Lenox
Lenox ist ein hochwirksames, systemisches Herbizid zur selektiven Bekämpfung von einjährigen zweikeimblättrigen Unkräutern in einer Vielzahl von Getreidekulturen. Mit dem bewährten Wirkstoff Fluroxypyr (288 g/l) bietet dieses Pflanzenschutzmittel eine hervorragende Flexibilität und Zuverlässigkeit bei der Unkrautkontrolle im Frühjahr. Es ist als flüssiges Konzentrat formuliert, was eine einfache Handhabung, schnelle Löslichkeit und eine optimale Aufnahme durch die Blätter der Zielpflanzen gewährleistet.
Die besondere Stärke von Lenox liegt in der herausragenden Wirkung gegen schwer bekämpfbare Schaderreger wie das Kletten-Labkraut (Galium aparine), selbst wenn dieses bereits fortgeschrittene Entwicklungsstadien erreicht hat. Durch die systemische Verteilung im Saftstrom der Unkräuter werden auch tief wurzelnde Arten nachhaltig erfasst. Dies führt zu einem raschen Wachstumsstopp und dem anschließenden Absterben der Konkurrenzvegetation, wodurch die Ertragsbildung der Kulturen effektiv gesichert wird.
Dank der breiten Zulassung in wichtigen Getreidearten wie Winterweichweizen, Wintergerste, Winterroggen, Wintertriticale sowie Sommergerste und Sommerweichweizen lässt sich Lenox hervorragend in bestehende Pflanzenschutzstrategien integrieren. Die Anwendung kann flexibel über eine lange Zeitspanne vom Dreiblattstadium bis zum Erscheinen des Fahnenblattes (BBCH 13–39) erfolgen, was dem Landwirt einen großen Spielraum bei der Terminierung gibt.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in Lenox enthaltene Wirkstoff Fluroxypyr gehört zur chemischen Gruppe der synthetischen Auxine (Wuchsstoffe) und ist in die HRAC-Gruppe 4 (ehemals Gruppe O) eingestuft. Nach der Applikation wird der Wirkstoff rasch über die grünen Pflanzenteile aufgenommen und systemisch sowohl akropetal als auch basipetal in der gesamten Pflanze verteilt, wobei er sich besonders in den meristematischen Geweben anreichert. In den Zielpflanzen imitiert Fluroxypyr das natürliche Pflanzenhormon Indol-3-essigsäure (Auxin). Dies führt zu einer unkontrollierten Überstimulation des Zellwachstums und der Zellteilung. Die betroffenen Schaderreger zeigen schnell typische Wuchsanomalien wie Epinstie (charakteristische Verkrümmungen von Stängeln und Blättern), gefolgt von einer Störung des gesamten Nährstoff- und Wassertransports, was letztlich zum vollständigen Absterben der Unkräuter führt.
Resistenzmanagement
Zur Vermeidung von Resistenzbildungen bei den Zielunkräutern sollte Lenox stets im Rahmen eines integrierten Unkrautmanagements eingesetzt werden. Da Fluroxypyr der HRAC-Gruppe 4 angehört, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel mit Herbiziden anderer Wirkungsmechanismen (wie z. B. ALS-Inhibitoren oder Bodenherbiziden) in der Fruchtfolge dringend zu empfehlen. Zudem sollte die Anwendung stets bei optimalen Wuchsbedingungen und mit der vollen zugelassenen Aufwandmenge durchgeführt werden, um eine unvollständige Bekämpfung und die Selektion widerstandsfähiger Biotypen zu verhindern.
