Wurzel- und Knollengemüse
Die BVL-Kulturgruppe „Wurzel- und Knollengemüse“ (Code: NNNVW) fasst eine botanisch und anbautechnisch diverse, aber im Pflanzenschutz sehr ähnlich behandelte Gruppe von Kulturen zusammen. Zu den wichtigsten Vertretern gehören Möhre, Knollensellerie, Rote Bete, Radieschen, Pastinak und Schwarzwurzel, aber auch Nischenkulturen wie Haferwurz, Topinambur oder der Knollige Kälberkropf. Allen diesen Kulturen ist gemein, dass der wirtschaftlich genutzte Ertragsteil unter der Erde wächst, was besondere Anforderungen an den Boden und den Pflanzenschutz stellt.
Die Gruppierung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erleichtert das Registrierungsverfahren für Pflanzenschutzmittel erheblich. Da viele dieser Kulturen als „Minor Crops“ (Sonderkulturen mit geringem Anbauumfang) gelten, können Zulassungen für die gesamte Gruppe oder im Rahmen von Lückenindikationen effizient auf weniger verbreitete Kulturen wie Meerrettich oder Speiserüben übertragen werden. Dies sichert dir als Anbauer die Verfügbarkeit wirksamer Pflanzenschutzmittel, auch wenn für einzelne Kulturen keine separaten Zulassungsverfahren wirtschaftlich rentabel wären.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Da das Erntegut im direkten Bodenkontakt steht, spielen bodenbürtige Schaderreger eine herausragende Rolle im Pflanzenschutzmanagement dieser Gruppe. Pilze wie *Rhizoctonia solani* und *Sclerotinia sclerotiorum* können die Wurzeln und Knollen direkt schädigen und zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten führen, die sich oft erst im Lager zeigen (z. B. durch *Botrytis cinerea*). Ein integrierter Ansatz ist hier unerlässlich: Eine weite Fruchtfolge, die sorgfältige Auswahl des Standorts zur Vermeidung von Staunässe und eine mechanische Bodenbearbeitung mindern den Infektionsdruck. Gegen tierische Schaderreger wie die Kleine Kohlfliege (*Delia radicum*) bei Kreuzblütlern (Radieschen, Rettich, Kohlrübe) helfen Kulturschutznetze und gezielte Insektizidbehandlungen beim Flug der adulten Tiere. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln musst du zwingend auf ein konsequentes Resistenzmanagement nach den Vorgaben von FRAC, IRAC und HRAC achten. Da innerhalb der Gruppe oft dieselben Wirkstoffklassen eingesetzt werden, ist der regelmäßige Wirkstoffwechsel (Wechsel der Wirkmechanismen) entscheidend, um die Entstehung resistenter Schaderreger-Populationen zu verhindern. Achte bei der Applikation zudem penibel auf die Einhaltung der kulturspezifischen Wartezeiten und die zugelassenen BBCH-Stadien, da Rückstände im Erntegut direkt die Vermarktungsfähigkeit beeinflussen.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob ein Pflanzenschutzmittel für alle Kulturen dieser Gruppe zugelassen ist?
Wenn ein Pflanzenschutzmittel eine Zulassung für die BVL-Gruppe „Wurzel- und Knollengemüse“ besitzt, gilt diese grundsätzlich für alle zugeordneten Kulturen. Du musst jedoch im Zulassungstext genau prüfen, ob es Einschränkungen gibt (z. B. „ausgenommen Radieschen“ oder „nur für Möhren“). Nutze die Filterfunktion in unserer Datenbank, um gezielt nach Anwendungen zu suchen, die für deine spezifische Kultur freigegeben sind.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um auf bodenbürtige Schaderreger wie Rhizoctonia zu kontrollieren?
Die kritischste Phase beginnt bereits beim Auflaufen und in der frühen Jugendentwicklung (BBCH 10–19). Kontrolliere deine Bestände regelmäßig auf Fehlstellen und ziehe verdächtige Pflanzen heraus, um die Wurzeln auf Verfärbungen oder Einschnürungen zu prüfen. Da spätere Behandlungen im Boden kaum noch Wirkung zeigen, sind vorbeugende Maßnahmen wie die Saatgutbeizung oder eine gezielte Bodenbehandlung vor oder bei der Saat entscheidend.
Wie gestalte ich das Resistenzmanagement bei aufeinanderfolgenden Kulturen dieser Gruppe?
Wenn du verschiedene Kulturen aus der Gruppe der Wurzel- und Knollengemüse in der Fruchtfolge hast (z. B. Möhren nach Sellerie), darfst du nicht blind dieselben Fungizide oder Herbizide wiederholen. Wechsle systematisch zwischen den HRAC- und FRAC-Klassen. Nutze unsere Produktdetails, um die Wirkstoffgruppen zu vergleichen, und plane deine Spritzfolge so, dass derselbe Wirkmechanismus maximal zweimal pro Saison zum Einsatz kommt.
Warum ist die Einhaltung des BBCH-Stadiums bei der Unkrautregulierung hier besonders kritisch?
Viele Kulturen dieser Gruppe, wie Möhren oder Pastinaken, wachsen in der Jugendphase sehr langsam und sind extrem konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern. Herbizidanwendungen müssen exakt auf das BBCH-Stadium der Kultur abgestimmt sein (oft im Keimblatt- bis 2-Laubblatt-Stadium), da zu frühe oder überdosierte Behandlungen die empfindlichen Keimlinge schädigen (Phytotoxizität), während zu späte Behandlungen die etablierten Unkräuter nicht mehr erfassen.
Wie kann ich Lagerfäulen wie Sclerotinia oder Botrytis bereits auf dem Feld bekämpfen?
Der Grundstein für ein gesundes Lagergut wird im Feld gelegt. Behandlungen mit Fungiziden in den späten BBCH-Stadien (vor der Ernte, unter Beachtung der Wartezeit) mindern den latenten Befall. Achte zudem auf eine schonende Ernte, um mechanische Beschädigungen der Wurzeln zu vermeiden, da Wunden die Haupteintrittspforten für *Botrytis cinerea* und *Sclerotinia sclerotiorum* während der Lagerung sind.
Was muss ich bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen von Lückenindikationen (Artikel 51) beachten?
Für viele kleinere Kulturen der Gruppe (wie Knolliger Kälberkropf oder Bocksbart) gibt es oft keine reguläre Zulassung. Hier greifen oft Genehmigungen nach Artikel 51 der EU-Verordnung 1107/2009 (Lückenindikation). Beachte, dass bei diesen Anwendungen das Risiko für eventuelle Schäden an der Kultur (Phytotoxizität) oder mangelnde Wirksamkeit allein beim Anwender liegt. Teste das Mittel im Zweifel vorab auf einer kleinen Teilfläche.