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Kultur

Gemüsepaprika (inkl. Peperoni und Chili)

Capsicum annuum
CPSAN

Der Gemüsepaprika (Capsicum annuum, EPPO-Code: CPSAN) gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und stellt im professionellen Erwerbsgartenbau eine der wertvollsten, aber auch anspruchsvollsten Kulturen dar. Ursprünglich aus wärmeren Regionen Amerikas stammend, erfordert der Anbau in Mitteleuropa aufgrund des hohen Wärme- und Lichtbedürfnisses eine präzise Steuerung der Klimafaktoren. Während der großflächige Anbau im Freiland in wärmebegünstigten Regionen Deutschlands (wie der Rheinebene) stattfindet, dominiert für den Frischmarkt der hochtechnisierte Unterglasanbau.

Die Kultur zeichnet sich durch ein ausgeprägtes vegetativ-generatives Gleichgewicht aus, das durch gezieltes Temperatur-, Bewässerungs- und Nährstoffmanagement gesteuert werden muss. Eine besondere Herausforderung stellt die physiologische Empfindlichkeit gegenüber Temperaturschwankungen dar, die zu Blüten- und Fruchtfall führen kann. Agronomen müssen zudem die Wurzelgesundheit genau überwachen, da das Wurzelsystem von Capsicum annuum im Vergleich zu anderen Solanaceen deutlich schwächer ausgeprägt und empfindlicher gegenüber Staunässe sowie bodenbürtigen Schaderregern ist.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Februar bis März (Gewächshausvorzucht); Auspflanzung ab Mitte Mai
Erntefenster
Juli bis Oktober (Freiland); Juni bis November (Unterglas)
Reihenabstand
50–70 cm x 40–50 cm
Typischer Ertrag
40–60 t/ha (Freiland) / 15–25 kg/m² (Unterglas)
Wärmesumme (GDD)
2800
Boden-pH
6,0–6,8

Bodenmanagement

Für einen erfolgreichen Anbau von Capsicum annuum sind tiefgründige, humusreiche und gut strukturierte Böden mit einer stabilen Krümelstruktur unerlässlich. Da die Kultur extrem empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagiert, ist eine sorgfältige Tiefenlockerung vor dem Auspflanzen obligatorisch. Ein optimaler pH-Wert im leicht sauren bis neutralen Bereich sichert die Verfügbarkeit von Mikronährstoffen, insbesondere Eisen und Mangan. Im Unterglasanbau wird zunehmend auf inerten Substraten wie Steinwolle oder Kokosfaser kultiviert, was eine präzise Steuerung der Nährstofflösung (Fertigation) ermöglicht. Im Freiland ist der Einsatz von Mulchfolien zur Bodenerwärmung und Unkrautunterdrückung sowie eine tropfenweise Bewässerung Standard, um den gleichmäßigen Feuchtebedarf der Kultur ohne Benetzung des Laubwerks zu decken.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz bei Capsicum annuum erfordert eine integrierte Strategie, die stark auf vorbeugende Maßnahmen und den Einsatz von Nützlingen setzt. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören Botrytis cinerea (Grauschimmel) und Sclerotinia sclerotiorum, die besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit im Pflanzenbestand auftreten. Bodenbürtige Schaderreger wie Phytophthora capsici und Rhizoctonia solani müssen durch weite Fruchtfolgen im Freiland oder durch Substratsterilisation im Gewächshaus kontrolliert werden. Gegen tierische Schädlinge wie die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) und die Weiße Fliege (Bemisia tabaci) werden im geschützten Anbau standardmäßig Schlupfwespen und Raubmilben als biologische Pflanzenschutzmittel etabliert. Chemische Pflanzenschutzmittel werden gezielt und unter strenger Beachtung der Wartezeiten und des Resistenzmanagements eingesetzt, um die Nützlingspopulationen nicht zu gefährden.

Sorten

Mazurka

mittelfrüh

Sehr hoch und stabil unter Glas

Resistent gegen: Tabakmosaikvirus

Anfällig für: Blütenendfäule

Sehr bewährter roter Blockpaprika für den professionellen Unterglasanbau mit hoher Fruchtqualität und gleichmäßigem Ertrag.

