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Sonstiger Schaderreger

Phytophthora nicotianae

Phytophthora nicotianae
PHYTNP

Phytophthora nicotianae (EPPO-Code: PHYTNP) ist ein hochgradig destruktiver, bodenbürtiger Oomycet (Scheinpilz), der weltweit erhebliche wirtschaftliche Schäden in einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen verursacht. Besonders betroffen sind Nachtschattengewächse (Solanaceae) wie Tomaten (Solanum lycopersicum), Paprika (Capsicum annuum) und Auberginen (Solanum melongena), bei denen der Schaderreger Wurzelfäule, Stängelfäule (oft als "Black Shank" bezeichnet) und Fruchtfäule hervorruft.

Die wirtschaftliche Relevanz im mitteleuropäischen Raum hat in den letzten Jahren zugenommen, insbesondere in geschützten Anbausystemen (Gewächshäusern) sowie in Freilandkulturen unter warm-feuchten Witterungsbedingungen. Da die Dauersporen des Erregers über viele Jahre im Boden überleben können, führt ein Befall oft zu langfristigen Nutzungsbeschränkungen betroffener Flächen und drastischen Ertragseinbußen von bis zu 100 % bei anfälligen Kulturen.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
PHYTNP
Wirte
3 Kulturen
Generationen
Mehrere asexuelle Zyklen pro Saison
Verbreitung
Phytophthora nicotianae ist weltweit in warm-gemäßigten, subtropischen und tropischen Regionen verbreitet. In Mitteleuropa tritt der Schaderreger vor allem im geschützten Anbau sowie in warmen Sommern im Freiland auf, wo er erhebliche ökonomische Schäden durch Totalausfälle verursachen kann.
Erstbeschreibung
Breda de Haan, 1896 (Indonesien)

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Phytophthora nicotianae beginnt im Frühjahr mit der Keimung von im Boden oder in Pflanzenresten überdauernden Chlamydosporen oder Oosporen, sobald die Bodentemperaturen über 15 °C steigen und ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Diese Dauersporen bilden Sporangien, aus denen sich bewegliche, zweigeißelige Zoosporen freisetzen, die im Bodenwasser aktiv zu den Wurzeln der Wirtskulturen schwimmen und diese infizieren. Nach der Etablierung im Pflanzengewebe breitet sich das Myzel rasch aus und bildet unter warm-feuchten Bedingungen (optimal sind 25–30 °C) neue Sporangien an der Pflanzenoberfläche, die durch Wind, Regenspritzer oder Bewässerungswasser verbreitet werden und sekundäre Infektionszyklen auslösen. Zum Ende der Vegetationsperiode oder bei ungünstigen Bedingungen bildet der Schaderreger erneut dickwandige Überdauerungsorgane im absterbenden Gewebe, die im Boden verbleiben.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte bereits vor der Pflanzung mit der Überprüfung der Bodengesundheit und der Entwässerungssituation beginnen. In den stehenden Kulturen ist eine regelmäßige visuelle Bonitur ab dem BBCH-Stadium 13 (Entfaltung des 3. Laubblattes) bis weit in die Erntephase (BBCH 89) unerlässlich, wobei besonders auf Staunässebereiche und bodennahe Pflanzenteile zu achten ist. Da es keine etablierten Schadschwellenwerte im klassischen Sinne gibt – das Auftreten einzelner infizierter Kulturen erfordert sofortiges Handeln –, dienen epidemiologische Prognosemodelle, die auf Temperatur und Blattnässedauer basieren, als wichtige Entscheidungshilfe für den rechtzeitigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Symptome

Die Symptome variieren je nach Infektionsort und Entwicklungsstadium der Kultur. An Keimlingen führt der Schaderreger zu typischer Umfallkrankheit (Damping-off) durch Einschnürungen am Stängelgrund. Bei älteren Kulturen zeigen sich die Symptome zunächst als Welke der Blätter trotz ausreichender Bodenfeuchtigkeit, gefolgt von einer fortschreitenden, dunkelbraunen bis schwarzen Verfärbung des Stängelgrundes und der Hauptwurzeln (Fuß- und Wurzelfäule). An den Früchten, insbesondere bei Tomaten, entstehen charakteristische, konzentrisch gezonte, graubraune Flecken mit fester Konsistenz ("Buckeye Rot"), die sich bei hoher Luftfeuchtigkeit mit einem weißen, watteartigen Myzelbelag bedecken können.

