Tomate
Die Tomate (Solanum lycopersicum, EPPO-Code: LYPES) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Kulturen im europäischen Gemüsebau. Sowohl im geschützten Anbau unter Glas als auch im Freiland stellt diese anspruchsvolle Kultur hohe Anforderungen an Temperatur, Lichtintensität und Nährstoffversorgung. Als thermophile Kultur benötigt sie für ein optimales Wachstum konstante Temperaturen über 15 °C, wobei Frost oder langanhaltende Kälteperioden zu irreversiblen Schäden führen.
Im professionellen Anbau wird die Kultur meist eintriebig an Schnüren gezogen, um eine optimale Belichtung der Früchte und eine schnelle Abtrocknung des Laubwerks zu gewährleisten. Dies ist besonders wichtig, um das Risiko von Pilzinfektionen zu minimieren. Die Steuerung des vegetativen und generativen Gleichgewichts erfordert präzises Kulturmanagement, insbesondere bei der Bewässerung und der gezielten Entblätterung im bodennahen Bereich.
Bodenmanagement
Die Kultur stellt extrem hohe Ansprüche an die physikalische und chemische Bodenstruktur, weshalb im professionellen Freilandanbau tiefgründige, humusreiche und gut drainierte Lehmböden bevorzugt werden. Eine ausreichende Versorgung mit organischer Substanz durch Gründüngung oder reifen Kompost ist essenziell, um das Wasserspeichervermögen zu optimieren und Bodenverdichtungen vorzubeugen. Aufgrund des hohen Kaliumbedarfs für die Fruchtqualität muss die Düngung präzise auf Basis regelmäßiger Bodenanalysen abgestimmt werden, wobei ein ausgewogenes Verhältnis von Stickstoff zu Kalium (ca. 1:2 bis 1:2,5) anzustreben ist. Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist zwingend erforderlich, um physiologische Störungen wie Blütenendfäule (verursacht durch Calciummangel bei unregelmäßigem Wassertransport) oder das Platzen der Früchte zu verhindern. Im geschützten Anbau hat sich die Kultur auf inerten Substraten (wie Steinwolle oder Kokosfaser) mit geschlossenen Fertigationssystemen etabliert, was eine exakte Steuerung des EC- und pH-Wertes im Wurzelraum ermöglicht.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz bei dieser Kultur wird maßgeblich durch die Prävention von Pilzkrankheiten dominiert, wobei die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) die größte wirtschaftliche Bedrohung darstellt. Ein konsequentes Hygienemanagement, die Wahl toleranter Sorten sowie die Vermeidung von stehender Nässe auf den Blättern durch gezielte Tröpfchenbewässerung und ausreichende Lüftung im Gewächshaus sind fundamentale vorbeugende Maßnahmen. Gegen tierische Schaderreger wie die Weiße Fliege (Bemisia tabaci) oder Spinnmilben wird im geschützten Anbau standardmäßig auf den biologischen Pflanzenschutz mittels Nützlingen (z. B. Encarsia formosa oder Raubmilben) gesetzt. Beim Auftreten von bodenbürtigen Schaderregern wie Fusarium oxysporum oder Rhizoctonia solani ist der Einsatz von veredelten Jungpflanzen auf resistenten Unterlagen die effektivste Strategie. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur gezielt nach Erreichen von Schadschwellen und unter strikter Beachtung der Resistenzstrategien sowie der gesetzlichen Wartezeiten angewendet werden.
Sorten
Philovita
MittelfrühSehr ertragreiche Kirschtomate mit langanhaltender Ernteperiode.
Resistent gegen: Kraut- und Braunfäule, Echter Mehltau
Besonders wüchsige F1-Hybride, die sich hervorragend für den geschützten Freilandanbau eignet. Die Früchte sind extrem platzfest und zeichnen sich durch ein hervorragendes Zucker-Säure-Verhältnis aus.
Phantasia
MittelfrühHoher, stabiler Ertrag an gleichmäßigen runden Früchten.
Resistent gegen: Kraut- und Braunfäule, Fusarium-Welke, Samtfleckenkrankheit, Verticillium-Welke
Anfällig für: Blütenendfäule
Eine bewährte F1-Hybride für das Freiland und kalte Gewächshäuser. Zeichnet sich durch ein breites Resistenzspektrum aus und liefert feste, schnittfeste Früchte.
