Carneol
Carneol ist ein hochwirksames, protektives Fungizid von ADAMA Deutschland GmbH, das auf dem bewährten Wirkstoff Fluazinam (500 g/l) basiert. Formuliert als flüssiges Suspensionskonzentrat (SC), zeichnet sich das Pflanzenschutzmittel durch eine hervorragende Haftung auf der Blattoberfläche und eine ausgeprägte Regenfestigkeit aus. Es ist im professionellen Acker- und Sonderkulturbau fest etabliert, um Kulturen vor wirtschaftlich bedeutenden Pilzkrankheiten zu schützen.
Das Wirkungsspektrum von Carneol umfasst insbesondere Oomyceten wie Phytophthora-Arten (darunter der Erreger der Kraut- und Knollenfäule) und andere Falsche Mehltaupilze sowie wichtige Deuteromyceten wie Alternaria-Arten und Botrytis squamosa. Durch seine ausgeprägte Kontaktwirkung verhindert das Mittel zuverlässig das Auskeimen von Sporen und das Eindringen der Pilzhyphen in das gesunde Gewebe der Kultur.
Dank seiner vielseitigen Zulassung bietet Carneol Landwirten ein flexibles Werkzeug im integrierten Pflanzenschutz. Es schützt nicht nur das Laub während des aktiven Wachstums, sondern mindert bei späten Anwendungen auch das Risiko von Sporenübertragungen auf die Ernteorgane, was für die Lagerfähigkeit und Qualität der Ernteprodukte von entscheidender Bedeutung ist.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Fluazinam gehört zur chemischen Klasse der 2,6-Dinitroaniline und ist in die FRAC-Gruppe 29 eingestuft. Er fungiert als Entkoppler der oxidativen Phosphorylierung in den Mitochondrien der Pilzzellen. Durch diese Unterbrechung der Energiegewinnung wird die ATP-Synthese blockiert, wodurch den Sporen und Keimschläuchen die für das Wachstum und das Eindringen in das Pflanzengewebe benötigte Energie entzogen wird. Da es sich um einen Multi-Site-Inhibitor mit breiter physiologischer Wirkung an verschiedenen Stellen des Atmungsprozesses handelt, ist das Risiko einer Resistenzentwicklung im Vergleich zu systemischen Single-Site-Fungiziden als äußerst gering einzustufen. Dies macht den Wirkstoff zu einem unverzichtbaren Baustein in modernen Spritzfolgen.
Resistenzmanagement
Um die langfristige Wirksamkeit von Carneol zu sichern und dem Entstehen von Resistenzen bei Schaderregern wie Phytophthora oder Alternaria vorzubeugen, sollte das Pflanzenschutzmittel stets im Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen eingesetzt werden. Die Einbindung von Carneol als Multi-Site-Partner in das Spritzprogramm entlastet einseitig gefährdete Wirkstoffgruppen und stabilisiert den gesamten Bekämpfungserfolg über die gesamte Vegetationsperiode hinweg.
Mischbarkeit & Tankmischung
Carneol ist im Allgemeinen gut mit gängigen Herbiziden, Insektiziden und Blattdüngern mischbar. Bei der Erstellung von Tankmischungen sollte stets auf eine ausreichende Wassermenge geachtet werden, um eine gleichmäßige Benetzung des Bestandes zu gewährleisten. Es wird empfohlen, vor einer großflächigen Anwendung eine physikalische Mischprobe sowie einen Kleinflächentest auf Kulturverträglichkeit durchzuführen. Die Zugabe von speziellen Haftmitteln ist in der Regel nicht erforderlich, da die Formulierung bereits auf optimale Haftung und Regenfestigkeit hin optimiert ist.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Carneol ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug und Schutzhandschuhen, zu tragen, um Haut- und Augenkontakt zu vermeiden. Da der Wirkstoff Fluazinam als gewässergefährdend eingestuft ist, müssen die gesetzlichen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und die Anwendung von abdriftmindernder Technik strikt eingehalten werden. Das Pflanzenschutzmittel ist als nichtbienengefährlich (B4) eingestuft, sollte jedoch zum Schutz von Nichtzielorganismen stets unter windstillen Bedingungen ausgebracht werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Zierpflanzen | Phytophthora-Arten (Phytophthora species), Falsche Mehltaupilze (Peronosporaceae) | 10–99 | 0.4 LITER_PER_HECTARE | — |
| Kartoffel | Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) | 31–91 | 0.4 LITER_PER_HECTARE | 7T |
| Zierpflanzen | Phytophthora-Arten (Phytophthora species), Falsche Mehltaupilze (Peronosporaceae) | 10–99 | 0.4 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wurzel- und Knollengemüse | Alternaria Arten (Alternaria sp.) | 15–45 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 14T |
| Zwiebelgemüse | Botrytis squamosa | 10–99 | 0.5 LITER_PER_HECTARE | 28T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Behandlung mit Carneol gegen Kraut- und Knollenfäule?
Die erste Anwendung sollte unbedingt präventiv erfolgen, bevor erste Symptome im Feld sichtbar sind. Ideal ist der Einsatz kurz vor dem Reihenschluss der Kultur oder bei offizieller Warndienstaufrufung, um einen lückenlosen Schutzfilm auf den Blättern aufzubauen.
Wie beeinflusst Niederschlag kurz nach der Applikation die Wirksamkeit von Carneol?
Carneol verfügt über eine exzellente Regenfestigkeit. Sobald der Spritzbelag auf den Blättern angetrocknet ist (in der Regel nach ca. 1 bis 2 Stunden), bleibt die Schutzwirkung auch bei nachfolgenden Regenfällen stabil erhalten, da der Wirkstoff stark an die kutikuläre Wachsschicht der Blätter bindet.
Warum ist Carneol besonders wertvoll für die Abschlussbehandlung im Kartoffelanbau?
Durch seine hervorragende Wirkung gegen Zoosporen minimiert Carneol das Risiko, dass Pilzsporen bei späten Niederschlägen oder während der Ernte vom infizierten Kraut auf die Knollen gespült werden. Dies beugt der gefürchteten Knollenfäule im Lager effektiv vor.
Kann Carneol bei hohen Temperaturen im Sommer ausgebracht werden?
Um Verdunstungsverluste und phytotoxische Reaktionen der Kultur zu vermeiden, sollten Behandlungen in den kühleren Morgen- oder Abendstunden durchgeführt werden, idealerweise bei Temperaturen unter 25 °C und ausreichender Luftfeuchtigkeit.
Wie lässt sich Carneol im Rahmen eines Anti-Resistenz-Managements bei Alternaria einsetzen?
Da der Wirkstoff Fluazinam als Multi-Site-Inhibitor (FRAC-Gruppe 29) ein extrem geringes Resistenzrisiko aufweist, eignet er sich hervorragend als Mischungs- oder Wechselpartner für spezifische Alternaria-Fungizide (wie SDHI oder Strobilurine), um deren Wirkungsverlust aktiv zu verhindern.
Welche Rolle spielt der pH-Wert des Wassers bei der Zubereitung der Spritzbrühe?
Carneol ist gegenüber unterschiedlichen Wasserqualitäten sehr stabil. Dennoch empfiehlt es sich, ein leicht saures bis neutrales Spritzwasser (pH-Wert 5,5 bis 7,0) zu verwenden, um die physikalische Stabilität der Tankmischung und die optimale Verteilung des Wirkstoffs zu unterstützen.