Didymella
Die Gattung Didymella (EPPO-Code: 1DIDYG), insbesondere der Erreger Didymella bryoniae (syn. Stagonosporopsis cucurbitacearum), verursacht die gefürchtete Stängelfäule und Schwarzfäule an Kürbisgewächsen. Diese Pilzkrankheit betrifft wirtschaftlich bedeutende Kulturen wie Gurken (Cucumis sativus), Melonen (Cucumis melo), Wassermelonen (Citrullus lanatus) und Zucchini (Cucurbita pepo var. giromontiina) sowohl im Freiland als auch im geschützten Anbau unter Glas.
Die wirtschaftliche Relevanz des Schaderregers ist enorm, da er alle oberirdischen Pflanzenteile infizieren kann. Ein starker Befall führt zu Welke, dem Absterben ganzer Triebe und zu erheblichen Ertragseinbußen durch Fruchtfäule vor und nach der Ernte. Besonders unter warm-feuchten Bedingungen im Gewächshaus breitet sich der Pilz rasant aus und kann innerhalb kurzer Zeit ganze Bestände vernichten.
Biologie / Lebenszyklus
Der Pilz überdauert als Myzel oder in Form von Fruchtkörpern (Perithezien und Pyknidien) auf infizierten Pflanzenresten im Boden oder an Gewächshauskonstruktionen. Unter feuchten Bedingungen und Temperaturen zwischen 20 °C und 25 °C werden Ascosporen (sexuell) und Konidien (asexuell) freigesetzt, die durch Wind, Spritzwasser oder Arbeitsgeräte auf die Kulturen übertragen werden. Die Infektion erfolgt meist über natürliche Öffnungen oder Wunden, die beispielsweise beim Entblättern oder Ernten entstehen. Nach der Etablierung im Gewebe bildet der Schaderreger erneut Pyknidien aus, was zu sekundären Infektionszyklen während der laufenden Vegetationsperiode führt.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte ab dem Auflaufen bzw. dem Auspflanzen (BBCH-Stadium 12–19) beginnen und bis zur Ernte fortgesetzt werden. Achte besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit und nach Schnittmaßnahmen auf erste wässrige Läsionen an den Stängelknoten und Blattansätzen. Da es keine festen wissenschaftlichen Schadschwellen gibt, gilt im professionellen Anbau eine Toleranzgrenze von nahezu Null, insbesondere im geschützten Anbau. Sobald erste Symptome an den Stängeln sichtbar werden, müssen unverzüglich kulturtechnische und pflanzenschutzrechtliche Maßnahmen eingeleitet werden, um eine epidemische Ausbreitung zu verhindern.
Symptome
Typisch für den Befall sind wassergesättigte, graugrüne bis bräunliche Flecken an den Stängelknoten, die sich rasch ausdehnen und den Stängel einschnüren können. Häufig tritt an diesen Stellen ein bernsteinfarbenes, gummiartiges Exsudat aus, das später eintrocknet und verkrustet. Auf den Blättern bilden sich große, hellbraune, oft konzentrisch zonierte Flecken, die vom Blattrand ausgehen. An den Früchten zeigt sich die Schwarzfäule durch eingesunkene, dunkle Stellen, die sich schnell ausbreiten und im Inneren zu einer weichen Fäulnis führen. Charakteristisch ist das Auftreten winziger, schwarzer Punkte (Pyknidien) auf den abgestorbenen Gewebeteilen.
Integriertes Management
Die Bekämpfung erfordert eine integrierte Strategie. Kulturtechnische Maßnahmen stehen im Vordergrund: Vermeide stehende Nässe, sorge für eine gute Belüftung im Gewächshaus und führe Schnittmaßnahmen nur bei trockener Witterung durch, um die Wundheilung zu fördern. Infizierte Pflanzenreste müssen konsequent aus dem Bestand entfernt und vernichtet werden. Chemische Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sollten präventiv oder bei ersten Anzeichen erfolgen. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen FRAC-Klassen (z. B. SDHI, Strobilurine und Triazole) zwingend erforderlich. Auch der Einsatz biologischer Präparate auf Basis von Bacillus amyloliquefaciens kann zur Befallsminderung beitragen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie kann ich das Risiko einer Didymella-Infektion beim Entblättern der Kulturen minimieren?
Führe Schnittmaßnahmen wie das Entblättern oder Ausgeizen ausschließlich an trockenen Tagen und bei sinkender Luftfeuchtigkeit durch. Dadurch können die Wunden schneller abtrocknen. Verwende stets scharfes, desinfiziertes Werkzeug, um saubere Schnitte direkt am Stängel zu hinterlassen, da ausgefranste Gewebereste ideale Eintrittspforten für den Schaderreger bieten.
Welche Rolle spielen Klimacomputer im Gewächshaus bei der Vorbeugung gegen diesen Pilz?
Die Steuerung des Gewächshausklimas ist entscheidend. Du solltest die relative Luftfeuchtigkeit konstant unter 80–85 % halten und Temperaturschwankungen vermeiden, die zu Taupunktunterschreitungen und somit zu freiem Wasser auf den Blättern führen. Eine gezielte Aktivierung der Heizung und Lüftung am Morgen vertreibt die Feuchtigkeit, bevor die Sonne die Kulturen erwärmt.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Didymella?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach der Kultur (z. B. Gurke oder Zucchini) und dem Schaderreger "Didymella" oder dem EPPO-Code "1DIDYG". Achte bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die registrierten Anwendungen, die spezifischen Aufwandmengen sowie die einzuhaltenden Wartezeiten für deine Region.
Warum ist das Resistenzmanagement bei der chemischen Bekämpfung von Didymella so wichtig?
Der Erreger besitzt ein hohes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen, insbesondere gegenüber Strobilurinen (FRAC-Gruppe 11) und SDHI-Fungiziden (FRAC-Gruppe 7). Du solltest diese Wirkstoffgruppen niemals solo in Blockbehandlungen anwenden, sondern stets mit Kontaktfungiziden kombinieren oder im strikten Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen einsetzen.
Kann der Erreger auch über das Saatgut übertragen werden?
Ja, Didymella kann sowohl äußerlich auf der Samenschale als auch im Inneren des Samens überdauern. Verwende daher ausschließlich zertifiziertes, gesundes Saatgut von vertrauenswürdigen Vermehrungsbetrieben. Bei selbst gewonnenem Saatgut besteht ein extrem hohes Risiko, den Schaderreger direkt in die neue Kultur einzuschleppen.
Wie lange überlebt der Schaderreger auf Ernterückständen im Boden?
Ohne Wirtspflanze kann der Pilz in Form von widerstandsfähigen Pseudothezien oder Chlamydosporen auf Pflanzenresten im Boden mindestens ein bis zwei Jahre überleben. Eine gründliche Feldhygiene, das tiefe Unterpflügen von Rückständen im Freiland oder das vollständige Dämpfen des Substrats im Gewächshaus sind daher unerlässlich.