Tomate
Die Tomate (Solanum lycopersicum, EPPO-Code: `LYPES`) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Kulturen im europäischen Gemüsebau. Sowohl im geschützten Anbau unter Glas als auch im Freiland stellt die Kultur hohe Ansprüche an Temperatur, Lichtintensität und Nährstoffversorgung. Als thermophile Art benötigt sie für ein optimales Wachstum konstante Temperaturen über 15 °C, wobei Frost oder langanhaltende Kälteperioden zu schweren physiologischen Schäden führen.
In der professionellen Praxis erfordert die Kultur eine präzise Steuerung des Mikroklimas und der Bewässerung, um physiologische Störungen wie Blütenendfäule oder Platzwachstum zu vermeiden. Zudem steht der Pflanzenschutz aufgrund der Anfälligkeit gegenüber verschiedenen Schaderregern im Fokus. Ein integriertes Management, das resistente Sorten, mechanische Kulturmaßnahmen und gezielte Pflanzenschutzmittel kombiniert, ist für den wirtschaftlichen Erfolg im Erwerbsanbau unerlässlich.
Bodenmanagement
Die Kultur verlangt tiefgründige, humusreiche Böden mit hoher Wasserhaltekapazität bei gleichzeitig guter Drainage, um Staunässe strikt zu vermeiden. Vor dem Auspflanzen ist eine organische Grunddüngung mit gut verrottetem Stallmist oder Kompost ratsam, um die Bodenstruktur und das mikrobielle Leben zu fördern. Aufgrund des hohen Kaliumbedarfs während der Fruchtentwicklung muss die Nährstoffzufuhr präzise auf die Bodenanalysen abgestimmt werden. Eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit ist essenziell; Tröpfchenbewässerung hat sich hierbei als Standard etabliert, da sie das Laub trocken hält und somit das Risiko von Pilzinfektionen minimiert. Mulchfolien können zudem helfen, die Bodentemperatur zu stabilisieren und die Verdunstung zu reduzieren.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz bei dieser Kultur wird maßgeblich durch die Vorbeugung von Pilzkrankheiten wie der Kraut- und Braunfäule (*Phytophthora infestans*) und der Samtfleckenkrankheit dominiert. Ein konsequentes Entblättern der unteren Stängelabschnitte verbessert die Luftzirkulation im Bestand und beschleunigt das Abtrocknen der Blätter. Beim Auftreten von tierischen Schaderregern wie der Weißen Fliege (*Bemisia tabaci*) oder Spinnmilben ist der Einsatz von Nützlingen im geschützten Anbau die bevorzugte Methode. Sollte der Befallsdruck chemische Maßnahmen erfordern, müssen zugelassene Pflanzenschutzmittel unter strenger Beachtung der Wartezeit und des jeweiligen BBCH-Stadiums appliziert werden. Zudem ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel zur Vermeidung von Resistenzen zwingend einzuhalten.
Sorten
Philovita
Früh bis mittelfrühSehr ertragreiche Cherrytomate mit langanhaltender Ernteperiode.
Resistent gegen: Phytophthora infestans, Echter Mehltau
Anfällig für: Blütenendfäule
Besonders beliebt im Freilandanbau aufgrund ihrer extrem hohen Toleranz gegenüber Kraut- und Braunfäule.
Phantasia
MittelfrühHoher, stabiler Ertrag an schnittfesten Rundtomaten.
Resistent gegen: Phytophthora infestans, Samtfleckenkrankheit, Fusarium-Welke
Anfällig für: Kälte
Hervorragende F1-Hybride für den geschützten Freilandanbau und das kalte Gewächshaus.
Harzfeuer
Sehr frühZuverlässiger Frühertrag, ideal für den frühen Markt.
Resistent gegen: Cladosporium
Anfällig für: Phytophthora infestans, Fruchtplatzen
Kultsorte im ostdeutschen Raum mit weicher Schale und traditionellem, aromatisch-säuerlichem Geschmack.
Premio
MittelfrühSehr hoher Ertrag an gleichmäßigen, festen Rispen.
Resistent gegen: Tomatenmosaikvirus, Verticillium-Welke, Fusarium-Welke
Anfällig für: Blütenendfäule
Standard-Rispentomate für den professionellen Erwerbsanbau unter Glas mit exzellenter Haltbarkeit.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie erkennst du den optimalen Zeitpunkt für eine Behandlung gegen Kraut- und Braunfäule?
Achte besonders ab dem BBCH-Stadium 40 (Beginn der Seitensprossbildung) auf feucht-warme Witterungsperioden. Sobald die Blattnässeperiode mehrere Stunden überschreitet und die Temperaturen zwischen 15 und 22 °C liegen, steigt das Infektionsrisiko drastisch. Eine präventive Anwendung von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sollte vor dem nächsten Regenereignis erfolgen, um die Kultur effektiv zu schützen.
Was kannst du tun, um das Auftreten von Blütenendfäule ohne Pflanzenschutzmittel zu verhindern?
Blütenendfäule ist keine Infektionskrankheit, sondern ein physiologischer Calciummangel. Du verhinderst sie am besten durch eine gleichmäßige Wasserversorgung, da Calcium nur über den Transpirationsstrom in die Früchte transportiert wird. Vermeide extreme Trockenphasen gefolgt von Starkbewässerung und achte auf eine ausgewogene Kalium- und Stickstoffdüngung, um antagonistische Effekte bei der Calciumaufnahme zu minimieren.
Wie integrierst du Nützlinge erfolgreich in dein Pflanzenschutzkonzept unter Glas?
Der Einsatz von Nützlingen wie Schlupfwespen (*Encarsia formosa*) gegen die Weiße Fliege muss sehr frühzeitig erfolgen, idealerweise bei den ersten Fängen auf Gelbtafeln (BBCH-Stadium 15 bis 20). Achte darauf, dass die Gewächshaustemperatur tagsüber mindestens 18 °C beträgt, damit sich die Nützlinge schneller vermehren können als der Schaderreger. Vermeide vor dem Nützlingseinsatz den Einsatz von breitbandigen, persistenten chemischen Pflanzenschutzmitteln.
Warum ist das Entblättern der Kultur ab BBCH-Stadium 71 pflanzenschutztechnisch so wichtig?
Das Entfernen der unteren Blätter bis zur ersten reifenden Traube verbessert die Luftzirkulation im bodennahen Bereich erheblich. Dadurch trocknet der Bestand nach Tau oder Bewässerung deutlich schneller ab, was Pilzsporen wie *Phytophthora infestans* oder *Botrytis cinerea* die Keimgrundlage entzieht. Zudem erleichtert es dir die spätere Applikation von Pflanzenschutzmitteln, da die Spritzbrühe die verbleibenden Pflanzenteile besser benetzen kann.
Wie vermeidest du Resistenzen beim Einsatz von Fungiziden in der Tomatenkultur?
Du solltest Wirkstoffe aus unterschiedlichen FRAC-Klassen im Wechsel einsetzen. Kombiniere systemische Mittel mit Kontaktfungiziden und halte dich strikt an die maximal zugelassene Anzahl an Anwendungen pro Saison. Nutze Prognosemodelle, um Behandlungen nur dann durchzuführen, wenn der Schaderreger-Druck es erfordert, statt stur nach Kalender zu spritzen.