Bohnenkraut
Satureja hortensis (EPPO-Code: STIHO), im deutschsprachigen Raum meist als Sommerbohnenkraut oder Gartenbohnenkraut bekannt, ist eine einjährige, stark aromatische Gewürzkultur aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie besitzt eine lange Tradition im mitteleuropäischen Anbau, sowohl für die Frischmarktbelieferung als auch für die Trocknungs- und Extraktionsindustrie. Die Kultur zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen (insbesondere Carvacrol und Thymol) aus, die ihr das charakteristische, pfeffrig-herbe Aroma verleihen.
Im professionellen Anbau stellt das Sommerbohnenkraut spezifische Ansprüche an Wärme und Licht. Da es sich um einen Lichtkeimer handelt, erfordert die Aussaat im Freiland ein feines, gut rückverfestigtes Saatbett und eine präzise Tiefenführung. Die Kultur reagiert empfindlich auf Spätfröste und anhaltende Staunässe, weshalb die Standortwahl und der Aussaatzeitpunkt entscheidende Faktoren für einen erfolgreichen und ertragreichen Anbau sind.
Bodenmanagement
Für den erfolgreichen Anbau von Sommerbohnenkraut solltest du leichte bis mittelschwere, gut durchlässige und sich schnell erwärmende Böden wählen. Sandige Lehme mit einem guten Kalkgehalt sind ideal, da die Kultur empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagiert. Die Grundbodenbearbeitung erfolgt am besten im Herbst, um im Frühjahr ein feinkrümeliges und abgesetztes Saatbett herrichten zu können, was für die flache Ablage der Lichtkeimer essenziell ist. Eine moderate Stickstoffdüngung von etwa 40 bis 60 kg N/ha ist meist ausreichend, da eine Überdüngung den Gehalt an ätherischen Ölen mindern und die Standfestigkeit beeinträchtigen kann. Achte zudem auf eine ausgeglichene Versorgung mit Phosphor und Kalium, um die Wurzelentwicklung und die Widerstandsfähigkeit der Kultur zu stärken.
Schaderreger-Management
Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung des Sommerbohnenkrauts ist eine konsequente Unkrautregulierung in den ersten Wochen entscheidend. Schaderreger wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) und das Gemeine Greiskraut (Senecio vulgaris) können die jungen Pflanzen schnell überwachsen und müssen frühzeitig mechanisch oder durch zugelassene Pflanzenschutzmittel kontrolliert werden. Bei feucht-warmer Witterung besteht zudem die Gefahr von Pilzinfektionen, insbesondere durch Rostpilze (Puccinia menthae) oder bodenbürtige Erreger wie Fusarium und Pythium, die zu Keimlingskrankheiten und Wurzelfäule führen können. Ein weiter Fruchtwechsel von mindestens drei bis vier Jahren zu anderen Lippenblütlern ist daher dringend zu empfehlen. Zur Vorbeugung solltest du auf eine luftige Bestandesführung achten, um das schnelle Abtrocknen des Laubwerks nach Niederschlägen zu begünstigen.
Sorten
Aromata
mittelspätHoher Blattanteil und stabiler Ertrag an Trockenmasse.
Resistent gegen: Rostpilze
Anfällig für: Staunässe
Sehr aromatische Sorte mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen. Zeigt einen aufrechten, gleichmäßigen Wuchs und ist gut für die maschinelle Ernte geeignet.
Bolero
mittelfrühSehr ertragreich im Frischmarktsegment durch dichten Wuchs.
Anfällig für: Wurzelfäule
Kompakte, stark verzweigte Sorte mit dunkelgrünem Laub. Sehr standfest und widerstandsfähig gegen ungünstige Witterungseinflüsse.
Praslin
frühGute Früherträge, neigt bei später Ernte jedoch zum Verholzen.
Anfällig für: Spätfröste
Feinblättrige, sehr raschwüchsige Sorte. Ideal für den frühen Anbau und den schnellen ersten Schnitt.
