Aubergine
Die Aubergine (Solanum melongena), im deutschsprachigen Raum auch als Eierfrucht oder Melanzani bekannt und unter dem EPPO-Code SOLME geführt, ist eine wärmeliebende Kultur aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). In Mitteleuropa wird sie aufgrund ihrer hohen Temperaturansprüche vorzugsweise im geschützten Anbau unter Glas oder Folie kultiviert, gewinnt jedoch im Zuge des Klimawandels und durch den Einsatz veredelter Jungpflanzen auch im Freiland zunehmend an Bedeutung. Die Kultur stellt hohe Anforderungen an die Nährstoff- und Wasserversorgung und benötigt eine lange, warme Vegetationsperiode bis zur Erntereife.
Für einen erfolgreichen Anbau ist die Steuerung des Mikroklimas entscheidend, da Temperaturen unter 12 °C das Wachstum stagnieren lassen und Frost zum Totalausfall führt. Agronomisch anspruchsvoll ist zudem die Blüten- und Fruchtbildung, die stark von der Lichtintensität und einer ausgewogenen Nährstoffzufuhr beeinflusst wird. Durch den Einsatz von veredelten Pflanzen auf robusten Unterlagen lassen sich die Ertragssicherheit sowie die Toleranz gegenüber bodenbürtigen Schaderregern im professionellen Anbau signifikant steigern.
Bodenmanagement
Die Aubergine bevorzugt tiefgründige, humusreiche und gut durchlüftete Böden mit einer raschen Erwärmbarkeit im Frühjahr. Da die Kultur sehr empfindlich auf Staunässe reagiert, ist eine hervorragende Bodenstruktur zwingend erforderlich, weshalb schwere Tonböden ohne vorherige Humuszufuhr ungeeignet sind. Eine intensive organische Grunddüngung mit gut verrottetem Stallmist oder Kompost im Herbst fördert das Bodenleben und sichert die hohe Nährstoffnachlieferung. Während der Kulturzeit ist eine gleichmäßige Wasserversorgung über eine Tröpfchenbewässerung ideal, um Trockenstress und damit verbundene physiologische Störungen zu verhindern. Eine Mulchfolie im Freilandanbau unterstützt nicht nur die Bodenerwärmung, sondern unterdrückt auch wirksam Unkräuter und mindert die Verdunstung.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz der Aubergine stehen bodenbürtige Pilze wie Verticillium und Fusarium oxysporum sowie Schädlinge wie die Weiße Fliege (Bemisia tabaci) und Spinnmilben im Vordergrund. Vorbeugend ist eine weite Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen Solanaceen einzuhalten, um das Risiko für Rhizoctonia solani und Sclerotinia sclerotiorum zu minimieren. Der Einsatz von Nützlingen ist im geschützten Anbau als biologische Maßnahme fest etabliert und mindert den Bedarf an chemischen Pflanzenschutzmitteln erheblich. Bei feuchter Witterung muss besonders auf Botrytis cinerea und Phytophthora-Arten geachtet werden, wobei eine gezielte Laubarbeit zur besseren Durchlüftung des Bestandes beiträgt. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten stets nützlingsschonend und unter strikter Beachtung der Wartezeiten sowie der BBCH-Stadien appliziert werden.
Sorten
Galine
FrühSehr ertragreich mit gleichmäßigem Fruchtansatz im Freiland und Gewächshaus.
Resistent gegen: Tabakmosaikvirus
Anfällig für: Spinnmilben, Echter Mehltau
Klassische, dunkelviolette, rund-ovale Frucht mit glänzender Schale und kräftigem Wuchs. Sehr bewährt im mitteleuropäischen Raum.
Madonna
MittelfrühHoher und lang anhaltender Ertrag im geschützten Anbau.
Anfällig für: Verticillium-Welke, Grauschimmel
Keulenförmige, tiefschwarze Früchte mit exzellenter Haltbarkeit nach der Ernte. Starker Wuchs, benötigt stabile Aufleitung.
Classic
MittelfrühZuverlässig hohe Erträge auch unter wechselhaften Witterungsbedingungen im Freiland.