Mischbarkeit & Tankmischung
Lenox zeichnet sich durch eine hervorragende Mischbarkeit mit vielen gängigen Fungiziden, Wachstumsreglern und flüssigen Stickstoffdüngern (wie AHL) aus. Bei der Herstellung von Tankmischungen ist darauf zu achten, dass die einzelnen Mischungspartner nacheinander im wassergefüllten Tank vollständig gelöst werden, wobei Lenox in der Regel als eine der letzten Komponenten hinzugefügt wird. Eine ausreichende Wassermenge von mindestens 200–400 l/ha sichert eine gleichmäßige Benetzung der Unkrautflora. Bei extremen Witterungsbedingungen wie Frost oder starker Hitze sollte von Mischungen abgesehen werden, um die Kulturverträglichkeit nicht zu gefährden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Lenox ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug und robusten Schutzhandschuhen, zu tragen. Zum Schutz von Gewässerorganismen und Nichtzielpflanzen sind die in der Zulassung festgelegten Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und Saumstrukturen strikt einzuhalten. Der Wirkstoff Fluroxypyr ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte die Behandlung im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes außerhalb des aktiven Bienenflugs in den Abendstunden durchgeführt werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Sommergerste | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.9 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterroggen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.9 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintergerste | Kletten-Labkraut | 30–39 | 0.9 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.9 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintertriticale | Kletten-Labkraut | 30–39 | 0.9 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintergerste | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.9 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterroggen | Kletten-Labkraut | 30–39 | 0.9 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sommerweichweizen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.9 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Kletten-Labkraut | 30–39 | 0.9 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintertriticale | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.9 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit Lenox gegen Kletten-Labkraut?
Der beste Bekämpfungserfolg wird erzielt, wenn sich das Kletten-Labkraut im aktiven Wachstum befindet und die Temperaturen tagsüber stabil über 8 °C liegen. Obwohl Lenox flexibel bis zum BBCH-Stadium 39 zugelassen ist, führt eine frühzeitige Behandlung im Bereich BBCH 13 bis 29 zu einer schnellen Ausschaltung der Konkurrenz und schont die Ertragsanlagen der Kultur am effektivsten.
Wie verhält sich Lenox bei kühlen Temperaturen im zeitigen Frühjahr?
Fluroxypyr benötigt für eine optimale systemische Wirkung aktiven Stoffwechsel in der Pflanze. Zwar verträgt der Wirkstoff kühle Nächte gut, die Tagestemperaturen sollten für einen schnellen Wirkungseintritt jedoch idealerweise über 8 bis 10 °C liegen. Bei anhaltendem Frost oder extremen Temperaturschwankungen sollte die Anwendung verschoben werden, um Kulturstress zu vermeiden.
Kann Lenox in Wasserschutzgebieten uneingeschränkt eingesetzt werden?
Der Einsatz von Lenox unterliegt den spezifischen regionalen Auflagen für Wasserschutzgebiete (WSG). Da Fluroxypyr mobil im Boden sein kann, sind die lokalen Anwendungsverbote oder -beschränkungen in den jeweiligen Schutzgebietsverordnungen sowie die spezifischen Gewässerabstandsauflagen (z. B. NW-Auflagen des BVL) zwingend vor der Behandlung zu prüfen.
Welche Unkräuter werden neben Kletten-Labkraut noch zuverlässig erfasst?
Neben dem Hauptziel Kletten-Labkraut erfasst Lenox ein breites Spektrum einjähriger zweikeimblättriger Schaderreger. Dazu gehören unter anderem Ampfer-Arten, Vogelmiere, Windenknöterich und andere Knöterich-Arten sowie Ausfallraps. Weniger empfindlich sind in der Regel Kamille-Arten und Ehrenpreis, weshalb hier bei starkem Besatz Mischungspartner sinnvoll sein können.
Wie lange ist die Wartezeit (PHI) von Lenox in Getreide?
Für Lenox ist die Wartezeit durch die zugelassenen BBCH-Stadien der Kulturen abgedeckt (F). Da die letzte zulässige Anwendung bis zum Ende des Schossens (BBCH 39) erfolgen darf, ist keine explizite Wartezeit in Tagen vorgeschrieben, da bis zur Ernte ausreichend Zeit für den natürlichen Abbau des Wirkstoffs in der Kultur vergeht.
Was muss bei der Nachbauplanung nach dem Einsatz von Lenox beachtet werden?
Nach dem regulären Einsatz von Lenox im Getreide können im Rahmen der normalen Fruchtfolge im folgenden Herbst oder Frühjahr alle üblichen Kulturen nachgebaut werden. Sollte es zu einem vorzeitigen Umbruch der Kultur kommen, empfiehlt sich eine tiefe Bodenbearbeitung (Pflügen) vor der Neueinsaat empfindlicher zweikeimblättriger Kulturen wie Leguminosen oder Rüben.