Bohnenkraut
Satureja hortensis (EPPO-Code: STIHO), im deutschsprachigen Raum meist als Sommerbohnenkraut oder Gartenbohnenkraut bezeichnet, ist eine einjährige, stark aromatische Gewürz- und Arzneipflanze aus der Familie der Lamiaceae. Die Kultur besitzt eine lange Tradition im mitteleuropäischen Vertragsanbau und wird primär für die Trocknungsindustrie sowie für den Frischmarkt kultiviert. Die wertgebenden Inhaltsstoffe, insbesondere das ätherische Öl mit den Hauptkomponenten Carvacrol und Thymol, bestimmen maßgeblich die Qualität des Ernteguts.
Der Anbau stellt spezifische Anforderungen an Wärme und Licht, weshalb die Kultur vor allem auf leichten bis mittelschweren, gut erwärmbaren Böden gedeiht. Da es sich um einen Lichtkeimer handelt, erfordert die Aussaat im Freiland eine präzise Saatbettbereitung und eine sehr flache Ablage. Aufgrund der relativ kurzen Vegetationsperiode eignet sich Sommerbohnenkraut hervorragend als Zweitfrucht oder Zwischenkultur in diversifizierten Fruchtfolgen.
Bodenmanagement
Für einen erfolgreichen Anbau von Satureja hortensis sind gut strukturierte, humose und sich schnell erwärmende Sand- oder Lehmböden optimal. Da die Kultur sehr empfindlich auf Staunässe reagiert, ist eine tiefe Bodenlockerung im Herbst zwingend erforderlich, um Verdichtungen im Unterboden zu beseitigen. Das Saatbett muss im Frühjahr feinkrümelig und rückverfestigt vorbereitet werden, um den feinen Samen optimalen Bodenschluss zu bieten. Eine moderate Stickstoffdüngung von etwa 60 bis 80 kg N/ha, aufgeteilt in eine Grunddüngung und eine Kopfdüngung zur Schossphase, fördert den Ertrag ohne den Gehalt an ätherischen Ölen negativ zu beeinflussen. Auf kaliumreichen Standorten wird zudem die Standfestigkeit der Kultur gestärkt, was die maschinelle Ernte erheblich erleichtert.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz im Bohnenkraut-Anbau wird stark durch das begrenzte Angebot an zugelassenen Pflanzenschutzmitteln geprägt, weshalb viele Anwendungen über Lückenindikationen geregelt sind. Gegen auflaufende Unkräuter wie Poa annua und Senecio vulgaris ist eine mechanische Unkrautregulierung mittels Hacktechnik in der frühen Entwicklungsphase (BBCH 12–15) unerlässlich. Pilzliche Schaderreger wie Puccinia menthae (Rost) oder Alternaria-Arten können insbesondere in feuchten Sommern den Ertrag und die optische Qualität der Ware gefährden. Ein weiter Reihenabstand und eine moderate Bestandsdichte fördern das schnelle Abtrocknen der Kultur nach Niederschlägen und senken das Infektionsrisiko signifikant. Bei akutem Befall mit saugenden Schädlingen wie Blattläusen oder Zikaden müssen die Wartezeiten der wenigen verfügbaren Insektizide strikt beachtet werden, um Rückstände im Erntegut zu vermeiden.
Sorten
Bolero
mittelfrühSehr hoher Ertrag an Kraut und ätherischem Öl
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Wurzelfäule
Aufrecht wachsende, standfeste Sorte mit dunkelgrünem Laub, ideal für die maschinelle Ernte und Trocknung.
Aroma
mittelspätHoher Ertrag mit überdurchschnittlichem Carvacrol-Gehalt
Anfällig für: Echter Mehltau
Sehr aromatische Sorte mit kompakterem Wuchs, besonders für den Frischmarkt und die Topfkultur geschätzt.
Praslin
frühGuter Erst- und Nachschnitt-Ertrag
Anfällig für: Dürre
Feinblättrige, stark verzweigte Sorte mit rascher Jugendentwicklung, die sich gut für den mehrfachen Schnitt eignet.
Zwerg
mittelfrühMäßiger bis guter Ertrag, sehr homogen
Resistent gegen: Lagerung
Niedrig bleibende, extrem standfeste Sorte, die sich durch eine hohe Blattdichte auszeichnet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie wird die Unkrautbekämpfung bei Sommerbohnenkraut ohne Herbizideinsatz optimiert?
Da chemische Pflanzenschutzmittel für diese Kultur nur sehr eingeschränkt zugelassen sind, basiert die Unkrautregulierung auf einer Kombination aus falschem Saatbett vor der Aussaat und präzisem, mechanischem Hacken zwischen den Reihen ab BBCH 12. In der Reihe kann bei starkem Druck von Schaderregern wie Poa annua eine manuelle Handarbeit oder der gezielte Einsatz von Striegeltechnik im frühen Keimblattstadium notwendig werden.
Welcher Erntezeitpunkt garantiert den höchsten Gehalt an ätherischem Öl?
Der optimale Erntezeitpunkt liegt kurz vor oder zu Beginn der Vollblüte (BBCH 61 bis 65). Zu diesem Zeitpunkt ist die Konzentration an wertgebenden Inhaltsstoffen wie Carvacrol und Thymol in den Blättern am höchsten; mit fortschreitender Blüte und Samenbildung sinkt der Ölgehalt und der Holzanteil der Stängel nimmt zu.
Wie wirkt sich die Fruchtfolge auf das Risiko von bodenbürtigen Krankheiten aus?
Um bodenbürtigen Schaderregern wie Sclerotinia sclerotiorum oder Rhizoctonia solani vorzubeugen, sollte eine Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Lamiaceen und anfälligen Leguminosen eingehalten werden. Gute Vorfrüchte sind Getreide oder Hackfrüchte, die den Boden unkrautfrei und gut strukturiert hinterlassen.
Kann Sommerbohnenkraut mehrmals im Jahr geschnitten werden?
Ja, bei früher Aussaat im April und günstiger Witterung ist ein zweiter Schnitt möglich. Dafür muss der erste Schnitt rechtzeitig vor der Vollblüte (ca. BBCH 55) relativ hoch (ca. 5–10 cm über dem Boden) angesetzt werden, damit die Kultur aus den Blattachseln rasch wieder austreiben kann.
Welche Besonderheiten gelten für die Trocknung von Sommerbohnenkraut nach der Ernte?
Um die grüne Farbe und das flüchtige ätherische Öl zu schonen, muss das Erntegut unmittelbar nach dem Schnitt bei maximal 35 bis 40 °C schonend getrocknet werden. Höhere Temperaturen führen zu einer schnellen Verflüchtigung der Terpene und mindern die Qualität der Droge drastisch.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Nischenkultur?
Da Sommerbohnenkraut als Sonderkultur gilt, sind viele Zulassungen über die Lückenindikation (Art. 51 VO (EG) 1107/2009) geregelt. Agronomen sollten die Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nutzen und gezielt nach Indikationen für 'frische Kräuter' oder 'Trockenkräuter' filtern.