Purpurrote Taubnessel
Die Rote Taubnessel (Lamium purpureum, EPPO-Code: LAMPU), auch bekannt als Purpurrote Taubnessel oder Ackertaubnessel, ist ein weit verbreitetes, ein- bis wintereinjähriges Unkraut aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie tritt bevorzugt auf nährstoffreichen, humosen Lehmböden auf und ist ein typischer Begleiter in intensiv bewirtschafteten Kulturen wie Wintergetreide (z. B. Winterweizen, Wintergerste), Kartoffeln und verschiedenen Gemüsekulturen.
Obwohl die Konkurrenzkraft von Lamium purpureum im Vergleich zu Klettenlabkraut oder Windhalm als mäßig eingestuft wird, kann ein starker Besatz insbesondere in lückigen Beständen und im frühen Entwicklungsstadium der Kulturen zu spürbaren Ertragseinbußen führen. Darüber hinaus dient dieser Schaderreger als wichtiger Zwischenwirt für pflanzenpathogene Nematoden und Viren, was seine phytosanitäre Relevanz im integrierten Pflanzenbau zusätzlich erhöht.
Biologie / Lebenszyklus
Die Keimung von Lamium purpureum erfolgt flexibel fast das ganze Jahr über, mit deutlichen Keimungsschwerpunkten im Herbst und im zeitigen Frühjahr. Nach der raschen Jugendentwicklung überwintern die im Herbst aufgelaufenen Pflanzen als Rosetten und beginnen bereits bei niedrigen Temperaturen im Vorfrühling mit dem Streckungswachstum. Die Blütezeit erstreckt sich von März bis Oktober, wobei die purpurroten Blüten reichlich Samen produzieren, die durch Ameisen (Myrmekochorie) oder Bodenbearbeitungsgeräte verbreitet werden. Die Samen weisen eine ausgeprägte Keimruhe auf und können im Boden mehrere Jahre überdauern, was zu einer kontinuierlichen Anreicherung der Samenbank führt.
Bonitur
Die Überwachung der Ackertaubnessel erfolgt primär durch Feldbegehungen im Nachauflauf der Kulturen, idealerweise im Herbst (BBCH-Stadium 10 bis 13 des Wintergetreides) oder im zeitigen Frühjahr direkt nach dem Wiederergrünen. Ein kritischer Schadensschwellenwert liegt im Getreidebau bei etwa 10 bis 15 Pflanzen pro Quadratmeter, wobei in sensiblen Gemüsekulturen wie Allium-Arten bereits geringere Dichten eine Regulierung erfordern. Besondere Aufmerksamkeit sollte Vorgewenden und feuchten Senken geschenkt werden, da sich dort meist die ersten Infektionsherde etablieren.
Integriertes Management
Ein integriertes Management kombiniert pflanzenbauliche, mechanische und chemische Maßnahmen. Eine dichte, konkurrenzstarke Bestandesführung der Kultur sowie eine gezielte Stoppelbearbeitung zur Anregung der Keimung gefolgt von mechanischer Regulierung (Striegeln oder Hacken im Keimblattstadium) reduzieren den Besatz effektiv. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Nachauflauf ist auf eine frühzeitige Anwendung zu achten, da ältere, verholzte Taubnesselpflanzen eine hohe Toleranz gegenüber vielen Herbiziden aufweisen. Zur Vermeidung von Wirkstoffresistenzen müssen Herbizide mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (HRAC-Klassen wie B, C3, F1 oder O) im Rahmen einer ausgewogenen Fruchtfolge abgewechselt oder kombiniert werden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Bekämpfung der Roten Taubnessel im Keimblattstadium so entscheidend?
Im frühen Keimblattstadium (BBCH-Stadium 10–12 der Taubnessel) ist die schützende Wachsschicht der Blätter noch sehr dünn. Dadurch wirken mechanische Maßnahmen wie das Striegeln maximal, und chemische Pflanzenschutzmittel können optimal über das Blattgewebe aufgenommen werden. Sobald die Pflanze das Rosettenstadium überschreitet und verholzt, sinkt die Sensitivität gegenüber vielen Standardherbiziden drastisch.
Welche Rolle spielt Lamium purpureum bei der Übertragung von Fruchtfolgekrankheiten?
Die Ackertaubnessel fungiert als bedeutender Brücken- und Zwischenwirt für Nematoden (insbesondere das Stängelälchen Ditylenchus dipsaci) sowie für verschiedene Pflanzenviren. Ein mangelhaftes Management dieses Schaderregers im Herbst kann daher das Befallsrisiko für nachfolgende empfindliche Kulturen wie Rüben, Kartoffeln oder Leguminosen im Frühjahr massiv erhöhen.
Wie kann eine Herbizidresistenz bei der Bekämpfung der Ackertaubnessel verhindert werden?
Um Resistenzen vorzubeugen, sollte ein striktes HRAC-Wirkstoffmanagement betrieben werden. Dies bedeutet, dass Wirkstoffe aus der HRAC-Gruppe B (ALS-Hemmer) konsequent mit anderen Wirkmechanismen, beispielsweise aus den Gruppen C3 (Photosynthesehemmer) oder F1 (Carotinoid-Biosynthesehemmer), in Tankmischungen oder Spritzfolgen abgewechselt werden müssen.
Kann die Rote Taubnessel auch im Winter mechanisch reguliert werden?
Ja, eine mechanische Regulierung mittels flacher Bodenbearbeitung oder Hacken ist bei frostfreiem, trockenem Wetter im Spätherbst oder Winter möglich. Da die Pflanze jedoch extrem regenerationsfähig ist, müssen die herausgerissenen Pflanzen vollständig austrocknen können, um ein erneutes Anwurzeln im feuchten Boden zu verhindern.
Wie beeinflusst die Bodenbearbeitung die Samenbank von Lamium purpureum?
Da die Samen Lichtkeimer sind, fördert eine flache, konservierende Bodenbearbeitung das schnelle Auflaufen und ermöglicht eine mechanische Dezimierung vor der Aussaat der Hauptkultur. Ein tiefer Pflugschritt vergräbt die Samen zwar, konserviert sie jedoch im Boden, wo sie über Jahre hinweg keimfähig bleiben und bei späterer Wendung wieder an die Oberfläche gelangen.
Wo finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Rote Taubnessel?
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