MULTIVO
MULTIVO ist ein hochwirksames, flüssiges Fungizid-Formulierungskonzentrat (SC) mit dem bewährten Wirkstoff Folpet (500 g/l). Als vielseitig einsetzbares Pflanzenschutzmittel nimmt es eine Schlüsselrolle sowohl im modernen Ackerbau als auch im Weinbau ein. Es schützt eine breite Palette von Kulturen – darunter Weichweizen, Hartweizen, Spelt, Triticale, Gerste und Weinreben – zuverlässig vor ertragsmindernden Pilzkrankheiten.
Im Weinbau bietet das Produkt einen hervorragenden Schutz gegen wirtschaftlich bedeutende Schaderreger wie den Falschen Mehltau (Plasmopara viticola), den Roten Brenner und die Schwarzfleckenkrankheit (Phomopsis viticola). Im Getreidebau sichert es die Bestände effektiv gegen Septoria-Blattdürre, Netzflecken, Zwergrost und die gefürchtete Sprenkelkrankheit (Ramularia collo-cygni) ab. Durch seine hervorragende Formulierung haftet der Spritzbelag optimal auf den Pflanzenteilen und sorgt für einen langanhaltenden Schutzfilm.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in MULTIVO enthaltene Wirkstoff Folpet gehört zur chemischen Gruppe der Phthalimide und wird in die FRAC-Gruppe M04 (Multi-Site-Inhibitoren) eingestuft. Im Gegensatz zu systemischen Spezialfungiziden greift Folpet an mehreren Stellen gleichzeitig in den Stoffwechsel der Pilzzellen ein. Es blockiert wichtige enzymatische Prozesse, stört die Zellatmung und verhindert die Keimung der Pilzsporen sowie das Wachstum des Keimschlauchs auf der Pflanzenoberfläche. Da dieser biochemische Eingriff an multiplen Zielorten (Multi-Site) stattfindet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Schaderreger eine Resistenz gegen diesen Wirkstoff entwickeln, äußerst gering. MULTIVO wirkt rein protektiv und muss daher vorbeugend appliziert werden, um die Kulturen vor dem Eindringen der Pilzhyphen in das Pflanzengewebe zu schützen.
Resistenzmanagement
Aufgrund seines Multi-Site-Wirkungsmechanismus ist MULTIVO ein unverzichtbarer Baustein in jeder Anti-Resistenzstrategie. Es eignet sich hervorragend als Mischpartner für systemische Fungizide (wie SDHIs oder Azole), die aufgrund ihres spezifischen Wirkungsorts ein hohes Resistenzrisiko aufweisen. Durch die Kombination schützt du diese gefährdeten Wirkstoffklassen aktiv vor Selektion und erhältst deren Wirksamkeit langfristig. Integriere MULTIVO stets frühzeitig und vorbeugend in deine Spritzfolgen und wechsle die Wirkstoffklassen regelmäßig ab.
Mischbarkeit & Tankmischung
MULTIVO zeichnet sich durch eine sehr gute Mischbarkeit mit den gängigen Fungiziden, Insektiziden und Wachstumsreglern aus. Bei geplanten Tankmischungen solltest du dennoch vorab eine physikalische Verträglichkeitsprobe (Kübeltest) durchführen. Vermeide Mischungen mit stark alkalischen Produkten oder konzentrierten Ölen, da diese die Kulturverträglichkeit beeinträchtigen können. Achte auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge und eine gleichmäßige Benetzung der gesamten Kultur, insbesondere bei dichtem Laubdach im Weinbau oder geschlossenen Getreidebeständen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit MULTIVO ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA) einschließlich Schutzanzug und Schutzhandschuhen zu tragen. Um Einträge in Oberflächengewässer und angrenzende Biotope zu vermeiden, sind die allgemeinen Abdriftminderungsauflagen strikt einzuhalten. Da keine spezifische Bienengefährdungsklasse im Datenblatt ausgewiesen ist, solltest du zum Schutz von Bestäubern das Pflanzenschutzmittel grundsätzlich nicht auf blühende Kulturen oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Nahrungssuche sind, ausbringen. Verlege die Anwendung vorzugsweise in die späten Abendstunden nach dem täglichen Bienenflug.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Hartweizen | Septoria-Blattdürre (Septoria tritici) | 30–59 | 1.5 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Gerste | Netzfleckenkrankheit (Pyrenophora teres), Zwergrost (Puccinia hordei), Echter Mehltau (Erysiphe graminis) | 30–59 | 1.5 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Weinrebe | Phomopsis viticola | 0–61 | 1 LITER_PER_HECTARE | 28T |
