Winterdinkel
Winterdinkel (Triticum aestivum subsp. spelta, EPPO-Code: 3SPWC), im internationalen Handel oft als "spelt (winter)" bezeichnet, ist eine traditionelle und äußerst robuste Getreideart, die in Mitteleuropa eine bedeutende Renaissance erlebt. Als Spelzgetreide ist das Korn durch feste Spelzen fest umschlossen und somit hervorragend vor Witterungseinflüssen sowie Schaderregern geschützt. Dies erfordert jedoch nach der Ernte einen zusätzlichen Verarbeitungsschritt in Form der Entspelzung (Gerbgang), bevor das Korn vermahlen werden kann.
Die Kultur stellt im Vergleich zu Winterweizen deutlich geringere Ansprüche an Boden und Klima, weshalb sie sich hervorragend für Grenzertragslagen, raue Mittelgebirgslagen sowie für den ökologischen Landbau eignet. Winterdinkel zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Bestockungsvermögen und eine hohe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern aus, neigt jedoch aufgrund des langen Strohs zu einer erhöhten Lageranfälligkeit, was eine angepasste Bestandesführung verlangt.
Bodenmanagement
Winterdinkel stellt geringe Ansprüche an die Vorfrucht und eignet sich hervorragend als Abtragskultur in der Fruchtfolge. Optimale Bedingungen bieten humose, mittelschwere Lehmböden, jedoch gedeiht die Kultur auch auf flachgründigen oder sandigen Standorten weitaus besser als anspruchsvollerer Weizen. Die Bodenbearbeitung sollte eine gute Krümelung im Saatbett gewährleisten, wobei sowohl Pflugsaat als auch Mulchsaat etabliert sind. Eine moderate Stickstoffdüngung ist entscheidend, da eine Überdüngung das ohnehin hohe Lagerrisiko drastisch verstärkt; meist reichen Gaben von 80 bis 120 kg N/ha aus, aufgeteilt auf zwei bis drei Teilgaben.
Schaderreger-Management
Aufgrund der schützenden Spelzen ist das Korn gut gegen Ährenfusariosen geschützt, dennoch erfordert die Kultur ein gezieltes Schaderreger-Management. Im Herbst und zeitigen Frühjahr steht die Regulierung von Ungräsern wie dem Gemeinen Windhalm (*Apera spica-venti*) und der Einjährigen Rispe (*Poa annua*) im Vordergrund, wofür zugelassene Pflanzenschutzmittel im Vor- oder frühen Nachauflauf appliziert werden. Gegen pilzliche Schaderreger wie Mehltau, Gelbrost und Braunrost sind regelmäßige Bestandskontrollen ab dem Schossen (BBCH 30) ratsam, um bei Überschreitung der Schadschwellen Fungizide gezielt einzusetzen. Ein zentraler Baustein der Bestandesführung ist zudem der strategische Einsatz von Wachstumsregulatoren zur Halmverkürzung, um die Standfestigkeit der meist langstrohigen Sorten abzusichern.
Sorten
Franckenkorn
mittelspätmittel bis hoch
Resistent gegen: Mehltau, Gelbrost
Anfällig für: Lagerung, Braunrost
Sehr bewährte, klassische Dinkelsorte mit hervorragender Backqualität und hoher Standunsicherheit ohne Wachstumsregler.
Zollernspelz
mittelspäthoch
Resistent gegen: Mehltau, Braunrost, Lagerung
Anfällig für: Gelbrost
Ertragsstarke Sorte mit verbesserter Standfestigkeit und guter Toleranz gegenüber Halmbruch.
Albertino
mittelfrühsehr hoch
Resistent gegen: Lagerung, Gelbrost
Anfällig für: Mehltau
Frühreife Sorte mit exzellenter Standfestigkeit und hohem Kornertrag, ideal für intensivere Standorte.
Badengold
spätmittel
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Lagerung, Mehltau
Klassischer Typ mit sehr langem Stroh, hervorragend für extensive Lagen und den ökologischen Anbau geeignet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Saatbettbereitung von Winterdinkel im Vergleich zu Winterweizen?
Dinkel wird meist als unentspeltzte Vesen (Spelzen mit meist zwei Körnern) ausgesät, was eine gröbere Sätechnik und eine etwas tiefere Ablage von 3–4 cm erfordert. Das Saatbett sollte gut rückverfestigt, aber keinesfalls zu fein sein, um Verschlämmungen zu vermeiden, da die Keimlinge durch die umschließende Spelzenhülle mehr Kraft beim Auflaufen benötigen.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Wachstumsregulatoren bei Winterdinkel?
Aufgrund des langen Strohs ist die Standfestigkeit eine der größten Herausforderungen der Kultur. Die erste Einkürzung erfolgt meist in BBCH 31/32 (Ein- bis Zweiknotenstadium) mit Chlormequat-Chlorid (CCC). Bei frohwüchsigen Beständen oder anfälligen Sorten kann eine Nachbehandlung in BBCH 37/39 mit Trinexapac-Ethyl oder Ethephon erforderlich sein, um das Knicken der oberen Internodien vor dem Ährenschieben zu verhindern.
Wie wird die Bekämpfung von Windhalm (Apera spica-venti) im Dinkel optimiert?
Da Dinkel im Herbst langsamer jugendentwickelt als Weizen, haben Ungräser wie der Gemeine Windhalm einen Startvorteil. Eine Herbizidbehandlung im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf (BBCH 11–13) mit Bodenwirkstoffen wie Flufenacet sichert den Bestand frühzeitig ab und verhindert Ertragsverluste durch starke Konkurrenz im Frühjahr.
Warum ist die Stickstoffdüngung beim Dinkel im Vergleich zu Weizen restriktiver zu handhaben?
Zu hohe Stickstoffgaben, insbesondere zur Bestockung (1. Gabe) und zum Schossen (2. Gabe), führen bei Dinkel zu extremem Längenwachstum und schwächen die Halmstabilität massiv. Die Düngung sollte daher betont spät (Spätgabe zur Qualitätsabsicherung in BBCH 51) und insgesamt um ca. 20–30 % niedriger als bei Winterweizen kalkuliert werden.
Wie finde ich im Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Pilzkrankheiten in Winterdinkel?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur "Winterdinkel" sowie dem spezifischen Schaderreger (z. B. Braunrost oder Mehltau). Achten Sie darauf, dass viele für Weizen zugelassene Fungizide keine automatische Zulassung für Dinkel besitzen; prüfen Sie daher stets die explizite Indikationszulassung und die einzuhaltende Wartezeit.
Welche Rolle spielt das Entspelzen bei der Erntefeuchte und der Lagerung?
Dinkel wird als Vesen geerntet und eingelagert. Die Spelze schützt das Korn zwar vor mechanischer Beschädigung und Schimmelpilzen während der Lagerung, erschwert aber die Feuchtigkeitsmessung. Die Erntefeuchte sollte unter 14 % liegen, da feuchte Spelzen die Trocknung im Lager stark verzögern und das Risiko für Nacherwärmung erhöhen.