Kohlmottenschildlaus
Die Kohlmottenschildlaus (Aleyrodes proletella, EPPO-Code: ALEUPR) ist ein bedeutender Schädling im professionellen Kohlanbau. Dieser winzige, zu den Mottenschildläusen (Aleyrodidae) gehörende Schaderreger besiedelt bevorzugt die Blattunterseiten verschiedener Kreuzblütler. Besonders betroffen sind intensiv kultivierte Kohlgemüsearten wie Rosenkohl, Wirsing und Grünkohl, bei denen ein starker Befall zu erheblichen Qualitätsminderungen führt.
Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schädlings hat in den letzten Jahrzehnten in Mitteleuropa deutlich zugenommen. Durch die Saugtätigkeit der Larven und adulten Tiere sowie die massive Ausscheidung von Honigtau, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln, wird das Erntegut oft vollständig unverkäuflich. Zudem begünstigen milde Winter und die lange Verfügbarkeit von Wirtspflanzen auf den Feldern die ganzjährige Vermehrung und Ausbreitung des Schädlings.
Biologie / Lebenszyklus
Die Überwinterung von Aleyrodes proletella erfolgt hauptsächlich als adultes Weibchen an winterharten Kohlarten oder wintergrünen Wildkräutern. Im Frühjahr, sobald die Temperaturen steigen, beginnt die Eiablage in charakteristischen kreisförmigen Mustern auf den Blattunterseiten. Die Entwicklung verläuft über vier Larvenstadien, wobei das letzte Stadium als unbewegliches Puparium ausgebildet ist, aus dem schließlich die neue Generation schlüpft. Unter optimalen sommerlichen Bedingungen dauert ein Entwicklungszyklus nur etwa drei bis vier Wochen, was zu einer schnellen Populationsdynamik führt.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte ab dem Auspflanzen der Kulturen, spätestens jedoch ab dem BBCH-Stadium 14 bis 19 (Blattentwicklung), etabliert werden. Hierbei sind wöchentlich mindestens 20 bis 50 Pflanzen stichprobenartig, insbesondere auf den Blattunterseiten der älteren, bodennahen Blätter, auf Eigelege, Larven und adulte Tiere zu kontrollieren. Gelbtafeln können im Feld aufgestellt werden, um den Zuflug der adulten Mottenschildläuse frühzeitig zu erfassen. Als vorläufiger Bekämpfungsrichtwert im integrierten Anbau gilt ein Befall von mehr als 20 bis 30 % besiedelten Pflanzen im BBCH-Stadium 41 bis 45 (Beginn der Kopfbildung bzw. des Knospenansatzes).
Symptome
Typisch für einen Befall sind dichte Kolonien von weißen, etwa 1,5 mm großen, mottenähnlichen Insekten auf den Blattunterseiten, die bei Berührung der Kultur massenhaft auffliegen. Auf den Blättern zeigen sich zunächst gelbliche Saugestellen. Ein fortgeschrittener Befall ist durch klebrige Ausscheidungen (Honigtau) auf den Blattoberflächen und den Ernteorganen gekennzeichnet, die rasch von schwarzen Rußtaupilzen besiedelt werden. Dies führt zu einer starken Verschmutzung und mindert die Photosyntheseleistung der Kultur erheblich.
Integriertes Management
Die Regulierung erfordert eine konsequente integrierte Strategie. Kulturtechnische Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge, das gründliche Unterpflügen von Ernterückständen zur Unterbrechung der Infektionskette und die Förderung von natürlichen Gegenspielern (z. B. Schlupfwespen wie Encarsia tricolor, Schwebfliegen und Marienkäfer) stehen im Vordergrund. Der Einsatz von Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung kann den Zuflug effektiv verhindern. Wenn der wirtschaftliche Schadensschwellenwert überschritten wird, ist der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erforderlich. Um Resistenzbildungen zu vermeiden, müssen Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen im Rahmen des IRAC-Wirkstoffwechsels alternierend angewendet werden, wobei insbesondere systemische oder penetrierende Mittel zu bevorzugen sind, um die geschützt auf den Blattunterseiten sitzenden Larvenstadien zu erfassen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die chemische Bekämpfung der Kohlmottenschildlaus im fortgeschrittenen Stadium so schwierig?
Die adulten Tiere und Larven leben gut geschützt auf den Blattunterseiten, oft im Inneren des dichten Blattapparats (z. B. bei Rosenkohl). Zudem schützt eine wasserabweisende Wachsschicht die Larven und Puparien vor direktem Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln. Daher sind eine hohe Wasseraufwandmenge und der Zusatz von geeigneten Netzmitteln für eine ausreichende Benetzung essenziell.
Welche Rolle spielen Wildkräuter bei der Überwinterung von Aleyrodes proletella?
Wildkräuter aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), wie das Hirtentäschelkraut oder der Acker-Senf, dienen dem Schaderreger als wichtige Zwischenwirte und Überwinterungsrefugien. Eine konsequente Unkrautbekämpfung im Feld und an den Feldrändern im Herbst reduziert das Ausgangspotenzial für den Zuflug im folgenden Frühjahr erheblich.
Wie kann die Schlupfwespe Encarsia tricolor gezielt im Freiland gefördert werden?
Die Schonung dieser natürlichen Gegenspieler gelingt vor allem durch den Verzicht auf breit wirksame, persistente Insektizide (z. B. bestimmte Pyrethroide). Stattdessen sollten nützlingsschonende, selektive Pflanzenschutzmittel gewählt werden. Blühstreifen in der Umgebung der Kultur fördern zudem die Ansiedlung von adulten Schwebfliegen und Schlupfwespen.
Ab welchem BBCH-Stadium ist eine Behandlung bei Rosenkohl besonders kritisch?
Bei Rosenkohl ist die Phase der Knospenentwicklung (BBCH 41 bis 49) extrem kritisch. Dringen die Larven erst einmal in die sich schließenden Röschen ein, sind sie für Pflanzenschutzmittel praktisch nicht mehr erreichbar und das Erntegut wird durch Kot und Rußtau unbrauchbar. Behandlungen müssen daher zwingend vor dem Schließen der Röschen erfolgen.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schädling?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach dem Schaderreger "Aleyrodes proletella" oder "Kohlmottenschildlaus" in Kombination mit Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Rosenkohl oder Wirsing). Achten Sie bei der Auswahl der angezeigten Pflanzenschutzmittel auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die zugelassenen BBCH-Stadien und die einzuhaltende Wartezeit (PHI).
Welche Bedeutung hat das IRAC-Schema bei der Bekämpfung der Kohlmottenschildlaus?
Aufgrund der schnellen Generationenfolge pro Saison neigt Aleyrodes proletella extrem schnell zur Resistenzentwicklung. Das IRAC-Klassifizierungssystem hilft Ihnen, Wirkstoffe aus unterschiedlichen chemischen Gruppen (z. B. Pyriproxyfen, Spirotetramat oder Flupyradifuron) so zu rotieren, dass aufeinanderfolgende Generationen nie mit demselben Wirkmechanismus bekämpft werden.