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Schädling

Fruchtschalenwickler

Adoxophyes orana
CAPURE

Der Apfelschalenwickler (Adoxophyes orana, EPPO-Code: CAPURE), im deutschen Sprachraum auch häufig als Fruchtschalenwickler bezeichnet, gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im europäischen Obstbau. Dieser Kleinschmetterling aus der Familie der Wickler (Tortricidae) ist hochgradig polyphag, weist jedoch eine ausgeprägte Präferenz für Rosengewächse auf. Zu den Hauptwirten zählen wichtige Kulturen wie der Kulturapfel (Malus domestica), die Birne (Pyrus communis) sowie Steinobst wie die Pflaume (Prunus domestica).

Die wirtschaftliche Relevanz des Schädlings resultiert primär aus dem Fraßverhalten der Larven der Sommergenerationen. Während der Frühjahrsfraß an Knospen und Blüten meist toleriert werden kann, führt der oberflächliche Schabefraß an den reifenden Früchten im Sommer zu erheblichen Qualitätsverlusten. Solche deformierten oder oberflächlich beschädigten Früchte sind für den Frischmarkt unverkäuflich und neigen stark zu Sekundärinfektionen durch Fäulniserreger wie Monilinia-Arten.

Der Schaderreger ist in den gemäßigten Klimazonen Eurasiens weit verbreitet und findet in den intensiven Erwerbsobstanbaugebieten Mitteleuropas optimale Lebensbedingungen vor. Durch den Klimawandel und steigende Durchschnittstemperaturen verschieben sich die Flugzeiten und die Larvenentwicklung beschleunigt sich, was eine präzise Überwachung und angepasste Pflanzenschutzstrategien im modernen integrierten Anbau unerlässlich macht.

Typ
Schädling
EPPO-Code
CAPURE
Wirte
3 Kulturen
Generationen
2 Generationen pro Jahr (in sehr warmen Jahren/Regionen teils eine unvollständige 3. Generation)
Verbreitung
Adoxophyes orana ist in ganz Europa sowie in den gemäßigten Zonen Asiens weit verbreitet. Der Schaderreger verursacht insbesondere im intensiven Kernobstbau West- und Mitteleuropas erhebliche ökonomische Schäden durch Qualitätsminderungen der Früchte.
Erstbeschreibung
Fischer von Röslerstamm, 1834

Biologie / Lebenszyklus

Der Apfelschalenwickler überwintert als junge Larve (meist im L3-Stadium) in einem dichten Gespinst in Rindenritzen oder Astgabeln der Kulturen. Im Frühjahr, meist ab dem Knospenaufbruch (BBCH 53–54), werden die Larven aktiv und fressen an Knospen, jungen Blättern und Blütenständen. Nach der Verpuppung schlüpfen ab Mai die Falter der ersten Generation, deren Weibchen nach der Paarung flache, gelbgrüne Eigelege auf den Blattoberseiten ablegen. Die daraus schlüpfenden Larven der Sommergeneration verursachen ab Juni den typischen Schabefraß an Blättern und Früchten. Im Spätsommer folgt eine zweite Faltergeneration, deren Larven vor dem Aufsuchen des Winterquartiers im Herbst nochmals oberflächlichen Fraß an den reifenden Früchten durchführen.

Bonitur

Die Überwachung des Schädlings basiert auf einer Kombination aus visuellen Kontrollen und dem Einsatz von Pheromonfallen zur Flugüberwachung ab BBCH 69/71. Zur Ermittlung der Schadensschwelle im Frühjahr (vor der Blüte, BBCH 51–59) werden 100 Blütenbüschel auf Larvenbesatz kontrolliert; die Schadschwelle liegt hier bei 2 bis 3 % Befall. Für die Sommergeneration wird ab Mitte Juni der Fruchtbefall kontrolliert, wobei eine Schadschwelle von 1 % befallener Früchte oder ein Fallenschlag von mehr als 20 Faltern pro Falle und Woche als Richtwert für eine gezielte Behandlung gilt. Zudem unterstützen computergestützte Temperatursummenmodelle (Gradtag-Modelle) die präzise Vorhersage des Larvenschlupfes.

