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Pilz

Didymella

Didymella
1DIDYG

Pilze der Gattung Didymella (EPPO-Code: 1DIDYG), insbesondere die Art Didymella bryoniae (syn. Stagonosporopsis cucurbitacearum), verursachen den wirtschaftlich bedeutenden Erregerkomplex der Stängelfäule und des Stängelbrands (Gummy Stem Blight) sowie der Fruchtfäule an Kürbisgewächsen. Diese Pilzkrankheit betrifft wichtige Kulturen wie Gurken, Melonen, Wassermelonen und Zucchini sowohl im Freiland als auch unter Glas weltweit.

Der Schaderreger kann in allen Entwicklungsstadien der Kulturen infizieren und führt bei starkem Befall zu massiven Ernteausfällen und Qualitätsverlusten. Besonders im geschützten Anbau begünstigen hohe Luftfeuchtigkeit und moderate Temperaturen die Ausbreitung. Die Infektion mindert nicht nur die Vitalität der Kulturen durch das Absterben von Trieben, sondern führt auch zu direkten Fruchtinfektionen, die oft erst nach der Ernte während der Lagerung und des Transports sichtbar werden.

Typ
Pilz
EPPO-Code
1DIDYG
Wirte
6 Kulturen
Generationen
Polyzyklisch (mehrere Generationen pro Saison)
Verbreitung
Der Schaderreger ist weltweit in allen bedeutenden Anbauregionen von Kürbisgewächsen verbreitet und verursacht insbesondere im mitteleuropäischen Unterglas- und Freilandanbau erhebliche ökonomische Schäden durch Stängelbruch und Fruchtfäule.
Erstbeschreibung
Auerswald, 1869

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überdauert als Myzel oder in Form von Fruchtkörpern (Pseudothezien und Pyknidien) auf infizierten Ernterückständen im Boden oder an Gewächshauskonstruktionen. Im Frühjahr werden bei feucht-warmen Bedingungen Ascosporen durch Wind und Konidien durch Regenspritzer freigesetzt, die primäre Infektionen an den Kulturen auslösen. Der Pilz dringt bevorzugt über natürliche Öffnungen oder mechanische Wunden, die beispielsweise beim Entblättern oder Ernten entstehen, in das Gewebe ein. Nach der Etablierung des Myzels bilden sich innerhalb weniger Tage neue Pyknidien, die massenhaft Konidien für sekundäre Infektionszyklen freisetzen, was zu einer schnellen, polyzyklischen Ausbreitung während der gesamten Vegetationsperiode führt.

Bonitur

Die Überwachung der Kulturen sollte bereits im Jungpflanzenstadium (ab BBCH 12 bis 19) beginnen, insbesondere an den Stängelbasen und den ersten Laubblättern. Ein systematisches Monitoring ist ab Beginn der Rankenbildung (BBCH 21) und während der Hauptwachstums- und Blütephase (BBCH 51 bis 69) im wöchentlichen Turnus ratsam. Da es keine festen wissenschaftlichen Schadschwellenwerte gibt, gilt im professionellen Anbau eine Nulltoleranz für Jungpflanzen; beim ersten Auftreten von Symptomen im etablierten Bestand muss sofort gehandelt werden. Besondere Aufmerksamkeit ist nach Pflegearbeiten (wie dem Ausgeizen) und Phasen mit hoher Luftfeuchtigkeit (> 85 %) oder Taubildung geboten.

Symptome

An den Stängeln zeigen sich zunächst wassergetränkte, später hellbraune bis graue, längliche Läsionen, die oft exsudieren – es tritt ein charakteristisches, bernsteinfarbenes bis rötlich-braunes, gummiartiges Sekret aus. Im weiteren Verlauf trocknet das Gewebe ein, reißt auf, und es bilden sich zahlreiche winzige, schwarze Punkte (Pyknidien und Pseudothezien) auf den Läsionen. Auf den Blättern entstehen vom Blattrand ausgehende, braune, oft konzentrisch zonierte Flecken, die rasch vertrocknen. Befallene Früchte weisen dunkle, eingesunkene, weiche Stellen auf, die sich vor allem vom Blütenansatz her ausbreiten und im Lager zu einer vollständigen Nassfäule führen können.

