Blaue Lupine
Die Blaue Lupine (Lupinus angustifolius), in der Agrardatenbank unter dem EPPO-Code `LUPAN` geführt, gewinnt als heimische Eiweißpflanze im mitteleuropäischen Raum zunehmend an Bedeutung. Als Leguminose ist diese Kultur in der Lage, durch Symbiose mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff zu binden, was sie zu einem wertvollen Glied in der Fruchtfolge macht. Sie stellt im Vergleich zur Weißen oder Gelben Lupine geringere Ansprüche an den Boden und toleriert auch leichtere, sandige Standorte hervorragend.
Für einen erfolgreichen Anbau sind eine präzise Unkrautregulierung in der langsamen Jugendphase sowie ein wachsames Auge auf pilzliche Schaderreger entscheidend. Die Kultur liefert hochwertiges, gentechnikfreies Eiweiß für die Tierfütterung und zunehmend auch für die menschliche Ernährung. Durch ihre tiefe Pfahlwurzel trägt sie zudem nachhaltig zur Verbesserung der Bodenstruktur und zur Erschließung tieferer Bodenschichten bei.
Bodenmanagement
Die Blaue Lupine bevorzugt leichte bis mittlere, gut durchlüftete Böden mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5. Schwere, zur Staunässe neigende Böden sowie Standorte mit hohem freien Kalkgehalt sind unbedingt zu meiden, da diese Kalkchlorosen auslösen können. Da die Kultur eine tiefe Pfahlwurzel ausbildet, ist eine tiefe, lockere Bodenstruktur ohne Verdichtungen für die Wurzelentwicklung essenziell. Falls auf der Fläche in den letzten Jahren keine Lupinen angebaut wurden, ist eine Impfung des Saatguts mit spezifischen Knöllchenbakterien (*Bradyrhizobium lupini*) zwingend erforderlich, um die Stickstofffixierung abzusichern. Eine moderate Grunddüngung mit Phosphor und Kalium sollte auf Basis von Bodenanalysen erfolgen, während auf eine Stickstoffdüngung komplett verzichtet wird.
Schaderreger-Management
Die größte Bedrohung im Lupinenanbau stellt die Anthraknose (*Colletotrichum lupini*) dar, weshalb die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Saatgut oberste Priorität hat. Gegen diesen Schaderreger sollten zudem tolerante Sorten gewählt und weite Fruchtfolgeabstände von mindestens vier Jahren eingehalten werden. In der langsamen Jugendentwicklung ist die Kultur besonders konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern wie *Chenopodium album* oder *Apera spica-venti*. Da die chemische Unkrautbekämpfung im Nachauflauf stark eingeschränkt ist, müssen Herbizidanwendungen primär im Vorauflauf erfolgen oder durch mechanisches Striegeln und Hacken ersetzt werden. Achte im frühen BBCH-Stadium zudem auf den Blattrandkäfer (*Sitona lineatus*), dessen Fraßschäden an den Keimblättern den Bestand gefährden können.
Sorten
Boregine
mittelfrühSehr hoher Korn- und Rohproteinertrag, stabil im Ertrag über verschiedene Standorte hinweg.
Resistent gegen: Mehltau, Fusarium-Welke
Anfällig für: Anthraknose
Die derzeitige Standardsorte im deutschen Anbau. Zeichnet sich durch eine gute Jugendentwicklung und mittlere Standfestigkeit aus.
Boruta
mittelfrühKonstant mittlere bis hohe Erträge, besonders vorteilhaft bei mechanischer Ernte.
Resistent gegen: Lagerung, Zwischenwuchs
Anfällig für: Anthraknose, Trockenstress
Eine Sorte mit determiniertem Wuchstyp (Endknospenblüher). Dies führt zu einer sehr gleichmäßigen Abreife von Stroh und Hülse.
Carabor
früh bis mittelfrühGute Kornerträge bei gleichzeitig sehr hohem Rohproteingehalt.
Resistent gegen: Anthraknose
Anfällig für: Lagerung
Verzweigungstyp mit rascher Jugendentwicklung. Eignet sich hervorragend für kühlere Lagen aufgrund der früheren Abreife.
Lila Baer
mittelfrühSolide Kornerträge, sehr gut geeignet für die hofeigene Eiweißversorgung.
Resistent gegen: Mehltau
Anfällig für: Anthraknose, Lagerung
Eine bewährte, blau blühende Süßlupine mit gutem Kompensationsvermögen und mittlerer Wuchshöhe.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie erkennst du eine erfolgreiche Knöllchenbildung an deinen Lupinen?
Grabe etwa vier bis sechs Wochen nach dem Auflaufen vorsichtig einige Pflanzen mitsamt der Wurzel aus. Wenn du die Knöllchen aufschneidest und sie im Inneren eine kräftige rosa bis rötliche Färbung aufweisen, arbeiten die Bakterien aktiv und fixieren Stickstoff. Eine weiße oder grüne Färbung deutet hingegen auf Inaktivität oder mangelnde Effizienz hin.
Warum ist die Saatgutimpfung auch dann ratsam, wenn zuvor schon andere Leguminosen auf der Fläche standen?
Die für *Lupinus angustifolius* spezifischen Knöllchenbakterien (*Bradyrhizobium lupini*) sind nicht mit denen von Erbsen, Ackerbohnen oder Klee identisch. Ohne eine gezielte Impfung des Saatguts direkt vor der Aussaat riskierst du einen massiven Stickstoffmangel, da die natürlichen Bodenbakterien meist nicht in ausreichender Zahl oder Effizienz im Boden vorhanden sind.
Welche Strategie hilft dir, das Risiko von Anthraknose-Infektionen zu minimieren?
Setze konsequent auf zertifiziertes, auf Anthraknose getestetes Saatgut und halte eine strenge Anbaupause von mindestens vier Jahren ein. Da der Pilz über Regenspritzer im Bestand weiterverbreitet wird, solltest du mechanische Pflegearbeiten wie Striegeln oder Hacken nur bei absolut trockener Witterung durchführen, um eine Verschleppung der Sporen zu vermeiden.
Wie reagierst du am besten auf Spätverunkrautung in der Blauen Lupine?
Da nach dem Auflaufen der Kultur kaum noch verträgliche chemische Pflanzenschutzmittel gegen zweikeimblättrige Unkräuter zur Verfügung stehen, musst du frühzeitig planen. Ein mechanischer Einsatz der Hacke ist zwischen den Reihen bis kurz vor dem Reihenschluss (ca. BBCH 35) möglich. Später aufkommende Unkräuter müssen toleriert oder bei extremem Besatz vor der Ernte manuell bereinigt werden.
Wann ist der optimale Erntezeitpunkt und worauf musst du beim Mähdrusch achten?
Der optimale Zeitpunkt ist erreicht, wenn die Hülsen braun-schwarz gefärbt sind und die Körner beim Draufbeißen nicht mehr nachgeben (Kornfeuchte ca. 14–16 %). Reduziere die Trommeldrehzahl deines Mähdreschers auf 400–500 U/min und öffne den Dreschkorb weit, um Kornbeschädigungen und hohen Bruchkornanteil zu vermeiden, da Lupinenkörner sehr empfindlich auf mechanischen Druck reagieren.
Wie findest du im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel für die Blaue Lupine?
Nutze die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere gezielt nach der Kultur "Blaue Lupine" oder dem EPPO-Code `LUPAN`. Dort werden dir alle aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel, aufgeteilt nach Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden, inklusive ihrer spezifischen Aufwandmengen und Wartezeiten angezeigt.