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Schädling

Kohlmottenschildlaus

Aleyrodes proletella
ALEUPR

Die Kohlmottenschildlaus (Aleyrodes proletella, EPPO-Code: ALEUPR) ist ein bedeutender Schaderreger im professionellen Kohlanbau. Dieser kleine, zu den Mottenschildläusen (Aleyrodidae) gehörende Schädling saugt an den Blattunterseiten verschiedener Kreuzblütler. Besonders betroffen sind Kulturen wie Wirsing (Brassica oleracea var. sabauda), Rosenkohl (Brassica oleracea var. gemmifera) und Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes). Die wirtschaftliche Relevanz ergibt sich weniger aus dem reinen Saftentzug als vielmehr aus der massiven Verschmutzung der Ernteprodukte durch klebrigen Honigtau und die darauf siedelnden Rußtaupilze, was die Vermarktungsfähigkeit drastisch reduziert.

In Mitteleuropa hat sich der Schaderreger in den letzten Jahrzehnten zu einem dauerhaften Problem entwickelt. Begünstigt durch mildere Winter und lange, warme Sommerperioden breiten sich die Populationen rasch aus. Ein Befall führt oft zu erheblichem Sortieraufwand bei der Ernte oder im schlimmsten Fall zum Totalausfall der betroffenen Partien für den Frischmarkt.

Typ
Schädling
EPPO-Code
ALEUPR
Wirte
3 Kulturen
Generationen
4–5 überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Die Kohlmottenschildlaus ist in ganz Europa, Nordafrika und Teilen Asiens weit verbreitet. In den intensiven Kohlanbauregionen Mitteleuropas verursacht sie jährlich erhebliche wirtschaftliche Schäden durch Qualitätsminderungen.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Die Überwinterung der Kohlmottenschildlaus erfolgt als befruchtetes Weibchen an winterharten Kulturen oder Wildkräutern. Im Frühjahr, sobald die Temperaturen steigen, beginnt die Eiablage in charakteristischen kreisförmigen Mustern auf den Blattunterseiten. Aus den Eiern schlüpfen mobile Larven, die sich rasch festsetzen und drei weitere, unbewegliche Larvenstadien sowie ein Puparium durchlaufen. Aufgrund der kurzen Entwicklungszeit bei warmen Temperaturen von nur wenigen Wochen bilden sich pro Saison meist 4 bis 5, in warmen Jahren sogar noch mehr überlappende Generationen aus. Dies führt ab dem Hochsommer zu einem explosionsartigen Populationsanstieg, bei dem alle Entwicklungsstadien gleichzeitig auf einer Kultur zu finden sind.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring ist ab dem Auspflanzen der Kulturen, besonders aber ab dem BBCH-Stadium 19 bis in die Phase der Kopf- bzw. Sprossenbildung (BBCH 41–49) unerlässlich. Du solltest wöchentlich mindestens 20 bis 50 Kohlpflanzen stichprobenartig an den Blattunterseiten auf Eigelege, Larven und adulte Tiere kontrollieren. Gelbtafeln im Pflanzenbestand helfen dir, den Zuflug der adulten Mottenschildläuse frühzeitig zu erkennen. Als Schadensschwelle im integrierten Anbau gilt häufig ein Befall von mehr als 20 bis 30 % der kontrollierten Pflanzen mit ersten Kolonien, wobei bei sensiblen Kulturen wie Rosenkohl aufgrund der direkten Besiedlung der Sprossen eine deutlich niedrigere Toleranzgrenze anzusetzen ist.

