Primus
Primus ist ein hochselektives, systemisches Herbizid zur Bekämpfung von einjährigen zweikeimblättrigen Unkräutern in einer Vielzahl von Getreidekulturen. Als bewährter Standard im Frühjahr zeichnet sich das Pflanzenschutzmittel durch seine hervorragende Verträglichkeit in Winter- und Sommergetreide aus. Die flüssige Formulierung als Suspensionskonzentrat (SC) ermöglicht eine einfache Handhabung, eine präzise Dosierung im Feld und eine schnelle Verteilung in der Spritzbrühe.
Das Wirkspektrum umfasst eine Vielzahl wirtschaftlich bedeutender Unkrautarten im Getreidebau. Besonders hervorzuheben ist die exzellente Wirkung gegen Klettenlabkraut (Galium aparine), das selbst in fortgeschrittenen Wachstumsstadien noch sicher erfasst wird. Auch andere wichtige Schaderreger wie Kamille-Arten, Vogelmiere und verschiedene Kreuzblütler werden zuverlässig kontrolliert, was Primus zu einem flexiblen Baustein in der Unkrautbekämpfung macht.
Ein wesentlicher Vorteil von Primus ist seine ausgeprägte Temperaturunabhängigkeit. Die Anwendung kann bereits bei niedrigen Temperaturen ab ca. 2 bis 5 °C im zeitigen Frühjahr erfolgen, sobald die Vegetation einsetzt und die Unkräuter mit dem Wachstum beginnen. Dies gibt Landwirten eine hohe zeitliche Flexibilität bei der Terminierung der Feldarbeiten.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der enthaltene Wirkstoff Florasulam gehört zur chemischen Klasse der Triazolopyrimidine und ist im HRAC-System in die Gruppe 2 (ehemals Gruppe B) eingestuft. Er fungiert als potenter Inhibitor des Enzyms Acetolactat-Synthase (ALS). Dieses Enzym ist im pflanzlichen Stoffwechsel essenziell für die Biosynthese der verzweigtkettigen Aminosäuren Valin, Leucin und Isoleucin. Nach der Aufnahme über das Blattwerk und in geringem Maße über die Wurzel wird der Wirkstoff systemisch in der Kultur und den Unkräutern transportiert und akkumuliert in den meristematischen Geweben. Durch die Blockade der Aminosäuresynthese kommt es zu einem sofortigen Wachstumsstopp der sensitiven Schaderreger. Sichtbare Symptome wie Chlorosen, Nekrosen an den Vegetationspunkten und das anschließende Absterben der Unkräuter zeigen sich je nach Witterung innerhalb von ein bis drei Wochen.
Resistenzmanagement
Da Florasulam als ALS-Inhibitor (HRAC-Gruppe 2) einem inhärenten Risiko für die Entstehung von Wirkstoffresistenzen unterliegt, ist ein konsequentes Resistenzmanagement unerlässlich. Um der Selektion resistenter Biotypen (insbesondere bei Vogelmiere oder Kamille) vorzubeugen, sollte Primus stets im Wechsel oder in Kombination mit Herbiziden aus anderen HRAC-Klassen eingesetzt werden. Hierzu bieten sich insbesondere Mischpartner mit synthetischen Auxinen (HRAC-Gruppe 4) an. Zudem sollten pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine abwechslungsreiche Fruchtfolge und mechanische Unkrautbekämpfung in das Gesamtkonzept integriert werden.
