Feldmaus
Die Feldmaus (Microtus arvalis, EPPO-Code: MICRAR) ist einer der bedeutendsten und schädlichsten Nagetiere im europäischen Pflanzenbau. Als extrem anpassungsfähiger Schaderreger besiedelt sie bevorzugt offene Agrarlandschaften, Grünland, Ackerflächen sowie Obst- und Weinbaukulturen. Durch ihre hohe biologische Vermehrungsrate kann es in regelmäßigen Abständen von 3 bis 5 Jahren zu extremen Massenvermehrungen (sogenannten Gradationen) kommen, die existenzbedrohende Ertragsverluste in landwirtschaftlichen Betrieben verursachen.
Der wirtschaftliche Schaden entsteht sowohl direkt durch intensiven Fraß an ober- und unterirdischen Pflanzenteilen als auch indirekt durch die Zerstörung der Bodenstruktur und das Einschleppen von Krankheitserregern. Besonders betroffen sind Wintergetreide, Raps, Leguminosen sowie junge Obstbäume und Reben, bei denen die Nagetiere im Winter die Rinde im Wurzelhalsbereich nagen und die betroffenen Kulturen dadurch komplett zum Absterben bringen.
Biologie / Lebenszyklus
Die Fortpflanzungsphase der Feldmaus erstreckt sich meist von März bis Oktober, kann sich jedoch in milden Wintern fast unterbrechungsfrei fortsetzen. Nach einer kurzen Tragzeit von nur rund 21 Tagen wirft ein Weibchen durchschnittlich 4 bis 8 Junge, die bereits nach etwa zwei bis drei Wochen selbst geschlechtsreif werden. Dies führt zu einer exponentiellen Populationsentwicklung mit mehreren überlappenden Generationen pro Saison. Im Spätherbst konzentrieren sich die Aktivitäten auf das Anlegen von tiefen Winterbauen und Vorratskammern, wobei die Tiere bei Nahrungsmangel im Winter verstärkt auf die Rinde von Gehölzen und die Wurzeln mehrjähriger Kulturen ausweichen.
Bonitur
Eine systematische Überwachung ist ab dem zeitigen Frühjahr (BBCH-Stadium 10–29 der Hauptkulturen) und erneut im Spätsommer nach der Ernte unerlässlich. Die gängigste Methode zur Ermittlung der Befallsstärke ist die sogenannte Lochtretmethode: Dabei trittst du auf einer repräsentativen Fläche von 250 qm (z. B. 10 x 25 m) alle sichtbaren Erdlöcher zu und kontrollierst nach 24 Stunden, wie viele Löcher wieder geöffnet wurden. Als kritische Schadensschwelle im Ackerbau gelten im Frühjahr bereits 5 bis 8 wieder geöffnete Löcher pro 250 qm, während im Herbst vor der Aussaat neuer Kulturen eine Schwelle von 5 bis 10 geöffneten Löchern eine gezielte Behandlung erforderlich macht.
Symptome
Typische Feldsymptome sind ein dichtes Netz aus oberirdischen Laufpfaden (Wechseln) zwischen den Schlupflöchern, die oft durch flache Erdhaufen ohne Wurzeleinschlüsse gekennzeichnet sind. In den betroffenen Kulturen zeigen sich kreisrunde Kahlstellen (sogenannte Fraßnester), da die Tiere die Vegetation um ihre Baue herum radikal abfressen. An Gehölzen im Obst- und Weinbau sind im bodennahen Bereich typische Nagespuren an der Rinde sowie freigelegte, abgenagte Wurzeln sichtbar, was zu Welkeerscheinungen, Kümmerwuchs und schließlich zum Absterben der betroffenen Kulturen führt.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Feldmausmanagement basiert auf einer integrierten Strategie, die mechanische, biologische und chemische Maßnahmen kombiniert. Eine tiefe Bodenbearbeitung (Pflügen oder intensiver Grubbereinsatz) zerstört das Gangsystem nachhaltig und dezimiert die Population direkt. Zur biologischen Regulierung trägt die gezielte Förderung von natürlichen Fressfeinden bei, beispielsweise durch das Aufstellen von Sitzkrücken für Greifvögel oder das Schaffen von Steinhaufen für Mauswiesel. Wenn die Schadensschwellen überschritten sind, ist der gezielte Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (Rodentiziden auf Basis von Zinkphosphid) im verdeckten Köderverfahren notwendig, um Nichtzielorganismen konsequent zu schützen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie bringst du Feldmausköder vorschriftsmäßig und sicher auf deinen Flächen aus?
