Wirsing
Wirsing (Brassica oleracea var. sabauda, EPPO-Code: BRSOS), im süddeutschen Raum auch als Welschkohl bezeichnet, zeichnet sich durch seine charakteristisch gekrausten, gewellten Blätter und seinen lockeren Kopfaufbau aus. Als zweijährige Kultur im systematischen Anbau wird er in Mitteleuropa sowohl für den frühen Sommeranbau als auch für die späte Herbst- und Überwinterungsproduktion genutzt. Seine ausgeprägte Frosthärte, insbesondere bei den späten Sorten, macht ihn zu einem wertvollen Wintergemüse im mitteleuropäischen Freilandanbau.
Der Anbau stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und die Nährstoffversorgung, da Wirsing zu den Starkzehrern gehört. Durch die stark gewellte Blattoberfläche verdunstet die Kultur relativ viel Wasser, weshalb eine gleichmäßige Wasserversorgung für die Kopfbildung entscheidend ist. Agronomisch wird streng zwischen extrem frühen Sorten mit kurzer Entwicklungszeit und frostharten Spätsorten unterschieden, die bis weit in den Winter hinein auf dem Feld verbleiben können und Frosttemperaturen von bis zu -15 °C schadlos überstehen.
Bodenmanagement
Wirsing gedeiht am besten auf tiefgründigen, mittelschweren bis schweren Böden mit hoher Wasserhaltekapazität und gutem Humusgehalt. Da die Kultur zu den Starkzehrern gehört, ist eine bedarfsgerechte Grunddüngung mit organischem Material oder eine gezielte mineralische Stickstoffgabe in mehreren Teilgaben unerlässlich. Ein optimaler pH-Wert über 6,5 schützt die Kultur effektiv vor dem gefürchteten Erreger der Kohlhernie. Zur Vermeidung von Bodenverdichtungen solltest du den Boden vor dem Auspflanzen tief lockern und während des Wachstums regelmäßig hacken. Dies fördert nicht nur die Durchlüftung, sondern reguliert auch das Unkraut und regt die Mineralisation im Boden an.
Schaderreger-Management
Ein integriertes Pflanzenschutzmanagement ist beim Wirsinganbau aufgrund der intensiven Bedrohung durch spezialisierte Schaderreger essenziell. Die Mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae) und die Kohlmottenschildlaus (Aleyrodes proletella) müssen durch regelmäßige Bestandskontrollen ab dem BBCH-Stadium 15 überwacht werden, um rechtzeitig selektive Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Gegen pilzliche Schaderreger wie Neopseudocercosporella brassicae (Ringfleckenkrankheit) helfen weite Fruchtfolgen sowie das konsequente Unterpflügen von Ernterückständen. Der Einsatz von Kulturschutznetzen schützt die jungen Pflanzen mechanisch vor der Kohlfliege und minimiert den Bedarf an chemischen Behandlungen im frühen Stadium. Achte bei jeder Anwendung auf die Einhaltung der gesetzlichen Wartezeiten und wechsle die Wirkstoffklassen ab, um Resistenzen vorzubeugen.
Sorten
Vorbote 3
Sehr früh (ca. 60–70 Tage nach Pflanzung)Mäßig bis gut (ca. 25–30 t/ha)
Anfällig für: Kohlhernie, Frost
Beliebte, sehr frühe Sorte für den ersten Freilandanbau im Frühjahr. Bildet spitze bis rundliche, hellgrüne Köpfe mit feiner Krausung.
Wirosa F1
Spät (ca. 130–140 Tage nach Pflanzung)Sehr hoch (ca. 50–60 t/ha)
Resistent gegen: Frost, Innenbrand
Anfällig für: Kohlhernie
Der absolute Standard für den Winteranbau. Extrem frosthart, kann bis in den Spätwinter auf dem Feld verbleiben. Dunkelgrüne, stark gekrauste Köpfe.
Julius F1
Mittelfrüh (ca. 80–90 Tage nach Pflanzung)Hoch (ca. 40–45 t/ha)
Resistent gegen: Platzer
Anfällig für: Kohlmottenschildlaus
Vielseitig einsetzbare Hybride für den Sommer- und Herbstanbau. Zeigt eine gute Feldhaltbarkeit und platzt nicht schnell auf.
Vertus
Mittelspät (ca. 110–120 Tage nach Pflanzung)Gut (ca. 35–45 t/ha)
Anfällig für: Echter Mehltau, Kohlhernie
Bewährte, samenfeste Herbstsorte mit großen, plattrunden Köpfen und feiner Blattstruktur. Gut lagerfähig.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie erkennst du einen Befall mit der Kohlmottenschildlaus rechtzeitig?
Achte besonders ab dem Hochsommer auf die Blattunterseiten der älteren Wirsingblätter. Die winzigen, weißen Mottenschildläuse fliegen bei Berührung der Kultur sofort auf. Da sie klebrigen Honigtau ausscheiden, auf dem sich sekundär Rußtaupilze ansiedeln, solltest du Gelbtafeln zur Überwachung nutzen und bei ersten Kolonien nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel einsetzen.
Welche Fruchtfolgemassnahmen musst du zur Vermeidung von Kohlhernie einhalten?
Da der Erreger der Kohlhernie jahrzehntelang im Boden überdauern kann, solltest du eine strikte Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren für alle Kreuzblütler auf der betroffenen Fläche einhalten. Zudem hilft es, den pH-Wert des Bodens durch gezielte Kalkung stabil über 7,0 zu halten, um die Keimung der Dauersporen im Boden effektiv zu hemmen.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Stickstoff-Kopfdüngung bei dieser Kultur?
Teile die Stickstoffgabe auf: Die erste Gabe erfolgt direkt zur Pflanzung, die zweite, wichtigere Kopfdüngung im BBCH-Stadium 31 bis 35, wenn die Kultur das stärkste Blattwachstum zeigt. Vermeide späte Gaben nach Beginn der Kopfbildung (BBCH 41), da dies die Frosthärte der Wintertypen mindert und das Risiko für Innenbrand erhöht.
Wie schützt du späte Wirsingsorten vor Frostschäden bei der Ernte?
Späte Sorten vertragen Frost problemlos auf dem Feld. Wichtig ist jedoch, dass du die Köpfe niemals im gefrorenen Zustand erntest oder anfasst, da dies zu schweren Gewebequetschungen und schneller Fäulnis führt. Lass die Kultur auf dem Feld komplett auftauen, bevor du mit den Erntearbeiten beginnst.
Wie findest du im Farmable-Portal die passenden Pflanzenschutzmittel gegen die Ringfleckenkrankheit?
Navigiere im Portal zum Bereich 'Zugelassene Pflanzenschutzmittel' und filtere nach der Kultur 'Wirsing' sowie dem Schaderreger Neopseudocercosporella brassicae. Achte bei der Auswahl der Fungizide auf die spezifischen Auflagen, die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison und die vorgeschriebene Wartezeit vor der Ernte.