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Kultur

Stängelumfassende Taubnessel

Lamium amplexicaule
LAMAM

Die Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule, EPPO-Code: LAMAM) ist ein einjähriges, winter- oder sommerannuelles Unkraut aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie ist auf nährstoffreichen, humosen Lehm- und Tonböden weit verbreitet und tritt besonders häufig in lückigen Wintergetreidebeständen, Hackfrüchten sowie im Gemüse- und Obstbau auf. Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, bereits bei niedrigen Temperaturen im zeitigen Frühjahr zu keimen, etabliert sie sich schnell als konkurrenzstarker Schaderreger.

Obwohl die Stängelumfassende Taubnessel im Vergleich zu Klettenlabkraut oder Acker-Fuchsschwanz eine geringere direkte Ertragsrelevanz besitzt, kann ein starker Besatz insbesondere in Sommergerste oder lückigen Kulturen zu erheblichen Ernteerschwerungen und Qualitätsminderungen führen. Zudem dient sie als Zwischenwirt für verschiedene pflanzenpathogene Viren und Nematoden, was ihre indirekte wirtschaftliche Bedeutung im integrierten Pflanzenbau deutlich erhöht.

Typ
Kultur
EPPO-Code
LAMAM
Wirte
2 Kulturen
Generationen
1–2 Generationen pro Jahr
Verbreitung
Lamium amplexicaule ist in ganz Europa, Nordafrika und weiten Teilen Asiens heimisch und gilt im mitteleuropäischen Ackerbau als weit verbreitetes Unkraut mit mäßiger bis hoher wirtschaftlicher Relevanz bei starkem Besatz.
Erstbeschreibung
L., 1753

Biologie / Lebenszyklus

Die Samen von Lamium amplexicaule keimen vorwiegend im Herbst und im zeitigen Frühjahr aus den obersten Bodenschichten, da sie Lichtkeimer sind. Die Pflanze entwickelt sich rasch von der Keimblattphase bis zur Rosettenbildung und kann bei milder Witterung sogar im Winter weiterwachsen. Ein charakteristisches Merkmal ist die Bildung von kleistogamen (geschlossenen, selbstbestäubenden) Blüten im zeitigen Frühjahr, gefolgt von chasmogamen (offenen) Blüten im späteren Verlauf. Eine einzelne Pflanze kann mehrere tausend Samen produzieren, die über Ameisen verbreitet werden und im Boden eine extrem lange Lebensdauer von über zehn Jahren aufweisen.

Bonitur

Die Überwachung der Stängelumfassenden Taubnessel erfolgt primär durch visuelle Feldbegehungen im zeitigen Frühjahr (BBCH-Stadien 13 bis 29 der Sommergerste) sowie im Spätherbst bei Winterungen. Eine gezielte Bonitur ist besonders auf Vorgewenden und in lückigen Beständen ratsam, da sich das Unkraut dort rasch ausbreitet. Ein konkreter wirtschaftlicher Schadensschwellenwert ist für diese Art nicht starr definiert; eine Behandlung wird jedoch ab einem Richtwert von etwa 10–15 Pflanzen pro Quadratmeter empfohlen, um Ernteerschwerungen und eine übermäßige Samenbildung für die Folgekulturen zu verhindern.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management der Stängelumfassenden Taubnessel basiert auf einer Kombination aus pflanzenbaulichen und chemischen Maßnahmen. Mechanische Regulierungsverfahren wie das Striegeln im frühen BBCH-Stadium der Kultur oder der rechtzeitige Einsatz der Hacke im Reihenanbau zeigen eine sehr gute Wirkung gegen die flach wurzelnden Keimlinge. Zur chemischen Regulierung stehen verschiedene Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, wobei Behandlungen im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf die besten Wirkungsgrade erzielen. Um der Entstehung von Herbizidresistenzen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel unter Berücksichtigung der HRAC-Klassifizierung (z. B. Wechsel zwischen ALS-Inhibitoren und synthetischen Auxinen) zwingend erforderlich.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Stängelumfassende Taubnessel im Keimblattstadium von der Roten Taubnessel?

Die Keimblätter von Lamium amplexicaule sind rundlich bis oval, am Grund deutlich herzförmig gestutzt und weisen am Blattstielgrund zwei kleine, zahnartige Öhrchen auf. Im Gegensatz zur Roten Taubnessel (Lamium purpureum) sind die ersten Laubblätter der Stängelumfassenden Taubnessel tiefer gekerbt und umfassen später den Stängel sitzend ohne Blattstiel.

Welche Rolle spielt die Kleistogamie im Lebenszyklus dieses Schaderregers?

Die Kleistogamie ermöglicht es der Pflanze, sich bereits bei sehr niedrigen Temperaturen im Spätwinter selbst zu befruchten, ohne dass die Blütenknospen sich öffnen müssen. Dies sichert die Samenproduktion und die Ausbreitung des Unkrauts extrem früh im Jahr, noch bevor die meisten anderen Unkräuter oder die Kulturen mit dem aktiven Wachstum begonnen haben.

Wie finde ich im Online-Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen dieses Unkraut?

Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Hub und filtern Sie nach dem EPPO-Code "LAMAM" oder dem deutschen Namen "Stängelumfassende Taubnessel". Sie erhalten eine aktuelle Liste aller beim BVL registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Angaben zu Aufwandmenge, BBCH-Anwendungsfenster und Wartezeiten für die jeweilige Kultur.

Warum ist eine tiefe Bodenbearbeitung bei der Bekämpfung von Lamium amplexicaule oft kontraproduktiv?

Da die Samen der Stängelumfassenden Taubnessel extrem langlebig sind (oft über 10 Jahre im Boden überdauernd), transportiert eine tiefe Bodenbearbeitung vergrabene Samen wieder an die Oberfläche. Da es sich um einen Lichtkeimer handelt, wird dadurch eine neue Keimwelle im oberen Bodenhorizont induziert.

Welche Viren oder Schaderreger kann die Stängelumfassende Taubnessel als Zwischenwirt übertragen?

Sie gilt unter anderem als wichtiger Zwischenwirt für das Gurkenmosaikvirus (CMV) und das Tomatenbronzefleckenvirus (TSWV) sowie für pflanzenparasitäre Nematoden der Gattung Ditylenchus. Eine unzureichende Bekämpfung kann daher das Infektionsrisiko für nachfolgende empfindliche Kulturen im Gemüse- und Ackerbau erhöhen.

Welche HRAC-Wirkstoffklassen sind besonders anfällig für Resistenzbildung bei Taubnessel-Arten?

Weltweit und regional gibt es zunehmend Berichte über Resistenzen von Lamium-Arten gegenüber ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 2). Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sollten Sie Pflanzenschutzmittel mit unterschiedlichen Wirkmechanismen kombinieren oder im Wechsel einsetzen, beispielsweise durch die Integration von Bodenherbiziden mit anderen HRAC-Klassifizierungen im Vorauflauf.