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Kultur

Weißer Gänsefuß

Chenopodium album
CHEAL

Der Weiße Gänsefuß (Chenopodium album, EPPO-Code: CHEAL) ist eines der weltweit am weitesten verbreiteten und wirtschaftlich bedeutendsten Unkräuter im Acker- und Gemüsebau. Als einjähriges, sommerannuelles Beikraut zeichnet sich die Art durch eine enorme Anpassungsfähigkeit, schnelles Jugendwachstum und eine extrem hohe Samenproduktion aus. Ein einzelnes Exemplar kann unter optimalen Bedingungen weit über 100.000 Samen bilden, die im Boden jahrzehntelang keimfähig bleiben.

Die wirtschaftliche Relevanz von CHEAL ist enorm, da das Unkraut stark mit den Kulturen um Licht, Wasser und Nährstoffe (insbesondere Stickstoff) konkurriert. Bereits geringe Dichten können erhebliche Ertragseinbußen in Reihenkulturen wie Mais, Sonnenblumen und Kartoffeln sowie im Getreide verursachen. Zudem erschwert die krautige, stark verzweigte Biomasse bei der Ernte den Mähdrang und erhöht die Feuchtigkeit des Ernteguts.

Typ
Kultur
EPPO-Code
CHEAL
Wirte
10 Kulturen
Generationen
1 Generation pro Saison (mit gestaffelten Keimwellen)
Verbreitung
Kosmopolitisch verbreitet; der Weiße Gänsefuß tritt in fast allen gemäßigten und subtropischen Anbauregionen weltweit auf und gilt dort als eines der ertragsminderndsten Unkräuter im Ackerbau.

Biologie / Lebenszyklus

Die Keimung des Weißen Gänsefußes erfolgt vorwiegend im Frühjahr, sobald die Bodentemperaturen dauerhaft über 5 bis 8 °C steigen, wobei die Hauptkeimwelle meist mit der Saatbettbereitung von Sommerungen zusammenfällt. Als Licht- und Warmkeimer können jedoch über die gesamte Vegetationsperiode hinweg nachfolgende Wellen auflaufen. Nach einem raschen vegetativen Wachstum, bei dem die Pflanze Höhen von über 1,5 Metern erreichen kann, beginnt ab Hochsommer die unscheinbare, windbestäubte Blüte. Die langlebigen Samen reifen bis zum Herbst aus, fallen aus oder werden mit dem Erntegut verschleppt und reichern den bodenbürtigen Samenvorrat nachhaltig an.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte frühzeitig im Frühjahr direkt nach dem Auflaufen der Kulturen beginnen. Die kritische Schadensschwelle liegt in den meisten Kulturen, wie etwa in Mais oder Zuckerrüben, bei etwa 2 bis 4 Unkräutern pro Quadratmeter im frühen BBCH-Stadium 10 bis 14 der Kultur. Da der Weiße Gänsefuß im Keimblattstadium (BBCH 10 des Unkrauts) extrem empfindlich auf mechanische und chemische Maßnahmen reagiert, mit zunehmender Wuchsgröße (ab dem 4-Blatt-Stadium, BBCH 14) jedoch rasch eine hohe Toleranz und Wachsschicht aufbaut, ist die zeitige Bonitur für den Behandlungserfolg entscheidend.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management des Weißen Gänsefußes basiert auf einer integrierten Strategie. Ackerbauliche Maßnahmen wie eine vielseitige Fruchtfolge, der Anbau von Zwischenfrüchten zur Unterdrückung des Unkrautdrucks und eine gezielte, falsche Saatbettbereitung im Frühjahr reduzieren das Keimpotenzial erheblich. Mechanische Verfahren wie Striegeln im frühen Keimstadium oder Hacken in Reihenkulturen sind hochwirksam. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist aufgrund weit verbreiteter Resistenzen gegen ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 2) und Triazine (HRAC-Gruppe 5) ein konsequentes Wirkstoffmanagement zwingend erforderlich. Nutze wechselnde Wirkmechanismen, beispielsweise durch Kombinationen mit Bodenherbiziden (z. B. HRAC-Gruppe 15 oder 27) im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf, um Selektionsdruck zu vermeiden und die Wirksamkeit langfristig zu sichern.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie erkennst du den Weißen Gänsefuß im frühen Keimblattstadium sicher?

Achte auf die charakteristische, mehlige Bestäubung (Blasenhaare) auf den Unterseiten und im Herz der jungen Laubblätter. Die Keimblätter sind schmal-länglich, oft rötlich-violett auf der Unterseite unterlaufend und gestielt, während die ersten echten Blätter eiförmig-dreieckig mit leicht gezähntem Rand erscheinen.

Warum versagen Herbizidanwendungen manchmal bei älteren Gänsefuß-Pflanzen?

Mit zunehmendem Alter und insbesondere unter Trockenstress bildet der Weiße Gänsefuß eine dicke, wasserabweisende Wachsschicht (Kutikula) auf den Blättern aus. Pflanzenschutzmittel können dann nicht mehr ausreichend in die Pflanze eindringen. Behandlungen sollten daher zwingend im frühen Keimblatt- bis maximal 2-Blatt-Stadium (BBCH 10–12 des Unkrauts) erfolgen.

Welche Rolle spielt der pH-Wert des Bodens für das Auftreten dieses Schaderregers?

Der Weiße Gänsefuß ist ein ausgesprochener Stickstoffzeiger und gedeiht besonders gut auf nährstoffreichen, humosen Böden. Er toleriert ein breites Spektrum an Boden-pH-Werten, bevorzugt jedoch neutrale bis leicht saure Standorte. Ein starkes Auftreten deutet oft auf eine hohe Stickstoffverfügbarkeit im Oberboden hin.

Wie kannst du im Pflanzenschutz-Hub gezielt registrierte Pflanzenschutzmittel gegen CHEAL finden?

Filtere in der Datenbank nach dem EPPO-Code "CHEAL" oder dem deutschen Namen "Weißer Gänsefuß" und wähle deine spezifische Kultur aus. Achte bei den angezeigten Anwendungen besonders auf die zugelassenen BBCH-Stadien der Kultur sowie die vorgeschriebenen Wartezeiten und Aufwandmengen.

Wie lässt sich die Samenbank des Weißen Gänsefußes im Boden langfristig reduzieren?

Da die Samen extrem langlebig sind (oft über 30 Jahre im Boden überdauernd), ist das Verhindern des Aussamens oberstes Gebot. Die Methode des "falschen Saatbetts" regt die Samen im oberen Horizont zum Keimen an, woraufhin du sie vor der eigentlichen Aussaat mechanisch flach bekämpfen kannst. Vermeide tiefes Pflügen direkt nach einem starken Samenfall, um die Samen nicht im Boden zu konservieren.

Gibt es bekannte HRAC-Resistenzen beim Weißen Gänsefuß in Mitteleuropa?

Ja, in Europa sind Biotypen bekannt, die Resistenzen gegen Herbizide aus der HRAC-Gruppe 2 (ALS-Inhibitoren wie Sulfonylharnstoffe) und historisch gegen die HRAC-Gruppe 5 (Triazine) aufweisen. Um Resistenzen vorzubeugen, solltest du Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen in Tankmischungen oder Spritzfolgen kombinieren und mechanische Maßnahmen integrieren.