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Kultur

Tomate

Solanum lycopersicum
LYPES

Die Tomate (Solanum lycopersicum, EPPO-Code: LYPES) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Kulturen im europäischen Gemüsebau. Sowohl im geschützten Anbau unter Glas als auch im Freiland stellt diese anspruchsvolle Kultur hohe Anforderungen an Temperatur, Lichtintensität und Nährstoffversorgung. Als thermophile Kultur benötigt sie für ein optimales Wachstum konstante Temperaturen über 15 °C, wobei Frost oder langanhaltende Kälteperioden zu irreversiblen Schäden führen.

Im professionellen Anbau wird die Kultur meist eintriebig an Schnüren gezogen, um eine optimale Belichtung der Früchte und eine schnelle Abtrocknung des Laubwerks zu gewährleisten. Dies ist besonders wichtig, um das Risiko von Pilzinfektionen zu minimieren. Die Steuerung des vegetativen und generativen Gleichgewichts erfordert präzises Kulturmanagement, insbesondere bei der Bewässerung und der gezielten Entblätterung im bodennahen Bereich.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Februar bis April (Unterglas-Anzucht); Auspflanzung ab Mitte Mai
Erntefenster
Juli bis Oktober
Reihenabstand
80–100 cm x 40–50 cm
Typischer Ertrag
Freiland: 30–60 t/ha; Unterglas: 250–450 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1400 °C (Basis 10 °C)
Boden-pH
5,5–6,8

Bodenmanagement

Die Kultur stellt extrem hohe Ansprüche an die physikalische und chemische Bodenstruktur, weshalb im professionellen Freilandanbau tiefgründige, humusreiche und gut drainierte Lehmböden bevorzugt werden. Eine ausreichende Versorgung mit organischer Substanz durch Gründüngung oder reifen Kompost ist essenziell, um das Wasserspeichervermögen zu optimieren und Bodenverdichtungen vorzubeugen. Aufgrund des hohen Kaliumbedarfs für die Fruchtqualität muss die Düngung präzise auf Basis regelmäßiger Bodenanalysen abgestimmt werden, wobei ein ausgewogenes Verhältnis von Stickstoff zu Kalium (ca. 1:2 bis 1:2,5) anzustreben ist. Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist zwingend erforderlich, um physiologische Störungen wie Blütenendfäule (verursacht durch Calciummangel bei unregelmäßigem Wassertransport) oder das Platzen der Früchte zu verhindern. Im geschützten Anbau hat sich die Kultur auf inerten Substraten (wie Steinwolle oder Kokosfaser) mit geschlossenen Fertigationssystemen etabliert, was eine exakte Steuerung des EC- und pH-Wertes im Wurzelraum ermöglicht.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz bei dieser Kultur wird maßgeblich durch die Prävention von Pilzkrankheiten dominiert, wobei die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) die größte wirtschaftliche Bedrohung darstellt. Ein konsequentes Hygienemanagement, die Wahl toleranter Sorten sowie die Vermeidung von stehender Nässe auf den Blättern durch gezielte Tröpfchenbewässerung und ausreichende Lüftung im Gewächshaus sind fundamentale vorbeugende Maßnahmen. Gegen tierische Schaderreger wie die Weiße Fliege (Bemisia tabaci) oder Spinnmilben wird im geschützten Anbau standardmäßig auf den biologischen Pflanzenschutz mittels Nützlingen (z. B. Encarsia formosa oder Raubmilben) gesetzt. Beim Auftreten von bodenbürtigen Schaderregern wie Fusarium oxysporum oder Rhizoctonia solani ist der Einsatz von veredelten Jungpflanzen auf resistenten Unterlagen die effektivste Strategie. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur gezielt nach Erreichen von Schadschwellen und unter strikter Beachtung der Resistenzstrategien sowie der gesetzlichen Wartezeiten angewendet werden.

Sorten

Philovita

Mittelfrüh

Sehr ertragreiche Kirschtomate mit langanhaltender Ernteperiode.

Resistent gegen: Kraut- und Braunfäule, Echter Mehltau

Besonders wüchsige F1-Hybride, die sich hervorragend für den geschützten Freilandanbau eignet. Die Früchte sind extrem platzfest und zeichnen sich durch ein hervorragendes Zucker-Säure-Verhältnis aus.

Phantasia

Mittelfrüh

Hoher, stabiler Ertrag an gleichmäßigen runden Früchten.

Resistent gegen: Kraut- und Braunfäule, Fusarium-Welke, Samtfleckenkrankheit, Verticillium-Welke

Anfällig für: Blütenendfäule

Eine bewährte F1-Hybride für das Freiland und kalte Gewächshäuser. Zeichnet sich durch ein breites Resistenzspektrum aus und liefert feste, schnittfeste Früchte.

Harzfeuer

Früh

Hoher Ertrag in der frühen Erntephase.

Resistent gegen: Cladosporium-Blattflecken

Anfällig für: Kraut- und Braunfäule, Fruchtplatzen

Traditionelle, in Deutschland sehr beliebte F1-Sorte mit weicher Schale und aromatisch-süßem Geschmack. Benötigt aufgrund der dünnen Schale sorgfältige Ernte.

Primavera

Mittelfrüh

Guter, kontinuierlicher Ertrag für eine samenfeste Sorte.

