Alle Kulturen
Kultur

Blaue Lupine

Lupinus angustifolius
LUPAN

Die Blaue Lupine (Lupinus angustifolius, EPPO-Code: `LUPAN`), auch als Schmalblättrige Lupine bekannt, hat sich in Mitteleuropa zu einer der wichtigsten heimischen Eiweißpflanzen entwickelt. Als Leguminose fixiert diese Kultur mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff und hinterlässt einen hervorragenden Vorfruchtwert im Ackerbau. Im Vergleich zur Weißen oder Gelben Lupine zeichnet sich die Blaue Lupine durch eine höhere Toleranz gegenüber der gefürchteten Anthraknose und eine bessere Anpassung an leichtere, sandige bis lehmige Sandböden aus.

Die Kultur wird vorwiegend in zwei Wuchstypen angebaut: verzweigende Sorten, die ein hohes Ertragspotenzial und gutes Unkrautunterdrückungsvermögen besitzen, sowie enddeterminate (endständige) Sorten, die gleichmäßiger abreifen und sich besser für feuchtere Standorte eignen. Die Nutzung erfolgt primär als hochwertiges, gentechnikfreies Futtermittel oder zunehmend in der Humanernährung als wertvolles Proteinkonzentrat.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte März bis Mitte April
Erntefenster
Mitte August bis Anfang September
Reihenabstand
12,5–25 cm
Typischer Ertrag
2,0–4,0 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2000
Boden-pH
5,0–6,8

Bodenmanagement

Die Blaue Lupine bevorzugt leichte bis mittlere, gut durchlüftete Böden mit einer tiefgründigen Struktur, da sie eine ausgeprägte Pfahlwurzel ausbildet. Extrem empfindlich reagiert die Kultur auf Bodenverdichtungen und Staunässe, welche die Wurzelentwicklung und die Aktivität der Knöllchenbakterien massiv beeinträchtigen. Der pH-Wert des Bodens sollte idealerweise im schwach sauren bis neutralen Bereich liegen; bei Werten über 6,8 droht durch freien Kalk die sogenannte Kalkchlorose (Eisenmangel). Da Lupinen auf Flächen ohne historischen Lupinenanbau nicht ausreichend native Knöllchenbakterien vorfinden, ist eine Saatgutimpfung mit Bradyrhizobium lupini zwingend erforderlich. Eine sorgfältige, krümelige Saatbettbereitung sichert den gleichmäßigen Feldaufgang und optimiert die Wirksamkeit von Bodenherbiziden.

Schaderreger-Management

Der Fokus im Pflanzenschutz liegt auf der Vorbeugung der Anthraknose (Colletotrichum lupini), der wirtschaftlich bedeutendsten Pilzkrankheit, weshalb stets zertifiziertes, gesundes Saatgut verwendet werden muss. Gegen auflaufende Unkräuter wie den Weißen Gänsefuß (Chenopodium album) oder den Windhalm (Apera spica-venti) kommen vorrangig Vorauflauf-Herbizide direkt nach der Saat zum Einsatz, da die Kultur im frühen Jugendstadium nur eine geringe Konkurrenzkraft besitzt. Ein mechanisches Striegeln ist im Vorauflauf (Blindstriegeln) sowie ab dem 4-Blatt-Stadium (BBCH 14) vorsichtig möglich, erfordert jedoch präzises Arbeiten zur Vermeidung von Pflanzenverlusten. Schädlinge wie der Blattrandkäfer (Sitona lineatus) im Keimlingsstadium oder die Lupinenblattlaus (Macrosiphum albifrons) während der Blüte müssen regelmäßig überwacht und bei Überschreiten der Schadschwellen gezielt mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.

Sorten

Boregine

mittelspät

Sehr ertragsstark im Korn- und Proteinertrag.

Resistent gegen: Anthraknose, Lagerung

Anfällig für: Spätfröste

Sehr beliebte, verzweigende Süßlupine mit hoher Standfestigkeit und gutem Proteingehalt.

Salsa

mittelfrüh

Konstanter, mittlerer bis hoher Ertrag bei sehr gleichmäßiger Abreife.