Integriertes Management

Das integrierte Management basiert primär auf vorbeugenden, kulturtechnischen Maßnahmen, da eine Bekämpfung nach dem Ausbruch extrem schwierig ist. Dazu gehören eine weite Fruchtfolge (mindestens 4 Jahre ohne Solanaceen), die konsequente Vermeidung von Staunässe durch Drainage oder Dammkultur, die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Pflanzgut sowie der Einsatz resistenter oder toleranter Veredelungsunterlagen. Biologische Präparate auf Basis von Trichoderma-Arten oder Bacillus subtilis können präventiv zur Stärkung der Wurzelzone eingesetzt werden. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. Fungizide aus den Wirkstoffgruppen der Phenylamide oder Carbonsäureamide) sollten gezielt und vorbeugend bei hohem Infektionsdruck appliziert werden; dabei ist zur Vermeidung von Resistenzen zwingend ein Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie kann ich im Feld eine Infektion durch Phytophthora nicotianae von einer gewöhnlichen Trockenwelke unterscheiden?

Achte auf den Stängelgrund und die Wurzeln: Bei einer Infektion mit diesem Schaderreger zeigt sich eine typische, dunkelbraune bis schwarze Verfärbung und Fäulnis der Rindenschicht, die sich leicht abziehen lässt. Zudem welken die Kulturen oft nesterweise und erholen sich auch nach einer Bewässerung oder in den kühleren Nachtstunden nicht mehr, während trockenheitsgestresste Kulturen meist flächig reagieren und nachts wieder turgeszent werden.

Welche Rolle spielt die Bewässerungsmethode bei der Ausbreitung dieses Schaderregers?

Eine Überkopfberegnung fördert die Ausbreitung massiv, da Spritzwasser die Zoosporen auf bodennahe Blätter und Früchte transportiert. Du solltest daher bevorzugt eine Tröpfchenbewässerung einsetzen, um die Blätter trocken zu halten, und darauf achten, dass kein Oberflächenwasser aus infizierten Bereichen in gesunde Bestände abfließt.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Erreger?

Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Tomate) und dem Schaderreger Phytophthora nicotianae oder dem EPPO-Code PHYTNP. Achte darauf, nur Pflanzenschutzmittel auszuwählen, die für die jeweilige Anwendungsbestimmung (z. B. Gießbehandlung oder Spritzung) in deinem Land offiziell registriert sind, und prüfe die angegebenen Wartezeiten.

Warum ist das FRAC-Resistenzmanagement bei der Bekämpfung von Oomyceten so kritisch?

Oomyceten wie Phytophthora besitzen eine hohe genetische Flexibilität und können sehr schnell Resistenzen gegen spezifische, systemische Wirkstoffe (wie z. B. Phenylamide) entwickeln. Du musst daher unbedingt Wirkstoffe mit unterschiedlichen FRAC-Codes im Wechsel einsetzen oder Tankmischungen mit Kontaktfungiziden verwenden, um die Selektion resistenter Stämme zu verhindern.

Ab welchem BBCH-Stadium ist eine präventive Bodenbehandlung am sinnvollsten?

Die kritischste Phase beginnt direkt bei der Pflanzung (BBCH 11 bis 13). Eine präventive Behandlung des Bodens oder des Substrats – entweder durch das Einmischen von biologischen Antagonisten oder durch eine gezielte Gießbehandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln unmittelbar nach dem Pflanzen – schützt die jungen, hochgradig anfälligen Wurzeln vor den im Boden lauernden Dauersporen.

Kann der Erreger auch in erdelosen Substraten im Gewächshaus überleben?

Ja, Phytophthora nicotianae kann sich in rezirkulierenden Nährlösungen von Hydrokultursystemen extrem schnell verbreiten. Wenn du erdelose Substrate (wie Steinwolle oder Kokosfaser) nutzt, musst du das Drainagewasser vor der Wiederverwendung zwingend entkeimen (z. B. durch UV-Bestrahlung, Ozonisierung oder Langsamfiltration), um eine kontinuierliche Reinfektion der Kulturen zu verhindern.