Mischbarkeit & Tankmischung
Primus zeichnet sich durch eine hervorragende Mischbarkeit aus und kann problemlos mit den meisten gängigen Getreidefungiziden, Insektiziden sowie flüssigen Stickstoffdüngern (AHL) kombiniert werden. Bei Tankmischungen mit Wachstumsreglern ist auf die Vitalität der Kultur zu achten, um Stressreaktionen zu vermeiden. Die Zugabe von Netzmitteln ist in der Regel nicht erforderlich, kann jedoch unter extrem trockenen Bedingungen die Wirkstoffaufnahme verhärteter Unkräuter unterstützen. Es wird empfohlen, stets eine ausreichende Wassermenge (mindestens 200 l/ha) zu verwenden, um eine homogene Benetzung der Zielflächen zu gewährleisten.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel sind die gesetzlich vorgeschriebenen PSA-Maßnahmen (Schutzanzug, Schutzhandschuhe) strikt einzuhalten. Primus ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft und kann somit auch während des Bienenflugs auf blühenden Beständen angewendet werden. Zum Schutz von Gewässerorganismen und terrestrischen Nichtzielpflanzen sind die in der Zulassung festgelegten Abstandsauflagen (NW- und NT-Auflagen) zu Oberflächengewässern und Saumstrukturen genau zu beachten. Der Wirkstoff baut sich im Boden relativ rasch ab, wodurch das Risiko für Nachfolgekulturen im Rahmen einer normalen Fruchtfolge als sehr gering einzustufen ist.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Wintergerste | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 30–39 | 0.125 LITER_PER_HECTARE | 60T |
| Sommergerste | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 30–39 | 0.125 LITER_PER_HECTARE | 60T |
| Winterweichweizen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sommerhafer | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.075 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintertriticale | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 30–39 | 0.125 LITER_PER_HECTARE | 60T |
| Wintertriticale | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.075 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterroggen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintergerste | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sommerweichweizen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintertriticale | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.1 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintergerste | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.075 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterroggen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 30–39 | 0.125 LITER_PER_HECTARE | 60T |
| Winterroggen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 13–29 | 0.075 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Kann Primus auch bei Nachtfrostgefahr im zeitigen Frühjahr eingesetzt werden?
Ja, Primus ist sehr temperaturtolerant und wirkt bereits ab ca. 2 bis 5 °C. Allerdings sollte bei starkem Frost oder wenn die Kultur unter extremem Froststress steht, auf eine Behandlung verzichtet werden, da die Kultur die Wirkstoffe in Stressphasen langsamer abbaut und es zu vorübergehenden Wachstumsverzögerungen kommen kann.
Welche Unkräuter werden von Primus nicht ausreichend erfasst?
Primus ist ein reines Breitblatt-Herbizid und besitzt keine Wirkung gegen einkeimblättrige Unkräuter (Ungräser wie Ackerfuchsschwanz oder Windhalm). Auch tiefwurzelnde ausdauernde Unkräuter wie die Ackerwinde oder Ackerschachtelhalm werden durch den Wirkstoff Florasulam nicht ausreichend kontrolliert. Hier sind gezielte Mischpartner erforderlich.
Wie lange nach der Anwendung von Primus ist das Produkt regenfest?
Aufgrund der schnellen Aufnahme des Wirkstoffs Florasulam über das Blattgewebe ist Primus bereits etwa eine Stunde nach der Applikation regenfest. Niederschläge nach diesem Zeitraum beeinträchtigen die Herbizidwirkung nicht mehr.
Gibt es Einschränkungen für den Nachbau von Kulturen nach dem Einsatz von Primus?
Florasulam wird im Boden mikrobiell rasch abgebaut. Im Rahmen der normalen Fruchtfolge können im Herbst nach der Ernte alle üblichen Kulturen (wie Winterraps oder Wintergetreide) ohne Einschränkung gesät werden. Bei vorzeitigem Umbruch der Kultur nach einer Primus-Behandlung sollten vor der Neuansaat die spezifischen Wartezeiten und Bodenbearbeitungshinweise der Gebrauchsanleitung beachtet werden.
Warum ist die Behandlung im BBCH-Bereich 13 bis 39 optimal?
In diesem Entwicklungsfenster befinden sich die Unkräuter meist im aktiven Wachstum und im empfindlichen Rosetten- bis Jungpflanzenstadium, was die Wirkstoffaufnahme maximiert. Gleichzeitig ist die Kultur ausreichend etabliert, um die hohe Selektivität des Mittels optimal zu nutzen, während spätere Behandlungen ab BBCH 39 das Risiko von Applikationsschäden oder unzureichender Benetzung bergen.
Wie kann ich im Farmable-Portal nach passenden Mischpartnern für Primus suchen?
Sie können in unserer Produktdatenbank gezielt nach Herbiziden mit anderen Wirkmechanismen (z. B. HRAC-Gruppe 4 wie Fluroxypyr) filtern, um eine wirksame Tankmischung gegen schwer bekämpfbare Unkräuter zusammenzustellen und gleichzeitig das Resistenzrisiko zu minimieren.