Kohlrabi
Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes, EPPO-Code: BRSOG) ist eine zweijährige, im Erwerbsanbau jedoch einjährig kultivierte Gemüsekultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Charakteristisch ist die oberirdische Knolle, die durch eine Verdickung des Sprossabschnitts (Hypokotyl und Epikotyl) entsteht. Im mitteleuropäischen Raum gehört Kohlrabi zu den bedeutendsten Freiland- und Unterglasgemüsen, da er vergleichsweise kurze Entwicklungszeiten aufweist und eine kontinuierliche Staffelung der Sätze über das gesamte Anbaujahr ermöglicht.
Die Kultur stellt hohe Anforderungen an eine gleichmäßige Wasserversorgung, um das gefürchtete Verholzen oder Aufplatzen der Knollen zu verhindern. Aufgrund der engen Verwandtschaft zu anderen Kohlarten teilt Kohlrabi das typische Spektrum an Schaderregern, weshalb eine weite Fruchtfolge und ein integriertes Pflanzenschutzmanagement unerlässlich für den wirtschaftlichen Erfolg im professionellen Anbau sind.
Bodenmanagement
Kohlrabi bevorzugt mittelschwere, tiefgründige Böden mit guter Humusversorgung und hoher Wasserhaltekapazität, um ein gleichmäßiges Wachstum zu gewährleisten. Eine strukturstabile Krume ist entscheidend, da Verdichtungen schnell zu Wachstumsstockungen und damit zum Verholzen der Knollen führen. Du solltest vor dem Auspflanzen eine ausgewogene Grunddüngung basierend auf aktuellen Bodenanalysen durchführen, wobei der Stickstoffbedarf mit etwa 120 bis 160 kg N/ha moderat ausfällt. Um das Risiko von Kohlhernie zu minimieren, ist ein pH-Wert im neutralen bis leicht alkalischen Bereich (über 6,5) anzustreben, was durch gezielte Kalkungsmaßnahmen erreicht werden kann. Eine gleichmäßige Bewässerung, insbesondere während der Hauptwachstumsphase der Knolle ab BBCH 41, verhindert das gefürchtete Aufplatzen bei wechselnder Bodenfeuchtigkeit.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei Kohlrabi erfordert eine konsequente Überwachung ab dem Auspflanzen. Zu den wichtigsten pilzlichen Schaderregern gehören Sclerotinia sclerotiorum und Alternaria brassicae, die besonders bei feucht-warmer Witterung Ernteverluste verursachen. Gegen tierische Schädlinge wie die Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae) und die Kohlmottenschildlaus (Aleyrodes proletella) solltest du Gelbschalen und Leimfallen zur Befallsüberwachung nutzen. Der Einsatz von Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung schützt die Kultur effektiv vor der Kohlfliege und minimiert den Bedarf an chemischen Pflanzenschutzmitteln. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln musst du unbedingt die zulässigen BBCH-Stadien und die gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeiten beachten, um Rückstände im Erntegut zu vermeiden.
Sorten
Superschmelz
SpätSehr hoher Ertrag durch enormes Knollengewicht (bis zu 1 kg und mehr pro Knolle).
Resistent gegen: Verholzen, Platzanfälligkeit
Anfällig für: Kohlhernie
Sehr große, weiße Knolle, die extrem langsam verholzt und lange zart bleibt. Hervorragend für den Herbstanbau und die Lagerung geeignet.
Azur Star
FrühMittlerer, aber sehr homogener Ertrag bei schneller Entwicklung.
Resistent gegen: Schossen
Anfällig für: Falscher Mehltau
Feine, blau-violette Knolle mit aufrechtem Laub. Sehr schossfest und ideal für den frühesten Freilandanbau und den Unterglasanbau.
Lanro
Früh bis mittelfrühZuverlässig hoher Ertrag an marktfähigen Knollen.
Resistent gegen: Platzanfälligkeit, Frost
Anfällig für: Kohlhernie, Alternaria
Bewährte, weiße Standardsorte für den Ganzjahresanbau. Zeichnet sich durch eine flachrunde Knollenform und zartes Fleisch aus.
Eder F1
MittelfrühSehr hoher Ertrag durch extrem hohe Uniformität bei der Ernte.
Resistent gegen: Platzanfälligkeit
Anfällig für: Echter Mehltau
Wüchsige, weiße Hybrid-Sorte für den professionellen Profianbau. Sehr gleichmäßiger Wuchs und hohe Feldhaltbarkeit.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie verhinderst du effektiv das Aufplatzen der Kohlrabiknollen kurz vor der Ernte?
Das Aufplatzen wird meist durch plötzliche, starke Wassergaben nach einer Trockenperiode verursacht, da das Gewebe dem schnellen Zelldruck nicht standhält. Du verhinderst dies durch eine kontinuierliche, bedarfsgerechte Bewässerung, die den Boden gleichmäßig feucht hält. Eine Mulchauflage kann zusätzlich helfen, extreme Schwankungen der Bodenfeuchtigkeit im Freiland abzufedern.
Ab welchem BBCH-Stadium ist die kritische Phase für den Schutz vor der Kohlfliege?
Die kritischste Phase beginnt direkt nach dem Auspflanzen (BBCH 12 bis 14) und reicht bis zur beginnenden Knollenbildung (BBCH 41). In diesem Zeitraum solltest du engmaschige Kulturschutznetze (Maschenweite maximal 1,35 mm) lückenlos über den Beeten belassen, um die Eiablage am Wurzelhals zu verhindern.
Wie kannst du das Risiko von Sclerotinia-Fäule im Freilandanbau pflanzenbaulich minimieren?
Achte auf eine weite Fruchtfolge von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen anfälligen Kulturen wie Raps, Erbsen oder Salat. Zudem solltest du die Pflanzabstände nicht zu eng wählen, damit der Bestand nach Regenfällen rasch abtrocknen kann. Dies entzieht den Sporen von Sclerotinia sclerotiorum die für die Infektion notwendige anhaltende Feuchtigkeit.
Welche Rolle spielt die Temperatur bei der Schossneigung von Kohlrabi im frühen Anbau?
Kohlrabi reagiert in der Jugendphase (ab BBCH 12) empfindlich auf Temperaturen unter 12 °C. Längere Kälteperioden induzieren die Blütenbildung (Schossen), wodurch die Knolle hart, unbrauchbar und unverkäuflich wird. Nutze für den frühen Anbau schossfeste Sorten und schütze die Jungpflanzen im Freiland konsequent mit Vlies.
Wie findest du im farmable.tech-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Kohlblattlaus?
Navigiere im Hub zur Suche und filtere nach der Kultur Kohlrabi sowie dem Schaderreger Brevicoryne brassicae. Dort werden dir alle aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der zulässigen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen pro Saison und den spezifischen Wartezeiten übersichtlich angezeigt.