Baumschulgehölzpflanzen
Die BVL-Kulturgruppe „Baumschulgehölzpflanzen“ (Gruppe NNNBA) bündelt eine forstlich, gärtnerisch und landwirtschaftlich bedeutende Vielfalt an verholzenden Kulturen. Diese Zusammenfassung ist für das Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln von zentraler Bedeutung, da sie Kulturen mit ähnlichen physiologischen Eigenschaften, Wachstumsbedingungen und Schaderreger-Spektren unter einem regulatorischen Dach vereint. Dies erleichtert die Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen von Lückenindikationen und Gruppenzulassungen erheblich.
Zu den repräsentativen Mitgliedern dieser Gruppe gehören sowohl forstlich und gewerblich genutzte Arten wie die Korbweide (Salix viminalis) und die Schlehe (Prunus spinosa) als auch die wirtschaftlich bedeutenden Segmente der Obstgehölze und Ziergehölze. Trotz ihrer unterschiedlichen Endnutzung teilen diese Kulturen in der Baumschulphase ähnliche Ansprüche an den Kulturraum, die Bodenpflege und den Schutz vor Schaderregern, was eine gemeinsame regulatorische Betrachtung rechtfertigt.
Pflanzenschutz auf Gruppenebene
Der Pflanzenschutz in Baumschulgehölzen erfordert aufgrund der langen Standzeiten und der hohen Qualitätsansprüche an das Pflanzgut ein integriertes Management. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Unkrautregulierung, da ausdauernde Arten wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) und der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) sowie einjährige Unkräuter wie das Gewöhnliche Greiskraut (Senecio vulgaris) eine starke Konkurrenz darstellen. Zudem gefährden pilzliche Schaderreger wie Botrytis cinerea und tierische Schädlinge wie Nematoden oder die Tabakmottenschildlaus (Bemisia tabaci) die Vitalität und Marktfähigkeit der Jungpflanzen. Bei der chemischen Regulierung ist die strikte Einhaltung des Resistenzmanagements (Wechsel der Wirkstoffklassen nach FRAC, IRAC und HRAC) unerlässlich, um Selektionsdruck zu vermeiden. Da Zulassungen für die gesamte Gruppe der Baumschulgehölzpflanzen gelten, können Anwender flexibel auf wechselnden Befallsdruck reagieren. Dabei müssen jedoch stets die spezifischen Verträglichkeiten der einzelnen Kulturen – insbesondere bei empfindlichen Ziergehölzen – im Vorfeld durch Probespritzungen überprüft werden, da phytotoxische Reaktionen sorten- und artenabhängig stark variieren können.
Kulturen in dieser Gruppe
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Zulassung für „Baumschulgehölzpflanzen“ von Einzelzulassungen?
Eine Zulassung für die BVL-Gruppe „Baumschulgehölzpflanzen“ (NNNBA) deckt alle zugehörigen Kulturen wie Obstgehölze, Ziergehölze, Schlehen und Korbweiden ab. Dies vereinfacht die Anwendung im Betrieb enorm, da nicht für jede einzelne Gehölzart eine separate Genehmigung vorliegen muss. Dennoch ist die Kulturverträglichkeit vorab auf kleinen Flächen zu prüfen.
Warum ist bei Herbizidanwendungen in Baumschulgehölzen besondere Vorsicht geboten?
Da die Gruppe Kulturen mit sehr unterschiedlicher Rindenstruktur und Wurzelarchitektur umfasst, können Boden- und Blattherbizide je nach Entwicklungsstadium phytotoxisch wirken. Besonders bei der Bekämpfung von Problemunkräutern wie dem Acker-Schachtelhalm oder der Zaun-Winde ist eine gezielte, abschirmende Ausbringung oder die Nutzung von Dochtgeräten ratsam, um Kulturkontakte zu vermeiden.
Wie integriere ich das FRAC-System bei der Bekämpfung von Botrytis cinerea in dieser Gruppe?
Botrytis cinerea besitzt ein hohes Risiko für Resistenzbildungen. Beim Einsatz von Fungiziden in Baumschulgehölzen müssen Wirkstoffe aus unterschiedlichen FRAC-Klassen im Wechsel eingesetzt werden. Einseitige Behandlungen mit derselben Wirkstoffgruppe sind strikt zu vermeiden, um die Wirksamkeit der Pflanzenschutzmittel langfristig zu sichern.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Nematodenbekämpfung in Baumschulquartieren?
Nematoden schädigen das Feinwurzelsystem und begünstigen Sekundärinfektionen. Die Überwachung und Probenahme sollte vor der Neupflanzung im Spätsommer oder Herbst erfolgen. Eine Bekämpfung oder vorbeugende Maßnahme (wie der Anbau von Feindpflanzen oder der Einsatz zugelassener Nematizide) ist am effektivsten vor dem Pflanzenbezug, um einen sauberen Start der Kulturen zu gewährleisten.
Wie finde ich im Portal gezielt Pflanzenschutzmittel, die für die gesamte Gruppe zugelassen sind?
Nutzen Sie in der Produktsuche den Filter für den BVL-Code „NNNBA“ oder den Begriff „Baumschulgehölzpflanzen“. Dadurch werden Ihnen alle Pflanzenschutzmittel angezeigt, die eine generelle Zulassung für diese Gruppe besitzen. Achten Sie in den Anwendungsbestimmungen darauf, ob einzelne Kulturen explizit von der Zulassung ausgenommen sind.
Welche Rolle spielen die BBCH-Stadien bei der Behandlung von Gehölzen im Winter oder zeitigen Frühjahr?
Viele Anwendungen, insbesondere Austriebsspritzungen oder Behandlungen gegen Moosbefall (Bryophyta), sind an spezifische BBCH-Stadien wie die Knospenruhe (BBCH 00) oder das Aufbrechen der Knospen (BBCH 01–09) gebunden. Behandlungen außerhalb dieser Fenster können zu schweren Knospenschäden oder unzureichender Wirkung führen, weshalb die genaue Bonitur des Entwicklungsstadiums entscheidend ist.