Gräser
Unter dem EPPO-Code GGGGG werden Gräser (wissenschaftlicher Name: grasses) sowohl als Futtergräser im Ackerbau (Ackergras) als auch im Dauergrünland zusammengefasst. Diese Kulturen spielen eine fundamentale Rolle in der mitteleuropäischen Landwirtschaft, insbesondere für die Grundfuttererzeugung in der Milchviehhaltung und Rindermast sowie als Biogassubstrat. Zu den wichtigsten Arten gehören das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne), das Welsche Weidelgras (Lolium multiflorum) sowie verschiedene Schwingel- und Rispengräser.
Die Führung dieser Kulturen erfordert ein tiefes Verständnis der Bestandszusammensetzung und des Wachstumsverlaufs. Da Gräser oft mehrjährig genutzt werden, hängen Ertrag und Futterqualität stark von der Schnitthäufigkeit, der Nährstoffversorgung und der gezielten Regulierung unerwünschter Schaderreger ab. Ein optimales Management sichert dichte, ausdauernde Bestände und minimiert den Unkrautdruck durch konkurrenzstarke Begleitflora.
Bodenmanagement
Die Etablierung von Gräsern erfordert ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett, um den feinen Samen einen optimalen Bodenschluss zu garantieren. Eine bedarfsgerechte Düngung mit Stickstoff, Phosphor und Kalium ist für die Ertragsbildung und die Winterhärte der Kultur entscheidend. Insbesondere nach jedem Schnitt ist eine rasche Nährstoffzufuhr, oft kombiniert mit organischer Düngung wie Gülle, für den Wiederaustrieb notwendig. Bodenverdichtungen müssen unbedingt vermieden werden, da sie die Durchwurzelung hemmen und die Ausbreitung von minderwertigen Gemeinen Rispengräsern begünstigen. Regelmäßiges Striegeln im Frühjahr belüftet die Grasnarbe, entfernt Moos sowie flachwurzelnde Unkräuter und fördert die Bestockung.
Schaderreger-Management
Im integrierten Pflanzenschutz steht die mechanische Unkrautregulierung durch regelmäßigen Schnitt und bedarfsgerechtes Striegeln im Vordergrund. Treten ertragsmindernde Schaderreger wie Apera spica-venti (Windhalm) oder Poa annua (Einjährige Rispe) in frisch angelegten Ackergrasbeständen massiv auf, kann eine gezielte chemische Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln notwendig werden. Pilzliche Schaderreger wie Rhynchosporium secalis oder Rostpilze mindern die Futterqualität erheblich und sollten durch die Wahl toleranter Sorten minimiert werden. Bei starkem Befall mit zweikeimblättrigen Unkräutern wie Calystegia sepium (Zaunwinde) oder Lamium purpureum (Rote Taubnessel) ist eine selektive Herbizidanwendung im Nachauflauf unter Beachtung der Wartezeit ratsam. Ein ausgewogenes Weidemanagement und rechtzeitiges Mähen verhindern zudem die Samenbildung unerwünschter Beigräser.
Sorten
Arvicola
mittelfrühSehr hoher Ertrag im ersten und in den Folgeschnitten.
Resistent gegen: Rost, Schneeschimmel
Anfällig für: Bakterienwelke
Tetraploide Sorte mit hervorragender Ausdauer und hoher Ertragsstabilität über alle Schnitte hinweg.
Melpa
spätHoher und sehr gleichmäßiger Ertrag über das gesamte Nutzungsjahr.
Resistent gegen: Rost, Fusarium
Anfällig für: Trockenstress
Diploides Weidelgras mit dichter Narbe, ideal für Weidenutzung und intensive Schnittnutzung.
Barolando
frühSpitzenerträge im ersten Aufwuchs.
Resistent gegen: Winterfrost, Rost
Anfällig für: Auswinterung bei Staunässe
Frühe Sorte mit rascher Jugendentwicklung, sehr gut geeignet für den frühen ersten Schnitt.
Ivana
mittelStabiler, hoher Ertrag auch in trockeneren Lagen.
Resistent gegen: Rost, Blattfleckenkrankheit
Anfällig für: Schneeschimmel
Sehr ausdauernde Sorte mit exzellenter Narbendichte und hoher Konkurrenzkraft gegen Unkräuter.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Bekämpfung von einjährigen Schaderregern wie Windhalm im Ackergras von Getreidekulturen?
Im Ackergras steht die Konkurrenzkraft des Bestandes im Vordergrund. Während im Getreidebau Herbizide im Herbst Standard sind, nutzt man im Ackergras oft den frühen ersten Schnitt (Schröpfschnitt), um einjährige Schaderreger wie Apera spica-venti vor der Samenreife mechanisch zu schwächen. Chemische Pflanzenschutzmittel werden nur bei extremem Druck im frühen BBCH-Stadium der Gräser selektiv eingesetzt.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung des ersten Schnitts?
Für eine optimale Futterqualität (hoher Energie- und Rohproteingehalt) sollte der erste Schnitt im BBCH-Stadium 37 bis 49 (Erscheinen des letzten Blattes bis zum Schwellen der Blattscheide) erfolgen. Sobald das Ährenschieben (BBCH 51) einsetzt, steigt der Rohfasergehalt rapide an, was die Verdaulichkeit für Wiederkäuer deutlich mindert.
Wie kann die Ausbreitung der Gemeinen Rispe (Poa trivialis) im Grünland verhindert werden?
Poa trivialis breitet sich besonders auf feuchten, verdichteten Böden und bei lückiger Grasnarbe aus. Die wichtigste Maßnahme ist die mechanische Regulierung durch scharfes Striegeln im Frühjahr, um die flach wurzelnden Ausläufer herauszureißen, gefolgt von einer sofortigen Nachsaat mit konkurrenzstarken Sorten des Deutschen Weidelgrases.
Welche Wartezeiten müssen bei der Anwendung von Herbiziden gegen Zaunwinde (Calystegia sepium) beachtet werden?
Bei der chemischen Regulierung von Calystegia sepium in Futtergräsern müssen die spezifischen Wartezeiten (PHI) der eingesetzten Pflanzenschutzmittel strikt eingehalten werden. Diese liegen je nach Wirkstoff meist zwischen 14 und 28 Tagen vor der Nutzung (Schnitt oder Beweidung), um Rückstände im Futter und in der Milch zu vermeiden.
Warum ist die Sortenwahl bezüglich der Rostresistenz bei Gräsern so entscheidend?
Rostpilze mindern nicht nur den Ertrag, sondern verschlechtern vor allem die Schmackhaftigkeit und den Futterwert des Grases drastisch; befallene Bestände werden vom Vieh oft verschmäht. Da im stehenden Futterbestand Fungizide aus Rückstands- und Wirtschaftlichkeitsgründen kaum zum Einsatz kommen, ist die Wahl resistenter Sorten die primäre Abwehrmethode.
Wie finde ich im Agronomy-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel für spezifische Anwendungen in Gräsern?
Nutzen Sie die Filterfunktion im Hub und wählen Sie die Kultur 'Gräser' (EPPO: GGGGG) aus. Filtern Sie anschließend nach der gewünschten Indikation (z. B. einkeimblättrige oder zweikeimblättrige Schaderreger) und dem aktuellen BBCH-Stadium Ihrer Kultur, um alle in Deutschland aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten anzuzeigen.