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Schädling

Große Kohlfliege

Delia floralis
HYLEFL

Die Große Kohlfliege (Delia floralis, EPPO-Code: HYLEFL), auch als Rettichfliege bekannt, ist ein wirtschaftlich bedeutender Schaderreger im professionellen Kohlanbau. Sie gehört zur Familie der Blumenfliegen (Anthomyiidae) und konzentriert sich vor allem auf Kreuzblütler-Kulturen (Brassicaceae). Im Vergleich zur Kleinen Kohlfliege tritt sie meist später im Jahr auf, verursacht jedoch durch den intensiven Fraß ihrer Larven an den Haupt- und Seitenwurzeln oft verheerende Schäden, die bis zum Totalausfall der Kultur führen können.

Die wirtschaftliche Relevanz ist besonders im späten Kohlanbau (wie bei Blumenkohl, Brokkoli, Chinakohl und Rosenkohl) extrem hoch. Da die Larven direkt das Wurzelsystem schädigen, wird die Wasser- und Nährstoffaufnahme der Kulturen massiv gestört. Dies führt zu Welkeerscheinungen, Kümmerwuchs und macht die Kulturen zudem anfällig für sekundäre bodenbürtige Krankheitserreger wie Nassfäule-Bakterien oder Pilze.

Typ
Schädling
EPPO-Code
HYLEFL
Wirte
4 Kulturen
Generationen
1 Generation pro Jahr (univoltin)
Verbreitung
Delia floralis ist vor allem in den kühleren, nördlichen und gemäßigten Breiten Europas und Asiens verbreitet, wo sie im späten Gemüsebau regelmäßig erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht.
Erstbeschreibung
Fallén, 1824

Biologie / Lebenszyklus

Im Gegensatz zur Kleinen Kohlfliege bringt Delia floralis in Mitteleuropa in der Regel nur eine einzige Generation pro Jahr hervor. Die Überwinterung erfolgt als Puppe im Boden. Die adulten Fliegen schlüpfen relativ spät im Sommer, meist ab Juni bis August, wenn die Bodentemperaturen ausreichend hoch sind. Nach dem Paarungsflug legen die Weibchen ihre Eier bevorzugt in Gruppen nahe dem Stängelgrund oder direkt in die Bodenrisse an den Wirtspflanzen ab. Die nach wenigen Tagen schlüpfenden Larven wandern sofort in den Boden ab, fressen intensiv an den Wurzeln und verpuppen sich nach einer mehrwöchigen Fraßphase im Spätsommer oder Herbst im Boden, um dort zu überwintern.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring ist ab dem Pflanzenauflauf bzw. der Pflanzung (ab BBCH 12 bis BBCH 19) unerlässlich, besonders in den Hauptflugmonaten Juli und August. Zur Überwachung des Flugverlaufs und zur Bestimmung des optimalen Behandlungszeitraums werden Gelbschalen oder beleimte Gelbtafeln aufgestellt. Da Delia floralis ihre Eier gezielt am Stängelgrund ablegt, ist die regelmäßige visuelle Kontrolle von mindestens 20 bis 50 Einzelpflanzen pro Schlag auf Eigelege (weiße, längliche Eier) die zuverlässigste Methode zur Schadschwellenbestimmung. Eine Behandlung oder der Einsatz von Schutznetzen wird empfohlen, sobald im Durchschnitt mehr als 1 bis 2 Eier pro Pflanze gefunden werden.

Symptome

Typische Symptome im Feld zeigen sich zunächst durch ein verlangsamtes Wachstum und eine bläulich-violette Verfärbung der Blätter, die auf den gestörten Nährstofftransport hinweist. Bei warmem, trockenem Wetter welken die betroffenen Kulturen rasch, selbst bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit. Zieht man verdächtige Pflanzen aus dem Boden, zeigen sich stark zerfressene, braun verfärbte Hauptwurzeln, denen die feinen Haarwurzeln fast vollständig fehlen. In den Fraßgängen der Wurzeln und im umgebenden Erdreich sind die weißlichen, beinlosen Maden (bis zu 10 mm lang) sowie braune Tönnchenpuppen deutlich zu erkennen.

