Bleiche Getreideblattlaus
Die Bleiche Getreideblattlaus (Metopolophium dirhodum, EPPO-Code: METODR) ist ein wirtschaftlich bedeutender Schaderreger im europäischen Getreidebau. Sie besiedelt vor allem wichtige Kulturen wie Winterweizen, Sommerweizen, Gerste und Hafer. Im Gegensatz zu anderen Getreideblattläusen bevorzugt diese Art die mittleren und unteren Blätter der Kulturen, wo sie durch ihre Saugtätigkeit direkt an den Pflanzen saugt und erhebliche Ertragseinbußen verursachen kann.
Neben den direkten Saugschäden, die bei starkem Befall zu einer vorzeitigen Abreife und Schmachtkornbildung führen, ist Metopolophium dirhodum als Vektor von Pflanzenviren gefürchtet. Sie überträgt unter anderem das Gerstengelbverzwergungs-Virus (BYDV), was insbesondere bei frühem Befall im Herbst oder im sensiblen Schossstadium im Frühjahr zu massiven wirtschaftlichen Schäden in den betroffenen Kulturen führen kann.
Biologie / Lebenszyklus
Die Bleiche Getreideblattlaus ist eine holozyklische Art mit einem Wirtswechsel. Sie überwintert als Ei an Rosengewächsen (Rosa spp.), ihrem primären Winterwirt. Im Frühjahr schlüpfen die Stammmütter (Fundatrices), deren Nachkommen geflügelte Morphen bilden, die ab Mai in die Getreidebestände (Sommerwirte) abwandern. Dort vermehren sie sich rasch parthenogenetisch und bilden dichte Kolonien auf den Blattunterseiten der Kulturen. Im Spätsommer entstehen erneut geflügelte Tiere, die auf die Winterwirte zurückkehren, um nach der geschlechtlichen Paarung die Wintereier abzulegen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte ab dem Schossen der Kulturen (BBCH 30–39) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69) durchgeführt werden. Zur Ermittlung der Schadensschwelle kontrollierst du wöchentlich an mindestens fünf Stellen im Feld jeweils 20 Halme (insgesamt 100 Halme) auf Blattlausbefall. Die kritische Schadensschwelle liegt in der Phase von der Blüte bis zur beginnenden Milchreife (BBCH 61–71) meist bei 3 bis 5 Blattläusen pro Ähre bzw. Fahnenblatt, oder wenn 60 bis 80 % der Halme mit mindestens einer Laus besiedelt sind. Bei der Entscheidung über eine Behandlung solltest du stets das Auftreten von natürlichen Gegenspielern einbeziehen.
Symptome
Typisch für den Befall mit der Bleichen Getreideblattlaus sind helle, gelbliche Flecken auf den Blättern, die durch die Saugtätigkeit entstehen. Im Gegensatz zur Großen Getreideblattlaus besiedelt diese Art vorwiegend die Blattspreiten (insbesondere das Fahnenblatt und die darunter liegenden Blätter) und seltener direkt die Ähren. Bei starkem Befall vergilben die Blätter vorzeitig, und es kommt zu einer sichtbaren Verschmutzung durch klebrigen Honigtau, auf dem sich sekundär Rußtaupilze ansiedeln. Bei einer BYDV-Infektion zeigen sich zudem nesterweise Verzwergungen und intensive Gelb- oder Rotfärbungen der Blattspitzen.
Integriertes Management
Das integrierte Management basiert auf einer Kombination aus pflanzenbaulichen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Eine ausgewogene Stickstoffdüngung verhindert ein übermäßiges vegetatives Wachstum, welches die Vermehrung der Schaderreger begünstigt. Die Förderung von Nützlingen durch Blühstreifen und eine schonende Bewirtschaftung ist hochwirksam, da Räuber und Parasitoide die Populationen oft unter der Schadensschwelle halten können. Ist der Einsatz von Pflanzenschutzmittel unumgänglich, sollten nützlingsschonende Selektivpräparate bevorzugt werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement gemäß den IRAC-Richtlinien durchzuführen, indem Wirkstoffe aus unterschiedlichen chemischen Klassen abgewechselt werden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich die Bleiche Getreideblattlaus optisch von anderen Getreideblattläusen im Feld?
Die Bleiche Getreideblattlaus ist langgestreckt-oval, etwa 2 bis 3 mm groß und von hellgrüner bis gelblich-grüner Farbe. Ein markantes Erkennungsmerkmal ist ein dunklerer, grüner Längsstreifen auf dem Rücken sowie die hellen Siphonen (Hinterleibsröhren), die im Gegensatz zur Großen Getreideblattlaus (Sitobion avenae) keine dunklen Spitzen aufweisen.
Wann ist das Risiko für eine BYDV-Übertragung durch diesen Schaderreger am höchsten?
Das größte Risiko besteht bei einem frühen Zuflug im Herbst in frisch auflaufende Wintergetreidebestände (BBCH 11–13). Da die Viren die Pflanzen in diesem frühen Stadium systemisch schädigen, kann dies zu massiven Ertragsausfällen führen. Im Frühjahr nimmt die Schadwirkung einer Neuinfektion mit fortschreitendem BBCH-Stadium der Kulturen deutlich ab.
Wie fließen Nützlinge konkret in deine Behandlungsentscheidung ein?
Wenn du bei deiner wöchentlichen Bonitur auf 100 Halmen im Schnitt mehr als einen Marienkäfer (oder dessen Larve), eine Schwebfliegenlarve oder mehrere parasitierte, mumifizierte Blattläuse pro Halm findest, kann oft auf eine chemische Behandlung verzichtet werden. Diese natürlichen Gegenspieler können selbst ansteigende Blattlauspopulationen innerhalb weniger Tage effektiv unter der Schadensschwelle halten.
Welche Rolle spielen die IRAC-Klassen bei der chemischen Regulierung von Metopolophium dirhodum?
Um eine Resistenzbildung zu verhindern, darfst du nicht wiederholt Pflanzenschutzmittel aus derselben IRAC-Wirkstoffklasse (z. B. Pyrethroide, IRAC-Klasse 3A) einsetzen. Wechsle bei notwendigen Folgebehandlungen auf andere Klassen wie Flonicamid (IRAC-Klasse 29) aus, um die Selektion resistenter Populationen im Feld aktiv zu unterbinden.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutze im Hub die Such- und Filterfunktion für Pflanzenschutzmittel. Filtere dort gezielt nach deiner Kultur (z. B. Winterweizen) und wähle als Schaderreger "Bleiche Getreideblattlaus" oder den EPPO-Code "METODR" aus. Dir werden dann ausschließlich die in deinem Land aktuell für diese spezifische Anwendung zugelassenen Produkte inklusive Aufwandmengen, BBCH-Anwendungsfenstern und Wartezeiten angezeigt.