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Kultur

Purpurrote Taubnessel

Lamium purpureum
LAMPU

Die Rote Taubnessel (Lamium purpureum, EPPO-Code: LAMPU) ist ein weit verbreitetes, einjähriges oder winterannuelles Unkraut, das vor allem im mitteleuropäischen Acker- und Gemüsebau eine bedeutende Rolle spielt. Sie gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und zeichnet sich durch ihre charakteristischen purpurroten Blüten und die oft rötlich überlaufenen oberen Blätter aus. Als extrem anpassungsfähiger Schaderreger keimt sie fast das ganze Jahr über, solange die Temperaturen frostfrei sind.

Wirtschaftlich relevant ist die Rote Taubnessel vor allem wegen ihrer starken Konkurrenzkraft im frühen Entwicklungsstadium von Kulturen wie Wintergerste, Winterweizen, Zwiebelgemüse oder Kartoffeln. Sie besetzt rasch freie Nischen, entzieht dem Boden wertvolle Nährstoffe sowie Feuchtigkeit und kann bei starkem Besatz zu Ertragsminderungen führen. Zudem dient sie als Zwischenwirt für verschiedene pflanzenpathogene Nematoden und Viren, was ihre phytosanitäre Bedeutung zusätzlich erhöht.

Typ
Kultur
EPPO-Code
LAMPU
Wirte
10 Kulturen
Generationen
Meist 2 Generationen pro Jahr
Verbreitung
Die Rote Taubnessel ist in ganz Europa, Nordasien und als Neophyt in Nordamerika weit verbreitet und verursacht vor allem auf nährstoffreichen, humosen Lehmböden im intensiven Acker- und Gemüsebau nennenswerte Ertragseinbußen.

Biologie / Lebenszyklus

Die Rote Taubnessel durchläuft einen schnellen Lebenszyklus und kann unter günstigen Bedingungen mehrere Generationen pro Jahr ausbilden. Die Hauptkeimwellen liegen im zeitigen Frühjahr und im Herbst, wobei die herbstlichen Keimlinge als winterannuelle Pflanzen überwintern und bereits ab März zu blühen beginnen. Jede Pflanze produziert Hunderte von Samen, die durch Ameisen verbreitet werden und im Boden eine extrem lange Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten aufweisen. Durch diese kontinuierliche Samenbildung baut der Schaderreger rasch eine dauerhafte Samenbank im Boden auf, die bei jeder Bodenbearbeitung neu aktiviert wird.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte bereits im frühen Herbst direkt nach dem Auflaufen der Winterkulturen (BBCH-Stadium 10 bis 13) sowie im zeitigen Frühjahr bei Vegetationsbeginn erfolgen. Da die Rote Taubnessel besonders im Jugendstadium empfindlich auf Regulierungsmaßnahmen reagiert, liegt der Fokus auf der Erfassung von Keimblättern und jungen Laubblattpaaren. Eine Schadensschwelle von etwa 10 bis 15 Pflanzen pro Quadratmeter im Getreide gilt als Richtwert für eine gezielte Behandlung, während im sensiblen Gemüsebau (wie Allium-Arten) bereits deutlich geringere Dichten eine mechanische oder chemische Intervention erfordern.

Integriertes Management

Ein integriertes Management kombiniert pflanzenbauliche, mechanische und chemische Maßnahmen. Eine dichte, konkurrenzstarke Kultur sowie eine gezielte Stoppelbearbeitung zur Anregung der Unkrautkeimung (falsches Saatbett) reduzieren den Druck erheblich. Mechanisch lässt sich der Schaderreger im frühen BBCH-Stadium hervorragend durch Striegeln oder Hacken regulieren. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf einen Wirkstoffwechsel gemäß den HRAC-Klassen zu achten, um der Entstehung von Resistenzen vorzubeugen. Die chemische Behandlung erfolgt meist im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf, da ältere, bereits blühende Pflanzen eine deutlich höhere Toleranz gegenüber vielen Herbiziden aufweisen.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheide ich die Rote Taubnessel im Keimblattstadium von anderen Unkräutern?

Achte auf die runden bis nierenförmigen Keimblätter, die am Grund tief herzförmig eingeschnitten sind und einen deutlich sichtbaren, behaarten Stiel aufweisen. Im Vergleich zu Ehrenpreis-Arten sind die Keimblätter der Taubnessel meist etwas größer und weisen am Blattstielgrund zwei kleine, spitze Öhrchen auf, was dir eine sichere Identifikation im frühen BBCH-Stadium ermöglicht.

Warum ist die herbstliche Behandlung bei Wintergetreide so wichtig?

Da die Rote Taubnessel winterannuell ist, übersteht sie milde Winter problemlos und entwickelt sich im Frühjahr extrem schnell. Wenn du die Behandlung im Herbst (BBCH-Stadium 11–13 der Kultur) durchführst, triffst du die Unkräuter im empfindlichen Keimblattstadium. Wartest du bis zum Frühjahr, sind die Pflanzen oft schon zu stark etabliert und widerstandsfähiger gegen viele Pflanzenschutzmittel.

Welche Rolle spielt die Rote Taubnessel bei der Übertragung von Pflanzenkrankheiten?

Sie fungiert als bedeutender Zwischenwirt für das Stock- und Stängelälchen (Ditylenchus dipsaci) sowie für das Gurkenmosaikvirus (CMV). Wenn du anfällige Kulturen wie Kartoffeln, Zwiebeln oder Leguminosen in der Fruchtfolge hast, solltest du die Taubnessel besonders konsequent regulieren, um das Infektionsrisiko für deine Hauptkulturen zu minimieren.

Kann ich die Rote Taubnessel auch rein mechanisch erfolgreich regulieren?

Ja, das ist im frühen Entwicklungsstadium sehr gut möglich. Durch ein- bis zweimaliges Striegeln im Keimblattstadium der Taubnessel kannst du einen Großteil der Keimlinge verschütten oder entwurzeln. Sobald die Pflanzen jedoch das Rosettenstadium erreicht haben oder tief eingewurzelt sind, lässt die Wirkung des Striegels stark nach, und du musst auf Hackgeräte zurückgreifen.

Wie verhindere ich Herbizidresistenzen bei der Bekämpfung dieses Schaderregers?

Setze auf einen konsequenten Wirkstoffwechsel und kombiniere Produkte mit unterschiedlichen Wirkmechanismen gemäß der HRAC-Klassifizierung. Vermeide den ausschließlichen, wiederholten Einsatz von ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe B) und integriere stattdessen Bodenherbizide mit anderen Wirkmechanismen (z. B. HRAC-Gruppe F1 oder K3) in deinen Spritzplan, um die Selektion resistenter Biotypen zu verhindern.

Wo finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Rote Taubnessel auf farmable.tech?

Nutze hierzu einfach unsere Produktdatenbank im Hub. Filtere dort nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Winterweizen) und wähle als Zielorganismus "Lamium purpureum" oder "Zweikeimblättrige Unkräuter" aus. Dir werden dann alle aktuell in deinem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge, Wartezeit und den einzuhaltenden BBCH-Anwendungsfenstern übersichtlich angezeigt.