Alle Schaderreger
Pilz

Botrytis

Botrytis
1BOTRG

Die Gattung Botrytis (EPPO-Code: 1BOTRG), insbesondere der Erreger der Grauschimmelfäule, gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten pilzlichen Schaderregern im weltweiten Garten- und Weinbau. Dieser nekrotrophe Pilz befällt ein extrem breites Wirtsspektrum, darunter wichtige Kulturen wie Tomaten (Solanum lycopersicum) und Auberginen (Solanum melongena). Er kann alle oberirdischen Pflanzenteile infizieren und führt sowohl im Freiland als auch unter Glas zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten.

Die ökonomische Relevanz von Botrytis ist enorm, da der Schaderreger nicht nur während der Vegetationsperiode die Kulturen schädigt, sondern auch als klassischer Schwäche- und Wundparasit erhebliche Post-Harvest-Verluste bei Lagerung und Transport verursacht. Besonders unter feucht-warmen Bedingungen im Gewächshaus kann sich die Infektion rasant ausbreiten und innerhalb kürzester Zeit ganze Bestände vernichten, was eine konsequente und vorausschauende Behandlungsstrategie unerlässlich macht.

Typ
Pilz
EPPO-Code
1BOTRG
Wirte
2 Kulturen
Generationen
Polyzyklisch (mehrere Generationen pro Saison)
Verbreitung
Botrytis ist weltweit in allen gemäßigten und subtropischen Klimazonen verbreitet und zählt global zu den verlustreichsten Pilzkrankheiten im intensiven Gemüse-, Obst- und Weinbau.
Erstbeschreibung
Micheli, 1729

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überdauert ungünstige Witterungsperioden als widerstandsfähiges Myzel oder in Form von Sklerotien auf Pflanzenresten oder im Boden. Im Frühjahr oder bei steigenden Temperaturen keimen diese Dauerformen aus und bilden Konidienträger, die Unmengen an Sporen freisetzen. Diese Sporen werden durch Wind, Regenspritzer oder Arbeitsgeräte im Bestand verbreitet und infizieren bei ausreichender Feuchtigkeit das Pflanzengewebe, bevorzugt über Wunden oder absterbende Pflanzenteile wie Blütenblätter. Nach der Etablierung im Gewebe breitet sich das Myzel nekrotisch aus, bildet rasch einen grauen Sporenrasen und leitet so mehrere aufeinanderfolgende Infektionszyklen innerhalb einer einzigen Anbausaison ein.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte bereits ab dem frühen vegetativen Stadium (ab BBCH-Stadium 15) beginnen, wobei der Fokus auf bodennahen Blättern und mechanischen Verletzungen liegt. Besonders kritisch ist die Phase der Blüte (BBCH-Stadium 61 bis 69), da abgeworfene Blütenblätter, die auf Blättern oder Stängeln haften bleiben, als ideale Eintrittspforten dienen. Eine gezielte Bonitur auf erste graue Schimmelbeläge oder wässrige Flecken sollte wöchentlich durchgeführt werden, insbesondere nach anhaltenden Niederschlägen oder bei hoher Luftfeuchtigkeit im geschützten Anbau. Schadschwellen sind aufgrund des epidemiologischen Potenzials des Erregers meist visuell definiert: Sobald erste Symptome an Stängeln oder Fruchtansätzen sichtbar werden, ist eine sofortige Intervention erforderlich.

Symptome

Typisch für einen Befall ist der namensgebende, dichte, mausgraue bis bräunliche Sporenrasen, der sich auf den infizierten Pflanzenteilen bildet. An Stängeln entstehen oft hellbraune bis graue, sich ausbreitende Läsionen (Stängelbrand), die zum Absterben der darüber liegenden Pflanzenteile führen können. Auf den Früchten von Tomaten und Auberginen zeigt sich der Schaderreger entweder als weiche, wässrige Fäulnis mit grauem Belag oder in Form von sogenannten „Geisterflecken“ – kleinen, kreisrunden, hellen Ringen mit einem dunklen Punkt in der Mitte, die durch abgebrochene Infektionsversuche auf der Fruchthaut entstehen.

Integriertes Management

Die Bekämpfung von Botrytis erfordert ein integriertes Konzept, das stark auf kulturtechnischen Maßnahmen aufbaut. Dazu gehören eine weite Standweite zur Förderung einer raschen Abtrocknung des Bestandes, eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung zur Vermeidung von weichem Gewebe sowie die konsequente Hygiene durch das Entfernen von Infektionsquellen bei trockener Witterung. Biologische Pflanzenschutzmittel auf Basis von nützlichen Mikroorganismen (wie Bacillus subtilis oder Trichoderma-Arten) können präventiv eingesetzt werden, um Eintrittspforten zu besiedeln. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist ein striktes Resistenzmanagement nach den Richtlinien des FRAC zwingend erforderlich; Wirkstoffe aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen müssen konsequent abgewechselt werden, um die Entstehung von Resistenzen zu verhindern.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie finde ich im Agronomy-Hub schnell die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Botrytis für meine spezifische Kultur?

Nutze die Filterfunktion in unserem Hub und wähle deine genaue Kultur sowie den Schaderreger "Botrytis" aus. Achte darauf, die Zulassungssituation für dein jeweiliges Land zu prüfen, da die registrierten Anwendungen und die Wartezeit je nach Region stark variieren können.

Warum ist die Blütenbehandlung bei Tomaten und Auberginen so entscheidend für die spätere Fruchtgesundheit?

Die Blütenorgane, insbesondere absterbende Blütenblätter, sind extrem anfällig für Infektionen, da sie dem Pilz leicht verwertbare Nährstoffe bieten. Wenn du in dieser Phase (BBCH-Stadium 61–65) eine präventive Behandlung durchführst, verhinderst du, dass der Pilz über die Blüte in den Fruchtknoten einwandert und dort eine latente Infektion etabliert, die erst kurz vor der Ernte ausbricht.

Wie kann ich das Risiko einer Resistenzbildung gegen Botryzide im Betrieb minimieren?

Halte dich strikt an die FRAC-Vorgaben, indem du Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (FRAC-Codes) im Spritzprogramm konsequent abwechselst. Begrenze zudem die Anzahl der Anwendungen pro Saison für eine bestimmte Wirkstoffgruppe und kombiniere chemische Behandlungen stets mit kulturtechnischen Maßnahmen wie optimaler Belüftung.

Welchen Einfluss hat die relative Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus auf das Infektionsgeschehen?

Eine relative Luftfeuchtigkeit von über 85 % sowie freies Wasser auf den Blättern für mindestens 2 bis 4 Stunden sind die Haupttreiber für eine Infektion. Durch gezieltes Heizen und Lüften am Morgen kannst du den Taupunkt verschieben und dafür sorgen, dass die Kulturen schnell abtrocknen, was dem Schaderreger die Lebensgrundlage entzieht.

Kann ich infizierte Pflanzenreste einfach auf dem Feld kompostieren?

Davon ist dringend abzuraten. Da der Pilz extrem widerstandsfähige Sklerotien bildet, die im Boden oder auf Pflanzenresten jahrelang überleben können, solltest du infiziertes Material konsequent aus dem Bestand entfernen und tief vergraben oder thermisch entsorgen, um das Inokulum für die Folgejahre zu reduzieren.