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Kultur

Stängelumfassende Taubnessel

Lamium amplexicaule
LAMAM

Die Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule, EPPO-Code: LAMAM) ist ein einjähriges, krautiges Unkraut aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie ist auf nährstoffreichen, kalkhaltigen Lehm- und Tonböden in ganz Europa weit verbreitet. Besonders im Frühjahr und Herbst tritt sie als konkurrenzstarker Schaderreger in verschiedenen Ackerkulturen auf, wo sie rasch dichte Bestände bilden kann.

Wirtschaftlich relevant ist die Art vor allem in lückigen Winterungen, im Sommergetreide (wie Sommergerste) sowie im Gemüse- und Hackfruchtanbau. Durch ihre schnelle Jugendentwicklung im frühen Frühjahr konkurriert sie stark mit der Kultur um Licht, Wasser und Nährstoffe. Zudem dient sie als Zwischenwirt für verschiedene pflanzenpathogene Nematoden und Viren, was ihre phytomedizinische Bedeutung über die reine Ertragskonkurrenz hinaus erhöht.

Ihre hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Bodenbearbeitungssysteme macht sie zu einem ständigen Begleiter in der modernen Landwirtschaft. Insbesondere bei reduzierter Bodenbearbeitung kann sich der Samenvorrat im Oberboden rasch anreichen, was konsequente Gegenmaßnahmen erfordert.

Typ
Kultur
EPPO-Code
LAMAM
Wirte
2 Kulturen
Generationen
Meist 2 Generationen pro Jahr (Herbst- und Frühjahrskeimer)
Verbreitung
Die Stängelumfassende Taubnessel ist in ganz Europa, Westasien und Nordafrika weit verbreitet und hat sich als Kosmopolit in fast allen gemäßigten Klimazonen etabliert. Ihre ökonomische Bedeutung ist mäßig bis hoch, insbesondere bei mangelnder Konkurrenzkraft der Kultur im frühen Entwicklungsstadium.

Biologie / Lebenszyklus

Lamium amplexicaule ist ein winter- oder sommerannuelles Unkraut, das sowohl im Herbst als auch im zeitigen Frühjahr keimen kann. Die Keimung erfolgt bevorzugt aus flachen Bodenschichten bei kühlen Temperaturen zwischen 5 und 15 °C. Nach einer raschen vegetativen Entwicklung im Frühjahr erscheinen ab März die charakteristischen, purpurroten Blüten, wobei im zeitigen Frühjahr oft kleistogame (geschlossene, selbstbestäubende) Blüten gebildet werden. Eine einzelne Pflanze kann mehrere tausend Samen produzieren, die durch Ameisen verbreitet werden (Myrmekochorie) und im Boden eine hohe Langlebigkeit von oft mehr als fünf Jahren aufweisen. Der Lebenszyklus schließt sich im Sommer, wobei die im Frühjahr gekeimten Pflanzen nach der Samenreife absterben, während die Herbstkeimer als Rosette überwintern.

Bonitur

Das Monitoring sollte im zeitigen Frühjahr direkt nach dem Wiederergrünen der Kulturen sowie im Herbst im Keimblattstadium des Unkrauts erfolgen. In Sommergerste liegt der Fokus auf dem Zeitraum zwischen der Aussaat und dem Auflaufen bis zum Ende der Bestockung (BBCH 10 bis 29). Eine gezielte Feldbegehung im Zickzack-Muster hilft dir, die Dichte zu erfassen; als wirtschaftliche Schadensschwelle im Getreide gelten Richtwerte von etwa 10 bis 15 Pflanzen pro Quadratmeter bei mäßiger Verunkrautung. Achte besonders auf Vorgewende und lückige Bestände, da sich der Schaderreger dort aufgrund des erhöhten Lichteinfalls besonders schnell etabliert.

Integriertes Management

Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus pflanzenbaulichen und chemischen Maßnahmen. Mechanische Regulierungsverfahren wie das Striegeln im frühen Nachauflauf (BBCH 13 bis 21 der Kultur) oder der Einsatz von Hackgeräten in Reihenkulturen sind hochwirksam, da die flach wurzelnde Taubnessel empfindlich auf Verschütten und Entwurzeln reagiert. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten frühzeitig im Keimblatt- bis Laubblattstadium des Unkrauts appliziert werden, da ältere, gut etablierte Pflanzen eine deutlich höhere Toleranz aufweisen. Um der Entstehung von Herbizidresistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel gemäß den HRAC-Richtlinien (z. B. Wechsel zwischen ALS-Inhibitoren der Gruppe B und synthetischen Auxinen der Gruppe O) bei jeder Anwendung zwingend erforderlich.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheide ich die Stängelumfassende Taubnessel im Keimblattstadium von anderen Taubnesselarten?

Achte auf die Keimblätter: Bei Lamium amplexicaule sind diese rundlich bis nierenförmig, am Grund tief herzförmig ausgeschnitten und weisen deutliche, abgerundete Basalecken auf. Der Stiel des Keimblatts ist meist behaart, was dir hilft, sie von der Roten Taubnessel (Lamium purpureum) zu unterscheiden, deren Keimblätter am Grund eher gestutzt oder keilförmig sind.

Warum versagen manche Herbizidbehandlungen gegen dieses Unkraut im späten Frühjahr?

Sobald die Stängelumfassende Taubnessel die Blütephase erreicht hat und verholzt, nimmt die Wirkstoffaufnahme über das Blatt drastisch ab. Zudem schützt die dichte Behaarung der oberen Blätter vor einer optimalen Benetzung mit dem Pflanzenschutzmittel. Eine chemische Behandlung muss daher zwingend im frühen Rosettenstadium erfolgen, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen.

Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Regulierung von Lamium amplexicaule?

Da die Samen Lichtkeimer sind, fördert eine flache, konservierende Bodenbearbeitung das Auflaufen im Herbst. Ein tiefer Wendepflug vergräbt die Samen zwar in tiefere Schichten, wo sie jedoch jahrelang überdauern können; bei der nächsten tiefen Bearbeitung holst du sie wieder an die Oberfläche. Ein falsches Saatbett im Spätsommer ist eine hervorragende Methode, um den Samenvorrat im Oberboden gezielt vor der Aussaat der Hauptkultur zu reduzieren.

Wie finde ich im Hub die passenden, aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen dieses Unkraut?

Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Hub, indem du nach dem EPPO-Code "LAMAM" oder dem deutschen Namen filterst. Kombiniere dies mit deiner spezifischen Kultur (z. B. Sommergerste) und dem gewünschten Anwendungszeitraum (Vor- oder Nachauflauf), um eine Liste der beim BVL registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten zu erhalten.

Kann die Stängelumfassende Taubnessel auch im Winter wachsen und die Kultur schädigen?

Ja, als winterannuelle Pflanze übersteht sie milde Winter problemlos im Rosettenstadium und wächst selbst bei niedrigen Plustemperaturen langsam weiter. In wintermilden Regionen kann sie so bereits vor dem Vegetationsstart der Kultur im Frühjahr einen dichten Teppich bilden und wertvollen Stickstoff aus dem Boden aufnehmen, weshalb eine Herbstbehandlung in stark belasteten Flächen ratsam ist.