| Weinrebe | Roter Brenner (Pseudopezicula tracheiphila) | 0–61 | 1 LITER_PER_HECTARE | 56T |
| Weichweizen | Septoria-Blattdürre (Septoria tritici) | 30–59 | 1.5 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Weinrebe | Falscher Mehltau (Plasmopara viticola) | — | 0.6 LITER_PER_HECTARE | 28T |
| Weinrebe | Falscher Mehltau (Plasmopara viticola) | — | 0.6 LITER_PER_HECTARE | 56T |
| Triticale | Gelbrost (Puccinia striiformis), Septoria-Arten (Septoria spp.) | 30–59 | 1.5 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Dinkel | Septoria-Blattdürre (Septoria tritici) | 30–59 | 1.5 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Weinrebe | Roter Brenner (Pseudopezicula tracheiphila) | 0–61 | 1 LITER_PER_HECTARE | 28T |
| Weinrebe | Phomopsis viticola | 0–61 | 1 LITER_PER_HECTARE | 56T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung mit MULTIVO im Getreide?
Du solltest MULTIVO immer vorbeugend (protektiv) einsetzen, bevor die ersten Infektionssymptome im Feld sichtbar werden. Der zugelassene Anwendungszeitraum erstreckt sich vom Beginn der Vegetation bis zum Ende der Blüte (BBCH 0 bis 61). Besonders effektiv ist eine Behandlung in den kritischen Phasen des Schossens bis zum Ährenschieben, um die oberen Laubblätter gesund zu erhalten.
Warum ist MULTIVO so wichtig für den Schutz anderer Fungizide?
Da der Wirkstoff Folpet als Multi-Site-Inhibitor (FRAC M04) an vielen Stellen im Pilzorganismus gleichzeitig ansetzt, können Erreger keine einfachen Resistenzen entwickeln. Wenn du MULTIVO in einer Tankmischung mit einseitig wirkenden Systemfungiziden (z. B. Azolen) kombinierst, verhinderst du, dass resistente Pilzstämme überleben. Das schützt deine Hauptfungizide vor schnellem Wirkungsverlust.
Beeinflusst MULTIVO die spätere Gärung oder den Geschmack des Weins?
Nein, bei einer sachgerechten Anwendung unter Einhaltung der vorgeschriebenen Wartezeiten (je nach Kultur und Anwendung zwischen 28 und 56 Tagen) hat MULTIVO keinen negativen Einfluss auf die Traubenqualität, den Gärungsverlauf oder das sensorische Profil des Weins.
Wie verhält sich MULTIVO bei unbeständigem Wetter und Regen?
MULTIVO verfügt nach dem Antrocknen des Spritzbelags über eine sehr gute Regenbeständigkeit. Dennoch solltest du darauf achten, dass die Pflanzenoberflächen bei der Applikation trocken sind und nach der Behandlung eine kurze regenfreie Phase folgt, damit sich der schützende Wirkstofffilm optimal auf der Kultur etablieren kann.
Wie passe ich die Wasseraufwandmenge im Weinbau richtig an?
Die Wassermenge muss an das jeweilige Entwicklungsstadium der Reben angepasst werden. Je dichter die Laubwand (insbesondere ab BBCH 61), desto mehr Wasser benötigst du, um eine lückenlose Benetzung aller Blätter, Gescheine und Trauben zu garantieren. Nur ein geschlossener Spritzbelag schützt sicher vor dem Falschen Mehltau.
Wo finde ich die genauen Aufwandmengen für meine spezifische Kultur?
Die registrierten Aufwandmengen variieren je nach Kultur und Schaderreger zwischen 0,6 und 1,5 l/ha. Du kannst die für deine Kultur (z. B. Gerste, Weizen oder Weinreben) exakt zugelassenen Mengen und die dazugehörigen Wartezeiten direkt hier auf agronomy.farmable.tech in den strukturierten Produktdaten ablesen.