrochene Infektionsversuche auf der Fruchthaut entstehen.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Management basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Kulturtechnisch stehen die Reduzierung der Luftfeuchtigkeit durch gezieltes Lüften im Gewächshaus, weite Pflanzabstände, eine ausgewogene Stickstoffdüngung und die konsequente Hygiene (Entfernen von Infektionsquellen, sauberes Entblättern bei trockener Witterung) im Vordergrund. Biologische Pflanzenschutzmittel auf Basis von *Bacillus subtilis* oder *Trichoderma* spp. können präventiv eingesetzt werden, um Infektionswege zu besetzen. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist ein striktes Resistenzmanagement nach den Richtlinien des FRAC zwingend erforderlich. Da *Botrytis* extrem schnell Resistenzen entwickelt, müssen Wirkstoffe aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (z. B. SDHI, Anilinopyrimidine, Fludioxonil) konsequent abgewechselt und die maximalen Anwendungshäufigkeiten pro Saison strikt eingehalten werden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie beeinflusst das Klimamanagement im Gewächshaus das Infektionsrisiko von Botrytis?
Das Risiko steigt drastisch, wenn die relative Luftfeuchtigkeit über 85 % liegt oder sich Kondenswasser auf den Kulturen bildet. Durch gezieltes Heizen und Lüften am frühen Morgen (Verhindern des Taupunkts) sowie den Einsatz von Umluftventilatoren kann die Blattnässedauer minimiert werden, was dem Schaderreger die Keimungsgrundlage entzieht.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine gezielte Wundbehandlung nach Pflegearbeiten?
Pflegearbeiten wie das Entblättern oder Geizen sollten ausschließlich an sonnigen, trockenen Tagen durchgeführt werden, damit die Wunden schnell abtrocknen. Eine präventive Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel oder biologischen Präparaten sollte unmittelbar nach dem Schnitt erfolgen, bevor die Sporen auf den frischen Wundflächen keimen können.
Wie lässt sich eine Resistenzbildung gegen Botryzide im Betrieb verhindern?
Es darf niemals derselbe Wirkmechanismus (FRAC-Code) blockweise hintereinander angewendet werden. Nutzen Sie stattdessen Tankmischungen oder feste Kombinationen unterschiedlicher Wirkstoffklassen und integrieren Sie biologische Antagonisten in den Spritzplan, um den Selektionsdruck auf chemische Wirkstoffe zu senken.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Botrytis für meine spezifische Kultur?
Nutzen Sie die Filterfunktion in unserer Pflanzenschutzmittel-Datenbank. Wählen Sie dort Ihre Zielkultur (z. B. Tomate oder Aubergine) und filtern Sie nach dem Schaderreger 'Botrytis' oder 'Grauschimmel', um alle aktuell in Ihrem Land zugelassenen Produkte inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten anzuzeigen.
Warum faulen Früchte im Lager, obwohl sie bei der Ernte völlig gesund aussahen?
Dies liegt an latenten Infektionen, die bereits während der Blüte oder des Fruchtansatzes stattgefunden haben. Der Pilz verbleibt in einer Ruhephase im Gewebe und bricht erst bei der Fruchtreife oder unter feuchten Lagerbedingungen aus, wenn die natürlichen Abwehrkräfte der Frucht nachlassen.