Algen
Algen (wissenschaftlicher Name: algae, EPPO-Code: AAAAA) stellen in verschiedenen landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen ein zunehmendes Problem dar. Obwohl sie keine klassischen Krankheitserreger sind, können sie als Schaderreger auf Substraten, in Bewässerungssystemen, auf Foliengewächshäusern sowie direkt auf den Kulturen (wie Zierpflanzen, Gemüse- oder Obstgehölzen) erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen.
Besonders unter feuchtwarmen Bedingungen im geschützten Anbau oder bei übermäßiger Beregnung im Freiland breiten sich Algen rasant aus. Sie konkurrieren mit den Kulturen um Licht, Sauerstoff und Nährstoffe. Zudem verstopfen sie Tropfbewässerungsanlagen und bilden auf Wegen und Stellflächen rutschige Beläge, was ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Arbeitskräfte darstellt.
Die wirtschaftliche Relevanz liegt vor allem in der Qualitätsminderung von Zierpflanzen durch optische Beeinträchtigungen, verringerten Keimungsraten bei Gemüsekulturen durch verkrustete Substratoberflächen und erhöhten Reinigungskosten für technische Anlagen.
Biologie / Lebenszyklus
Der Lebenszyklus von Algen im Kulturraum ist stark von Feuchtigkeit und Lichtintensität geprägt. Unter günstigen Bedingungen vermehren sie sich rasant durch einfache Zellteilung oder die Freisetzung von mikroskopisch kleinen Sporen (Zoosporen), die über Wasserfilme, Wind oder Arbeitsgeräte verbreitet werden. Sobald sich ein dünner Feuchtigkeitsfilm auf Oberflächen, Blättern oder Substraten bildet, keimen diese Sporen und bilden innerhalb weniger Tage dichte, grüne oder bräunliche Kolonien. Im Winter oder bei Trockenheit können viele Algenarten Dauerstadien bilden, die im Boden, auf Stellflächen oder an Gewächshausteilen überdauern und bei steigenden Temperaturen und Feuchtigkeit im Frühjahr den neuen Infektionszyklus starten.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits vor dem Auflaufen der Kulturen (BBCH 00) auf Stellflächen und im Substrat beginnen und während der gesamten Vegetationsperiode fortgeführt werden. Achte besonders in feuchten Mikroklimaten und schattigen Bereichen auf erste grünliche Verfärbungen. Ein konkreter Schadensschwellenwert existiert meist nicht; eine Behandlung oder mechanische Reinigung wird empfohlen, sobald mehr als 5–10 % der Substratoberfläche oder der Kulturgefäße von einem sichtbaren Algenfilm bedeckt sind, um eine Sauerstoffunterbindung im Wurzelraum zu verhindern. Bei Tröpfchenbewässerungen ist der Wasserdurchfluss regelmäßig zu prüfen, um beginnende Verstopfungen frühzeitig zu erkennen.
Symptome
Das auffälligste Symptom ist das Auftreten von schleimigen, gallertartigen oder trockenen, krustigen Belägen in verschiedenen Grüntönen, Schwarz oder Braun auf Substraten, Blättern, Stängeln sowie auf technischen Oberflächen. Auf Blättern von Zierpflanzen oder Obstgehölzen führen diese Beläge zu einer verminderten Photosyntheseleistung, was sich in Chlorosen und Kümmerwuchs äußern kann. Auf Substraten bildet sich eine dichte, luftundurchlässige Schicht, die das Eindringen von Gießwasser behindert und zu Sauerstoffmangel im Wurzelbereich führt, wodurch die Wurzeln faulen und die Kulturen welken können.
Integriertes Management
Das integrierte Management basiert primär auf vorbeugenden, kulturtechnischen Maßnahmen. Dazu gehören die Optimierung der Bewässerung (Vermeidung von Staunässe, Einsatz von Tröpfchenbewässerung statt Überkopfberegnung), eine gute Belüftung im Gewächshaus zur raschen Abtrocknung der Kulturen sowie die Verwendung gut strukturierter, dränfähiger Substrate. Biologische Ansätze umfassen den Einsatz von nützlichen Mikroorganismen, die mit Algen um Nährstoffe konkurrieren. Chemische Pflanzenschutzmittel (Algizide) oder Desinfektionsmittel auf Basis von Benzoesäure, Wasserstoffperoxid oder Peressigsäure sollten gezielt und nur im Rahmen zugelassener Anwendungen eingesetzt werden, um Resistenzen vorzubeugen und die Umweltbelastung zu minimieren.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie kannst du Algenbildung in deiner Tropfbewässerung effektiv verhindern?
Um Verstopfungen vorzubeugen, solltest du das Bewässerungssystem regelmäßig mit zugelassenen Reinigungsmitteln (z. B. auf Basis von Wasserstoffperoxid) spülen. Zudem hilft eine konsequente Abdunklung von Wassertanks, da Algen für ihr Wachstum zwingend Licht benötigen.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium deiner Kultur bei der Algenbekämpfung?
Besonders kritisch ist die Phase der Keimung und des Auflaufens (BBCH 00 bis 09). Ein Algenfilm auf dem Substrat kann in dieser Phase die Sauerstoffzufuhr der Samen abschnüren und das Durchdringen der Keimlinge physikalisch behindern, weshalb vorbeugende Maßnahmen vor der Aussaat oberste Priorität haben.
Kannst du herkömmliche Herbizide gegen Algenbeläge auf Stellflächen einsetzen?
Nein, herkömmliche Herbizide wirken meist nicht gegen Algen, da diese physiologisch völlig anders aufgebaut sind als höhere Pflanzen. Du musst speziell für diesen Zweck zugelassene Pflanzenschutzmittel (Algizide) oder Desinfektionsmittel verwenden und die genauen Anwendungsbestimmungen für Nichtkulturland beachten.
Wie findest du im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Algen?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach dem Schaderreger 'Algen' sowie deiner spezifischen Kultur (z. B. Zierpflanzen). Achte darauf, ob die Anwendung für das Freiland oder das Gewächshaus zugelassen ist, und prüfe die jeweilige Wartezeit.
Warum schädigen Algen deine Kulturen, obwohl sie keine Parasiten sind?
Algen dringen zwar nicht aktiv in das Pflanzengewebe ein, entziehen der Kultur aber indirekt Lebensgrundlagen. Sie blockieren das Licht auf den Blättern, was die Photosynthese hemmt, und versiegeln die Substratoberfläche, was zu akutem Sauerstoffmangel im Wurzelraum führt.
Gibt es biologische Präparate, die du im integrierten Anbau nutzen kannst?
Ja, im biologischen Anbau wird verstärkt auf physikalisch wirkende Barrieren (wie spezielle Abdeckmaterialien für Töpfe) und den Einsatz von nützlichen Bodenbakterien gesetzt, die den Algen die Nährstoffgrundlage entziehen. Auch Präparate auf Basis von Essigsäure oder Kupfersalzen können je nach Zulassung eine Option sein.