Integriertes Management

Ein integriertes Management kombiniert konsequent kulturtechnische, biologische und chemische Maßnahmen. Kulturtechnisch stehen die Reduzierung der Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus (optimierte Lüftung, Heizung am Morgen), die Vermeidung von stehendem Wasser auf den Blättern sowie eine strenge Hygiene (Desinfektion von Werkzeugen, rückstandsfreie Beseitigung von Ernterückständen) im Vordergrund. Chemische Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sollten präventiv oder unmittelbar bei Befallsbeginn erfolgen. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten; dies erfordert den konsequenten Wechsel zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen (z. B. SDHI, Strobilurine und Triazole) sowie die Kombination mit Kontaktwirkstoffen.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich der Befall durch Didymella von einer Infektion mit Botrytis cinerea?

Während Botrytis cinerea meist einen grauen, stäubenden Schimmelrasen auf den betroffenen Gewebeteilen bildet, zeichnet sich Didymella durch das Austreten eines zähen, bernsteinfarbenen Gummiflusses aus den Stängelläsionen und das Auftreten winziger, schwarzer Fruchtkörper (Pyknidien) im abgestorbenen Gewebe aus. Zudem bevorzugt Botrytis kühlere Bedingungen, während Didymella bei wärmeren Temperaturen (20–25 °C) optimal gedeiht.

Welche Rolle spielen Schnittwunden beim Entblättern für die Infektion?

Schnittwunden, die beim Entblättern oder Ausgeizen entstehen, sind die primären Eintrittspforten für die Sporen des Pilzes. Um das Infektionsrisiko zu minimieren, sollten diese Arbeiten nur bei trockener Witterung und abtrocknendem Pflanzenbestand durchgeführt werden, damit die Wunden schnell verholzen. Zudem sollten die Schnitte möglichst nah am Hauptstängel erfolgen, um keine langen, absterbenden Stängelstümpfe zu hinterlassen.

Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?

Filtern Sie im Hub zunächst nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Gurke oder Zucchini) und wählen Sie das entsprechende BBCH-Stadium aus. Suchen Sie dann gezielt nach Indikationen, die 'Stängelfäule', 'Stängelbrand' oder 'Didymella bryoniae' abdecken, um eine Liste der aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten zu erhalten.

Warum ist die relative Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus der kritischste Steuerungsfaktor?

Die Sporen von Didymella benötigen für die Keimung und den Infektionsprozess mindestens ein bis zwei Stunden freies Wasser auf der Pflanzenoberfläche oder eine relative Luftfeuchtigkeit von dauerhaft über 85 %. Durch gezieltes Heizen und Lüften am frühen Morgen kann der Taupunkt verschoben und die Blattfeuchte minimiert werden, was dem Schaderreger die Lebensgrundlage entzieht.

Welche Fruchtfolgemaßnahmen sind im Freilandanbau zur Bekämpfung von Didymella wirksam?

Da der Pilz auf infizierten Pflanzenresten im Boden mehrere Jahre überleben kann, ist im Freiland eine strikte Fruchtfolge von mindestens 3 bis 4 Jahren ohne Kürbisgewächse einzuhalten. Zudem sollten Gründüngungskulturen angebaut werden, die die biologische Aktivität des Bodens fördern und so den Abbau von infizierten Ernterückständen beschleunigen.

Gibt es Einschränkungen beim Einsatz von Strobilurinen (FRAC-Gruppe 11) gegen diesen Pilz?

Ja, für Didymella bryoniae sind weltweit bereits verbreitet Resistenzen gegen Strobilurine (QoI-Inhibitoren) dokumentiert. Strobilurin-haltige Pflanzenschutzmittel sollten daher niemals solo oder blockweise, sondern stets im Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen wie SDHI (FRAC-Gruppe 7) oder Triazolen (FRAC-Gruppe 3) und idealerweise in Kombination mit Kontaktwirkstoffen eingesetzt werden.