Integriertes Management

Das integrierte Management basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen, mechanischen und chemischen Maßnahmen. Eine der effektivsten mechanischen Barrieren ist das lückenlose Abdecken der Kulturen mit Kulturschutznetzen (Maschenweite maximal 1,35 mm) direkt nach der Pflanzung, um die Eiablage zu verhindern. Kulturtechnisch helfen eine weite Fruchtfolge, die tiefe Bodenbearbeitung nach der Ernte zur Zerstörung der Puppen sowie eine bedarfsgerechte Bewässerung, die das Regenerationsvermögen der Wurzeln stärkt. Wenn chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, müssen diese präzise zur Hauptablagezeit appliziert werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien (z. B. zwischen Pyrethroiden und Diamiden) zwingend einzuhalten.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Große Kohlfliege im Schadbild von der Kleinen Kohlfliege?

Obwohl beide Schaderreger ähnliche Fraßschäden an den Wurzeln verursachen, tritt die Große Kohlfliege (Delia floralis) deutlich später im Sommer auf. Während die Kleine Kohlfliege bereits im Frühjahr (ab BBCH 12–14) Schäden an Jungpflanzen anrichtet, trifft der Befall durch die Große Kohlfliege meist schon etablierte, ältere Kulturen im Hoch- und Spätsommer, was zu plötzlicher Welke kurz vor der Ernte führen kann.

Wann ist der optimale Zeitpunkt, um Kulturschutznetze aufzulegen?

Du musst die Netze unbedingt direkt nach der Pflanzung bzw. dem Auflaufen der Kultur lückenlos auslegen und an den Rändern sorgfältig mit Erde beschweren. Da der Zuflug von Delia floralis oft schlagartig im Juni oder Juli beginnt, schützt nur eine dauerhafte Barriere vor der Eiablage. Achte darauf, das Netz erst zur Ernte oder für kurze Pflegearbeiten zu entfernen.

Welche Rolle spielt die Bodenfeuchtigkeit bei der Schadwirkung dieses Schaderregers?

Trockenheit verstärkt die Schadwirkung massiv. Da die Larven das Wurzelsystem zerstören, können die Kulturen bei Wassermangel den Transpirationssog nicht mehr aufrechterhalten und welken extrem schnell. Eine gezielte Zusatzberegnung hilft den Kulturen, den Verlust von Feinwurzeln teilweise zu kompensieren und neue Wurzeln zu bilden.

Wie kann ich im Agronomy-Hub registrierte Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schädling finden?

Nutze die Such- und Filterfunktion im Hub, indem du nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Blumenkohl oder Brokkoli) filterst und als Schaderreger "Große Kohlfliege" oder den EPPO-Code "HYLEFL" auswählst. Achte bei den angezeigten Pflanzenschutzmitteln besonders auf die zugelassenen BBCH-Stadien, die maximale Anzahl der Anwendungen und die einzuhaltende Wartezeit.

Warum ist die tiefe Bodenbearbeitung im Herbst eine wirksame Maßnahme gegen Delia floralis?

Da die Große Kohlfliege als Puppe im Boden überwintert, transportiert eine tiefe Bodenbearbeitung (z. B. Pflügen) nach der Ernte die Puppen in tiefere Bodenschichten oder holt sie an die Oberfläche. An der Oberfläche sind sie Frost und natürlichen Feinden wie Laufkäfern oder Vögeln schutzlos ausgesetzt, was den Populationsdruck im Folgejahr spürbar senkt.

Gibt es biologische Gegenspieler, die ich im integrierten Pflanzenschutz fördern kann?

Ja, räuberische Laufkäfer (Carabidae), Kurzflügelkäfer (Staphylinidae) und Schlupfwespen sind wichtige natürliche Feinde, die Eier und Larven im Boden fressen oder parasitieren. Durch den Verzicht auf breit wirksame, nützlingsschädigende Pflanzenschutzmittel und das Anlegen von Blühstreifen in der Nähe deiner Kulturen kannst du diese Helfer gezielt fördern.