Alle Schaderreger
Schädling

Grüne Erbsenblattlaus

Acyrthosiphon pisum
ACYRON

Die Grüne Erbsenblattlaus (Acyrthosiphon pisum, EPPO-Code: ACYRON) ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im großflächigen Leguminosenanbau Mitteleuropas. Dieser saugende Schädling befällt bevorzugt großkörnige Leguminosen wie die Ackerbohne (Vicia faba subsp. minor) und die Futter- bzw. Ackererbse (Pisum sativum subsp. arvense). Neben dem direkten Saugschaden, der zu erheblichen Ertragseinbußen führt, ist die Art vor allem als hocheffizienter Vektor für pflanzenpathogene Viren (wie das Erbsenblattrollvirus, PEMV) gefürchtet.

Die Ausbreitung im Feld erfolgt rasch über geflügelte Morphen, die bei günstiger Witterung weite Strecken zurücklegen können. Ein Massenauftreten kann innerhalb weniger Tage zu einem Zusammenbruch der Bestände führen, weshalb eine präzise Überwachung und rechtzeitige Intervention für den wirtschaftlichen Erfolg deiner Kulturen entscheidend sind.

Typ
Schädling
EPPO-Code
ACYRON
Wirte
2 Kulturen
Generationen
Mehrere überlappende Generationen (bis zu 10–15 pro Saison)
Verbreitung
Acyrthosiphon pisum ist weltweit in den gemäßigten Klimazonen verbreitet und verursacht insbesondere in Europa und Nordamerika regelmäßig schwere wirtschaftliche Schäden im Leguminosenanbau.
Erstbeschreibung
Harris, 1776

Biologie / Lebenszyklus

Die Überwinterung von Acyrthosiphon pisum erfolgt als winterhartes Ei an ausdauernden Leguminosen wie Luzerne oder Klee. Im Frühjahr schlüpfen daraus die ungeflügelten Stammmütter (Fundatrices), die sich parthenogenetisch vermehren und rasch dichte Kolonien bilden. Ab Mai entwickeln sich geflügelte Generationen (Migrantes), die in die einjährigen Kulturen wie Erbsen und Ackerbohnen einfliegen. Unter warm-trockenen Sommerbedingungen folgen zahlreiche, sich extrem schnell entwickelnde Generationen von Jungfern (Apterae und Alatae), bevor im Herbst durch die Entstehung von Sexualformen die Eiablage für die nächste Überwinterung eingeleitet wird.

Bonitur

Das Monitoring sollte ab dem Auflaufen der Kulturen, spätestens aber ab dem BBCH-Stadium 30 (Beginn des Längenwachstums) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69) regelmäßig durchgeführt werden. Zur Bonitur klopfst du an mehreren Stellen des Schlages jeweils 10 bis 20 Pflanzen über einem hellen Gefäß oder einer Klopfschale ab. Als wirtschaftliche Schadensschwelle in der Erbse gilt in der Regel ein Besatz von ca. 10 bis 15 Blattläusen pro Pflanze im Zeitraum zwischen Knospenbildung (BBCH 51) und Vollblüte (BBCH 65), oder wenn mehr als 20 bis 30 % der Pflanzen besiedelt sind. Bei Ackerbohnen liegt der Richtwert bei etwa 5 bis 10 % besiedelten Trieben.

Symptome

Typische Symptome im Feld sind zusammengerollte, deformierte Blätter und gestauchte Triebspitzen, die oft von klebrigem Honigtau und darauf siedelnden Rußtaupilzen bedeckt sind. Bei starkem Befall vergilben die Blätter der betroffenen Kulturen, welken und sterben schließlich ab, was zu einem ungleichmäßigen Wuchs führt. Zudem zeigen sich oft indirekte Virussymptome wie mosaikartige Blattverfärbungen, Adernaufhellungen und stark verkümmerte Hülsen, die keine marktfähigen Körner mehr ausbilden.