Harzfeuer
FrühHoher Ertrag in der frühen Erntephase.
Resistent gegen: Cladosporium-Blattflecken
Anfällig für: Kraut- und Braunfäule, Fruchtplatzen
Traditionelle, in Deutschland sehr beliebte F1-Sorte mit weicher Schale und aromatisch-süßem Geschmack. Benötigt aufgrund der dünnen Schale sorgfältige Ernte.
Primavera
MittelfrühGuter, kontinuierlicher Ertrag für eine samenfeste Sorte.
Resistent gegen: Kraut- und Braunfäule
Anfällig für: Kälteschock
Samenfeste, orange-rote Freilandtomate (Cocktailtomate). Wurde speziell für den ökologischen Freilandanbau selektiert und zeigt eine bemerkenswerte Freilandtoleranz.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Blütenendfäule im professionellen Anbau minimieren?
Blütenendfäule ist keine infektiöse Krankheit, sondern ein physiologischer Calciummangel in der Fruchtspitze. Sie wird meist durch unregelmäßige Wasserversorgung oder einen zu hohen EC-Wert im Substrat ausgelöst, was die Calciumaufnahme blockiert. Zur Vorbeugung müssen die Bewässerungszyklen exakt an die Transpirationsrate angepasst werden. Zudem sollte das Verhältnis von Kalium und Magnesium zu Calcium im Nährwasser kontrolliert und bei Bedarf eine Blattdüngung mit Calciumchlorid in Phasen schnellen Fruchtwachstums durchgeführt werden.
Ab welchem BBCH-Stadium ist die Überwachung von Phytophthora infestans besonders kritisch?
Die Überwachung auf Kraut- und Braunfäule muss ab dem BBCH-Stadium 31 (Beginn der Längenwachstumsphase und Seitentriebbildung) intensiviert werden, sobald sich ein geschlossener Pflanzenbestand bildet. In diesem Stadium entsteht ein feuchtes Mikroklima innerhalb der Kultur, das die Keimung der Sporen begünstigt. Besonders nach Regenfällen bei Temperaturen zwischen 15 und 22 °C ist das Infektionsrisiko extrem hoch, weshalb hier vorbeugende Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln eingeplant werden sollten.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen die Weiße Fliege?
Nutzen Sie hierzu die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub der Plattform. Filtern Sie nach der Kultur "Tomate" (Solanum lycopersicum) und wählen Sie als Schaderreger "Bemisia tabaci" (Weiße Fliege) oder allgemein "saugende Insekten" aus. Das System zeigt Ihnen ausschließlich die aktuell vom BVL zugelassenen Präparate inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen pro Saison und den einzuhaltenden Wartezeiten an.
Welche Rolle spielt das Entblättern im unteren Stängelbereich für das Mikroklima und den Pflanzenschutz?
Das gezielte Entfernen der bodennahen Blätter (meist bis zur ersten reifenden Traube) ab BBCH-Stadium 71 verbessert die Luftzirkulation im bodennahen Bereich drastisch. Dies beschleunigt das Abtrocknen des Bestandes nach Tau oder Regen und entzieht Pilzen wie Botrytis cinerea und Phytophthora infestans die notwendige Feuchtigkeit zur Infektion. Zudem erleichtert es die Applikation von Pflanzenschutzmitteln und erhöht die Lichtausbeute für die reifenden Früchte.
Warum ist der Wechsel der Wirkstoffklassen (FRAC- bzw. IRAC-Codes) bei der Bekämpfung von Schaderregern an Tomaten so wichtig?
Aufgrund der langen Standzeit und der mehrfachen Erntedurchgänge im Tomatenanbau werden Schaderreger wie Botrytis cinerea oder Bemisia tabaci häufig mit Pflanzenschutzmitteln konfrontiert. Dies birgt ein extrem hohes Risiko für die Selektion resistenter Populationen. Ein konsequenter Wechsel zwischen Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (FRAC-Gruppen bei Fungiziden, IRAC-Gruppen bei Insektiziden) ist daher zwingend erforderlich, um die Wirksamkeit der zugelassenen Pflanzenschutzmittel langfristig zu sichern.