Hundszahn
Das Gewöhnliche Hundszahngras (Cynodon dactylon, EPPO-Code: CYNDA), auch bekannt als Bermudagras, ist ein ausdauerndes, wärmeliebendes Süßgras (Poaceae), das sich durch ein extrem regenerationsfähiges System aus Stolonen und Rhizomen auszeichnet. Ursprünglich in den Tropen und Subtropen beheimatet, breitet sich dieser Schaderreger aufgrund des Klimawandels zunehmend in den wärmeren Weinbau- und Ackerbauregionen Mitteleuropas aus.
Die ökonomische Relevanz von Cynodon dactylon ist erheblich. Durch seine ausgeprägte Konkurrenzkraft um Wasser und Nährstoffe kann das Gras erhebliche Ertragseinbußen in landwirtschaftlichen Kulturen verursachen. Besonders im Weinbau (Vitis vinifera) sowie in spät auflaufenden Sommerungen wie Mais (Zea mays) stellt das Ungras aufgrund seiner hohen Toleranz gegenüber Trockenheit und Hitze ein schwer bekämpfbares Problem dar. Einmal etabliert, verdrängt es die Begleitflora und erschwert die Bodenbearbeitung massiv.
Biologie / Lebenszyklus
*Cynodon dactylon* ist ein ausdauerndes C4-Gras, dessen Hauptwachstumsphase im warmen Sommer liegt. Der Austrieb aus den tief im Boden überwinternden Rhizomen und oberirdischen Stolonen beginnt erst bei Bodentemperaturen ab etwa 15 °C, meist ab Mai. Im Laufe des Sommers bildet die Pflanze dichte Matten und breitet sich vegetativ über die kriechenden Ausläufer rasant aus, während die generative Vermehrung über Samen in Mitteleuropa eine untergeordnete, aber zunehmende Rolle spielt. Mit den ersten Herbstfrösten stirbt die oberirdische Biomasse ab, während die unterirdischen Überdauerungsorgane frosthart im Boden verbleiben und im nächsten Frühjahr erneut austreiben.
Bonitur
Die Überwachung von *Cynodon dactylon* konzentriert sich auf das zeitige Frühjahr, um erste Nester rechtzeitig zu lokalisieren. Im Weinbau sollte die Bonitur ab dem Knospenaufbruch (BBCH 09) erfolgen, um mechanische oder chemische Maßnahmen vor dem starken vegetativen Wachstum im Sommer einzuleiten. Im Mais liegt der kritische Kontrollzeitraum zwischen dem Auflaufen und dem Reihenschluss (BBCH 13 bis 39), da das C4-Ungras bei steigenden Temperaturen die junge Kultur schnell überwachsen kann. Eine Schadschwelle im klassischen Sinne existiert nicht; aufgrund des extremen Ausbreitungspotenzials gilt im integrierten Pflanzenschutz eine Nulltoleranz für neu auftretende Nester auf bisher unbelasteten Flächen.
Integriertes Management
Das Management von *Cynodon dactylon* erfordert einen konsequent integrierten Ansatz, da rein mechanische Maßnahmen oft zu einer weiteren Verschleppung und Vermehrung durch Zerstückelung der Rhizome führen. Kulturelle Maßnahmen umfassen eine tiefe Wendung des Bodens (Pflügen) während trockener Frostperioden im Winter, um die Rhizome an die Oberfläche zu bringen und dort erfrieren zu lassen. Chemische Behandlungen stützen sich auf systemische Pflanzenschutzmittel, insbesondere nicht-selektive Herbizide oder spezifische Graminizide (HRAC-Gruppe 1), die idealerweise im Spätsommer appliziert werden, wenn der Assimilatstrom nach unten in die Rhizome gerichtet ist. Zur Vermeidung von Wirkstoffresistenzen ist ein striktes HRAC-Resistenzmanagement durch den Wechsel von Wirkmechanismen und die Kombination mit mechanischer Bodenbearbeitung zwingend erforderlich.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Warum ist die mechanische Bekämpfung von Hundszahngras mit der Fräse oft kontraproduktiv?
Das Fräsen zerschneidet die unterirdischen Rhizome und oberirdischen Stolonen in kleine Segmente. Da fast jedes dieser Teilstücke schlafende Knospen besitzt, die schnell wieder austreiben, führt eine unbedachte mechanische Bearbeitung meist zu einer massiven Vermehrung und großflächigen Verschleppung des Schaderregers im Feld.
Zu welchem BBCH-Stadium der Kultur ist eine Herbizidanwendung gegen Hundszahngras am effektivsten?
Da *Cynodon dactylon* ein C4-Gras ist, treibt es erst spät im Frühjahr aus. Eine chemische Anwendung ist dann am wirksamsten, wenn das Ungras ausreichend Blattmasse gebildet hat (meist ab Juni/Juli), was im Weinbau oft mit der Blüte bis zum Beerenwachstum (BBCH 60–75) korreliert. Zu diesem Zeitpunkt transportiert die Pflanze Wirkstoffe besonders effizient in die Überdauerungsorgane.
Welche Rolle spielt die HRAC-Klassifizierung bei der chemischen Regulierung von Hundszahngras?
Um der Entstehung von Herbizidresistenzen vorzubeugen, müssen Wirkstoffe aus unterschiedlichen HRAC-Klassen alternierend eingesetzt werden. Da gegen ACCase-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 1) weltweit bereits Resistenzen bei *Cynodon dactylon* dokumentiert sind, sollte die Anwendung dieser Graminizide stets mit mechanischen Maßnahmen und dem gezielten Einsatz von Totalherbiziden (HRAC-Gruppe 9) im Wechsel kombiniert werden.
Wie kann ich im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt nach zugelassenen Mitteln gegen dieses Ungras suchen?
Nutzen Sie im Hub die Filterfunktion für Schaderreger und suchen Sie nach dem EPPO-Code „CYNDA“ oder dem wissenschaftlichen Namen „Cynodon dactylon“. Filtern Sie anschließend nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Weinrebe oder Mais), um alle aktuell in Ihrer Region zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit den entsprechenden Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten anzuzeigen.
Wie wirkt sich eine tiefe Bodenbearbeitung im Winter auf die Vitalität der Rhizome aus?
Eine tiefe Bodenbearbeitung (z. B. mit dem Pflug) im Spätherbst oder Winter zielt darauf ab, die frostempfindlichen Rhizome an die Bodenoberfläche zu befördern. Werden diese über mehrere Tage hinweg Barfrost ausgesetzt, sterben die Vegetationspunkte ab, was den Besatz im folgenden Frühjahr erheblich reduziert.