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Schädling

Feldmaus

Microtus arvalis
MICRAR

Die Feldmaus (Microtus arvalis, EPPO-Code: MICRAR) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im europäischen Pflanzenbau. Als extrem anpassungsfähiger Nagetier-Schädling besiedelt sie bevorzugt offene Agrarlandschaften, darunter intensiv genutztes Grünland, Ackerbaukulturen, Obstanlagen und Weinberge. Durch ihre ausgeprägte Wühltätigkeit und ihren enormen Nahrungsbedarf kann sie bei Massenvermehrungen (sogenannten Gradationen) verheerende Schäden an einer Vielzahl landwirtschaftlicher Kulturen verursachen.

Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schaderregers ergibt sich nicht nur aus dem direkten Fraß an ober- und unterirdischen Pflanzenteilen, sondern auch aus der Zerstörung der Bodenstruktur und der Erschwerung von Erntearbeiten. Besonders betroffen sind Wintergetreide, Raps, Feldgemüse sowie Dauerkulturen wie Obst und Wein, wo intensiver Wurzelfraß zum vollständigen Absterben mehrjähriger Kulturen führen kann.

Typ
Schädling
EPPO-Code
MICRAR
Wirte
1 Kultur
Generationen
Mehrere stark überlappende Generationen pro Jahr (bis zu 7)
Verbreitung
Die Feldmaus ist in ganz Mittel- und Osteuropa weit verbreitet und verursacht insbesondere in den trocken-warmen Ackerbauregionen regelmäßig existenzbedrohende Ertragsverluste.
Erstbeschreibung
Pallas, 1778

Biologie / Lebenszyklus

Die Fortpflanzungsphase der Feldmaus erstreckt sich im mitteleuropäischen Raum meist von März bis Oktober, kann sich jedoch in milden Wintern fast unterbrechungsfrei fortsetzen. Nach einer kurzen Tragzeit von nur rund 21 Tagen wirft ein Weibchen durchschnittlich 4 bis 8 Junge, die bereits nach etwa zwei bis drei Wochen selbst geschlechtsreif werden. Dies führt zu einer extremen Vermehrungskapazität mit mehreren, stark überlappenden Generationen pro Jahr. Die Populationsdynamik verläuft zyklisch, wobei alle 3 bis 5 Jahre massive Massenvermehrungen (Gradationen) auftreten, die im Spätsommer und Herbst ihren Höhepunkt erreichen, bevor die Bestände im Winter meist wieder stark einbrechen.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring ist entscheidend, um rechtzeitig vor dem Erreichen der wirtschaftlichen Schadensschwelle reagieren zu können. Die Befallserhebung erfolgt klassischerweise über die sogenannte Lochtretmethode auf einer repräsentativen Testfläche (z. B. 250 m²), bei der alle sichtbaren Erdlöcher zugetreten und nach 24 Stunden auf Wiederöffnung kontrolliert werden. Als kritische Schadensschwelle im Ackerbau (z. B. vor der Aussaat oder in frühen BBCH-Stadien des Wintergetreides im Herbst, BBCH 10–19) gelten bereits 5 bis 8 wiedergeöffnete Löcher pro 100 m². Im Grünland und in Dauerkulturen wie Obst- und Weinbau liegt die Schwelle je nach Jahreszeit und Nutzungsrichtung meist bei 10 bis 15 geöffneten Löchern pro 100 m².

Symptome

Typische Symptome im Feld sind kreisrunde, offene Erdlöcher ohne Auswurfhügel, die durch oberirdische, gut sichtbare Laufbahnen (Wechsel) im Pflanzenbestand miteinander verbunden sind. Im Bereich dieser Wechsel ist die Vegetation oft kahlgefressen. An den Kulturen selbst zeigen sich charakteristische Fraßspuren: oberirdisch schräg abgebissene Halme und Blätter, unterirdisch abgenagte Wurzeln, Knollen oder Rüben sowie typische Nagespuren an der Rinde im Stammfußbereich von Obstbäumen und Reben. In Getreidebeständen führt der Halmfraß im fortgeschrittenen BBCH-Stadium oft zu nesterweisem Lager oder leeren Ähren (Weißährigkeit).

