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Kultur

Weißer Gänsefuß

Chenopodium album
CHEAL

Der Weiße Gänsefuß (Chenopodium album, EPPO-Code: CHEAL), im Volksmund auch als Gemeine Melde bekannt, ist eines der weltweit am weitesten verbreiteten und wirtschaftlich bedeutendsten einjährigen Unkräuter im Acker- und Gemüsebau. Die zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) gehörende Art zeichnet sich durch eine enorme Anpassungsfähigkeit, ein extrem rasches Jugendwachstum und eine immense Samenproduktion aus. Sie tritt als überaus starker Konkurrent um Licht, Wasser und Nährstoffe in fast allen landwirtschaftlichen Frühjahrskulturen auf.

Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schaderregers ist enorm. Besonders in weitreihenstehenden Kulturen wie Mais (Zea mays), Zuckerrüben, Kartoffeln (Solanum tuberosum) und Sonnenblumen (Helianthus annuus) kann ein starker Besatz ohne rechtzeitige Regulierung zu drastischen Ertragsverlusten von über 50 % führen. Zudem erschwert die krautige, stark verholzende Biomasse der reifen Pflanzen die mechanische Ernte erheblich, verstopft Ernteaggregate und erhöht die Feuchtigkeit des Ernteguts, was teure Nachtrocknungen erforderlich macht.

Typ
Kultur
EPPO-Code
CHEAL
Wirte
10 Kulturen
Generationen
1 Generation pro Saison (mit mehreren Keimwellen)
Verbreitung
Der Weiße Gänsefuß ist weltweit in fast allen gemäßigten, subtropischen und teils tropischen Klimazonen verbreitet und gilt global als eines der schadwirksamsten Unkräuter im Rüben-, Mais-, Kartoffel- und Gemüsebau.

Biologie / Lebenszyklus

Der Weiße Gänsefuß ist ein sommerannuelles Unkraut, dessen Samen vorwiegend im Frühjahr keimen, wobei weitere Keimwellen bis in den Spätsommer hinein auftreten können. Nach dem raschen Auflaufen entwickelt die Pflanze eine tiefe Pfahlwurzel und einen aufrechten, stark verzweigten Stängel, der Höhen von über 1,5 Metern erreichen kann. Die unscheinbaren, grünlichen Blüten erscheinen von Juni bis September und werden hauptsächlich durch den Wind bestäubt. Eine einzelne, vitale Pflanze kann unter optimalen Bedingungen bis zu 100.000 langlebige Samen produzieren, die im Boden über Jahrzehnte hinweg keimfähig bleiben und so den Samenvorrat im Boden nachhaltig anreichern.

Bonitur

Die Feldkontrolle beginnt unmittelbar im frühen Frühjahr mit dem Auflaufen der Kulturen. In Reihenkulturen wie Mais oder Zuckerrüben liegt die kritische Schadensschwelle oft schon bei 1 bis 2 Unkräutern pro Quadratmeter, während in wettbewerbsstarken Getreidebeständen (z. B. Winterweizen im Frühjahr) tolerierbare Dichten von bis zu 5 bis 10 Pflanzen pro Quadratmeter gelten. Das Monitoring sollte gezielt im BBCH-Stadium 10 bis 14 der Hauptkulturen erfolgen, da der Weiße Gänsefuß im Keimblatt- bis maximal 4-Blatt-Stadium am empfindlichsten auf mechanische und chemische Regulierungsmaßnahmen reagiert. Spätere Bonituren dienen primär der Kontrolle des Behandlungserfolgs und der Verhinderung des Aussamens vor der Ernte.

