Rosenkohl
Rosenkohl (Brassica oleracea var. gemmifera, EPPO-Code: BRSOF) ist eine zweijährige, im Erwerbsanbau jedoch einjährig kultivierte Gemüsekultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Die Kultur zeichnet sich durch die Bildung kompakter, knospenartiger Seitentriebe (Sprossen) in den Blattachseln des aufrechten Stängels aus. Im mitteleuropäischen Raum stellt der Rosenkohl aufgrund seiner langen Standzeit und der späten Erntefenster im Herbst und Winter hohe Ansprüche an die Nährstoffversorgung und das Kulturmanagement.
Der Anbau erfordert eine präzise Steuerung der Stickstoffdüngung, da ein Übermaß zu lockeren Sprossen und mangelnder Frosthärte führt, während ein Mangel die Ertragsleistung und Sprossengröße drastisch reduziert. Aufgrund der langen Vegetationsperiode ist die Kultur über viele Monate hinweg verschiedenen Schaderregern ausgesetzt, was eine integrierte Pflanzenschutzstrategie unerlässlich macht.
Bodenmanagement
Rosenkohl stellt extrem hohe Ansprüche an den Boden und bevorzugt tiefgründige, mittelschwere bis schwere Lehmböden mit hoher Wasserhaltekapazität und guter Struktur. Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist besonders während der Hauptwachstumsphase und der Sprossenbildung im Spätsommer kritisch, um physiologische Störungen wie die Innenbraune zu vermeiden. Die Kultur benötigt eine kalkreiche Bodenreaktion mit pH-Werten über 6,5, um dem Risiko einer Infektion mit Kohlhernie effektiv vorzubeugen. Die Grunddüngung sollte auf einer detaillierten Bodenanalyse basieren, wobei eine betonte Kaliumversorgung die Frosthärte der Sprossen im Winter verbessert. Stickstoffgaben müssen sorgfältig aufgeteilt werden, wobei die Spätgabe zur Sprossenbildung nicht überzogen werden darf, um die Festigkeit der Knospen nicht zu gefährden.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz im Rosenkohlanbau erfordert eine kontinuierliche Überwachung, da die Kultur über eine sehr lange Standzeit verfügt. Zu den bedeutendsten tierischen Schaderregern gehören die Kleine Kohlfliege (Delia radicum), deren Maden die Wurzeln schädigen, sowie die Kohlschabe (Plutella xylostella) und die Kohlmotte, deren Raupen erheblichen Fraßschaden anrichten. Gegen saugende Insekten wie die Mehlige Kohlblattlaus und die Weiße Fliege müssen rechtzeitig nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, um eine Verschmutzung der Sprossen zu verhindern. Pilzliche Schaderreger wie Alternaria brassicae (Raps- und Kohlschwärze) und Neopseudocercosporella brassicae (Blattfleckenkrankheit) erfordern bei feucht-warmer Witterung gezielte Fungizidbehandlungen zur Absicherung der Sprossenqualität. Ein konsequenter Fruchtwechsel von mindestens vier Jahren zu anderen Kreuzblütlern ist die wichtigste präventive Maßnahme zur Gesunderhaltung der Kultur.
Sorten
Abacus (F1)
Früh (ca. 110–120 Tage)Sehr hoher, gleichmäßiger Ertrag für die frühe Ernte ab August.
Anfällig für: Echter Mehltau, Kohlhernie
Hervorragend geeignet für die maschinelle Einmalernte. Bildet glatte, feste, dunkelgrüne Sprossen, die sich leicht pflücken lassen.
Igor (F1)
Mittelfrüh bis spät (ca. 140–160 Tage)Hoher und stabiler Ertrag auch unter ungünstigen Witterungsbedingungen.
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Kohlhernie, Weiße Fliege
Sehr standfeste und frostharte Sorte, ideal für die Ernte im Spätherbst und Winter. Die Sprossen bleiben lange fest am Strunk.
Crispus (F1)
Mittelfrüh (ca. 130–140 Tage)Zuverlässiger, hoher Ertrag auf kohlherniegefährdeten Standorten.
