Gemeines Kreuzkraut
Das Gemeine Greiskraut (Senecio vulgaris, EPPO-Code: SENVU), auch bekannt als Gewöhnliches Kreuzkraut, ist ein einjähriges, krautiges Unkraut aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Es ist in ganz Europa weit verbreitet und besiedelt bevorzugt nährstoffreiche, humose Böden in einer Vielzahl von Kulturen, darunter Gemüse wie Porree und Schnittlauch, Erdbeeren sowie im Obst- und Zierpflanzenbau.
Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Schaderregers hat in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen. Neben der direkten Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe stellt die Pflanze aufgrund der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide (PA) ein erhebliches Qualitätsrisiko dar. Bereits geringe Verunreinigungen im Erntegut von Kräutern oder Blattgemüsen können Chargen komplett unverkäuflich machen, da diese Alkaloide stark lebertoxisch und krebserregend sind.
Zudem fungiert Senecio vulgaris als Zwischenwirt für verschiedene wirtschaftlich bedeutende Pflanzenkrankheiten, wie beispielsweise den Rostpilz Puccinia lagenophorae oder diverse Viren. Seine enorme Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, selbst bei niedrigen Temperaturen im Winter zu keimen und zu blühen, machen es zu einem der hartnäckigsten Unkräuter im modernen Pflanzenbau.
Biologie / Lebenszyklus
*Senecio vulgaris* ist ein therophytisches Unkraut, das theoretisch das ganze Jahr über keimen, wachsen und Samen bilden kann, sofern die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen. Nach einer kurzen vegetativen Phase von nur 5 bis 6 Wochen beginnt bereits die Blütezeit, wobei eine einzelne Pflanze im Laufe ihres Lebens mehrere tausend flugfähige Samen (Achänen mit Pappus) produziert. Diese Samen werden primär durch den Wind (Anemochorie) verbreitet, besitzen keine ausgeprägte Keimruhe und können sofort wieder auflaufen. Unter günstigen Bedingungen im mitteleuropäischen Raum durchläuft der Schaderreger so mühelos 3 bis 4 aufeinanderfolgende Generationen pro Jahr, wodurch sich rasch extrem dichte Populationen aufbauen.
Bonitur
Die Überwachung von *Senecio vulgaris* sollte bereits vor der Saat bzw. Pflanzung der Hauptkulturen beginnen und bis zum Reihenschluss intensiv fortgesetzt werden. Eine systematische Feldbegehung ist besonders in den empfindlichen BBCH-Stadien 10 bis 19 der Kulturen (z. B. bei Zuckerrüben oder Porree) entscheidend, da junge Kulturpflanzen extrem empfindlich auf Unkrautkonkurrenz reagieren. Aufgrund der Toxizität der Pyrrolizidinalkaloide liegt die wirtschaftliche Schadensschwelle in Frischkräutern (wie Schnittlauch oder Dill) praktisch bei null Toleranz (Nulltoleranz). Im Feldgemüse- und Obstbau wird eine Behandlung eingeleitet, sobald erste Keimlinge im Keimblatt- bis maximal Laubblattstadium (BBCH 10–12 des Unkrauts) auflaufen, da mechanische und chemische Maßnahmen in diesem frühen Entwicklungsstadium die höchste Wirkung erzielen.
Integriertes Management
Ein integriertes Management von *Senecio vulgaris* basiert auf einer Kombination aus vorbeugenden, mechanischen und chemischen Maßnahmen. Kulturtechnisch sind eine weite Fruchtfolge, das falsche Saatbett zur Provokation des Auflaufens vor der eigentlichen Aussaat sowie eine lückenlose Etablierung der Kulturen zur Beschattung des Bodens wirksam. Mechanisch lässt sich das flachwurzelnde Unkraut im frühen Stadium gut durch Hacken, Striegeln oder Abflammen regulieren, wobei ein Verschleppen von samentragenden Pflanzen unbedingt zu vermeiden ist. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmittel ist auf eine strikte HRAC-Wirkstoffrotation zu achten, da weltweit bereits Resistenzen von *Senecio vulgaris* gegenüber Triazinen (HRAC-Gruppe 5) und anderen Wirkstoffklassen dokumentiert sind. Chemische Behandlungen sollten bevorzugt im Vorauflauf oder sehr frühen Nachauflauf der Unkräuter durchgeführt werden, um die Aufwandmenge zu optimieren und die Kulturverträglichkeit zu sichern.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist das Gemeine Greiskraut in Kräuter- und Gemüsebaukulturen besonders gefürchtet?
Das Unkraut synthetisiert lebertoxische Pyrrolizidinalkaloide (PA). Da diese Stoffe auch nach der Trocknung oder Verarbeitung stabil bleiben, führt bereits eine geringe Verunreinigung im Erntegut von z. B. Schnittlauch, Dill oder Spinat zur Unverkäuflichkeit der gesamten Charge wegen Überschreitung gesetzlicher Grenzwerte.
Wie verhält sich Senecio vulgaris hinsichtlich Herbizidresistenzen?
Die Art neigt stark zur Ausbildung von Resistenzen, insbesondere gegen Photosynthesehemmer (HRAC-Gruppe 5 / ehemals C1, wie Triazine). Um Selektion zu vermeiden, müssen Landwirte Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (HRAC-Klassen) im Rahmen einer Anti-Resistenzstrategie konsequent abwechseln.
Kann das Gemeine Greiskraut auch im Winter bekämpft werden?
Ja, da die Samen bereits bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt keimen. In frostfreien Perioden des Spätherbstes und Winters wächst das Unkraut weiter. Mechanische Maßnahmen wie das Hacken sind bei frostfreiem, trockenem Wetter möglich, während chemische Anwendungen stark von den Zulassungsbestimmungen und Mindesttemperaturen der jeweiligen Pflanzenschutzmittel abhängen.
Welche Rolle spielt das "falsche Saatbett" bei der Regulierung dieses Schaderregers?
Da die Samen von *Senecio vulgaris* keine ausgeprägte Keimruhe besitzen und Lichtkeimer sind, regt eine flache Bodenbearbeitung im Frühjahr das Auflaufen an. Die gekeimten Unkräuter können dann vor der eigentlichen Aussaat der Kultur mechanisch oder thermisch materialschonend beseitigt werden, was den Unkrautdruck in der Kulturphase drastisch senkt.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen dieses Unkraut?
Nutzen Sie die Suchfunktion auf unserer Plattform, filtern Sie nach der betroffenen Kultur (z. B. Erdbeere oder Porree) und wählen Sie unter den Schaderregern "Senecio vulgaris" aus. Das System listet Ihnen alle aktuell für diese Indikation registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge, Wartezeit und Anwendungsbestimmungen auf.