Phytophthora nicotianae
Phytophthora nicotianae (EPPO-Code: PHYTNP) ist ein hochgradig destruktiver, bodenbürtiger Oomyzet, der im professionellen Garten- und Ackerbau erhebliche ökonomische Schäden verursacht. Besonders im intensiven Anbau von Solanaceen wie Tomaten (Solanum lycopersicum), Paprika (Capsicum annuum) und Auberginen (Solanum melongena) führt dieser Schaderreger zu gravierenden Ertragsausfällen. Die Infektion äußert sich je nach Befallszeitpunkt und Umweltbedingungen als Keimlingskrankheit, Wurzel- und Fußfäule oder als markante Fruchtfäule.
Der Schaderreger ist weltweit verbreitet und gedeiht optimal unter feucht-warmen Bedingungen. In Mitteleuropa tritt er sowohl im geschützten Anbau unter Glas als auch in warmen Sommern im Freiland auf. Da die Überdauerungsorgane des Erregers über viele Jahre im Boden überleben können, stellt er ein dauerhaftes und schwer zu bekämpfendes Problem für betroffene landwirtschaftliche Betriebe dar.
Biologie / Lebenszyklus
Der Lebenszyklus beginnt mit der Keimung von im Boden oder in Kulturresten überdauernden Chlamydosporen bei steigenden Bodentemperaturen im Frühjahr. Unter wassergesättigten Bedingungen bilden sich Sporangien, die bewegliche, zweigeißelige Zoosporen freisetzen, welche aktiv zu den Wurzeln der Wirtskulturen schwimmen und diese infizieren. Nach der Etablierung des Myzels im Wirtsgewebe kommt es bei feucht-warmem Wetter zur sekundären Ausbreitung durch wind- und regengespülte Sporangien auf Stängel, Blätter und Früchte. Zum Ende der Vegetationsperiode oder bei absterbendem Gewebe bildet der Schaderreger erneut dickwandige Chlamydosporen und Oosporen, die im Boden überwintern.
Bonitur
Das Monitoring sollte bereits ab der Pflanzung (BBCH-Stadium 13 bis 19) beginnen, wobei der Fokus auf Staunässebereichen und Senken im Feld liegt. Eine regelmäßige visuelle Bonitur auf Welkeerscheinungen und Stängelgrundfäulen ist ab dem Längenwachstum (BBCH 31) bis zur Fruchtreife (BBCH 81–89) unerlässlich. Da es keine etablierten Schadschwellenwerte gibt, gilt im professionellen Anbau eine Nulltoleranz: Sobald erste Symptome an einzelnen Kulturen auftreten, müssen unverzüglich kulturtechnische und chemische Behandlungen eingeleitet werden. Die Nutzung von Entscheidungshilfesystemen, die Bodenfeuchte und -temperatur (optimal sind 24–30 °C) sowie Niederschlagsereignisse auswerten, unterstützt die Terminierung präventiver Anwendungen.
Symptome
An den Wurzeln zeigt sich eine fortschreitende, dunkelbraune bis schwarze Verfärbung und Fäulnis, die zum Absterben des Feinwurzelsystems führt. Am Stängelgrund kommt es zu einer typischen, scharf abgegrenzten, dunkelbraunen bis schwarzen Rindennekrose (Fußfäule), die die Saftleitung unterbricht und eine plötzliche Welke der gesamten Kultur verursacht. An den Früchten, insbesondere bei Tomaten, entstehen charakteristische, graubraune, fest bleibende Flecken mit konzentrischen Ringen („Buckeye-Rot“). Unter feuchten Bedingungen kann sich auf den befallenen Geweben ein feiner, weißlicher Myzelbelag bilden.
Integriertes Management
Ein integriertes Management basiert primär auf vorbeugenden kulturtechnischen Maßnahmen wie der Vermeidung von Staunässe durch optimierte Drainage, Dammkulturen und präzise Tröpfchenbewässerung. Eine weite Fruchtfolge (mindestens 4 Jahre ohne Solanaceen) sowie konsequente Betriebshygiene (Desinfektion von Stellflächen und Kisten) reduzieren das Inokulum. Der Einsatz resistenter oder toleranter Veredelungsunterlagen bietet im geschützten Anbau einen wirksamen biologischen Schutz. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten streng präventiv oder bei ersten Infektionsbedingungen eingesetzt werden, wobei zur Vermeidung von Resistenzen ein konsequenter Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien (Wechsel zwischen den Klassen 4, 21 und 40) zwingend erforderlich ist.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Befall durch Phytophthora nicotianae von der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) bei Tomaten?
Während Phytophthora infestans primär das Laub über die Luft infiziert und kühl-feuchte Bedingungen bevorzugt, ist Phytophthora nicotianae ein wärmeliebender, bodenbürtiger Schaderreger. Er verursacht typischerweise Wurzelfäule und bodennahe Stängelnekrosen sowie die charakteristische, konzentrisch zonierte „Buckeye-Rot“ an bodennahen Früchten, breitet sich jedoch seltener epidemisch über das gesamte Blätterdach aus.
Welche Rolle spielt die Bodenstruktur bei der Ausbreitung dieses Schaderregers?
Eine schlechte Bodenstruktur mit Verdichtungen begünstigt Staunässe. Da die Zoosporen von Phytophthora nicotianae Geißeln besitzen und sich im freien Wasser aktiv fortbewegen, sind wassergesättigte Böden der Haupttreiber für schnelle Infektionen und die Ausbreitung von Kultur zu Kultur im Bestand.
Wie kann ich im agronomy.farmable.tech Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Erreger suchen?
Nutzen Sie im Hub die Filtersuche für Pflanzenschutzmittel und filtern Sie nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Tomate oder Paprika) und dem Schaderreger Phytophthora nicotianae. Prüfen Sie in den Suchergebnissen die spezifisch zugelassenen Anwendungen, Aufwandmengen und die einzuhaltende Wartezeit für Ihr jeweiliges Anbausystem.
Warum ist eine Fruchtfolge bei der Bekämpfung von Phytophthora nicotianae oft nur eingeschränkt wirksam?
Der Schaderreger bildet extrem widerstandsfähige Dauersporen (Chlamydosporen), die auch ohne Wirtskultur viele Jahre im Boden überleben können. Zudem besitzt Phytophthora nicotianae ein sehr breites Wirtsspektrum, das neben Solanaceen auch zahlreiche Zierkulturen und Beikräuter umfasst, wodurch das Inokulum im Boden kontinuierlich aufrechterhalten wird.
Welche FRAC-Klassen sollten im Spritzprogramm zur Vermeidung von Resistenzen kombiniert werden?
Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, müssen Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen im Wechsel angewendet werden. Empfohlen wird der rotierende Einsatz von Wirkstoffen aus der Gruppe der Phenylamide (FRAC-Klasse 4, z. B. Metalaxyl-M), Carbonsäureamide (FRAC-Klasse 40, z. B. Dimethomorph) und zellulären Atmungsinhibitoren (FRAC-Klasse 21, z. B. Cyazofamid), idealerweise kombiniert mit protektiven Kontaktwirkstoffen.
Ab welchem BBCH-Stadium ist eine präventive Behandlung bei hohem Infektionsdruck sinnvoll?
Bei bekanntem Bodenbefall oder feucht-warmer Witterung sollten präventive Behandlungen (z. B. über das Bewässerungswasser oder als gezielte Bodenapplikation) bereits direkt nach dem Verpflanzen (BBCH-Stadium 13–15) erfolgen, um die jungen, hochgradig anfälligen Wurzeln vor den bodenbürtigen Zoosporen zu schützen.