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Kulturgruppe

Baumschulgehölzpflanzen

4 Mitgliedskulturen
NNNBA

Die BVL-Kulturgruppe „Baumschulgehölzpflanzen“ (Code: NNNBA) fasst eine botanisch und nutzungstechnisch sehr diverse Gruppe von Gehölzen zusammen, die im Rahmen der Baumschulproduktion vermehrt und herangezogen werden. Hierzu gehören forstlich, landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Kulturen wie die Korbweide (Salix viminalis) und die Schlehe (Prunus spinosa), aber auch breite Sammelkategorien wie Obstgehölze und Ziergehölze. Die Zusammenfassung in dieser Gruppe erleichtert die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln für den Baumschulsektor erheblich, da viele dieser Kulturen unter sehr ähnlichen Freiland- oder Containerbedingungen kultiviert werden.

Da die einzelnen Gehölzarten oft Nischensegmente darstellen, für die sich herstellerseitige Einzelzulassungen wirtschaftlich kaum lohnen würden, ist die Gruppenregistrierung ein unverzichtbares Werkzeug für die Praxis. Sie stellt sicher, dass Baumschulbetriebe auf ein breites Spektrum an Pflanzenschutzmitteln zurückgreifen können, um die Vitalität und Marktkonformität der Jungpflanzen zu sichern. Die enorme botanische Vielfalt innerhalb der Gruppe erfordert jedoch stets eine genaue Prüfung der Verträglichkeit vor einer großflächigen Anwendung.

Pflanzenschutz auf Gruppenebene

Der Pflanzenschutz in Baumschulgehölzen ist durch ein breites Spektrum an Schaderregern geprägt. Krautige Unkräuter wie Poa annua, Elymus repens oder Senecio vulgaris sowie hartnäckige Wurzelunkräuter wie Calystegia sepium und Equisetum arvense können die jungen Gehölze insbesondere in der Etablierungsphase stark bedrängen. Zudem stellen pilzliche Erreger wie Botrytis cinerea in dichten Beständen oder Vermehrungsbeeten sowie tierische Schädlinge wie die Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci) und pflanzenparasitäre Nematoden erhebliche Risiken für die Pflanzenqualität dar. Ein integriertes Management setzt primär auf mechanische Unkrautregulierung, optimale Standraumgestaltung, konsequente Hygiene bei der Vermehrung und den gezielten Einsatz von Nützlingen. Beim chemischen Pflanzenschutz ist das Resistenzmanagement nach den Richtlinien von FRAC, IRAC und HRAC von zentraler Bedeutung. Da Baumschulflächen oft über Jahre hinweg intensiv genutzt werden, ist der systematische Wirkstoffwechsel (Wechsel der Wirkstoffklassen) zwingend erforderlich, um Selektionseffekte und Resistenzbildungen zu vermeiden. Bei Herbizidanwendungen ist zudem besonders auf die Selektivität zu achten, da junge Triebe, frisch veredelte Gehölze oder empfindliche Laubgehölzarten empfindlich auf Abdrift oder bodenwirksame Herbizide reagieren können.

Kulturen in dieser Gruppe

KorbweideSAXVI
ObstgehölzeNNNOG
SchlehePRNSN
ZiergehölzeNNNZG

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie vermeidest du Phytotox-Schäden bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in dieser heterogenen Kulturgruppe?

Da die Gruppe sehr unterschiedliche Kulturen wie Obst- und Ziergehölze umfasst, reagieren die Pflanzen sehr verschieden auf Wirkstoffe und Formulierungshilfsstoffe. Führe vor einer großflächigen Behandlung immer eine Probespritzung an einigen Testpflanzen durch und beobachte diese über mehrere Tage. Achte besonders bei empfindlichen Jungpflanzen und frisch ausgetriebenen Laubgehölzen auf weiche Blattstrukturen und vermeide Spritzungen bei praller Sonne oder extremen Temperaturen.

Gilt eine Zulassung für „Baumschulgehölzpflanzen“ automatisch für alle meine Kulturen im Betrieb?

Ja, rechtlich deckt die Zulassung für die Gruppe NNNBA alle zugehörigen Kulturen ab, einschließlich Korbweide, Schlehe sowie Obst- und Ziergehölze. Dennoch entbindet dich das nicht von der fachlichen Sorgfaltspflicht: Die Verträglichkeit kann je nach Sorte, BBCH-Stadium und Witterung stark variieren, weshalb herstellerspezifische Hinweise zur Sortenverträglichkeit zwingend zu beachten sind.

Wie gestaltest du das Herbizid-Resistenzmanagement bei der Bekämpfung von hartnäckigen Gräsern wie der Einjährigen Rispe?

Gegen Poa annua und Elymus repens solltest du konsequent zwischen verschiedenen HRAC-Klassen wechseln. Kombiniere bodenwirksame Vorauflaufherbizide mit blattaktiven Nachauflauf-Graminiziden (z. B. HRAC-Gruppe 1/A). Verlasse dich nicht allein auf chemische Wirkstoffe, sondern integriere mechanische Maßnahmen wie Hacken, Untersaat oder Mulchen in deinen Kulturverlauf.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um auf Nematodenbefall im Boden zu kontrollieren?

Eine Bodenanalyse auf pflanzenparasitäre Nematoden solltest du idealerweise im Spätsommer oder frühen Herbst durchführen, bevor du neue Gehölze aufschulst. Zu diesem Zeitpunkt sind die Populationen im Boden gut nachweisbar. Bei akutem Verdacht im stehenden Bestand hilft nur eine kombinierte Boden- und Wurzelprobe direkt aus der Rhizosphäre betroffener Kümmerpflanzen.

Welche vorbeugenden Maßnahmen helfen dir, den Druck durch Botrytis cinerea in Vermehrungsbeeten zu senken?

Da Botrytis cinerea ein feucht-warmes Mikroklima bevorzugt, steht die Kulturführung im Vordergrund: Optimiere die Belüftung im Gewächshaus oder Folientunnel, vermeide Überkopf-Bewässerung in den Abendstunden und halte die Bestandsdichte moderat. Chemische Behandlungen mit Fungiziden (unter Beachtung des FRAC-Wechsels) sollten rein präventiv bei hoher Luftfeuchtigkeit oder unmittelbar nach mechanischen Verletzungen, wie z. B. nach dem Rückschnitt oder dem Stecken, erfolgen.