Zierpflanzen
Die BVL-Kulturhauptgruppe „Zierpflanzen“ (Code: NNNZZ) bündelt eine botanisch und phytomedizinisch äußerst diverse Gruppe von Kulturen, die primär für ästhetische Zwecke im Erwerbsgartenbau, im Freiland sowie unter Glas angebaut werden. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Schnittblumen, Stauden, Zimmerpflanzen, Sommerblumen sowie Baumschulgehölzpflanzen und Ziergehölze. Auch spezialisierte Segmente wie Blumenzwiebeln, Knollengewächse sowie spezifische Gattungen wie Dianthus-Arten, Alstroemeria-Arten oder Hauswurz (Sempervivum sp.) sind hier regulatorisch zusammengefasst.
Die Zusammenfassung dieser heterogenen Kulturen unter einer gemeinsamen Registrierungsgruppe erleichtert das Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel erheblich. Da viele Zierpflanzen im Vergleich zu landwirtschaftlichen Großkulturen als „Sonderkulturen“ mit geringerem Marktvolumen gelten (Minor Crops), ermöglicht die Gruppenregistrierung den Herstellern und Anwendern, Pflanzenschutzmittel effizient für das gesamte Spektrum oder definierte Untergruppen zuzulassen, ohne für jede einzelne Art separate, kostenintensive Rückstands- und Wirksamkeitsprüfungen durchführen zu müssen.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Der Pflanzenschutz im Zierpflanzenbau ist durch eine extrem niedrige optische Schadensschwelle geprägt, da bereits geringfügige Schäden an Blättern oder Blüten den Marktwert der Kulturen drastisch mindern. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören bodenbürtige Pathogene wie Rhizoctonia solani und Fusarium oxysporum, die Welken und Wurzelbrand verursachen, sowie Sclerotinia sclerotiorum und der allgegenwärtige Grauschimmel (Botrytis cinerea). Im Bereich der tierischen Schädlinge stellt insbesondere die Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci) aufgrund ihrer Vektorfunktion für Viren und ihrer schnellen Resistenzentwicklung eine massive Herausforderung dar. Zudem erfordern Unkräuter wie Poa annua, Apera spica-venti und Elymus repens sowie Algen und Moose (Bryophyta) im Container- und Freilandanbau ein konsequentes Herbizid- und Hygienemanagement. Ein integriertes Pflanzenschutzkonzept stützt sich stark auf vorbeugende Kulturmaßnahmen wie eine präzise Klimaführung im Gewächshaus, optimierte Bewässerung zur Vermeidung von Blattnässe und den gezielten Einsatz von biologischen Nützlingen. Beim chemischen Pflanzenschutz ist ein striktes Resistenzmanagement nach den Richtlinien von FRAC, IRAC und HRAC unerlässlich. Durch den systematischen Wechsel von Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen wird der Selektion resistenter Populationen – insbesondere bei schnelllebigen Schaderregern wie Bemisia tabaci oder Botrytis cinerea – entgegengewirkt. Gruppenregistrierungen bieten hierbei den Vorteil, dass zugelassene Pflanzenschutzmittel flexibel über verschiedene Kulturen hinweg im Rotationsverfahren eingesetzt werden können.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Zulassung für Zierpflanzen im Freiland von der Anwendung unter Glas?
Viele Pflanzenschutzmittel besitzen spezifische Zulassungsauflagen, die streng zwischen dem Anbau im Freiland und unter Glas (Gewächshaus) differenzieren. Während im Gewächshaus oft ganzjährig und unter kontrollierten Bedingungen therapiert werden kann, müssen im Freiland zusätzliche Abdrift- und Abschwemmungsauflagen (z. B. NT- und NW-Auflagen zum Schutz von Gewässern und Nichtzielorganismen) zwingend beachtet werden. Die genauen Anwendungsbestimmungen sind der jeweiligen Zulassung des Pflanzenschutzmittels zu entnehmen.
Warum ist das Resistenzmanagement bei der Bekämpfung von Bemisia tabaci in Zierpflanzenkulturen besonders kritisch?
Die Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci) weist aufgrund ihrer kurzen Generationszyklen und hohen Vermehrungsrate ein extrem hohes Risiko für die Ausbildung von Resistenzen auf. Ein wiederholter Einsatz von Insektiziden derselben IRAC-Klasse führt rasch zur Wirkungslosigkeit. Ein konsequenter Wirkstoffwechsel, kombiniert mit dem frühzeitigen Einsatz von Nützlingen (wie Schlupfwespen oder Raubmilben), ist daher für den Bekämpfungserfolg im integrierten Pflanzenschutz zwingend erforderlich.
Welche Rolle spielen die BBCH-Stadien bei der Anwendung von Fungiziden gegen Botrytis cinerea?
Die Anfälligkeit für Botrytis cinerea steigt mit zunehmender Gewebereife und insbesondere während der Blüte (ab BBCH-Stadium 60). Behandlungen sollten präventiv vor dem Schließen der Bestände oder vor kritischen Feuchteperioden erfolgen. Späte Anwendungen kurz vor der Vermarktung müssen zudem die Wartezeiten (PHI) und mögliche sichtbare Spritzrückstände auf den Blüten und Blättern berücksichtigen, um die Verkaufsfähigkeit nicht zu gefährden.
Wie lässt sich das Risiko von phytotoxischen Schäden bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in gemischten Zierpflanzenbeständen minimieren?
Da die Gruppe der Zierpflanzen botanisch extrem heterogen ist, reagieren einige Kulturen (z. B. empfindliche Schnittblumen oder bestimmte Stauden) hochsensibel auf bestimmte Wirkstoffe oder Formulierungshilfsstoffe. Vor einer großflächigen Anwendung sollte immer eine Probespritzung an einer kleinen Anzahl von Pflanzen durchgeführt und deren Verträglichkeit über mehrere Tage beobachtet werden, um Blattschäden oder Wachstumsdepressionen auszuschließen.
Woher weiß ich, ob ein Pflanzenschutzmittel für meine spezifische Zierpflanzenkultur zugelassen ist, wenn auf dem Etikett nur „Zierpflanzen“ steht?
Wenn ein Pflanzenschutzmittel für die übergeordnete BVL-Gruppe „Zierpflanzen“ (NNNZZ) zugelassen ist, gilt diese Zulassung für alle zugeordneten Kulturen dieser Gruppe, wie etwa Stauden, Zimmerpflanzen oder Ziergehölze. Im Pflanzenschutz-Hub können Sie gezielt nach der übergeordneten Gruppe filtern, um alle registrierten Produkte anzuzeigen, die für das gesamte Spektrum dieser Kulturen rechtssicher angewendet werden dürfen.
Welche Bedeutung hat die Betriebshygiene bei der Vermeidung von bodenbürtigen Schaderregern wie Rhizoctonia solani?
Da bodenbürtige Pilze wie Rhizoctonia solani und Fusarium oxysporum über Dauersporen im Substrat, an Stellflächen oder auf Arbeitsgeräten überdauern können, ist die chemische Bekämpfung oft nur mäßig erfolgreich. Eine strikte Betriebshygiene – einschließlich der Desinfektion von Tischen, Kisten und Werkzeugen sowie der ausschließlichen Verwendung von zertifiziertem, pathogenfreiem Vermehrungsmaterial und sterilen Substraten – bildet das Fundament, um Infektionsketten von vornherein zu unterbrechen.