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Kultur

Kohlrabi

Brassica oleracea var. gongylodes
BRSOG

Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes, EPPO-Code: BRSOG) ist eine zweijährige Kultur, die im mitteleuropäischen Raum vor allem einjährig zur Nutzung der verdickten Sprossachse (Knolle) angebaut wird. Als typisches Feingemüse stellt Kohlrabi hohe Ansprüche an eine gleichmäßige Wasser- und Nährstoffversorgung, um das gefürchtete Verholzen oder Aufplatzen der Knollen zu verhindern. Die Kultur zeichnet sich durch eine relativ kurze Entwicklungszeit aus, was sie zu einer idealen Vor-, Zwischen- oder Nachkultur im professionellen Gemüsebau macht.

Der Anbau erfolgt im Freiland meist im zeitlich gestaffelten Satzanbau von Frühjahr bis Herbst, wobei auch der geschützte Anbau unter Glas oder Folie für die Verfrühung eine bedeutende Rolle spielt. Die Knollenbildung beginnt bereits im frühen BBCH-Stadium 41, wenn sich die Sprossachse oberirdisch zu verdicken beginnt. Für den wirtschaftlichen Erfolg sind eine makellose Optik der Knollen sowie ein gesundes, schaderregerfreies Laub von entscheidender Bedeutung, da Kohlrabi im deutschen Lebensmitteleinzelhandel häufig mit Blättern vermarktet wird.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Februar bis August
Erntefenster
Mai bis November
Reihenabstand
25–30 cm
Typischer Ertrag
35.000–50.000 Knollen/ha
Wärmesumme (GDD)
1200
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Kohlrabi bevorzugt tiefgründige, humose und gut strukturierte Böden mit einer gleichmäßigen Wasserführung, wie sie auf sandigen Lehmen oder Lößböden zu finden sind. Da die Kultur sehr empfindlich auf Trockenstress mit Wachstumsstockungen und anschließender Verholzung reagiert, ist eine bedarfsgerechte Zusatzbewässerung, insbesondere während der Hauptwachstumsphase der Knolle (BBCH 41 bis 49), unerlässlich. Der pH-Wert sollte im schwach sauren bis neutralen Bereich liegen, um die Verfügbarkeit von Mikronährstoffen zu sichern und gleichzeitig das Risiko einer Infektion mit Kohlhernie zu minimieren. Eine ausgewogene Stickstoffdüngung ist wichtig, da ein Übermaß an Stickstoff zu weichem Gewebe, erhöhter Anfälligkeit für Schaderreger und Nitratanreicherung in den Knollen führt. Organische Düngung oder Gründüngung im Vorfeld fördert das Bodenleben und stabilisiert den Wasserhaushalt nachhaltig.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz im Kohlrabianbau basiert auf einer weiten Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen Kreuzblütlern, um bodenbürtige Schaderreger wie Kohlhernie oder Sclerotinia sclerotiorum zu unterdrücken. Gegen tierische Schaderreger wie die Kohlmotte, den Großen Kohlweißling oder die Mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae) hat sich der systematische Einsatz von engmaschigen Kulturschutznetzen hervorragend bewährt. Tritt dennoch ein kritischer Befall auf, müssen Pflanzenschutzmittel gezielt und unter Berücksichtigung der jeweiligen Wartezeiten appliziert werden. Pilzliche Schaderreger wie Alternaria brassicae (Schwärze) oder Neopseudocercosporella brassicae erfordern eine aufmerksame Bestandsüberwachung ab dem BBCH-Stadium 15, um rechtzeitig Fungizid-Anwendungen einzuplanen. Eine mechanische Unkrautregulierung durch Hacken ist in frühen BBCH-Stadien gut möglich, muss jedoch flach erfolgen, um das oberflächennahe Wurzelsystem der Kultur nicht zu beschädigen.

Sorten

Korist F1

Sehr früh

Sehr hoher Anteil an vermarktungsfähiger A-Ware im frühen Segment.

Resistent gegen: Schossen

Anfällig für: Falscher Mehltau, Kohlhernie

Der Standard im professionellen Frühanbau. Sehr schoßtolerant, bildet gleichmäßige, plattrunde Knollen mit feinem Laub.

Superschmelz

Spät

Sehr hoher Ertrag pro Einzelknolle, ideal für Direktvermarktung und Lagerung.

Resistent gegen: Holzigkeit, Schossen

Anfällig für: Kohlhernie, Sclerotinia-Fäule

Bewährte, schossfeste Sorte für den Herbstanbau. Bildet riesige Knollen (bis zu mehreren Kilogramm), die extrem zart bleiben und nicht verholzen.

Azur Star

Früh

Guter, stabiler Ertrag für den frühen bis mittelfrühen Freilandanbau.

Resistent gegen: Schossen

Anfällig für: Falscher Mehltau, Kohlfliege

Beliebte blaue Sorte mit attraktiver, tiefblauer Knollenfarbe und aufrechtem Laub. Sehr rasche Entwicklung.

Eder F1

Mittelfrüh

Sehr gleichmäßiger Ertrag auch unter wechselnden Witterungsbedingungen.

