Krautabtötung
Die Krautabtötung (englisch: "kill of haulm", EPPO-Code: YKRAU) ist eine der kritischsten agronomischen Maßnahmen im professionellen Kartoffelanbau (Solanum tuberosum). Sie dient der gezielten Beendigung des Wachstums der Kultur, um die Reife der Knollen aktiv zu steuern, die Schalenfestigkeit zu fördern und die Erntefähigkeit zu optimieren. Ohne eine kontrollierte Krautabtötung erschweren grüne, zähe Kartoffelstängel die mechanische Ernte erheblich und erhöhen das Risiko von mechanischen Beschädigungen der Knollen.
Darüber hinaus besitzt die Krautabtötung eine herausragende phytosanitäre Bedeutung. Durch das schnelle Absterben des Krauts wird verhindert, dass Schaderreger wie der Erreger der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) oder Viren (übertragen durch Blattläuse) kurz vor der Ernte von den Blättern in die Knollen abwandern. Dies sichert die Lagerfähigkeit und die Qualität des Ernteguts im nachgelagerten Bereich.
Biologie / Lebenszyklus
Als agronomische Maßnahme orientiert sich der Ablauf der Krautabtötung eng an der Phänologie der Kartoffel im späten BBCH-Stadium (meist BBCH 81 bis 89). Nach der Induktion – sei es mechanisch, thermisch oder chemisch – setzt ein rascher physiologischer Alterungsprozess ein. Die Nährstoffeinlagerung in die Knollen wird abrupt gestoppt, und die Pflanze leitet die Translokation verbleibender Assimilate ein. Innerhalb von 10 bis 14 Tagen nach der Behandlung stirbt das oberirdische Gewebe vollständig ab. Dies regt die Korkbildung (Suberisierung) der Knollenschale an und überführt die Knolle physiologisch in die Ruhephase.
Bonitur
Die Terminierung der Krautabtötung erfordert eine präzise Überwachung der Kultur ab BBCH 81. Agronomen bestimmen den optimalen Zeitpunkt durch regelmäßige Proberodungen zur Ermittlung des Knollenstärkeghalts und der Sortierung (Größenklassen). Ein weiteres entscheidendes Kriterium ist die Schalenfestigkeit, die durch den Reibetest im Feld überprüft wird. Zudem muss das Auftreten von Schaderregern wie *Phytophthora infestans* kontinuierlich überwacht werden; bei akutem Befallsdruck im Kraut muss die Krautabtötung unverzüglich eingeleitet werden, um eine Infektion der Knollen zu verhindern.
Symptome
Die sichtbaren Anzeichen einer erfolgreichen Krautabtötung umfassen das fortschreitende Vergilben, Welken und die anschließende Nekrose des Blattapparates sowie das Eintrocknen der Stängel. Die Knollen zeigen nach erfolgreicher Maßnahme eine feste, nicht mehr mit Daumendruck verschiebbare Schale (Schalenfestigkeit). Bei fehlerhafter chemischer Anwendung (z. B. bei extremer Trockenheit und Hitze) können unerwünschte Symptome wie Gefäßbündelbräunungen oder Nabelbräune an den Knollen auftreten.
Integriertes Management
Das integrierte Management der Krautabtötung kombiniert mechanische, thermische und chemische Verfahren. Eine bewährte Praxis ist das mechanische Krautschlagen (Schlegeln), oft gefolgt von einer gezielten chemischen Behandlung (Splitting-Verfahren) mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (z. B. Protoporphyrinogen-Oxidase-Inhibitoren), um verbliebene Stängelreste abzutöten und den Wiederaustrieb zu verhindern. Zur Vermeidung von Gefäßbündelverfärbungen darf die chemische Anwendung nicht bei Welkesymptomen der Kultur oder extremen Temperaturen erfolgen. Die Aufwandmenge und die einzuhaltende Wartezeit sind strikt nach den Vorgaben der Zulassungsbehörden einzuhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie beeinflusst die Bodenfeuchtigkeit den Erfolg und die Verträglichkeit der chemischen Krautabtötung?
Eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit ist entscheidend für die Verträglichkeit bestimmter Pflanzenschutzmittel zur Krautabtötung. Bei extremer Trockenheit stehen die Kulturen unter Stress, was bei einer schnellen chemischen Abtötung zu einem Saftstromrückfluss führen kann. Dies begünstigt das Auftreten von Gefäßbündelbräunungen (Nabelbräune) in den Knollen. Daher sollte bei Trockenheit auf rein mechanische Verfahren oder eine Splitting-Behandlung mit reduzierter Aufwandmenge ausgewichen werden.
Welchen Einfluss hat das BBCH-Stadium der Kartoffel auf die Wahl des Termins zur Krautabtötung?
Die Krautabtötung wird üblicherweise zwischen den BBCH-Stadien 81 (Beginn der Reife) und 89 (Kraut vollständig abgestorben) durchgeführt. Der genaue Termin hängt vom Verwendungszweck ab: Bei Pflanzkartoffeln erfolgt die Maßnahme oft früher (BBCH 81–83), um die Knollengröße zu begrenzen und den Virusübertrag durch Blattläuse zu stoppen. Bei Speise- und Industriekartoffeln wartet man meist bis BBCH 85–88, um den Ertrag und den Stärkegehalt zu maximieren.
Wie lange muss die Wartezeit zwischen der Krautabtötung und der Ernte eingehalten werden?
Nach der Krautabtötung ist eine Wartezeit von mindestens 14 bis 21 Tagen einzuhalten, bevor gerodet wird. Diese Zeitspanne ist zwingend erforderlich, damit die Knollen im Boden eine ausreichend feste Schale ausbilden (Suberisierung). Eine zu frühe Ernte führt zu Schalenabzug und mechanischen Beschädigungen, was die Anfälligkeit für Lagerfäulen drastisch erhöht. Zudem müssen die gesetzlichen Wartezeiten der eingesetzten Pflanzenschutzmittel beachtet werden.
Warum ist die Krautabtötung eine wichtige Maßnahme im Resistenzmanagement gegen Kraut- und Knollenfäule?
Die Krautabtötung unterbricht den Lebenszyklus von *Phytophthora infestans*. Wenn infiziertes Kraut vor der Ernte nicht vollständig abgetötet wird, können die Sporen des Pilzes bei der Rodung auf die Knollen gelangen und dort Knollenfäule verursachen. Durch das rechtzeitige Abtöten des Wirtsgewebes wird dem Erreger die Lebensgrundlage entzogen, was den Infektionsdruck im Lager minimiert und den Bedarf an Fungizidanwendungen im Nacherntebereich senkt.
Wie finde ich im Portal registrierte Pflanzenschutzmittel für die Krautabtötung bei Kartoffeln?
Nutzen Sie die Such- und Filterfunktionen auf agronomy.farmable.tech, indem Sie nach der Kultur "Kartoffel" (*Solanum tuberosum*) filtern und als Verwendungszweck oder Schaderreger "Krautabtötung" (EPPO-Code: YKRAU) auswählen. Das System listet Ihnen alle aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und spezifischen Wartezeiten für Ihre Region auf.
Was versteht man unter dem "Splitting-Verfahren" bei der Krautabtötung und welche Vorteile bietet es?
Das Splitting-Verfahren kombiniert meist ein mechanisches Krautschlagen mit einer zeitlich versetzten chemischen Behandlung oder teilt die chemische Anwendung in zwei Teilgaben auf. Der Vorteil liegt in einer schonenderen und gleichmäßigeren Abtötung der Kultur. Das Krautschlagen reduziert die Blattmasse, sodass die anschließende Applikation eines Pflanzenschutzmittels die verbliebenen Stängel optimal benetzen und den Wiederaustrieb (Zwiesuchs-Vermeidung) effektiv verhindern kann.