Kriechender Hahnenfuß
Der Kriechende Hahnenfuß (Ranunculus repens, EPPO-Code: RANRE) ist ein ausdauerndes, krautiges Unkraut aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Er zeichnet sich durch seine charakteristischen, oberirdisch kriechenden Ausläufer (Stolonen) aus, die sich an den Knoten bewurzeln und dichte Teppiche bilden. Die Art bevorzugt feuchte, nährstoffreiche, oft verdichtete Böden und gilt als klassischer Zeiger für Staunässe.
In landwirtschaftlichen Kulturen, insbesondere im Grünland, in Baumschulen sowie im mehrjährigen Obst- und Weinbau, besitzt der Schaderreger erhebliche wirtschaftliche Relevanz. Durch sein aggressives vegetatives Wachstum verdrängt er wertvolle Futtergräser und mindert die Futterqualität, da die Pflanze im frischen Zustand aufgrund des enthaltenen Protoanemonins für Vieh giftig und geschmacklich unattraktiv ist. Ein starker Besatz führt zu signifikanten Ertragseinbußen und erschwert die mechanische Bodenbearbeitung.
Biologie / Lebenszyklus
Der Kriechende Hahnenfuß überwintert als grüne Rosette oder mittels seiner unterirdischen Rhizome. Im zeitigen Frühjahr (ab März/April) setzt das vegetative Wachstum ein, gefolgt von der Bildung zahlreicher oberirdischer Ausläufer, die sich bei Bodenkontakt rasch bewurzeln und neue Tochterpflanzen etablieren. Die Hauptblütezeit erstreckt sich von Mai bis August, in der die Pflanze leuchtend gelbe Blüten ausbildet, die von Insekten bestäubt werden. Neben der hocheffizienten vegetativen Ausbreitung über Stolonen produziert eine einzelne Pflanze Hunderte von langlebigen Samen (Nüsschen), die über Jahre im Boden keimfähig bleiben und durch Tiere oder landwirtschaftliche Geräte verbreitet werden.
Bonitur
Die Überwachung des Kriechenden Hahnenfußes erfolgt primär durch visuelle Bonituren im zeitigen Frühjahr zu Beginn der Vegetationsperiode (BBCH 10–19 der umgebenden Gräser bzw. vor dem Austrieb in Baumschulbepflanzungen). Eine gezielte Erfassung ist besonders auf staunassen Teilflächen und verdichteten Vorgewenden ratsam. Im Grünland liegt die wirtschaftliche Schadschwelle bei einem Deckungsgrad von über 10–15 %, da ab diesem Niveau eine spürbare Verdrängung wertvoller Futtergräser einsetzt. Bei Neuanlagen von Baumschulen oder Grünland sollte die Fläche bereits vor der Einsaat absolut frei von lebensfähigen Wurzel- und Stolonenfragmenten sein, weshalb hier eine Nulltoleranz anzustreben ist.
Integriertes Management
Die Regulierung von *Ranunculus repens* erfordert ein integriertes Konzept, das primär an den Standortbedingungen ansetzt. Mechanische Maßnahmen wie tiefes Pflügen können im Ackerbau helfen, bergen jedoch im Grünland das Risiko, Stolonen zu fragmentieren; entscheidend ist daher die Behebung von Bodenverdichtungen und Staunässe durch Drainage oder Tiefenlockerung. Eine dichte, konkurrenzstarke Grasnarbe durch angepasste Düngung und regelmäßige Nachsaat unterdrückt das Auflaufen von Sämlingen effektiv. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt im Frühjahr bei wüchsigem Wetter eingesetzt werden, wenn die Rosetten ausreichend Blattfläche gebildet haben, aber noch vor der Blüte stehen. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel nach dem HRAC-Klassifizierungssystem (z. B. Wechsel zwischen Wuchsstoffen der Gruppe 4 und anderen zugelassenen Herbizidklassen) zwingend erforderlich.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie wirkt sich die Giftigkeit des Kriechenden Hahnenfußes auf die Verwertung von Grassilage und Heu aus?
Frisch auf der Weide ist die Pflanze aufgrund des Giftstoffs Protoanemonin für Weidetiere toxisch und wird meist gemieden. Beim Trocknungsprozess zu Heu wird dieser Stoff in das ungiftige Anemonin umgewandelt, weshalb Heu unbedenklich verfüttert werden kann; bei der Silierung baut sich das Gift ebenfalls ab, allerdings erst nach einer mehrwöchigen Lagerzeit.
Warum führt eine rein mechanische Bekämpfung durch Fräsen oft zu einer Verschlimmerung des Befalls?
Der Kriechende Hahnenfuß besitzt eine enorme regenerative Fähigkeit. Durch das Fräsen werden die oberirdischen Ausläufer (Stolonen) und flachen Rhizome in kleine Stücke zerteilt, die im feuchten Boden extrem schnell neue Wurzeln schlagen und den Besatz dadurch vervielfachen können.
Zu welchem BBCH-Stadium der Gräser ist eine chemische Behandlung am wirkungsvollsten?
Der optimale Behandlungszeitpunkt liegt im Frühjahr während der aktiven Wachstumsphase des Unkrauts (Rosettenstadium bis kurz vor der Knospenbildung), was meist mit dem Schossen der Gräser (BBCH 30–37) zusammenfällt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Translokation systemischer Pflanzenschutzmittel in die Wurzeln am effizientesten.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach dem EPPO-Code "RANRE" oder dem deutschen Namen "Kriechender Hahnenfuß". Sie erhalten eine aktuelle Liste der in Ihrem Land für die jeweilige Kultur (z. B. Grünland oder Baumschulen) registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten.
Welche Rolle spielt der Boden-pH-Wert bei der Etablierung von Ranunculus repens?
Obwohl die Art eine breite pH-Toleranz aufweist, dominiert sie besonders auf sauren bis neutralen, schweren Böden. Eine gezielte Erhaltungskalkung zur Optimierung des pH-Werts verbessert die Bodenstruktur, fördert die Konkurrenzkraft wertvoller Futtergräser und drängt den Hahnenfuß langfristig zurück.
Welche HRAC-Wirkstoffgruppen stehen für die chemische Regulierung im Grünland zur Verfügung, um Resistenzen zu vermeiden?
Primär werden synthetische Auxine (Wuchsstoffe, HRAC-Gruppe 4) eingesetzt. Um Selektionsdruck und Resistenzentwicklungen zu minimieren, sollten diese im Rahmen der Fruchtfolge oder bei Nachsaaten mit Herbiziden anderer Wirkmechanismen (z. B. ALS-Inhibitoren, HRAC-Gruppe 2) kombiniert oder abgewechselt werden.