Hopfenputzen
Das Hopfenputzen, international auch unter dem Begriff „hop trimming“ (EPPO-Code: YHOPP) bekannt, ist eine der wichtigsten kulturtechnischen Maßnahmen im professionellen Hopfenanbau (Humulus lupulus). Dabei werden die ersten, meist ungleichmäßig auflaufenden Triebe sowie die bodennahen Blätter der Kultur entfernt. Diese Maßnahme dient nicht nur der Ertrags- und Qualitätssteuerung, sondern ist auch ein essenzieller Baustein des integrierten Pflanzenschutzes, da sie das Mikroklima im Hopfenbestand nachhaltig reguliert.
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Maßnahme ist enorm. Durch das Entfernen der bodennahen Laubschicht wird die Luftzirkulation im unteren Bereich der Kultur drastisch verbessert. Dies entzieht gefährlichen Schaderregern wie der Primärinfektion des Falschen Mehltaus (Pseudoperonospora humuli) die feuchte Lebensgrundlage. Ein unsachgemäßes oder verspätetes Hopfenputzen kann zu erheblichem Krankheitsdruck, ungleichmäßigem Wuchs und letztlich zu spürbaren Ertragseinbußen führen.
Biologie / Lebenszyklus
Das Hopfenputzen erfolgt im Frühjahr und orientiert sich eng am jährlichen Entwicklungszyklus der Kultur. Nach dem ersten Austrieb und dem Anleiten der Haupttriebe entwickeln sich kontinuierlich Nebentriebe und bodennahe Blätter. Der optimale Zeitpunkt für die Durchführung liegt meist zwischen Ende April und Ende Mai, wenn die ausgewählten Haupttriebe bereits eine stabile Höhe erreicht haben. Durch den gezielten Einsatz mechanischer, thermischer oder chemischer Verfahren werden die unerwünschten Basaltriebe abgetötet oder abgeschnitten, wodurch die Energie der Kultur vollständig in das Längenwachstum der Hauptreben gelenkt wird.
Bonitur
Für ein erfolgreiches Hopfenputzen musst du den Bestand ab dem Austrieb (BBCH 09) regelmäßig kontrollieren. Die Entscheidung über den optimalen Zeitpunkt und die Methode basiert auf der Wuchshöhe der angeleiteten Hauptreben, die idealerweise eine Höhe von 1,5 bis 2 Metern (etwa BBCH 31 bis 35) erreicht haben sollten, bevor die chemische oder thermische Behandlung der Basis erfolgt. Zu frühes Putzen kann die Haupttriebe schädigen, während ein zu spätes Eingreifen das Risiko für die Ausbreitung von Schaderregern erhöht und die mechanische Durchführung erschwert.
Symptome
Nach einer erfolgreichen Durchführung des Hopfenputzens zeigt sich ein charakteristisches Bild im Feld: Die unteren 1 bis 1,5 Meter der Hopfenreben sind vollständig entlaubt und frei von Seitentrieben. Bei einer chemischen Anwendung mit Pflanzenschutzmitteln (z. B. Kontaktherbiziden) zeigen die behandelten, bodennahen Pflanzenteile innerhalb weniger Tage typische Nekrosen, vertrocknen und fallen schließlich ab. Achte darauf, dass keine Abdriftsymptome wie Vergilbungen oder Deformationen an den oberen, produktiven Teilen der Kultur auftreten.
Integriertes Management
Das Management dieser Maßnahme erfordert ein integriertes Konzept aus mechanischen, thermischen und chemischen Methoden. Mechanische Bürsten oder Schneidgeräte können frühzeitig eingesetzt werden, bergen jedoch das Risiko von Übertragungen von Viroiden oder Viren. Die chemische Desiccation erfolgt meist mit spezifischen Pflanzenschutzmitteln (häufig Kontaktherbizide aus der HRAC-Gruppe 14), die präzise und mit geringem Druck appliziert werden müssen, um Abdrift zu vermeiden. Zur Vermeidung von Wirkstoffresistenzen und zur Schonung der Kultur solltest du die Anwendungen exakt auf die Witterungsbedingungen abstimmen und die maximal zulässigen Aufwandmengen sowie Abstandsauflagen strikt einhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist das exakte BBCH-Stadium beim chemischen Hopfenputzen so wichtig?
Wenn du die chemische Anwendung zu früh durchführst (vor BBCH 31), sind die angeleiteten Hauptreben noch nicht ausreichend verholzt. Das Pflanzenschutzmittel kann dann in die Leitbahnen eindringen und die gesamte Kultur schwächen. Wartest du zu lange (nach BBCH 35), ist die Biomasse an der Basis zu groß, was die Benetzung verschlechtert und die Wirksamkeit der Behandlung drastisch reduziert.
Wie kann ich das Risiko von Abdrift auf die oberen Pflanzenteile minimieren?
Verwende für die Applikation spezielle, abdriftmindernde Düsen (Injektordüsen) und arbeite mit einem niedrigen Spritzdruck. Zudem sollten Abschirmungen (Spritzschirme) an der Feldspritze montiert sein. Führe die Behandlung nur bei Windgeschwindigkeiten unter 3 m/s und idealerweise in den kühleren Morgen- oder Abendstunden durch, um Thermik zu vermeiden.
Welche Rolle spielt das Hopfenputzen im Resistenzmanagement von Schaderregern?
Indem du durch das Putzen das Mikroklima im Bestand verbesserst (bessere Durchlüftung, schnelleres Abtrocknen), senkst du den Infektionsdruck von Pilzkrankheiten wie dem Falschen Mehltau drastisch. Dadurch musst du im weiteren Saisonverlauf deutlich weniger Fungizide einsetzen, was das Risiko von Resistenzbildungen (z. B. gegen FRAC-Gruppe 4 oder 21) in den Erregerpopulationen effektiv verringert.
Kann ich mechanische und chemische Methoden beim Hopfenputzen kombinieren?
Ja, eine Kombination ist in der Praxis sehr verbreitet und pflanzenbaulich sinnvoll. Häufig wird der erste Austrieb im sehr frühen Frühjahr mechanisch zurückgeschnitten oder abgeschlagen. Die nachfolgende, unerwünschte Welle von Basaltrieben wird dann im BBCH-Stadium 31–35 gezielt mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel chemisch weggespritzt, um eine langanhaltende Sauberkeit im bodennahen Bereich zu garantieren.
Wie finde ich im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel für das Hopfenputzen?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach der Kultur „Hopfen“ sowie dem Verwendungszweck „Krautminderung“ oder „Triebabtötung“. Achte darauf, die aktuelle Zulassungssituation und die spezifischen Anwendungsbestimmungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für das jeweilige Pflanzenschutzmittel zu prüfen, da sich Zulassungen und Wartezeiten kurzfristig ändern können.