Wicken
Die Gattung Vicia sp. (EPPO-Code: VICSS), im deutschen Sprachraum zusammenfassend als Wicken bezeichnet, umfasst wichtige ein- und zweijährige Leguminosen, die in der mitteleuropäischen Landwirtschaft sowohl als Körnerleguminosen, Futterpflanzen als auch im Zwischenfruchtanbau eine zentrale Rolle spielen. Zu den bedeutendsten Vertretern gehören die Sommerwicke (Vicia sativa) und die Winter- bzw. Zottelwicke (Vicia villosa). Als stickstoffsammelnde Kulturen sind sie durch die Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobium leguminosarum) von unschätzbarem Wert für die Fruchtfolgegestaltung und die biologische Stickstofffixierung.
Wicken zeichnen sich durch ein tiefreichendes, verzweigtes Wurzelsystem aus, das die Bodenstruktur nachhaltig verbessert und Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten erschließt. Aufgrund ihres raschen Jugendwachstums und der intensiven Bodenbedeckung eignen sie sich hervorragend zur Unkrautunterdrückung und als Erosionsschutz. In der landwirtschaftlichen Praxis werden sie häufig im Gemenge mit Stützfrüchten wie Hafer, Roggen oder Gräsern angebaut, um die Standfestigkeit der Kultur zu sichern und die Erntebarkeit zu verbessern.
Bodenmanagement
Wicken stellen moderate Ansprüche an den Boden, bevorzugen jedoch mittelschwere, tiefgründige Lehm- und Tonböden mit einer guten Wasserführung. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung ist entscheidend, um Verdichtungen im Unterboden zu vermeiden, da Staunässe die Aktivität der Knöllchenbakterien stark beeinträchtigt. Bei der Aussaat ist auf ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett zu achten, um einen gleichmäßigen Feldaufgang und optimalen Bodenschluss zu gewährleisten. Da die Kultur ihren Stickstoffbedarf weitgehend selbst deckt, ist eine mineralische Stickstoffdüngung in der Regel nicht erforderlich und sogar kontraproduktiv für die Knöllchenbildung. Eine gezielte Grunddüngung mit Phosphor und Kalium sollte basierend auf Bodenanalysen erfolgen, um die Ertragsfähigkeit und die Standfestigkeit im Gemengeanbau zu unterstützen.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz bei Wicken konzentriert sich primär auf die Regulierung konkurrenzstarker Schaderreger in der frühen Entwicklungsphase. Besonders ausdauernde Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) sowie einjährige Schadgräser wie der Gemeine Windhalm (Apera spica-venti) und das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne) können die Kultur im Jugendstadium stark unterdrücken. Eine mechanische Unkrautregulierung durch Striegeln ist im frühen BBCH-Stadium möglich, erfordert jedoch aufgrund der feinen Ranken großes Fingerspitzengefühl. Gegen pilzliche Schaderreger wie Botrytis fabae (Ackerbohnen-Botrytis) oder Ascochyta-Arten (Brennfleckenkrankheit) stehen bei feucht-warmer Witterung spezifische Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, deren Anwendung rechtzeitig vor Reihenschluss erfolgen sollte. Zudem muss auf den Blattrandkäfer (Sitona lineatus) geachtet werden, dessen Larvenfraß an den Wurzelknöllchen die Stickstofffixierung massiv schädigen kann.
Sorten
Bernina
mittelspätSehr hoher Grünmasseertrag, mittlere Kornerträge
Resistent gegen: Lagerung, Trockenheit
Anfällig für: Ascochyta-Brennflecken
Bewährte Sommerwicke mit rascher Anfangsentwicklung und hervorragender Unkrautunterdrückung. Ideal für den Zwischenfruchtanbau und als Gemengepartner.
Ebena
mittelfrühHoher Kornertrag und sehr gute Proteingehalte
Resistent gegen: Mehltau
Anfällig für: Botrytis-Grauschimmel
Sommerwicke mit aufrechtem Wuchs und guter Standfestigkeit. Besonders geeignet für die Druschfruchtnutzung im Rein- oder Gemengeanbau.
Hungarica
spätSehr hohe Biomasseerträge im Frühjahr
Resistent gegen: Frost, Auswinterung
Anfällig für: Staunässe
Traditionelle Winterwicke (Zottelwicke) mit exzellenter Winterhärte. Perfekt für die herbstliche Einsaat zur Futtergewinnung im folgenden Frühjahr.