Symptome

Die Symptome eines Befalls zeigen sich zunächst durch kleine, weiße, mottenähnliche Insekten, die bei Berührung der Kultur in Wolken von den Blattunterseiten auffliegen. Auf den Blattunterseiten sind kreisförmig angeordnete, gelbliche Eigelege sowie flache, ovale, gelb-grüne Larven und weißliche Puparien sichtbar. Durch die intensive Saugtätigkeit entstehen gelbliche Flecken auf den Blattoberseiten. Das auffälligste und wirtschaftlich schädlichste Symptom ist jedoch der klebrige Belag aus Honigtau auf den Blättern und Ernteorganen, auf dem sich sekundär schwarze Rußtaupilze ansiedeln. Dies führt zu einer starken optischen Entwertung der Kultur.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management erfordert eine integrierte Strategie. Kulturtechnisch solltest du auf eine weite Fruchtfolge und die räumliche Trennung von überwinternden Kulturen (wie Winterwirsing oder Grünkohl) und Neuanpflanzungen im Frühjahr achten, um den Übertrag des Schaderregers zu minimieren. Die Förderung natürlicher Gegenspieler wie Schlupfwespen (z. B. Encarsia tricolor), Raubwanzen und Schwebfliegenlarven ist ein wichtiger biologischer Baustein. Wenn der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig wird, sollten nützlingsschonende Präparate bevorzugt werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel nach dem IRAC-Schema zwingend erforderlich. Achte bei der Anwendung auf eine hervorragende Benetzung der Blattunterseiten, was durch hohe Wassermengen (mindestens 600 l/ha) und den Einsatz geeigneter Düsen- oder Applikationstechniken (z. B. Dropleg-Düsen) erreicht wird.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie finde ich im Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen die Kohlmottenschildlaus?

Nutze die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere nach dem Schaderreger 'Kohlmottenschildlaus' oder dem EPPO-Code 'ALEUPR'. Du kannst die Ergebnisse nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Rosenkohl) filtern, um alle für diese Anwendung registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge und Wartezeit direkt einzusehen.

Warum wirken herkömmliche Kontakt-Pflanzenschutzmittel oft unzureichend gegen diesen Schaderreger?

Die Kohlmottenschildlaus schützt sich und ihre Eier durch eine wasserabweisende Wachsschicht. Zudem sitzen die Tiere fast ausschließlich auf den Blattunterseiten, wo sie von einfachen Spritzbrühen kaum erreicht werden. Für eine gute Wirkung musst du systemische oder translaminare Pflanzenschutzmittel wählen und auf eine optimale Benetzungstechnologie (z. B. Dropleg-Düsen) setzen.

Welche Rolle spielen Wildkräuter bei der Überwinterung und wie kann ich das kontrollieren?

Wildwachsende Kreuzblütler wie das Hirtentäschelkraut oder Ackersenf dienen der Kohlmottenschildlaus als wichtiges Winterquartier. Wenn du diese Unkräuter im Umfeld deiner Kulturen konsequent regulierst, entziehst du dem Schaderreger die Lebensgrundlage für die kalte Jahreszeit und verringerst den Zuflug im folgenden Frühjahr erheblich.

Wie unterscheidet sich die Schadwirkung bei Rosenkohl im Vergleich zu Kohlrabi?

Bei Kohlrabi betrifft der Befall meist nur das Laub, während die Knolle oft sauber bleibt. Bei Rosenkohl hingegen besiedeln die Larven direkt die Röschen (Sprossen) in den Blattachseln. Da diese das Ernteprodukt darstellen, führt bereits ein geringer Befall mit Honigtau oder Rußtaupilzen hier zum Totalverlust der Vermarktbarkeit, weshalb du bei Rosenkohl eine extrem niedrige Schadensschwelle ansetzen musst.

Kann ich Nützlinge im Freiland gezielt zur Regulierung einsetzen?

Ja, die Ansiedlung und Schonung der Schlupfwespe Encarsia tricolor ist im Freiland hochwirksam. Du kannst diese fördern, indem du Blühstreifen anlegst und bei chemischen Behandlungen ausschließlich nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel wählst. Ein gezieltes Ausbringen von gezüchteten Nützlingen ist im Freilandkohlanbau jedoch meist nur in geschlossenen Systemen (wie Netztunneln) wirtschaftlich sinnvoll.

Welchen Einfluss hat die Stickstoffdüngung auf den Befall mit der Kohlmottenschildlaus?

Eine übermäßige Stickstoffdüngung führt zu einem sehr weichen, mastigen Pflanzengewebe und erhöht den Aminosäuregehalt im Phloemsaft der Kulturen. Dies zieht den Schaderreger magisch an und beschleunigt seine Vermehrungsrate drastisch. Eine bedarfsgerechte, eventuell gesplittete Düngung hilft dir, das Befallsrisiko deutlich zu senken.