Zwiebelgewächse (Zierpflanzen)
Die BVL-Kulturgruppe „Zwiebelgewächse (Zierpflanzen)“ (Code: NNNZJ) fasst wichtige zierende Geophyten zusammen, die im professionellen Zierpflanzenbau sowohl für die Freiland- als auch für die Unterglasproduktion eine zentrale Rolle spielen. Zu dieser Gruppe gehören botanisch verwandte Kulturen wie Allium-Arten, Lilium-Arten (Lilien), Narzissen und Tulipa-Arten (Tulpen). Die Zusammenfassung dieser Kulturen im Pflanzenschutzrecht erleichtert die Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, da diese Zwiebel- und Knollenpflanzen ähnliche morphologische Merkmale und Wachstumszyklen aufweisen.
Aus Sicht der Zulassungsbehörden ist die Gruppierung besonders vorteilhaft, da sie Lücken im Indikationsverzeichnis schließt. Da viele dieser Kulturen als Nischenkulturen im Zierpflanzenbau gelten, wäre eine Einzelzulassung für jede spezifische Art oft wirtschaftlich unrentabel. Durch die Bündelung unter den Zwiebelgewächsen können Pflanzenschutzmittel effizient für die gesamte Gruppe registriert werden, was dir als Anbauer eine breitere Palette an rechtssicheren Behandlungsoptionen gegen spezifische Schaderreger sichert.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Beim Anbau von Zwiebelgewächsen im Zierpflanzenbereich stehen pilzliche Schaderreger im Fokus des integrierten Pflanzenschutzes. Besonders Botrytis cinerea (Grauschimmel) und Sclerotinia sclerotiorum (Sklerotinia-Welke) stellen aufgrund der dichten Bestände und der feuchten Mikroklimata im Pflanzenbestand eine ständige Bedrohung dar. Ein erfolgreiches Management erfordert eine Kombination aus kulturtechnischen Maßnahmen – wie einer weiten Fruchtfolge, optimaler Standraumzumessung für schnelles Abtrocknen und der Vermeidung von Staunässe – und dem gezielten, präventiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Da viele dieser Erreger ein hohes Risiko für Resistenzentwicklungen aufweisen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel nach den Vorgaben des FRAC (Fungicide Resistance Action Committee) zwingend erforderlich. Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln innerhalb dieser Gruppe musst du stets die spezifische Sortenverträglichkeit beachten. Obwohl ein Mittel für die gesamte Gruppe der Zwiebelgewächse zugelassen sein kann, reagieren manche empfindliche Tulpen- oder Lilien-Sorten phytotoxisch. Vor großflächigen Behandlungen empfiehlt sich daher immer eine Probespritzung auf kleinen Testflächen. Zudem ist die Einhaltung der anwendungsbezogenen BBCH-Stadien entscheidend, um Schäden an den empfindlichen Blütenanlagen zu vermeiden und die Wirksamkeit der Maßnahme zu maximieren.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidest du einen frühen Botrytis-Befall von physiologischen Flecken bei Zwiebelgewächsen?
Achte auf die typischen grauen, staubenden Sporenträger, die sich bei feuchter Witterung auf den Blättern bilden. Physiologische Flecken, beispielsweise durch Kälte oder Düngemittelspritzer, sind scharf abgegrenzt und vergrößern sich nicht wellenartig. Bei Verdacht solltest du betroffene Pflanzenteile in einer feuchten Kammer (Plastiktüte mit feuchtem Tuch) lagern – zeigt sich nach 24 bis 48 Stunden der charakteristische graue Pilzrasen, liegt ein Befall mit Botrytis cinerea vor und eine Behandlung ist ratsam.
Welches BBCH-Stadium ist für die Fungizidbehandlung gegen Sclerotinia besonders kritisch?
Die kritische Phase beginnt meist ab dem Streckungswachstum (BBCH 30) bis hin zur Knospenbildung (BBCH 51–59). Da Sclerotinia sclerotiorum über den Boden infiziert und den Stängelgrund schädigt, solltest du Behandlungen präventiv vor dem Schließen des Bestandes durchführen. Sobald die Reihen geschlossen sind, erreichen die Pflanzenschutzmittel die Basis der Kulturen nur noch schwer, was die Schutzwirkung drastisch reduziert.
Wie setzt du das FRAC-Konzept bei der Bekämpfung von Schaderregern in Zwiebelgewächsen richtig um?
Um Resistenzen vorzubeugen, darfst du Produkte aus derselben FRAC-Wirkstoffgruppe nicht wiederholt hintereinander anwenden. Wechsle systematisch zwischen verschiedenen Wirkmechanismen (z. B. SDHI, Strobilurine und Kontaktfungizide). Nutze im frühen Stadium bevorzugt protektive Kontaktmittel mit Multi-Site-Aktivität, um das Risiko für die Selektion resistenter Stämme von Botrytis und Sclerotinia von Anfang an zu minimieren.
Gilt eine Zulassung für „Zwiebelgewächse (Zierpflanzen)“ automatisch für alle meine Allium- und Tulpen-Arten?
Ja, rechtlich deckt eine Zulassung für die BVL-Gruppe NNNZJ alle zugehörigen Kulturen wie Allium, Lilien, Narzissen und Tulpen ab. Dennoch musst du im Vorfeld prüfen, ob die Gebrauchsanleitung des Herstellers Einschränkungen für bestimmte Arten oder Sorten vorsieht. Nutze unsere Produktsuche auf der Plattform, um gezielt nach Mitteln zu filtern, die für diese Gruppe registriert sind, und gleiche die Anwendungsbestimmungen ab.
Was musst du bei der Applikationstechnik bezüglich der Wachsschicht von Zwiebelgewächsen beachten?
Viele Zwiebelgewächse wie Tulpen und Narzissen besitzen eine ausgeprägte, wasserabweisende Wachsschicht auf den Blättern. Damit die Spritzbrühe optimal haftet und nicht ungenutzt abperlt, ist der Zusatz eines zugelassenen Netzmittels oft sinnvoll. Achte jedoch darauf, die Aufwandmenge des Netzmittels exakt zu dosieren, da eine zu starke Herabsetzung der Oberflächenspannung bei empfindlichen Kulturen zu Verbrennungen führen kann.
Wie überwintern die wichtigsten Schaderreger dieser Gruppe und was bedeutet das für deine Feldhygiene?
Sowohl Sclerotinia als auch Botrytis bilden widerstandsfähige Dauerkörper (Sklerotien), die im Boden oder an Pflanzenresten jahrelang überdauern können. Für dein Management bedeutet das: Entferne infizierte Pflanzen und Zwiebelreste nach der Ernte konsequent vom Feld. Eine tiefe Bodenbearbeitung kann helfen, Sklerotien zu vergraben, wodurch deren Keimfähigkeit sinkt. Achte zudem auf eine weite Fruchtfolge zu Nicht-Wirtspflanzen.