Cliophar 600 SL
Cliophar 600 SL ist ein hochkonzentriertes, systemisches Herbizid zur selektiven Bekämpfung von schwer bekämpfbaren zweikeimblättrigen Unkräutern in landwirtschaftlichen Kulturen wie Raps, Rüben und Mais. Als wasserlösliches Konzentrat (SL) formuliert, zeichnet sich das Pflanzenschutzmittel durch eine hervorragende Löslichkeit und einfache Handhabung in der landwirtschaftlichen Praxis aus. Es hat sich als verlässliche Standardlösung etabliert, um hartnäckige Unkrautprobleme gezielt und kulturschonend zu lösen.
Das Wirkspektrum konzentriert sich insbesondere auf tiefwurzelnde Problemunkräuter sowie wichtige Korbblütler. Zu den Hauptschaderregern gehören die Acker-Kratzdistel sowie verschiedene Kamille-Arten (einschließlich der Acker-Hundskamille). Durch die ausgeprägte systemische Wirkung wird nicht nur die oberirdische Blattmasse erfasst, sondern der Wirkstoff transportiert sich bis tief in das Wurzelsystem, was eine nachhaltige Bekämpfung ausdauernder Unkräuter garantiert.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der enthaltene Wirkstoff Clopyralid gehört zur chemischen Gruppe der Pyridincarbonsäuren und ist im HRAC-System der Gruppe 4 (synthetische Auxine, ehemals Gruppe O) zugeordnet. Nach der Aufnahme über die Blätter und in geringem Maße über die Wurzeln wird der Wirkstoff rasch akropetal und basipetal im Phloem und Xylem der Pflanze transportiert. Er sammelt sich vor allem in den meristematischen Geweben der Spross- und Wurzelvegetationspunkte an. Im Inneren der Zielpflanze imitiert Clopyralid das natürliche Pflanzenhormon Auxin (Indol-3-essigsäure). Dies führt zu einer unkontrollierten Überstimulation des Zellwachstums, einer Störung des Hormonhaushalts und letztlich zum Zusammenbruch des pflanzlichen Transportsystems. Typische Symptome sind charakteristische Verkrümmungen (Epinastien) an Stängeln und Blättern, gefolgt von Chlorosen und dem vollständigen Absterben des Schaderregers innerhalb weniger Wochen.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von Resistenzen bei den Zielunkräutern wirksam vorzubeugen, sollte Cliophar 600 SL stets in ein integriertes Unkrautmanagement (IWM) eingebunden werden. Da Clopyralid der HRAC-Gruppe 4 angehört, ist ein regelmäßiger Wirkstoffwechsel mit Herbiziden anderer Wirkmechanismen in der Fruchtfolge dringend zu empfehlen. Zudem sollte die mechanische Unkrautbekämpfung, wo anwendbar, als ergänzende Maßnahme genutzt werden, um den Selektionsdruck auf einzelne Wirkstoffklassen zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Cliophar 600 SL weist eine breite physikalische und chemische Mischbarkeit mit vielen gängigen Herbiziden, Graminiziden und Fungiziden auf, die in den zugelassenen Kulturen eingesetzt werden. Bei Tankmischungen ist darauf zu achten, dass die jeweiligen optimalen BBCH-Stadien der Kulturen übereinstimmen. Die Zugabe von Netzmitteln oder Additiven ist in der Regel nicht erforderlich, kann jedoch unter extrem trockenen Bedingungen die Wirkstoffaufnahme über die Wachsschicht der Unkräuter verbessern. Es wird empfohlen, vor der großflächigen Anwendung eine Mischprobe in einer kleinen Wassermenge durchzuführen und die Spritzbrühe zügig auszubringen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Cliophar 600 SL sind die vorgeschriebenen persönlichen Schutzmaßnahmen beim Ansetzen und Ausbringen strikt einzuhalten. Zum Schutz von Gewässerorganismen und der terrestrischen Flora und Fauna sind die in der Zulassung definierten Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und Saumstrukturen zu beachten. Der Wirkstoff Clopyralid gilt als nicht bienengefährlich (B4), dennoch sollte eine Anwendung in direkt blühenden Beständen oder an Orten, an denen Bienen aktiv fliegen, im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes vermieden werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Zuckerrübe | Acker-Kratzdistel | — | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Zuckerrübe | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Baumschulgehölzpflanzen | Acker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Mais | Acker-Kratzdistel | — | 0.2 LITER_PER_HECTARE | 60T |
| Futterrübe | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | — | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 0–50 | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Futterrübe | Acker-Kratzdistel | — | 0.2 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Bekämpfung der Acker-Kratzdistel mit Cliophar 600 SL?
Die beste Wirkung gegen die Acker-Kratzdistel wird erzielt, wenn sich die Disteln im aktiven Wachstum befinden und eine Rosettengröße von etwa 15 bis 20 cm erreicht haben, noch vor dem Strecken des Stängels. Zu diesem Zeitpunkt ist die Blattfläche groß genug, um ausreichend Wirkstoff aufzunehmen, der dann effizient in das weitreichende Wurzelsystem transportiert wird.
Wie beeinflusst die Witterung die Wirkung von Cliophar 600 SL nach der Anwendung?
Für eine optimale Wirkung sind wüchsige Wetterbedingungen mit Temperaturen zwischen 12 °C und 20 °C ideal, da der systemische Transport im Saftstrom der Unkräuter dann am aktivsten ist. Nach der Behandlung sollte eine regenfreie Zeit von mindestens 2 bis 4 Stunden gewährleistet sein, damit der Wirkstoff vollständig in das Blattgewebe eindringen kann.
Gibt es Einschränkungen für den Nachbau von Folgekulturen nach dem Einsatz von Cliophar 600 SL?
Da der Wirkstoff Clopyralid im Boden stabil sein kann, müssen die Abbaubedingungen beachtet werden. Nach dem regulären Einsatz in Rüben oder Raps können im Rahmen der normalen Fruchtfolge Getreide, Mais oder Raps nachgebaut werden. Bei sehr empfindlichen Folgekulturen wie Leguminosen (z. B. Erbsen, Ackerbohnen) im Folgejahr wird eine tiefe Bodenbearbeitung (Pflügen) empfohlen, um das Risiko von phytotoxischen Schäden zu minimieren.
Kann Cliophar 600 SL auch bei niedrigen Temperaturen im zeitigen Frühjahr eingesetzt werden?
Ein Einsatz bei sehr niedrigen Temperaturen oder Nachtfrösten wird nicht empfohlen. Da es sich um einen systemischen Wuchsstoff handelt, stagniert die Wirkung bei fehlendem Pflanzenwachstum. Die Temperaturen sollten tagsüber stabil über 10 °C liegen, um eine unzureichende Wirkstoffverteilung in der Zielpflanze zu verhindern.
Warum ist die systemische Wirkung bis in die Wurzeln bei diesem Produkt so wichtig?
Ausdauernde Unkräuter wie die Acker-Kratzdistel regenerieren sich extrem schnell aus ihren tiefen Wurzelknospen. Reine Kontakt- oder oberflächliche Herbizide schädigen nur das Laub, woraufhin die Pflanze erneut austreibt. Die systemische Wirkung von Cliophar 600 SL sorgt dafür, dass der Wirkstoff bis in die Wurzelspitzen transportiert wird, was den gesamten Vegetationspunkt dauerhaft abtötet.