Resistent gegen: Kraut- und Braunfäule

Anfällig für: Kälteschock

Samenfeste, orange-rote Freilandtomate (Cocktailtomate). Wurde speziell für den ökologischen Freilandanbau selektiert und zeigt eine bemerkenswerte Freilandtoleranz.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

AFEPASA GREENHOUSE SULPHUR TABLETS
AFEPASA GLOBAL SAU
00A990-00
AFINTO
ISK Biosciences Europe N.V.
025691-61
Amylo-X WG
Mitsui AgriScience
00A825-00
AQ 10WG
CBC Europe S.r.l.
026391-00
ARINEX 30
ADAMA Deutschland GmbH
00B198-00
Armicarb Spray
Agronaturalis Ltd.
00A325-00
Armicarb Spray
Agronaturalis Ltd.
02A325-00
Armisan AF PilzFrei
Agronaturalis Ltd.
00A325-61
Armisan AF PilzFrei
Agronaturalis Ltd.
02A325-61
ASKON
Syngenta Agro GmbH
006902-00
Atonik
Asahi Chemical Europe s.r.o.
00A070-00
Axiendo Garten Schädlings-frei
Syngenta Agro GmbH
007028-00
Axiendo Schädlings-frei Spray
Syngenta Agro GmbH
007029-00
AZA
Sharda Cropchem Espana S.L.
00B164-00
Azbany
Nufarm Deutschland GmbH
008967-00
AZOFIN
Finchimica S.p.A.
00A065-00
Azuleo
ISK Biosciences Europe N.V.
006860-61
Basamid Granulat
Kanesho Soil Treatment SPRL/BVBA
00A117-00
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-63
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Akut AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-67
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Neem
Trifolio-M GmbH
024436-63
Bayer Garten Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-69
Bayer Garten Gemüse-Schädlingsfrei Decis AF
SBM Developpement SAS
006788-00
Bayer Garten Orchideen-Spray Lizetan AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-72
Bayer Garten Orchideen- & Zierpflanzenspray Lizetan
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-74
Bayer Garten Schädlingsfrei Decis AF
SBM Developpement SAS
006788-62
Bayer Garten Schädlingsfrei Lizetan AZ
Trifolio-M GmbH
024436-67
Bayer Garten Schädlingsfrei Lizetan Gießmittel AZ
Trifolio-M GmbH
024436-66
Bayer Garten Schädlingsspray Decis AE
SBM Developpement SAS
006788-63
Bayer Garten Zierpflanzen- & Rosen-Spray Lizetan AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-73
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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Blütenendfäule im professionellen Anbau minimieren?

Blütenendfäule ist keine infektiöse Krankheit, sondern ein physiologischer Calciummangel in der Fruchtspitze. Sie wird meist durch unregelmäßige Wasserversorgung oder einen zu hohen EC-Wert im Substrat ausgelöst, was die Calciumaufnahme blockiert. Zur Vorbeugung müssen die Bewässerungszyklen exakt an die Transpirationsrate angepasst werden. Zudem sollte das Verhältnis von Kalium und Magnesium zu Calcium im Nährwasser kontrolliert und bei Bedarf eine Blattdüngung mit Calciumchlorid in Phasen schnellen Fruchtwachstums durchgeführt werden.

Ab welchem BBCH-Stadium ist die Überwachung von Phytophthora infestans besonders kritisch?

Die Überwachung auf Kraut- und Braunfäule muss ab dem BBCH-Stadium 31 (Beginn der Längenwachstumsphase und Seitentriebbildung) intensiviert werden, sobald sich ein geschlossener Pflanzenbestand bildet. In diesem Stadium entsteht ein feuchtes Mikroklima innerhalb der Kultur, das die Keimung der Sporen begünstigt. Besonders nach Regenfällen bei Temperaturen zwischen 15 und 22 °C ist das Infektionsrisiko extrem hoch, weshalb hier vorbeugende Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln eingeplant werden sollten.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen die Weiße Fliege?

Nutzen Sie hierzu die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub der Plattform. Filtern Sie nach der Kultur "Tomate" (Solanum lycopersicum) und wählen Sie als Schaderreger "Bemisia tabaci" (Weiße Fliege) oder allgemein "saugende Insekten" aus. Das System zeigt Ihnen ausschließlich die aktuell vom BVL zugelassenen Präparate inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen pro Saison und den einzuhaltenden Wartezeiten an.

Welche Rolle spielt das Entblättern im unteren Stängelbereich für das Mikroklima und den Pflanzenschutz?

Das gezielte Entfernen der bodennahen Blätter (meist bis zur ersten reifenden Traube) ab BBCH-Stadium 71 verbessert die Luftzirkulation im bodennahen Bereich drastisch. Dies beschleunigt das Abtrocknen des Bestandes nach Tau oder Regen und entzieht Pilzen wie Botrytis cinerea und Phytophthora infestans die notwendige Feuchtigkeit zur Infektion. Zudem erleichtert es die Applikation von Pflanzenschutzmitteln und erhöht die Lichtausbeute für die reifenden Früchte.

Warum ist der Wechsel der Wirkstoffklassen (FRAC- bzw. IRAC-Codes) bei der Bekämpfung von Schaderregern an Tomaten so wichtig?

Aufgrund der langen Standzeit und der mehrfachen Erntedurchgänge im Tomatenanbau werden Schaderreger wie Botrytis cinerea oder Bemisia tabaci häufig mit Pflanzenschutzmitteln konfrontiert. Dies birgt ein extrem hohes Risiko für die Selektion resistenter Populationen. Ein konsequenter Wechsel zwischen Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (FRAC-Gruppen bei Fungiziden, IRAC-Gruppen bei Insektiziden) ist daher zwingend erforderlich, um die Wirksamkeit der zugelassenen Pflanzenschutzmittel langfristig zu sichern.