Latigo
mittelspätHervorragende Grünmasseleistung im Gemenge
Resistent gegen: Frost, Trockenheit
Anfällig für: Kleekrebs
Wüchsige Winterwicke mit starker Verzweigung und hoher Stickstofffixierungsleistung. Zeigt eine sehr gute Unkrautunterdrückung im Winterzwischenfruchtanbau.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich die Stickstofffixierungsleistung von Wicken in der Fruchtfolge maximieren?
Um die biologische N-Fixierung zu optimieren, sollte der Boden gut belüftet und frei von Verdichtungen sein, da die Knöllchenbakterien (Rhizobien) sauerstoffabhängig sind. Zudem hemmt ein hoher mineralischer Stickstoffgehalt im Boden die Knöllchenbildung; eine Startdüngung mit N ist daher kontraproduktiv. Eine ausreichende Versorgung mit Phosphor, Kalium und Schwefel unterstützt hingegen die Knöllchenaktivität direkt.
Warum ist der Gemengeanbau von Wicken mit Stützfrüchten in der Praxis vorteilhaft?
Wicken besitzen aufgrund ihrer dünnen, rankenden Stängel eine geringe Standfestigkeit und neigen im Reinanbau ab BBCH-Stadium 30 stark zum Lagern. Durch den gemeinsamen Anbau mit Stützfrüchten wie Hafer (bei Sommerwicken) oder Roggen bzw. Triticale (bei Winterwicken) können sich die Wicken an den Halmen emporranken. Dies verbessert die Belüftung des Bestandes, senkt das Risiko von Pilzinfektionen (z. B. Botrytis) und erleichtert den Mähdrusch erheblich.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Umbruch einer Wicken-Zwischenfrucht im Frühjahr?
Der Umbruch sollte idealerweise vor der vollen Blüte (BBCH-Stadium 60) der Wicken erfolgen, wenn die Biomasse noch weich und stickstoffreich ist (enges C/N-Verhältnis). Zu diesem Zeitpunkt zersetzen sich die Pflanzenrückstände rasch im Boden und geben den fixierten Stickstoff pünktlich zur Folgefrucht frei. Ein zu später Umbruch nach der Samenbildung führt zu holzigeren Stängeln, einer langsameren Nährstofffreisetzung und dem Risiko von Ausfallsamen.
Wie wird der Blattrandkäfer (Sitona lineatus) bei Wicken effektiv überwacht und reguliert?
Die Überwachung erfolgt ab dem Auflaufen (BBCH-Stadium 09–10) durch visuelle Kontrollen auf den typischen U-förmigen Buchtenfraß an den Blatträndern. Ein kritischer Befall liegt vor, wenn im frühen Jugendstadium mehr als 10–15 % der Blattfläche geschädigt sind oder massiver Käferflug herrscht. Da die Larven die unterirdischen Stickstoffknöllchen fressen, ist eine rechtzeitige Regulierung mit zugelassenen Pyrethroiden bei Überschreiten der Schadschwelle entscheidend.
Welche Herbizidstrategien sind bei starkem Druck von Quecke und Windhalm in Wicken zu empfehlen?
Da Wicken als Leguminosen empfindlich auf viele Breitbandherbizide reagieren, liegt der Fokus auf der Vorauflaufbehandlung oder dem gezielten Einsatz von selektiven Graminiziden im Nachauflauf. Gegen einkeimblättrige Schaderreger wie Elymus repens (Quecke) oder Apera spica-venti (Windhalm) können spezifische Gräserherbizide (Fops/Dims) eingesetzt werden, sobald die Schadgräser ausreichend Blattfläche gebildet haben. Diese Anwendungen sind hochgradig selektiv und schonen die Wickenkultur vollständig.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Wicken auf agronomy.farmable.tech?
Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub. Filtern Sie nach der Kultur 'Wicken' (oder der spezifischen Art wie Sommerwicke) und wählen Sie die gewünschte Indikation (z. B. 'Schadgräser' oder 'Blattrandkäfer'). Das System listet Ihnen alle aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, Wartezeiten und spezifischen Anwendungsbestimmungen (z. B. Bienenschutzauflagen) auf.