Resistent gegen: Anthraknose, Lagerung, Zwiespaltigkeit

Anfällig für: Trockenstress

Enddeterminate Sorte mit begrenztem Längenwachstum, ideal für bessere Böden und feuchtere Lagen.

Boruta

früh bis mittelfrüh

Gute Erträge auf Standorten mit sicherer Wasserversorgung während der Blüte.

Resistent gegen: Lagerung, Platzende Hülsen

Anfällig für: Anthraknose

Enddeterminate Sorte mit sehr kompakter Wuchshöhe und rascher Jugendentwicklung.

Carabor

mittel

Hohes Ertragspotenzial auf sandigen Lehmböden.

Resistent gegen: Anthraknose, Kalkchlorose

Anfällig für: Spätunkräuter

Verzweigender Typ mit sehr guter Kornqualität und hoher Tausendkornmasse.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Warum ist die Impfung des Saatguts bei der Blauen Lupine auch auf scheinbar geeigneten Standorten ratsam?

Die für die Stickstofffixierung notwendigen Knöllchenbakterien (Bradyrhizobium lupini) sind in mitteleuropäischen Böden nicht natürlich etabliert. Ohne eine künstliche Impfung direkt vor der Saat (oder die Verwendung von vorgeimpftem Saatgut) bleibt die Stickstofffixierung aus, was zu extremem Stickstoffmangel, Kümmerwuchs und drastischen Ertragseinbußen führt.

Wie unterscheidet sich das Management von verzweigten und enddeterminaten Sorten in der Praxis?

Verzweigte Sorten kompensieren lückige Bestände besser und unterdrücken Unkraut effektiver, reifen jedoch ungleichmäßiger ab und neigen in feuchten Jahren zu sekundärem Wachstum. Enddeterminate Sorten blühen und reifen sehr gleichmäßig ab, was den Drusch erleichtert, erfordern jedoch eine höhere Aussaatstärke (ca. 90–100 keimfähige Körner/m² im Vergleich zu 70–80 bei verzweigten Typen), um Ertragslücken zu vermeiden.

Welchen Einfluss hat der pH-Wert des Bodens auf das Auftreten von Chlorosen bei Lupinus angustifolius?

Ab einem pH-Wert von über 6,8 bis 7,0 wird im Boden vorhandenes Eisen durch den freien Kalk chemisch festgelegt und ist für die Wurzeln unzugänglich. Dies führt zur typischen Kalkchlorose, bei der sich die jüngsten Blätter gelb färben, während die Blattadern grün bleiben, was das Wachstum der Kultur stark hemmt.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von mechanischen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen?

Ein Blindstriegeln ist etwa 5 bis 8 Tage nach der Saat möglich, solange die Keimlinge noch tief genug im Boden liegen. Nach dem Auflaufen darf erst wieder ab dem 4-Blatt-Stadium (BBCH 14) gestriegelt werden, wobei dies in den warmen Nachmittagsstunden bei nachgiebigen Pflanzen und mit geringem Zinkendruck erfolgen sollte, um ein Abbrechen der empfindlichen Stängel zu verhindern.

Wie lässt sich das Risiko einer Übertragung von Anthraknose (Colletotrichum lupini) minimieren?

Neben der konsequenten Verwendung von zertifiziertem, auf Anthraknose getestetem Z-Saatgut ist die Einhaltung einer weiten Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Leguminosen entscheidend. Zudem sollten infizierte Ernterückstände tief untergepflügt und Ausfalllupinen im Folgejahr konsequent beseitigt werden, um den Infektionszyklus zu unterbrechen.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger der Blauen Lupine?

Nutzen Sie die globale Suche oder die Filterfunktionen im Hub, um nach der Kultur "Blaue Lupine" oder dem EPPO-Code "LUPAN" zu filtern. Dort werden Ihnen alle in Deutschland registrierten Pflanzenschutzmittel, aufgeteilt nach Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden, inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, BBCH-Anwendungsfenster und Wartezeiten tagesaktuell angezeigt.