Grüne Borstenhirse
Die Grüne Borstenhirse (Setaria viridis, EPPO-Code: SETVI) ist ein einjähriges, wärmeliebendes Süßgras, das sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten Ungräser im mitteleuropäischen Ackerbau entwickelt hat. Ursprünglich aus Eurasien stammend, profitiert die Art stark von milden Frühjahrs- und Sommermonaten sowie von engen Fruchtfolgen mit hohem Reihenkulturen-Anteil.
Besonders in Kulturen wie Mais (Zea mays) und Kartoffeln (Solanum tuberosum) stellt der Schaderreger eine erhebliche wirtschaftliche Bedrohung dar. Durch ihre enorme Konkurrenzkraft um Licht, Wasser und Nährstoffe kann die Grüne Borstenhirse erhebliche Ertragsverluste verursachen. Zudem erschwert die dichte Biomasse bei starkem Befall die Erntearbeiten im Herbst erheblich.
Biologie / Lebenszyklus
Die Keimung von Setaria viridis beginnt im späten Frühjahr, sobald die Bodentemperaturen dauerhaft über 10 bis 12 °C steigen, was meist ab Ende April oder Anfang Mai der Fall ist. Als C4-Pflanze zeigt das Ungras bei sommerlicher Hitze und Trockenheit ein extrem rasches Wachstum und bestockt sich zügig. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September, wobei eine einzelne Pflanze mehrere tausend langlebige Samen produzieren kann, die im Boden über viele Jahre keimfähig bleiben. Nach dem ersten Frost im Herbst stirbt die Pflanze vollständig ab, während die Samen im Boden überwintern, um im Folgejahr den nächsten Zyklus zu starten.
Bonitur
Das Monitoring im Feld sollte frühzeitig ab dem Auflaufen der Kulturen beginnen. In Mais liegt der kritische Zeitraum für die Überwachung zwischen den BBCH-Stadien 12 und 18 (2- bis 8-Blatt-Stadium des Maises), da hier die Konkurrenzphase beginnt. Eine Bekämpfungsrichtschwelle ist bei etwa 5 bis 10 Hirse-Keimlingen pro Quadratmeter erreicht, insbesondere bei verzögertem Jugendwachstum der Kultur. In Kartoffeln sollte die Kontrolle vor dem Reihenschluss (BBCH 31 bis 39) erfolgen, um spätere Ernteerschwerungen durch verunkrautete Dämme zu verhindern.
Integriertes Management
Die Bekämpfung der Grünen Borstenhirse erfordert ein integriertes Konzept. Ackerbauliche Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge mit hohem Getreideanteil, der Anbau von Zwischenfrüchten zur Unterdrückung und eine gezielte mechanische Unkrautbekämpfung (Striegeln im frühen Keimblattstadium, Hacken zwischen den Reihen) reduzieren den Auflaufdruck erheblich. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten frühzeitig im Nachauflauf appliziert werden, solange sich die Hirse im 1- bis 3-Blatt-Stadium befindet. Um der Entstehung von Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel nach dem HRAC-Klassifizierungssystem (z. B. Wechsel zwischen HRAC-Gruppe 1/A und HRAC-Gruppe 2/B) zwingend erforderlich.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Ab welcher Bodentemperatur muss mit dem Auflaufen der Grünen Borstenhirse gerechnet werden?
Die Keimung beginnt ab einer konstanten Bodentemperatur von etwa 10 bis 12 °C in den oberen Bodenschichten. In Mitteleuropa wird dieser Schwellenwert meist ab Ende April oder Anfang Mai erreicht, weshalb spätsaatbereite Kulturen besonders gefährdet sind.
Wie lässt sich eine Resistenzbildung gegen Herbizide bei der Grünen Borstenhirse verhindern?
Ein konsequenter Wechsel von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (HRAC-Klassen) ist entscheidend. Zudem sollten mechanische Maßnahmen wie das Hacken im Mais oder das Striegeln im frühen Stadium integriert werden, um den Selektionsdruck durch chemische Pflanzenschutzmittel zu minimieren.
Welches Entwicklungsstadium der Hirse ist optimal für eine chemische Behandlung?
Der optimale Behandlungszeitpunkt liegt im frühen Nachauflauf, wenn sich die Hirse im BBCH-Stadium 11 bis 13 (1- bis 3-Blatt-Stadium) befindet. Sobald die Bestockung einsetzt, sinkt die Sensitivität gegenüber vielen zugelassenen Pflanzenschutzmitteln drastisch.
Wie finde ich im Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen die Grüne Borstenhirse?
Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion in unserem Pflanzenschutzmittel-Hub. Filtern Sie nach der Zielkultur (z. B. Mais oder Kartoffel) und wählen Sie unter den Schaderregern den EPPO-Code „SETVI“ aus, um alle regional zugelassenen Indikationen und Aufwandmengen einzusehen.
Wie lange bleiben die Samen von Setaria viridis im Boden keimfähig?
Die Samen weisen eine ausgeprägte Keimruhe auf und können im Boden je nach Bearbeitungstiefe und Bodenfeuchte zwischen 5 und über 10 Jahre überdauern. Ein tiefes Unterpflügen kann die Samen konservieren, weshalb ein flaches, keimanregendes Arbeiten im Scheinfahrbetrieb oft vorteilhafter ist.
Welche Rolle spielen Zwischenfrüchte bei der Unterdrückung dieses Schaderregers?
Schnellwüchsige, dicht schließende Zwischenfrüchte im Herbst entziehen der Hirse das Licht und unterdrücken spätkeimende Individuen. Zudem sorgt eine gute Bodenbedeckung im Frühjahr für eine verzögerte Erwärmung des Bodens, was den Auflauf der Hirse nach hinten verschiebt.