Grüne Erbsenblattlaus
Die Grüne Erbsenblattlaus (Acyrthosiphon pisum, EPPO-Code: ACYRON) ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im großflächigen Anbau von großkörnigen Leguminosen in Mitteleuropa. Sie befällt bevorzugt Kulturen wie die Ackererbse (Pisum sativum) und die Ackerbohne (Vicia faba), kann aber auch auf anderen Fabaceen wie Luzerne und Kleearten schädlich auftreten. Neben den direkten Saugschäden, die zu erheblichen Ertragseinbußen führen, ist dieser Schädling vor allem als hocheffizienter Vektor für zahlreiche Pflanzenviren (wie das Erbsenblattrollvirus oder das Scharfe Adernmosaik-Virus) gefürchtet.
Die Ausbreitung im Feld erfolgt rasch, da die geflügelten Morphen bei günstiger Witterung weite Strecken mit dem Wind zurücklegen können. Ein Massenauftreten führt unbehandelt zu gravierenden Qualitäts- und Ertragsverlusten, da die betroffenen Kulturen vorzeitig vergilben, im Wachstum stagnieren und im Extremfall komplett absterben.
Biologie / Lebenszyklus
Die Überwinterung von Acyrthosiphon pisum erfolgt als winterhartes Ei an ausdauernden Leguminosen wie Luzerne oder Rotklee. Im Frühjahr schlüpfen daraus die Stammmütter (Fundatrices), die sich parthenogenetisch vermehren und rasch dichte Kolonien bilden. Ab Mai entwickeln sich geflügelte Morphen (Alatae), die in die einjährigen Kulturen wie Ackererbsen und Ackerbohnen abwandern. Dort folgen im Sommer mehrere, sich stark überlappende Generationen ungeflügelter Weibchen, die lebendgebärend (vivipar) für eine explosionsartige Populationsentwicklung sorgen. Erst im Herbst, induziert durch abnehmende Tageslänge und sinkende Temperaturen, entstehen geschlechtliche Morphen, die nach der Paarung die Wintereier an den ausdauernden Wirtspflanzen ablegen.
Bonitur
Das Monitoring sollte ab dem Auflaufen der Kulturen, spätestens jedoch ab dem BBCH-Stadium 30 (Beginn des Längenwachstums) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69) regelmäßig durchgeführt werden. Zur Ermittlung der Schadensschwelle wird die Klopfmethode (z. B. Abklopfen von Trieben über einer weißen Schale) an mindestens 50 zufällig ausgewählten Trieben quer über den Schlag verteilt empfohlen. Als Richtwert für eine gezielte Behandlung gilt in der Praxis ein Befall von etwa 10 bis 15 Blattläusen pro Trieb im BBCH-Stadium 30 bis 50, oder wenn bereits bei 20 % der Pflanzen Kolonien sichtbar sind. Bei trocken-warmer Witterung müssen die Kontrollintervalle auf wenige Tage verkürzt werden.
Symptome
Ein Befall äußert sich zunächst durch das Auftreten dichter, hellgrüner Kolonien an den Triebspitzen, jungen Blättern und später auch an den Blütenknospen und Hülsen. Durch die Saugtätigkeit kommt es zu charakteristischen Deformationen, Kräuselungen und Vergilbungen der Blätter. Bei starkem Befall verkürzen sich die Internodien, was zu einem gestauchten Wuchs der Kultur führt; Blüten fallen unbefruchtet ab, und die Hülsenbildung ist stark reduziert oder verkrüppelt. Zudem sind die Pflanzen oft mit klebrigem Honigtau bedeckt, auf dem sich sekundär Rußtaupilze ansiedeln, was die Photosyntheseaktivität weiter einschränkt. Indirekt zeigen sich oft virale Symptome wie mosaikartige Scheckungen oder chlorotische Streifungen.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus vorbeugenden ackerbaulichen Maßnahmen, der Förderung von Nützlingen und dem gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die Schonung natürlicher Gegenspieler wie Marienkäfer, Schwebfliegenlarven, Florfliegen und Schlupfwespen kann den Schädlingsdruck oft unter der Schadgrenze halten. Wenn chemische Maßnahmen unumgänglich sind, sollten nützlingsschonende, selektive Aphizide bevorzugt werden. Um der Entstehung von Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement nach den IRAC-Richtlinien erforderlich; dies bedeutet den strikten Wechsel zwischen Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen bei aufeinanderfolgenden Anwendungen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Grüne Erbsenblattlaus optisch von anderen Blattlausarten in Leguminosen?
Acyrthosiphon pisum ist mit 3 bis 5 mm relativ groß, langbeinig und meist hellgrün (selten rötlich) gefärbt. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Schwarzen Bohnenlaus (Aphis fabae) ist neben der hellgrünen Färbung die matte Körperoberfläche und die sehr langen, dünnen Siphonen (Hinterleibsröhren), die deutlich über das Hinterleibsende hinausragen.
Warum ist die Bekämpfung der Grünen Erbsenblattlaus bereits vor der Blüte (BBCH 51) so kritisch?
Blattläuse übertragen Viren wie das Erbsenmosaikvirus (PEMV) nicht-persistent oder semipersistent innerhalb kürzester Zeit. Erfolgt der Befall und die Virusübertragung in frühen BBCH-Stadien (vor der Knospenbildung), sind die Ertragsverluste durch Kümmerwuchs und mangelnden Hülsenansatz ungleich höher, als wenn der Befall erst nach der Blüte einsetzt.
Wie finde ich im Online-Portal aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Hub und filtern Sie nach dem Schaderreger "Acyrthosiphon pisum" oder "Grüne Erbsenblattlaus" in Kombination mit Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Ackererbse). Achten Sie darauf, die Zulassungssituation für Ihr jeweiliges Land (z. B. BVL-Zulassungen für Deutschland) zu prüfen, da sich Indikationen und Anwendungsbestimmungen kurzfristig ändern können.
Welche Rolle spielen Mischkulturen bei der Regulierung von Acyrthosiphon pisum?
Der Mischanbau von Erbsen mit Stützfrüchten wie Hafer oder Gerste erschwert den anfliegenden, geflügelten Blattläusen das Auffinden ihrer Wirtskultur (optischer Barriereeffekt). Zudem fördert die höhere strukturelle Diversität im Bestand das Aufkommen von natürlichen Prädatoren, was den Populationsaufbau des Schädlings nachweislich verlangsamt.
Wie beeinflusst die Witterung das Risiko eines Massenauftretens und wann muss ich reagieren?
Warme und trockene Bedingungen (Temperaturen um 20–25 °C ohne Starkregen) verkürzen die Generationsdauer der Blattlaus auf unter eine Woche. Unter diesen Bedingungen kann sich die Population explosionsartig verdoppeln; Kontrollen sollten dann alle 2 bis 3 Tage stattfinden, um den optimalen Behandlungszeitpunkt nicht zu verpassen.
Welche IRAC-Wirkstoffgruppen stehen für ein effektives Resistenzmanagement zur Verfügung?
Für die chemische Regulierung stehen Wirkstoffe aus verschiedenen IRAC-Klassen zur Verfügung, darunter Pyrethroide (Gruppe 3A) sowie selektive Fraß- und Sauggifte wie Flonicamid (Gruppe 29). Ein jährlicher oder anwendungsbezogener Wechsel dieser Gruppen ist zwingend erforderlich, um die Selektion resistenter Blattlauspopulationen zu verhindern.