Resistent gegen: Kohlhernie
Anfällig für: Alternaria-Blattflecken
Spezialsorte mit genetisch fixierter Toleranz gegenüber bestimmten Rassen der Kohlhernie. Liefert gleichmäßige, feste Sprossen.
Idwig (F1)
Spät (ca. 160–180 Tage)Guter, kontinuierlicher Ertrag über die gesamten Wintermonate.
Resistent gegen: Frost, Innenbraune
Anfällig für: Kohlhernie
Extrem frostharte Sorte für die Späternte bis in den Februar/März. Zeigt eine sehr gute Feldhaltbarkeit und verliert auch bei starkem Frost nicht an Qualität.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie wirkt sich das Entspitzen (Köpfen) der Kultur auf den Ertrag und die Reife aus?
Das Entfernen der Triebspitze (BBCH 49) bricht die apikale Dominanz und lenkt die Assimilate direkt in die Sprossenentwicklung. Dies fördert ein gleichmäßiges Abreifen aller Sprossen am Stängel und beschleunigt die Erntebereitschaft um bis zu zwei Wochen, was besonders bei frühen Sorten für die Einmalernte vorteilhaft ist. Bei sehr späten, winterharten Sorten sollte jedoch auf das Entspitzen verzichtet werden, da die intakte Triebspitze einen natürlichen Frostschutz für die oberen Sprossen bietet.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung der Kleinen Kohlfliege?
Die kritischste Phase für den Befall durch die Kleine Kohlfliege (Delia radicum) liegt unmittelbar nach dem Auspflanzen (BBCH 12 bis 19). In diesem Stadium können die Larven durch das Fressen an den Hauptwurzeln zum Totalausfall der Kultur führen. Pflanzenschutzmittel-Anwendungen (z. B. Granulate oder Gießbehandlungen beim Pflanzen) müssen präventiv oder unmittelbar bei Flugbeginn der ersten Generation erfolgen, da spätere Behandlungen im fortgeschrittenen BBCH-Stadium kaum noch Wirkung auf die im Boden lebenden Larven zeigen.
Wie lässt sich das Risiko von Innenbraune bei Rosenkohl pflanzenbaulich minimieren?
Innenbraune ist eine physiologische Störung, die durch einen lokalen Calciummangel in den schnell wachsenden inneren Blättern der Sprossen verursacht wird. Neben einer ausreichenden Calciumversorgung des Bodens ist eine gleichmäßige Wasserversorgung entscheidend, um den Transpirationsstrom aufrechtzuerhalten. Zudem sollte eine übermäßige Stickstoff- und Kaliumdüngung vermieden werden, da ein zu schnelles Wachstum und antagonistische Effekte bei der Nährstoffaufnahme das Auftreten von Innenbraune massiv begünstigen.
Wie finde ich im Agronomy-Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Alternaria-Blattflecken?
Navigieren Sie im Portal zum Bereich 'Schaderreger' und suchen Sie nach Alternaria brassicae (EPPO-Code: ALTEBA). Dort finden Sie eine tagesaktuelle Auflistung aller in Deutschland für die Kultur Rosenkohl zugelassenen Fungizide, inklusive Angaben zur maximalen Aufwandmenge, der zulässigen Anzahl an Anwendungen pro Saison sowie der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeit (PHI) vor der Ernte.
Warum ist das Resistenzmanagement bei der Bekämpfung der Kohlschabe (Plutella xylostella) so wichtig?
Die Kohlschabe neigt aufgrund ihrer schnellen Generationenfolge und hohen Vermehrungsrate extrem schnell zur Ausbildung von Resistenzen gegenüber Insektiziden. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln muss daher zwingend ein Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen IRAC-Klassen (z. B. Pyrethroide, Diamide, Spinosyne) durchgeführt werden. Nutzen Sie die im Portal hinterlegten Wirkstoffprofile, um Behandlungsfolgen so zu planen, dass aufeinanderfolgende Generationen des Schädlings nie mit derselben Wirkstoffgruppe in Kontakt kommen.