Anfällig für: Kälteschock, Spinnmilben
Sehr robuste Sorte mit aufrechtem Wuchs, die sich gut für den Erwerbsanbau eignet. Zeigt eine gute Toleranz gegenüber kühleren Nächten.
Baluro
Früh bis mittelfrühSehr hohes Ertragspotenzial im Profi-Gewächshausanbau bei optimaler Nährstoffversorgung.
Resistent gegen: Tomatenmosaikvirus
Anfällig für: Weiße Fliege, Sclerotinia-Stängelfäule
Glänzende, tiefviolette Früchte mit grünem Kelch. Sehr wüchsige und ausgeglichene Kultur, ideal für die professionelle Gewächshausproduktion.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Welche Rolle spielt die Veredelung von Auberginen im professionellen Anbau?
Die Veredelung auf resistente Tomaten- oder Wildtomaten-Unterlagen schützt die Kultur effektiv vor bodenbürtigen Schaderregern wie der Verticillium-Welke, Fusarium und Nematoden. Zudem sorgt das kräftige Wurzelsystem der Unterlage für eine verbesserte Nährstoff- und Wasseraufnahme, was zu einer höheren Kältetoleranz im Frühjahr und signifikant gesteigerten Gesamterträgen führt.
Wie lässt sich die Blütenendfäule bei Auberginen im geschützten Anbau verhindern?
Blütenendfäule ist ein physiologischer Calciummangel, der meist durch unregelmäßige Wasserversorgung oder zu hohe Luftfeuchtigkeit und die damit gehemmte Transpiration verursacht wird. Eine kontinuierliche Tröpfchenbewässerung, die Vermeidung von Salzstress im Substrat sowie eine gezielte Blattdüngung mit Calcium in den BBCH-Stadien 71 bis 75 beugen diesem Schadbild wirksam vor.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Nützlingen gegen Spinnmilben und Weiße Fliegen?
Der Einsatz von Nützlingen wie Raubmilben (Phytoseiulus persimilis) oder Schlupfwespen (Encarsia formosa) sollte präventiv oder bei den allerersten Befallssymptomen ab dem BBCH-Stadium 21 erfolgen. Da Auberginen hochgradig attraktiv für diese Schädlinge sind, ist ein engmaschiges Monitoring mittels Gelb- und Blautafeln direkt nach dem Auspflanzen unerlässlich.
Wie beeinflusst das Entspitzen der Triebe den Ertrag und die Fruchtqualität?
Im professionellen Anbau werden Auberginen meist zwei- bis dreitriebig an Schnüren aufgeleitet. Das regelmäßige Ausgeizen der Seitentriebe und das Entspitzen des Haupttriebes ab Ende August (im Freiland) lenken die Assimilate gezielt in die bereits bestehenden Früchte, beschleunigen deren Ausreife und verhindern das Entstehen minderwertiger Nachzügler-Früchte vor dem ersten Frost.
Welche gesetzlichen Wartezeiten müssen bei chemischen Pflanzenschutzmitteln beachtet werden?
Da Auberginen folgernd geerntet werden (mehrmals wöchentlich reife Früchte), müssen Pflanzenschutzmittel mit sehr kurzen Wartezeiten von idealerweise 1 bis 3 Tagen gewählt werden. Präparate mit längeren Wartezeiten dürfen nur in frühen BBCH-Stadien vor der Fruchtentwicklung (bis BBCH 51) appliziert werden, um Rückstände im Erntegut sicher auszuschließen.
Wie unterscheidet man Kälteschäden von pathogenen Blattfleckenkrankheiten?
Kälteschäden äußern sich meist durch flächige, silbrig-weiße oder nekrotische Verfärbungen der Blätter kurz nach dem Auspflanzen bei Temperaturen unter 8 °C. Pathogene Schaderreger wie Alternaria oder Phytophthora zeigen hingegen konzentrische Ringe oder wässrige, sich rasch ausbreitende Flecken, die oft von einem gelben Hof umgeben sind und meist erst bei feucht-warmer Witterung auftreten.