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Sonstiger Schaderreger

Hopfenputzen

hop trimming
YHOPP

Das Hopfenputzen (EPPO-Code: YHOPP) ist eine fundamentale kulturtechnische Maßnahme im professionellen Hopfenbau (Humulus lupulus), bei der die bodennahen Blätter und Triebe der Hopfenreben entfernt werden. Diese Praxis dient primär der Unterbrechung von Infektionszyklen bedeutender Schaderreger, insbesondere der Hopfenperonospora (Pseudoperonospora humuli) und der Gemeinen Spinnmilbe (Tetranychus urticae). Durch das Entfernen der unteren Pflanzenteile wird das Mikroklima im Hopfenbestand optimiert, da die Luftzirkulation verbessert und die relative Luftfeuchtigkeit im bodennahen Bereich gesenkt wird.

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Maßnahme ist im intensiven Hopfenanbau, beispielsweise in der Hallertau oder der Elbe-Saale-Region, extrem hoch. Ein Verzicht auf das Hopfenputzen oder eine fehlerhafte Durchführung führt zu einer rasanten Ausbreitung von Primärinfektionen vom Boden aus in die oberen Ertragszonen. Dies kann erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste durch verpilzte Dolden nach sich ziehen und erhöht den Bedarf an chemischen Pflanzenschutzmitteln im weiteren Vegetationsverlauf drastisch.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
YHOPP
Wirte
1 Kultur
Verbreitung
Das Hopfenputzen ist in allen bedeutenden Hopfenanbaugebieten weltweit, insbesondere in den gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas (Deutschland, Tschechien), eine standardmäßige und essenzielle Praxis zur Sicherung von Ertrag und Qualität.

Biologie / Lebenszyklus

Das Hopfenputzen erfolgt typischerweise im Frühjahr, sobald die Hopfenreben eine ausreichende Höhe erreicht haben und an den Drähten aufgeleitet sind. Der optimale Zeitraum erstreckt sich von Ende Mai bis Mitte Juni, um die aufsteigende Feuchtigkeit und die damit einhergehende Infektionsgefahr durch bodenbürtige Sporen zu minimieren. Im Laufe der Vegetation wachsen ohne diese Maßnahme kontinuierlich Nebentriebe und bodennahe Blätter nach, die als Brücke für Schaderreger dienen. Durch die rechtzeitige Durchführung wird diese grüne Brücke dauerhaft unterbrochen, wodurch die obere Laubwand bis zur Ernte im Spätsommer besser geschützt bleibt.

Bonitur

Die Terminierung des Hopfenputzens orientiert sich eng an der Entwicklung der Kultur und wird meist im BBCH-Stadium 31 bis 37 (Längenwachstum der Haupttriebe) durchgeführt, idealerweise wenn die Reben eine Höhe von etwa 2,0 bis 3,0 Metern erreicht haben. Agronomen überwachen hierbei die Witterungsverhältnisse und den Befallsdruck durch Primärinfektionen der Peronospora (sogenannte 'Pseudospikers'). Ein kritischer Schwellenwert für die Durchführung ist das Einsetzen feucht-warmer Witterungsperioden im Frühsommer, da hier das Risiko einer epidemischen Ausbreitung sprunghaft ansteigt.

Symptome

Ein ungenügend oder nicht geputzter Hopfenbestand zeigt im bodennahen Bereich dichte, buschige Nebentriebe und bodenaufliegende Blätter, die häufig erste Symptome von Primärinfektionen aufweisen. Dazu gehören deformierte, gestauchte Triebe ('Spiker') mit graubraunem Sporenbelag auf den Blattunterseiten sowie gelbliche Verfärbungen. Bei erfolgreicher Durchführung des Hopfenputzens ist die Basis der Reben bis zu einer Höhe von etwa 1,0 bis 1,5 Metern vollständig entlaubt und frei von Nebentrieben, was zu einem sauberen, gut durchlüfteten Unterbestand führt.

Integriertes Management

Das Hopfenputzen ist ein zentraler Baustein des integrierten Pflanzenschutzes (IPM). Es kann entweder mechanisch (durch Abschlagen oder Bürsten) oder chemisch durch den gezielten Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel (Abbrennmittel/Herbizide mit Kontaktwirkung) erfolgen. Bei der chemischen Anwendung ist penibel auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Aufwandmenge und die Düsenkonfiguration zu achten, um Abdrift in die oberen Kulturzonen zu vermeiden. Zur Vermeidung von Wirkstoffresistenzen (HRAC-Klassifizierung) müssen die eingesetzten Herbizide im Wechsel mit mechanischen Verfahren oder unterschiedlichen Wirkstoffklassen angewendet werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Kann das Hopfenputzen auch vollständig mechanisch durchgeführt werden, und welche Vorteile bietet dies?

Ja, mechanische Verfahren (z. B. mit rotierenden Bürsten oder Abreißgeräten) sind weit verbreitet. Sie bieten den Vorteil, dass keine chemischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden müssen, was Rückstandsrisiken minimiert und im ökologischen Hopfenbau zwingend erforderlich ist. Allerdings erfordern sie eine sehr präzise Traktorführung, um mechanische Beschädigungen der Hauptreben zu vermeiden.

Welche Rolle spielt die Witterung am Tag der chemischen Durchführung des Hopfenputzens?

Für die chemische Entlaubung sind warme, sonnige Tage ideal, da Kontaktherbizide (Abbrennmittel) unter diesen Bedingungen am schnellsten und effektivsten wirken. Windstille ist bei der Behandlung zwingend erforderlich, um eine Abdrift des Pflanzenschutzmittels in die oberen, sensitiven Ertragszonen der Kultur zu verhindern.

Wie wirkt sich ein zu spätes Hopfenputzen auf die Ertragsphysiologie aus?

Wird die Maßnahme zu spät durchgeführt (z. B. nach dem BBCH-Stadium 39), haben sich die unteren Triebe bereits verholzt. Dies erschwert sowohl die mechanische Entfernung als auch die chemische Wirkung der Pflanzenschutzmittel. Zudem steigen das Risiko von Verletzungen der Hauptrebe und die Wahrscheinlichkeit, dass Schaderreger bereits in die obere Laubwand aufgestiegen sind.

Gibt es Sortenunterschiede beim Hopfen, die die Intensität des Hopfenputzens beeinflussen?

Ja, stark wüchsige Sorten (wie viele Hochalphasorten) bilden schneller und üppiger bodennahe Nebentriebe, was ein frühzeitiges und eventuell zweifaches Putzen erfordert. Aroma- und Landsorten reagieren mitunter empfindlicher auf mechanische Beschädigungen an der Rebenbasis, weshalb hier besonders schonend gearbeitet werden muss.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub registrierte Pflanzenschutzmittel für das chemische Hopfenputzen?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Hopfen' (Humulus lupulus) und der Anwendungsart 'Abbrennen' oder 'Entlaubung'. Achten Sie auf die spezifischen Zulassungsauflagen, die maximalen Anwendungen pro Saison, die vorgeschriebene Aufwandmenge und die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte.

Kann das Hopfenputzen die Übertragung von Viren oder Viroiden im Hopfengarten begünstigen?

Ja, insbesondere bei der mechanischen Durchführung können mechanisch übertragbare Erreger wie das Hopfen-Latent-Viroid (HLVd) über Schnittwerkzeuge und Bürsten von Kultur zu Kultur verbreitet werden. Eine regelmäßige Desinfektion der Geräte beim Wechsel von infizierten in gesunde Bestände ist daher dringend zu empfehlen.