Integriertes Management

Ein integriertes Management kombiniert ackerbauliche, mechanische und chemische Maßnahmen. Eine abwechslungsreiche Fruchtfolge mit einem hohen Anteil an winterannuellen Kulturen unterdrückt das im Frühjahr keimende Unkraut effektiv. Mechanische Maßnahmen wie das Striegeln im Blindstriegelverfahren oder das Hacken zwischen den Reihen in weitreihenstehenden Kulturen erzielen im frühen Fadenstadium des Unkrauts hervorragende Wirkungsgrade. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist das HRAC-Resistenzmanagement strikt zu beachten: Da weltweit bereits Resistenzen von Chenopodium album gegen Triazine (HRAC-Gruppe 5) und vereinzelt gegen ALS-Hemmer (HRAC-Gruppe 2) dokumentiert sind, müssen Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen konsequent abgewechselt oder in Tankmischungen kombiniert werden. Späte mechanische Korrekturen oder das Mähen von Feldrändern verhindern zudem den Eintrag neuer Samen in den Boden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Ab welcher Bodentemperatur muss mit der ersten großen Keimwelle des Weißen Gänsefußes gerechnet werden?

Obwohl vereinzelte Samen bereits bei niedrigen Bodentemperaturen ab ca. 2 bis 5 °C zu keimen beginnen, erfolgt die Hauptkeimwelle bei steigenden Temperaturen im Bereich von 10 bis 20 °C im Spätfrühling. Dies fällt häufig mit der Aussaat und dem Auflaufen von Mais und Zuckerrüben zusammen, weshalb zu diesem Zeitpunkt eine engmaschige Feldbegehung ratsam ist.

Welche HRAC-Wirkstoffgruppen sind bei nachgewiesener Triazin-Resistenz des Weißen Gänsefußes zu bevorzugen?

Bei einer Triazin-Resistenz (HRAC-Gruppe 5) muss konsequent auf andere Wirkmechanismen ausgewichen werden. Hier bieten sich je nach Kultur synthetische Auxine (HRAC-Gruppe 4), HPPD-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 27) oder Sulfonylharnstoffe (HRAC-Gruppe 2) an. Um die Selektion multipler Resistenzen zu verhindern, sollten Wirkstoffe verschiedener Gruppen stets in Spritzfolgen oder Tankmischungen kombiniert werden.

Wie lange bleiben die Samen von Chenopodium album im Boden keimfähig und was bedeutet das für die Bodenbearbeitung?

Die Samen besitzen eine extreme Langlebigkeit und können im Boden problemlos 30 bis 40 Jahre überdauern. Ein tiefes Unterpflügen vergräbt frische Samen zwar in tiefere Schichten, holt jedoch bei der nächsten tiefen Bodenbearbeitung ältere, noch vitale Samen wieder an die Oberfläche, was durch den Lichteinfall sofort neue Keimreize auslöst.

Warum erschwert die Wachsschicht des Weißen Gänsefußes die chemische Regulierung im späteren BBCH-Stadium?

Ältere Pflanzen entwickeln eine stark bemehlte, wasserabweisende Wachsschicht auf den Blättern, die das Anhaften und Eindringen von Blattherbiziden drastisch reduziert. Chemische Behandlungen sollten daher zwingend im frühen Jugendstadium (Keimblatt- bis maximal 2-Blatt-Stadium) erfolgen oder unter Verwendung zugelassener Adjuvantien (Netzmittel) durchgeführt werden, um die Benetzung der Blattoberfläche zu sichern.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen den Weißen Gänsefuß?

Navigieren Sie im Hub zum Bereich "Pflanzenschutzmittel" und filtern Sie nach dem Schaderreger "Weißer Gänsefuß" (EPPO: CHEAL). Dort erhalten Sie eine tagesaktuelle Übersicht aller beim BVL registrierten Anwendungen, inklusive detaillierter Angaben zu Aufwandmengen, Wartezeiten, einzuhaltenden BBCH-Stadien und spezifischen Anwendungsbestimmungen für Ihre jeweilige Kultur.

Welcher Zeitpunkt ist für den Einsatz von Striegel und Hacke zur Regulierung des Weißen Gänsefußes optimal?

Der optimale Zeitpunkt für das Striegeln liegt im sogenannten "Fadenstadium" des Unkrauts – also kurz vor dem Durchstoßen der Bodenoberfläche, wenn die Keimlinge als feine weiße Fäden im Boden sichtbar sind. Sobald die Pflanzen das 2- bis 4-Blatt-Stadium erreicht haben, sind sie bereits zu tief verwurzelt; ab diesem Zeitpunkt erzielt nur noch die mechanische Zwischenreihenhacke einen ausreichenden Bekämpfungserfolg.