Sven

mittelfrüh

Sehr ertragreich im geschützten Anbau

Resistent gegen: Tabakmosaikvirus

Anfällig für: Echter Mehltau

Gelb abreifender Blockpaprika mit dickwandigen, schweren Früchten und starkem Wuchs.

Mavras

mittelfrüh

Konstant hoher Ertrag

Resistent gegen: Tabakmosaikvirus

Anfällig für: Kälte

Dunkelviolett bis schwarz abreifender Blockpaprika, der sich durch eine hervorragende Haltbarkeit nach der Ernte auszeichnet.

California Wonder

mittelspät

Mäßig bis gut im Freiland

Resistent gegen: Tabakmosaikvirus

Anfällig für: Phytophthora-Fäule, Blütenendfäule

Robuste, traditionelle Sorte für den Freilandanbau in wärmeren Lagen mit blockigen, grünen bis roten Früchten.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Blütenendfäule bei Paprika im geschützten Anbau minimieren?

Blütenendfäule ist eine physiologische Störung, die durch Calciummangel in den Fruchtzellen verursacht wird. Da Calcium passiv über den Transpirationsstrom transportiert wird, muss eine gleichmäßige Bodenfeuchte gewährleistet und extreme Luftfeuchtigkeit vermieden werden. Eine gezielte Blattdüngung mit Calciumchlorid oder Calciumnitrat in Phasen schnellen Fruchtwachstums (BBCH 71–75) unterstützt die Versorgung der jungen Früchte direkt.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung von Blattläusen wie Myzus persicae?

Die Überwachung von Myzus persicae muss bereits ab der Blattentwicklung (BBCH 10–19) beginnen, da frühe Kolonien die jungen Triebe deformieren und Viren übertragen können. Nützlinge wie Aphidius-Schlupfwespen sollten präventiv oder bei Erstbefall ausgebracht werden. Chemische Behandlungen sind vor allem vor der Blüte (bis BBCH 59) durchzuführen, um Bestäuber zu schonen und Rückstände auf den Früchten zu minimieren.

Wie wird Phytophthora capsici im Freilandanbau von Paprika effektiv kontrolliert?

Da Phytophthora capsici ein bodenbürtiger Oomyzet ist, der durch Staunässe gefördert wird, sind pflanzenbauliche Maßnahmen entscheidend. Dazu gehören der Anbau auf Dämmen, die Verwendung von Mulchfolie zur Vermeidung von Erdspritzern auf die Blätter und eine strikte Fruchtfolge von mindestens 4 Jahren ohne Solanaceen oder Cucurbitaceen. Bei akutem Infektionsdruck können zugelassene Fungizide über die Tröpfchenbewässerung appliziert werden.

Warum ist das vegetative-generative Gleichgewicht bei Capsicum annuum so sensibel und wie steuert man es?

Paprika neigt bei zu hoher Stickstoffdüngung und niedrigen Nachttemperaturen zu übermäßigem vegetativen Wachstum, was zum Abwurf von Blütenknospen führt. Umgekehrt bremst ein zu hoher Fruchtbehang das Triebwachstum aus. Gesteuert wird dies im Gewächshaus über die Temperaturführung (Erhöhung der Tag-Nacht-Differenz fördert Generativität) und die gezielte Steuerung des EC-Werts der Nährlösung.

Wie finde ich im Agronomy-Portal die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Sclerotinia Sclerotiorum für Paprika?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Gemüsepaprika' und dem Schaderreger 'Sclerotinia sclerotiorum' (Stängelfäule). Das System listet Ihnen alle aktuell in Deutschland beim BVL registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen pro Saison und der einzuhaltenden Wartezeiten auf.

Welche Bedeutung hat das Entfernen der 'Königsblüte' bei Paprika?

Das Ausbrechen der ersten Blüte in der Hauptverzweigung (Königsblüte, meist im BBCH-Stadium 51–53) fördert das vegetative Wachstum der Jungpflanze und stärkt das Wurzelsystem. Dies führt langfristig zu einem stabileren Pflanzenaufbau, einer besseren Verzweigung und letztlich zu einem höheren und gleichmäßigeren Gesamtertrag über die gesamte Ernteperiode.