Cito
sehr frühHoher Erstlingsertrag, ideal für die Frischbündelware.
Anfällig für: Trockenstress
Schnellwachsende Sorte, die sich besonders für den satzweisen Anbau eignet. Zeichnet sich durch eine rasche Jugendentwicklung aus.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Ernte, um den höchsten Ölgehalt zu erzielen?
Der optimale Erntezeitpunkt liegt kurz vor oder zu Beginn der Vollblüte (BBCH-Stadium 61 bis 65). Zu diesem Zeitpunkt ist die Konzentration an ätherischen Ölen in den Blättern am höchsten. Wenn du für die Trocknung erntest, solltest du an einem sonnigen Vormittag schneiden, sobald der Tau abgetrocknet ist, um Qualitätsverluste und Schimmelbildung während der Trocknung zu vermeiden.
Wie kann ich das Risiko von Keimlingskrankheiten bei der Direktsaat minimieren?
Da Sommerbohnenkraut ein Lichtkeimer ist und sehr flach (maximal 0,5 cm tief) abgelegt wird, ist das Saatbett besonders anfällig für Austrocknung oder Verschlämmung. Verwende präzise Sätechnik und walze den Boden nach der Saat leicht an, um den Bodenschluss zu sichern. Vermeide Staunässe durch eine gute Drainage, da bodenbürtige Schaderreger wie Pythium bei nass-kalten Bedingungen im frühen BBCH-Stadium 09 bis 12 schnell zum Umfallen der Keimlinge führen.
Welche Rolle spielt die Fruchtfolge bei der Vermeidung von Schaderregern?
Eine weite Fruchtfolge ist die wichtigste präventive Maßnahme im Bohnenkraut-Anbau. Du solltest eine Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Lamiaceen (wie Majoran, Thymian oder Salbei) einhalten. Dies verhindert die Anreicherung von spezifischen bodenbürtigen Pilzen (z. B. Fusarium-Arten) und mindert das Risiko eines starken Befalls mit Rostpilzen, deren Sporen im Boden oder an Pflanzenresten überwintern.
Wie unterscheidet sich die Unkrautregulierung im ökologischen Anbau von der konventionellen Praxis?
Im ökologischen Anbau musst du aufgrund der langsamen Jugendentwicklung (BBCH 10 bis 15) konsequent auf mechanische Verfahren wie Blindstriegeln vor dem Auflaufen und präzises Hacken zwischen den Reihen setzen. Konventionelle Betriebe können auf zugelassene Herbizide zurückgreifen, um Problemunkräuter wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) oder das Gemeine Greiskraut (Senecio vulgaris) im Vor- oder frühen Nachauflauf zu bekämpfen. Achte im Pflanzenschutz-Hub auf die aktuell zugelassenen Anwendungen und deren Wartezeiten.
Kann ich Sommerbohnenkraut mehrmals im Jahr schneiden?
Ja, unter guten Wachstumsbedingungen und bei früher Aussaat ist ein zweiter Schnitt möglich. Dafür musst du den ersten Schnitt rechtzeitig vor der Vollblüte (ca. BBCH 51 bis 55) und relativ hoch ansetzen (ca. 5–10 cm über dem Boden), damit genügend schlafende Knospen für den Wiederaustrieb an der Pflanze verbleiben. Nach dem ersten Schnitt fördert eine leichte Bewässerung und eine moderate Stickstoffgabe den schnellen Neuaustrieb.
Wie finde ich im Pflanzenschutz-Hub die passenden Mittel gegen Rostpilze?
Nutze im Hub die Filterfunktion für die Kultur "Sommerbohnenkraut" (oder die Obergruppe der frischen Kräuter) und wähle als Schaderreger "Rostpilze" oder "Pilzliche Krankheiten". Achte bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel unbedingt auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die maximalen Anwendungen pro Saison sowie die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte, um Rückstände im Erntegut zu vermeiden.