Integriertes Management

Ein integriertes Management setzt primär auf die Schonung natürlicher Gegenspieler wie Marienkäfer, Schwebfliegenlarven und Schlupfwespen, die das Populationswachstum der Schaderreger oft unter der Schadensschwelle halten können. Kulturtechnisch helfen ein früher Aussaattermin zur Nutzung des Entwicklungsvorsprungs der Kulturen sowie eine ausgewogene Düngung, um mastigen Wuchs zu vermeiden. Ist der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel unumgänglich, sollten nützlingsschonende Selektivpräparate bevorzugt werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe aus unterschiedlichen IRAC-Klassen im Wechsel angewendet werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie finde ich im Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen die Grüne Erbsenblattlaus?

Nutze die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere nach dem Schaderreger "Acyrthosiphon pisum" oder dem EPPO-Code "ACYRON". Achte darauf, dein Land und die spezifische Kultur (z. B. Ackerbohne oder Erbse) auszuwählen, um nur die aktuell beim BVL oder den nationalen Behörden registrierten Anwendungen mit den korrekten Aufwandmengen und Wartezeiten angezeigt zu bekommen.

Warum ist die Bekämpfung der Grünen Erbsenblattlaus vor der Blüte (BBCH 51–59) so kritisch?

In dieser Phase entscheidet sich der Hülsenansatz deiner Kulturen. Saugen die Läuse an den jungen Knospen, führt dies zu Blütenabwurf und verkrüppelten Hülsen. Zudem übertragen die Läuse Viren besonders effektiv in junge, stark wachsende Gewebe, was zu systemischen Schäden führt, die später im BBCH-Stadium 70+ nicht mehr korrigiert werden können.

Welche Rolle spielen Mischkulturen bei der Regulierung dieses Schaderregers?

Der gemeinsame Anbau von Leguminosen mit Getreide (z. B. Erbse mit Hafer oder Gerste) erschwert den anfliegenden geflügelten Blattläusen das Auffinden ihrer Wirtspflanzen. Die optische Barriere und die veränderten Mikroklimabedingungen in Mischbeständen reduzieren die Landungsrate der Schädlinge im Vergleich zu Reinkulturen signifikant.

Wie beeinflusst die Witterung das Risiko eines Massenbefalls?

Trocken-warme Witterung mit Temperaturen zwischen 20 und 25 °C beschleunigt die Entwicklung der Grünen Erbsenblattlaus massiv; eine Generation kann sich dann in unter einer Woche entwickeln. Regen und kühle Temperaturen unter 15 °C hemmen die Vermehrung stark und waschen die Schädlinge mechanisch von den Kulturen ab.

Wie unterscheidet sich die Schadwirkung von direktem Saugschaden und Virusübertragung bei deiner Bekämpfungsentscheidung?

Der direkte Saugschaden korreliert eng mit der Populationsdichte (Schadensschwelle 10–15 Läuse/Pflanze). Für die Übertragung von Viren wie dem PEMV reicht jedoch oft schon ein sehr geringer Erstbefall durch geflügelte Vektoren aus. Gibt es in deiner Region bekannte Virus-Hotspots, musst du die Behandlungsschwelle deutlich sensibler ansetzen und bereits beim ersten Einflug reagieren.

Wie integrierst du das IRAC-Resistenzmanagement konkret bei aufeinanderfolgenden Behandlungen?

Vermeide es unbedingt, zweimal hintereinander Pflanzenschutzmittel aus derselben IRAC-Wirkstoffgruppe anzuwenden. Wenn du beispielsweise eine Erstbehandlung mit einem Pyrethroid (IRAC-Gruppe 3A) durchgeführt hast, sollte eine eventuell notwendige Folgebehandlung mit einem Wirkstoff aus einer anderen Gruppe (z. B. Flonicamid, IRAC-Gruppe 29) erfolgen, um den Selektionsdruck zu minimieren.