Resistent gegen: Platzplatzen

Anfällig für: Kohlhernie

Robuste Profi-Sorte für den Ganzjahresanbau. Zeichnet sich durch eine extrem hohe Platzfestigkeit und ein gesundes, dunkelgrünes Laub aus.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

3 Stunden Bio-Unkrautfrei
W. NEUDORFF GMBH KG
024645-63
AFINTO
ISK Biosciences Europe N.V.
025691-61
Armicarb Spray
Agronaturalis Ltd.
00A325-00
Armicarb Spray
Agronaturalis Ltd.
02A325-00
Armisan AF PilzFrei
Agronaturalis Ltd.
00A325-61
Armisan AF PilzFrei
Agronaturalis Ltd.
02A325-61
ASKON
Syngenta Agro GmbH
006902-00
Ballet
Bayer CropScience Deutschland GmbH
034028-62
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-63
Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Akut AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-67
Bayer Garten Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-69
Bayer Garten Orchideen-Spray Lizetan AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-72
Bayer Garten Orchideen- & Zierpflanzenspray Lizetan
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-74
Bayer Garten Zierpflanzen- & Rosen-Spray Lizetan AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-73
Bio-Rasen-Moosfrei
W. NEUDORFF GMBH KG
024645-64
Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei
W. NEUDORFF GMBH KG
024780-72
Bio Spinnmilben- & Schädlingsfrei AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-78
Boccacio Rosen Pilz-Frei
Syngenta Agro GmbH
024560-73
Boccarcio Rosen Pilz-Frei
Syngenta Agro GmbH
034560-73
Centium 36 CS
Cheminova Deutschland GmbH
024798-00
COMPO BIO Mehltau-frei Universal AF
Agronaturalis Ltd.
02A325-60
COMPO BIO Mehltau-frei Universal AF
Agronaturalis Ltd.
00A325-60
COMPO Ortiva Rosen Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-67
COMPO Ortiva Rosen-Pilzschutz
Syngenta Agro GmbH
024560-65
COMPO Ortiva Spezial Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
034560-72
COMPO Ortiva Spezial Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-72
COMPO Ortiva Universal Pilz-frei
Syngenta Agro GmbH
024560-68
COMPO Schädlings-frei plus
W. NEUDORFF GMBH KG
024780-64
COMPO Schädlings-frei plus AF
W. NEUDORFF GMBH KG
024785-79
COMPO Universal Pilz-frei Duaxo
Syngenta Agro GmbH
034560-87
Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie lässt sich das gefürchtete Aufplatzen der Kohlrabiknollen im Freiland effektiv verhindern?

Das Aufplatzen wird primär durch stark schwankende Bodenfeuchtigkeit verursacht, insbesondere wenn auf eine Trockenphase plötzliche Starkregenereignisse folgen. Die Knolle kann den abrupten Turgordruck nicht kompensieren. Ein engmaschiges Feuchtigkeitsmonitoring und eine kontinuierliche, bedarfsgerechte Zusatzbewässerung ab dem BBCH-Stadium 41 (Beginn der Knollenbildung) stabilisieren das Wachstum und minimieren dieses Risiko signifikant.

Welche Bedeutung hat das BBCH-Stadium 49 für die Ernteplanung und die Qualitätssicherung?

Das BBCH-Stadium 49 markiert das Erreichen der sortentypischen Knollenform und -größe. Zu diesem Zeitpunkt ist der Erntekorridor extrem eng, da die Knollen bei verzögerter Ernte rasch verholzen und an Marktqualität verlieren. Agronomen nutzen dieses Stadium, um die Logistik für die Ernte und die sofortige Kühlung zu koordinieren, da Kohlrabi eine hohe Atmungsaktivität aufweist.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Mehlige Kohlblattlaus?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach dem EPPO-Code des Schaderregers (BRVCBR) oder direkt nach der Kultur Kohlrabi (BRSOG). Das System listet Ihnen alle aktuell in Deutschland beim BVL registrierten Pflanzenschutzmittel auf, inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen pro Saison und den einzuhaltenden Wartezeiten.

Warum ist die Bekämpfung von Unkräutern wie Poa annua in der frühen Etablierungsphase so kritisch?

Kohlrabi besitzt in den ersten Wochen nach der Pflanzung (BBCH-Stadien 12 bis 19) eine geringe Konkurrenzkraft. Ein starker Besatz mit Einjährigem Rispengras (Poa annua) entzieht der Kultur wichtige Nährstoffe und Wasser, was zu irreversiblen Wachstumsverzögerungen führt. Zudem fördert ein verunkrauteter Bestand ein feuchtes Mikroklima, das Infektionen durch Sclerotinia sclerotiorum begünstigt.

Welche Rolle spielt die Fruchtfolge bei der Vermeidung von Sclerotinia-Fäule im professionellen Anbau?

Sclerotinia sclerotiorum bildet langlebige Dauerkörper (Sklerotien) im Boden, die viele Jahre überdauern können. Da Kohlrabi sehr anfällig für diese Fäule ist, darf die Kultur keinesfalls nach anderen stark gefährdeten Kulturen wie Raps, Sonnenblumen oder Leguminosen angebaut werden. Eine weite Fruchtfolge von mindestens 4 Jahren und der Anbau von Getreide als Vorfrucht reduzieren das Infektionspotenzial im Boden drastisch.