Wege und Plätze mit Holzgewächsen
Die Kategorie „Wege und Plätze mit Holzgewächsen“, wissenschaftlich bezeichnet als ways and places with trees (EPPO-Code: YMBAM), beschreibt befestigte, teilbefestigte oder unbefestigte Flächen im kommunalen, gewerblichen oder privaten Bereich, auf denen Gehölze stehen. Da es sich hierbei um Nichtkulturland handelt, unterliegt die Pflege und der Pflanzenschutz extrem strengen rechtlichen Vorgaben, insbesondere in Deutschland gemäß § 12 des Pflanzenschutzgesetzes (PflSchG). Auf diesen Flächen steht nicht die Ertragsleistung einer Kultur im Vordergrund, sondern die Verkehrssicherheit, der Erhalt der Holzgewächse sowie die optische und funktionale Sauberkeit der Wege.
Zu den häufigsten optischen und sicherheitsrelevanten Problemen gehören unerwünschter Bewuchs durch Schaderreger wie Moose (Bryophyta) und Algen, die bei Feuchtigkeit zu erheblicher Rutschgefahr führen können. Die Bewirtschaftung erfordert ein integriertes Konzept, das mechanische, thermische und biologische Verfahren priorisiert. Chemische Pflanzenschutzmittel dürfen auf diesen Flächen nur in absoluten Ausnahmefällen und ausschließlich mit einer behördlichen Genehmigung eingesetzt werden, um den Eintrag von Wirkstoffen in die Kanalisation oder Oberflächengewässer zu verhindern.
Bodenmanagement
Die Bodenpflege auf Wegen und Plätzen mit Holzgewächsen konzentriert sich primär auf die Vermeidung von Bodenverdichtungen im Wurzelraum der Bäume, die durch Fußgänger- oder Fahrzeugverkehr entstehen. Eine regelmäßige Belüftung des Bodens sowie der Einbau von atmungsaktiven, wasserdurchlässigen Wegedecken sind essenziell, um die Vitalität der Gehölze langfristig zu sichern. Mulchmaterialien können auf unbefestigten Baumscheiben eingesetzt werden, um Feuchtigkeit zu speichern und den Unkrautdruck mechanisch zu mindern. Bei der mechanischen Wildkrautbeseitigung auf den Wegen musst du darauf achten, das flache Wurzelsystem der angrenzenden Bäume nicht zu beschädigen. Zudem ist der Salzstreuung im Winterdienst aufgrund der direkten Schädigung der Baumwurzeln und der Bodenstruktur strengstens entgegenzuwirken.
Schaderreger-Management
Das Management von Schaderregern auf diesen Flächen konzentriert sich vor allem auf die Beseitigung von Moosen (Bryophyta) und Algen auf den Wegoberflächen, um die Trittsicherheit zu gewährleisten. Da chemische Pflanzenschutzmittel auf Nichtkulturland grundsätzlich verboten sind, musst du primär auf thermische Verfahren wie Heißwasser, Heißschaum oder Abflammen sowie auf mechanische Bürsten zurückgreifen. Sollte ein chemischer Einsatz unumgänglich sein, ist vorab eine Ausnahmegenehmigung nach § 12 Abs. 2 PflSchG bei der zuständigen Landesbehörde einzuholen. Bei der Auswahl zugelassener Pflanzenschutzmittel musst du darauf achten, dass diese explizit für die Anwendung auf Wegen und Plätzen mit Holzgewächsen registriert sind. Zudem ist bei jeglicher Anwendung ein ausreichender Abstand zu den Kronen- und Wurzelbereichen der Gehölze einzuhalten, um Phytotoxizität zu vermeiden.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum gelten für Wege und Plätze mit Holzgewächsen andere Regeln als für landwirtschaftliche Flächen?
Diese Flächen gelten rechtlich als Nichtkulturland. Da sie oft versiegelt oder teilversiegelt sind und an die Kanalisation grenzen, besteht ein extrem hohes Risiko, dass Pflanzenschutzmittel abgeschwemmt werden und ins Grundwasser oder in Kläranlagen gelangen. Deshalb ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hier streng reglementiert und bedarf fast immer einer behördlichen Genehmigung.
Wie beantragst du eine Ausnahmegenehmigung für den Pflanzenschutzmitteleinsatz auf diesen Flächen?
Du musst den Antrag bei der für dein Bundesland zuständigen Pflanzenschutzbehörde (z. B. Landwirtschaftskammer oder Landesamt) stellen. Im Antrag musst du detailliert begründen, warum mechanische oder thermische Alternativen im konkreten Fall nicht wirtschaftlich oder technisch machbar sind und welche spezifischen Produkte du einsetzen willst.
Welche thermischen Verfahren eignen sich am besten zur Moos- und Algenbekämpfung?
Das Heißwasser- und Heißschaumverfahren hat sich als besonders nachhaltig erwiesen. Durch die Hitze (über 90 °C) wird das Eiweiß in den Zellen von Moosen und Algen zerstört, wodurch auch tiefer liegende Vegetationspunkte geschädigt werden. Abflammen ist ebenfalls möglich, birgt jedoch auf Flächen mit Holzgewächsen eine erhöhte Brandgefahr für trockenes Laub und Rinde.
Wie erkennst du, ob ein Pflanzenschutzmittel für die Anwendung auf Wegen und Plätzen zugelassen ist?
Du musst in der offiziellen Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nachschlagen. Achte darauf, dass das Mittel explizit für das Anwendungsgebiet „Wege und Plätze mit Holzgewächsen“ (oder allgemein Nichtkulturland) zugelassen ist. Eine Zulassung im Haus- und Kleingartenbereich oder im Ackerbau reicht rechtlich nicht aus.
Welche vorbeugenden Maßnahmen mindern den Algen- und Moosbefall auf Wegen?
Sorge für eine optimale Entwässerung und ein ausreichendes Gefälle der Wege, damit sich kein stehendes Wasser bildet, das Algen und Moosen als Lebensgrundlage dient. Zudem hilft ein regelmäßiges Kehren der Flächen, um organische Feinsubstanz zu entfernen, die ansonsten als Nährboden für Schaderreger fungiert.
Wie schützt du die angrenzenden Holzgewächse bei einer mechanischen Wildkrautbeseitigung?
Verwende Wildkrautbürsten mit flexiblen Borsten oder stelle den Anpressdruck so ein, dass die Rinde im Stammfußbereich nicht beschädigt wird. Bei tiefergehenden mechanischen Arbeiten im Traufbereich der Bäume solltest du auf den Einsatz schwerer Maschinen verzichten, um den empfindlichen Wurzelraum vor Verdichtung und mechanischen Verletzungen zu schützen.