Die Ausbringung von rodentiziden Ködern (z. B. auf Basis von Zinkphosphid) darf ausschließlich verdeckt erfolgen. Du musst die Köder tief in die wieder geöffneten Mäuselöcher einbringen, beispielsweise mit einer dafür zugelassenen Legeflinte, sodass sie für Vögel und andere Nichtzielorganismen unzugänglich sind. Eine oberflächliche, breite Streuung ist strengstens verboten und führt zu schweren Verstößen gegen die Anwendungsbestimmungen.
Welchen Einfluss hat das Wetter auf den Erfolg einer chemischen Behandlung?
Behandlungen mit Zinkphosphid-Ködern solltest du unbedingt nur bei trockener Witterung durchführen. Feuchtigkeit führt dazu, dass die Köder schnell zerfallen und der Wirkstoff vorzeitig ausgast, wodurch die Attraktivität und die Wirkung für die Feldmäuse drastisch sinken. Plane die Anwendung daher in einer stabilen Trockenphase von mindestens zwei bis drei Tagen ein.
Wie findest du im Hub aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Feldmäuse für deine spezifische Kultur?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach dem Schaderreger 'Feldmaus' (EPPO: MICRAR) sowie deiner spezifischen Kultur (z. B. Winterweizen oder Apfel). Achte besonders auf die zugelassenen Anwendungsgebiete, da manche Präparate nur auf dem Ackerland, andere wiederum im Forst oder Obstbau zugelassen sind, und prüfe stets die aktuellen Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen des BVL.
Warum begünstigen bestimmte Zwischenfrüchte den Feldmausbefall und wie reagierst du darauf?
Dichte Zwischenfruchtbestände (wie Senf oder Ölrettich) bieten Feldmäusen im Herbst idealen Schutz vor Greifvögeln und reichlich Nahrung. Wenn du einen hohen Ausgangsbefall feststellst, solltest du die Zwischenfrüchte frühzeitig im Winter mechanisch walzen oder mulchen, um die Deckung zu zerstören und den Schaderregern die Lebensgrundlage vor der Folgesaat zu entziehen.
Gibt es bei Feldmäusen Resistenzen gegen die eingesetzten Wirkstoffe?
Bei dem am häufigsten eingesetzten Wirkstoff Zinkphosphid (einem akut wirkenden Fraßgift) sind keine Resistenzen bekannt. Allerdings kann es bei unsachgemäßer, wiederholter Anwendung zu einer 'Köderscheu' kommen, wenn Tiere eine nicht tödliche Dosis aufnehmen. Wechsle daher bei anhaltendem Befall die Köderplätze und kombiniere die chemische Behandlung immer mit intensiver Bodenbearbeitung.
Warum ist das Monitoring direkt nach der Getreideernte besonders kritisch?
Nach dem Drusch verlieren die Feldmäuse schlagartig ihre Deckung und Nahrungsquelle auf dem Feld. Sie wandern dann verstärkt in benachbarte Sonderkulturen oder verbleiben in den Stoppeln. Wenn du direkt nach der Ernte die Stoppeln flach bearbeitest und die Löcher kontrollierst, kannst du eine Massenwanderung in die neu zu bestellenden Raps- oder Wintergetreideflächen frühzeitig verhindern.