Grüne Borstenhirse
Die Grüne Borstenhirse (Setaria viridis, EPPO-Code: SETVI) ist ein einjähriges, wärmeliebendes Süßgras, das sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten Unkräuter im mitteleuropäischen Ackerbau entwickelt hat. Besonders in spät auflaufenden, weitreihenständigen Kulturen wie Mais (Zea mays) und Kartoffeln (Solanum tuberosum) findet der Schaderreger optimale Entwicklungsbedingungen. Durch ihre hohe Konkurrenzkraft um Wasser, Licht und Nährstoffe kann die Grüne Borstenhirse erhebliche Ertragsverluste verursachen, wenn sie nicht rechtzeitig reguliert wird.
Aufgrund des Klimawandels und der zunehmenden Erwärmung der Böden im Frühjahr breitet sich das Unkraut auch in Regionen aus, in denen es früher kaum eine Rolle spielte. Neben dem direkten Ertragsverlust erschwert ein starker Besatz die Ernte der Kulturen und führt zu einer massiven Anreicherung des Samenpotenzials im Boden, was die Unkrautkontrolle in den Folgejahren erschwert.
Biologie / Lebenszyklus
Die Keimung von Setaria viridis beginnt im späten Frühjahr, sobald die Bodentemperaturen dauerhaft über 10 bis 12 °C steigen, was meist ab Ende April oder Mai der Fall ist. Das Unkraut wächst extrem rasch und bildet innerhalb weniger Wochen kräftige Horste, die ab Juni bis in den Herbst hinein kontinuierlich blühen und Samen produzieren. Eine einzelne Pflanze kann unter günstigen Bedingungen mehrere tausend Samen bilden, die vor allem durch Wind, Erntemaschinen oder Tiere verbreitet werden. Die Samen sind im Boden sehr langlebig und können dort über mehrere Jahre hinweg ihre Keimfähigkeit behalten, was zu einer kontinuierlichen Verunkrautung führt.
Bonitur
Für ein effektives Monitoring solltest du deine Flächen ab dem Auflaufen der Kulturen regelmäßig kontrollieren. Im Mais liegt der kritische Zeitraum für die Überwachung zwischen den BBCH-Stadien 12 (2-Blatt-Stadium) und 18 (8-Blatt-Stadium) der Kultur, da hier die Konkurrenz durch das Unkraut am größten ist. Eine Schadensschwelle von etwa 5 bis 10 Hirse-Pflanzen pro Quadratmeter gilt im Mais- und Kartoffelanbau als Richtwert für eine gezielte Herbizidmaßnahme. Achte beim Scouting besonders auf Vorgewende, Feldränder und lückige Bestände, da sich die Grüne Borstenhirse dort aufgrund des höheren Lichteinfalls zuerst etabliert.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Management der Grünen Borstenhirse basiert auf einer integrierten Strategie, die mechanische, pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen kombiniert. Pflanzenbaulich helfen eine weite Fruchtfolge mit einem hohen Anteil an winterannuellen Kulturen sowie eine schnelle Bodenbedeckung durch dichte Bestände, den Lichtkeimer zu unterdrücken. Mechanisch lässt sich das Unkraut im frühen Keimblattstadium hervorragend durch Striegeln oder Hacken regulieren. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf ein konsequentes Wirkstoffmanagement nach den HRAC-Richtlinien zu achten; wechsle regelmäßig zwischen den Wirkstoffklassen (z. B. ALS-Inhibitoren, ACCase-Inhibitoren und Bodenherbiziden), um der Entstehung von Resistenzen gezielt vorzubeugen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidest du die Grüne Borstenhirse im frühen Stadium von anderen Hirsearten?
Achte auf die Blattscheide und das Blatthäutchen (Ligula). Im Gegensatz zur Hühnerhirse, die kein Blatthäutchen besitzt, weist die Grüne Borstenhirse einen dichten Wimpernkranz anstelle des Blatthäutchens auf. Zudem sind ihre Blattscheiden kahl und die Blattoberseite ist meist glatt oder nur minimal behaart.
Warum versagen Spätbehandlungen gegen die Grüne Borstenhirse oft?
Sobald die Grüne Borstenhirse das Bestockungsstadium (ab BBCH 21) überschritten hat, bildet sie eine dicke Wachsschicht auf den Blättern aus, was die Wirkstoffaufnahme drastisch reduziert. Zudem schützt das dichte Blätterdach der Kultur das Unkraut vor direktem Kontakt mit dem Pflanzenschutzmittel. Behandlungen sollten daher immer im frühen Keim- bis Laubblattstadium erfolgen.
Wie kannst du im Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen dieses Unkraut suchen?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach dem Schaderreger "Grüne Borstenhirse" oder dem EPPO-Code "SETVI". Du kannst die Ergebnisse anschließend nach deiner spezifischen Kultur und dem gewünschten Anwendungszeitraum filtern, um die für dich passenden, aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel zu finden.
Welche Rolle spielt die Bodenfeuchtigkeit bei der chemischen Regulierung?
Viele der gegen Hirsearten eingesetzten Bodenherbizide benötigen für eine optimale Wirkung eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit, damit der Wirkstoff in die Keimzone transportiert und von den Unkrautwurzeln aufgenommen werden kann. Bei anhaltender Trockenheit solltest du den Fokus eher auf blattaktive Pflanzenschutzmittel oder mechanische Maßnahmen legen.
Wie wirkt sich eine reduzierte Bodenbearbeitung auf den Besatz mit Grüner Borstenhirse aus?
Da die Samen der Grünen Borstenhirse Lichtkeimer sind, begünstigt eine reduzierte Bodenbearbeitung (wie Direktsaat oder Mulchsaat) das Auflaufen, da die Samen in den obersten Bodenschichten verbleiben. Ein gelegentlicher Wendepflug-Einsatz kann helfen, die Samen tief zu vergraben, wodurch sie über die Jahre an Keimfähigkeit verlieren.