Symptome

Im Frühjahr zeigen sich zusammengesponnene Triebspitzen, junge Blätter und Blütenknospen mit deutlichen Fraßspuren der Larven. Das charakteristischste Symptom im Sommer ist der flächige, unregelmäßige Schabefraß an der Fruchtschale, der oft unter einem schützend an die Frucht gesponnenen Blatt stattfindet. Diese Fraßstellen vernarben bei frühzeitigem Befall korkig, während späterer Fraß kurz vor der Ernte feucht bleibt und als Eintrittspforte für Fruchtfäulen dient. An den Blättern ist ein typischer Fensterfraß zu beobachten, bei dem die Epidermis einer Blattseite sowie das Mesophyll verzehrt werden, während die gegenüberliegende Epidermis unberührt bleibt.

Integriertes Management

Die Bekämpfung des Apfelschalenwicklers erfordert ein integriertes Konzept, das biologische, biotechnische und chemische Maßnahmen kombiniert. Eine zentrale biotechnische Methode ist die Verwirrungstechnik (Paarungsstörung) mittels flächendeckend ausgehängter Pheromondispenser, die vor dem Erstflug der Falter im Frühjahr installiert werden müssen. Biologisch lassen sich spezifische Granuloseviren (AoGV) oder Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis hervorragend gegen die jungen Larvenstadien einsetzen, da sie nützlingsschonend wirken. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel (z. B. Häutungsbeschleuniger oder Larvizide) ist zur Vermeidung von Resistenzen ein striktes Wirkstoffklassenmanagement gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, wobei die Anwendungen exakt auf den Hauptschlupf der Larven terminiert werden müssen.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich der Schadfraß des Apfelschalenwicklers von dem des Apfelwicklers (Cydia pomonella)?

Während die Larve des Apfelwicklers direkt in das Fruchtfleisch eindringt, um das Kerngehäuse zu erreichen (tiefes Einbohrloch mit Kotkrümeln), frisst die Larve des Apfelschalenwicklers rein oberflächlich an der Fruchtschale. Dieser flächige Schabefraß erfolgt meist geschützt unter einem an die Frucht angewebten Blatt und führt nicht zu tiefen Bohrgängen.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Bacillus thuringiensis-Präparaten?

Da Bacillus thuringiensis als Fraßgift wirkt und von den Larven aktiv aufgenommen werden muss, ist die Anwendung exakt auf den Hauptschlupf der Larven (L1- bis L2-Stadium) abzustimmen. Dies ist meist im Juni der Fall. Die Behandlung sollte an warmen, bedeckten Tagen oder in den Abendstunden erfolgen, da das Toxin UV-empfindlich ist und die Larven bei Temperaturen über 15 °C aktiver fressen.

Kann die Verwirrungstechnik (Pheromonmethode) auch auf kleinen, isolierten Parzellen erfolgreich eingesetzt werden?

Nein, die Verwirrungstechnik entfaltet ihre volle Wirkung erst auf zusammenhängenden Flächen von mindestens 1 bis 2 Hektar. Auf kleineren oder stark windexponierten Flächen ist die Pheromonkonzentration in der Luft oft zu gering oder ungleichmäßig. Zudem können bereits begattete Weibchen aus benachbarten, unbehandelten Anlagen zuwandern und dort Eier ablegen.

Welche Rolle spielen natürliche Gegenspieler bei der Regulierung von Adoxophyes orana?

Schlupfwespen (z. B. Arten der Gattungen Trichogramma oder Colpoclypeus florus) sowie Ohrwürmer und räuberische Wanzen leisten einen bedeutenden Beitrag zur natürlichen Dezimierung der Populationen. Um diese Nützlinge zu schonen, sollten im integrierten Pflanzenschutz bevorzugt selektive Pflanzenschutzmittel und nützlingsschonende biologische Präparate eingesetzt werden.

Wie finde ich im Agronomie-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion im Bereich „Pflanzenschutzmittel“ unseres Hubs. Filtern Sie nach der Zielkultur (z. B. Apfel oder Kernobst) und wählen Sie als Schaderreger „Apfelschalenwickler“ oder den EPPO-Code „CAPURE“ aus, um eine aktuelle Liste der in Ihrem Land zugelassenen Anwendungen inklusive Aufwandmengen, BBCH-Anwendungsfenstern und Wartezeiten zu erhalten.

Warum versagen chemische Behandlungen manchmal trotz korrekter Terminierung?

Ein häufiger Grund ist eine unzureichende Benetzung der inneren Baumkrone und der Fruchtcluster, da sich die Larven bevorzugt in zusammengesponnenen Blättern verstecken. Zudem kann eine beginnende Resistenzbildung gegen bestimmte Wirkstoffklassen (z. B. Pyrethroide) vorliegen, weshalb ein konsequenter Wechsel der IRAC-Wirkstoffgruppen zwingend erforderlich ist.