Große Kohlfliege
Die Große Kohlfliege (Delia floralis, EPPO-Code: HYLEFL), auch als Rettichfliege bekannt, ist ein wirtschaftlich bedeutender Schaderreger im professionellen Kohlanbau. Sie gehört zur Familie der Blumenfliegen (Anthomyiidae) und ist eng mit der Kleinen Kohlfliege (Delia radicum) verwandt. Im Vergleich zu dieser tritt Delia floralis jedoch meist später im Jahr auf und konzentriert sich stark auf den Sommer- und Herbstkohl sowie auf Rettichkulturen in kühleren, nördlicheren oder höher gelegenen Anbauregionen Mitteleuropas.
Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schaderregers ist erheblich. Die Larven fressen an den Wurzeln und im Wurzelhalsbereich verschiedener Kreuzblütler (Brassicaceae). Dies führt zu massiven Ertragsverlusten, Welkeerscheinungen und im schlimmsten Fall zum vollständigen Absterben der betroffenen Kulturen. Besonders anfällig sind Kulturen wie Blumenkohl, Brokkoli, Chinakohl und Rosenkohl, bei denen ein Befall oft zu einer vollständigen Unverkäuflichkeit der Ware führt.
Biologie / Lebenszyklus
Im Gegensatz zur Kleinen Kohlfliege bildet Delia floralis in Mitteleuropa in der Regel nur eine einzige Generation pro Jahr aus. Die Überwinterung erfolgt als Puppe im Boden. Die adulten Fliegen schlüpfen im Hochsommer (meist ab Juni bis Juli) und legen ihre Eier bevorzugt in Gruppen nahe dem Wurzelhals der Wirtskulturen ab. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven, dringen in das Wurzelgewebe ein und fressen dort über einen Zeitraum von mehreren Wochen, bevor sie sich im Spätsommer oder Herbst im Boden verpuppen, um dort bis zum nächsten Jahr zu verbleiben.
Bonitur
Das Monitoring von Delia floralis sollte ab dem späten Frühjahr intensiviert werden, besonders ab dem BBCH-Stadium 12 bis 19 (Blattentwicklung) bei späten Kohlpflanzungen. Zur Überwachung des Fluges werden weiße oder gelbe Leimfallen sowie Eiablagedepots (z. B. Filzunterlagen oder Sandhügel am Stängelgrund) eingesetzt. Eine Schadensschwelle ist oft schon bei einem geringen Eiablagebesatz von durchschnittlich 1 bis 2 Eiern pro Pflanze erreicht, da die Larvenfraßschäden an den Hauptwurzeln rasch irreversible Schäden verursachen.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind ein plötzliches Welken der Kulturen an warmen Tagen, oft begleitet von einer rötlich-violetten Verfärbung der älteren Blätter aufgrund gestörter Nährstoff- und Wasseraufnahme. Bei starkem Befall lassen sich die Pflanzen leicht aus dem Boden ziehen, da das Feinwurzelsystem weitgehend zerstört ist. Im Inneren der Hauptwurzel und des Wurzelhalses zeigen sich Fraßgänge, in denen die weißlichen, beinlosen Larven (Maden) von bis zu 10 mm Länge sowie sekundäre Fäulniserreger zu finden sind.
Integriertes Management
Die Bekämpfung erfordert ein integriertes Pflanzenschutzkonzept. Kulturtechnische Maßnahmen wie ein weiter Fruchtwechsel, die mechanische Bodenbearbeitung zur Freilegung der Puppen im Winter und das lückenlose Abdecken der Kulturen mit Kulturschutznetzen unmittelbar nach der Pflanzung sind hochwirksam. Biologisch können nützliche Nematoden (z. B. Steinernema spp.) zur Reduktion der Larven im Boden beitragen. Chemische Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (z. B. Pyrethroide oder andere IRAC-klassifizierte Insektizide) müssen präzise auf den Hauptflug und die Eiablage abgestimmt werden, wobei ein Wirkstoffwechsel zur Vermeidung von Resistenzen zwingend einzuhalten ist.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich das Schadbild der Großen Kohlfliege von dem der Kleinen Kohlfliege im Feld?
Da beide Arten ähnliche Fraßschäden an den Wurzeln verursachen, ist eine optische Unterscheidung der Symptome im Feld kaum möglich. Der entscheidende Unterschied liegt im zeitlichen Auftreten: Während die Kleine Kohlfliege bereits im Frühjahr (ab April/Mai) aktiv ist und mehrere Generationen bildet, tritt die Große Kohlfliege erst ab dem Hochsommer (Juni/Juli) mit nur einer Generation auf, weshalb späte Kulturen besonders gefährdet sind.
Welche Rolle spielen Vorkulturen und die Fruchtfolge bei der Regulierung von Delia floralis?
Da die Puppen im Boden der Vorjahresfläche überwintern, ist ein strikter Fruchtwechsel entscheidend. Neue Kohlkulturen sollten räumlich möglichst weit entfernt von den Befallsflächen des Vorjahres angelegt werden, um den Zuflug der frisch geschlüpften, relativ trägen Fliegen im Sommer zu minimieren.
Können Kulturschutznetze auch nach dem ersten Flug noch aufgelegt werden?
Nein, Kulturschutznetze müssen lückenlos direkt nach der Pflanzung bzw. vor dem Beginn des Fliegenflugs ausgelegt werden. Wird das Netz zu spät aufgelegt, können bereits abgelegte Eier oder geschlüpfte Fliegen unter dem Netz eingeschlossen werden, was den Befallsdruck durch den Schutz vor natürlichen Feinden sogar noch erhöht.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger auf agronomy.farmable.tech?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach dem Schaderreger "Delia floralis" oder "Große Kohlfliege". Achten Sie darauf, Ihr spezifisches Land und die genaue Kultur (z. B. Blumenkohl oder Brokkoli) auszuwählen, um nur die aktuell gültigen BVL-Zulassungen und die dazugehörigen Wartezeiten und Aufwandmengen angezeigt zu bekommen.
Welche Bodenbedingungen begünstigen die Eiablage und das Überleben der Larven?
Lockere, humose und mäßig feuchte Böden erleichtern den Weibchen die Eiablage nahe am Wurzelhals und bieten den frisch geschlüpften Larven optimale Bedingungen, um schnell in den Boden einzudringen. Schwere, zur Verschlämmung neigende Böden oder extreme Trockenheit reduzieren die Überlebensrate der Eier und Junglarven deutlich.
Gibt es natürliche Gegenspieler, die im Rahmen des biologischen Pflanzenschutzes gefördert werden können?
Ja, räuberische Laufkäfer (Carabidae) und Kurzflügelkäfer (Staphylinidae) sind wichtige natürliche Gegenspieler, die einen erheblichen Teil der Eier und jungen Larven am Boden fressen. Durch die Schonung dieser Nützlinge (z. B. durch den Verzicht auf breit wirksame Insektizide) und das Anlegen von Blühstreifen kann der Befallsdruck natürlich reguliert werden.