Integriertes Management

Das integrierte Management der Feldmaus basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Eine konsequente, tiefe Bodenbearbeitung (z. B. Pflügen) zerstört die Gangsysteme nachhaltig und dezimiert die Populationen direkt. Die Förderung natürlicher Gegenspieler durch das Aufstellen von Sitzkrücken für Greifvögel und das Belassen von Steinhaufen für Mauswiesel ist eine hocheffektive biologische Maßnahme. Chemische Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (z. B. rodentizide Köder auf Basis von Zinkphosphid) dürfen nur gezielt verdeckt in die Nagetiergänge eingebracht werden, um Vögel und andere Nichtzielorganismen zu schützen. Ein Wirkstoffwechsel und die strikte Einhaltung der BVL-Anwendungsbestimmungen sind zur Vermeidung von Resistenzentwicklungen und zum Schutz des Naturhaushalts zwingend erforderlich.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich das Schadbild der Feldmaus von dem des Maulwurfs oder der Schermaus?

Im Gegensatz zum Maulwurf, der hohe, runde Erdhügel aufwirft und keine offenen Löcher hinterlässt, wirft die Feldmaus flache oder gar keine Hügel auf und hält ihre Gangöffnungen stets offen. Die deutlich größere Schermaus (Ostschermaus) wirft unregelmäßige, flache Erdhügel auf, die oft mit Wurzeln durchsetzt sind, und verschließt ihre Löcher meist von innen, während Feldmauslöcher stets offen und durch oberirdische Laufbahnen (Wechsel) verbunden sind.

Warum ist die tiefe Bodenbearbeitung nach der Ernte so effektiv gegen diesen Schaderreger?

Durch tiefes Pflügen oder intensive Grubberarbeit direkt nach der Ernte werden die tiefreichenden Gangsysteme, Nest- und Vorratskammern der Feldmäuse vollständig zerstört. Zudem entzieht die Bodenbearbeitung den Tieren die Deckung vor natürlichen Feinden wie Greifvögeln und zerstört die verbliebene Nahrungsgrundlage (Ausfallgetreide), was zu einem schnellen Zusammenbruch der Population führt.

Welche gesetzlichen Auflagen müssen bei der Anwendung von rodentiziden Pflanzenschutzmitteln beachtet werden?

In Deutschland und vielen EU-Ländern ist die flächige Ausbringung von rodentiziden Ködern streng verboten. Die Anwendung darf ausschließlich verdeckt erfolgen, was bedeutet, dass die Köder (z. B. Zinkphosphid-Linsen) tief in die bewohnten Erdlöcher eingebracht werden müssen (z. B. mit einer Legeflinte), sodass sie für Vögel und anderes Wild unzugänglich sind. Zudem sind spezifische Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen des BVL strikt einzuhalten.

Wie beeinflusst die Witterung im Winter die Populationsentwicklung im darauffolgenden Frühjahr?

Milde, trockene Winter ohne lang anhaltende Frostperioden oder Staunässe ermöglichen der Feldmaus eine kontinuierliche Wintervermehrung. Liegt zudem eine schützende Schneedecke über ungefrorenem Boden, sind die Tiere vor Frost und Fressfeinden geschützt, was im folgenden Frühjahr zu einer extrem hohen Ausgangspopulation und einer frühzeitigen Überschreitung der Schadensschwellen führt.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Feldmäuse?

Navigieren Sie im Hub zum Bereich 'Pflanzenschutzmittel' und filtern Sie nach dem Schaderreger 'Microtus arvalis' oder dem deutschen Namen 'Feldmaus'. Sie erhalten eine tagesaktuelle Liste aller für Ihre spezifische Kultur zugelassenen Präparate inklusive der registrierten Aufwandmengen, Wartezeiten, BBCH-Anwendungsfenster und spezifischen BVL-Auflagen (wie z. B. der Pflicht zur verdeckten Anwendung).