Chinakohl
Chinakohl (Brassica rapa subsp. pekinensis, EPPO-Code: BRSPK) ist eine einjährige, raschwüchsige Kultur, die ursprünglich aus Ostasien stammt und sich im mitteleuropäischen Erwerbsgemüsebau fest etabliert hat. Im Vergleich zu anderen Kopfkohlarten zeichnet sich diese Kultur durch zarte, gewellte Blätter und einen ausgeprägten, aber milden Geschmack aus. Aufgrund der kurzen Entwicklungszeit eignet sich Chinakohl hervorragend als Zweitkultur nach frühen Gemüsearten oder Getreide.
Die Kultur stellt hohe Anforderungen an die Bodenfeuchtigkeit und Nährstoffverfügbarkeit, reagiert jedoch empfindlich auf Staunässe und plötzliche Trockenperioden, was zu physiologischen Störungen wie dem gefürchteten Innenbrand führen kann. Ein kritischer Faktor im Anbau ist die ausgeprägte Langtagreaktion: Bei Aussaat vor Ende Juni neigt Chinakohl unter dem Einfluss langer Tage und kühler Temperaturen in der Jugendphase zur vorzeitigen Blütenbildung (Schoßen), weshalb der Hauptanbau in Mitteleuropa im Spätsommer für die Herbsternte erfolgt.
Bodenmanagement
Chinakohl benötigt tiefgründige, humose und gut strukturierte Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da die Kultur ein relativ flaches Wurzelsystem ausbildet. Eine ausgewogene Humusbilanz und eine gute Bodenstruktur sind essenziell, um Staunässe zu vermeiden und gleichzeitig eine hohe nutzbare Feldkapazität zu gewährleisten. Die Grunddüngung sollte auf Bodenanalysen basieren, wobei eine moderate Stickstoffgabe von etwa 120 bis 150 kg N/ha, aufgeteilt in zwei Gaben, für ein gleichmäßiges Wachstum sorgt. Eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Bor ist zwingend erforderlich, um physiologischen Störungen wie dem Innenbrand (Calciummangel an den inneren Blatträndern) vorzubeugen. Nach der Ernte empfiehlt sich der Anbau von tiefwurzelnden Zwischenfrüchten, um verbliebene Nährstoffe im Boden zu binden und die Bodenstruktur für Folgekulturen zu verbessern.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz im Chinakohlanbau erfordert eine engmaschige Überwachung der Bestände, da die zarten Blätter besonders anfällig für Schaderreger sind. Zu den bedeutendsten tierischen Schädlingen gehören die Kleine Kohlfliege (Delia radicum), deren Larven die Wurzeln schädigen, sowie Raupen der Kohlschabe (Plutella xylostella) und der Kohleule (Mamestra brassicae). Der Einsatz von feinmaschigen Kulturschutznetzen unmittelbar nach der Pflanzung stellt eine hochwirksame mechanische Barriere gegen diese Schädlinge dar. Pilzliche Schaderreger wie Alternaria brassicae (Schwärze) und Botrytis cinerea (Grauschimmel) müssen insbesondere bei feuchter Herbstwitterung durch weite Reihenabstände und bedarfsgerechte Anwendungen zugelassener Pflanzenschutzmittel kontrolliert werden. Zudem ist eine konsequente Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen Kreuzblütlern einzuhalten, um dem Aufbau von bodenbürtigen Erregern wie der Kohlhernie vorzubeugen.
Sorten
Bilko
Spät (ca. 75–80 Tage nach Pflanzung)Sehr hoher, stabiler Ertrag mit gleichmäßiger Kopfbildung.
Resistent gegen: Kohlhernie
Anfällig für: Innenbrand
Der Standard für den späten Anbau und die Langzeitlagerung mit hervorragender Feldhaltbarkeit.
Kaboko
Früh bis mittelspät (ca. 60–65 Tage nach Pflanzung)Hoher Ertrag bei sehr gleichmäßiger Sortierung.
Resistent gegen: Kohlhernie
Anfällig für: Alternaria-Blattfleckenkrankheit
Hervorragend geeignet für den frühen Sommeranbau durch eine sehr hohe Schoßresistenz.
Granat
Mittelfrüh (ca. 65–70 Tage nach Pflanzung)Mittlerer Ertrag, ideal für den Direktvertrieb.
Anfällig für: Kohlhernie
Robuste, samenfeste Sorte mit lockerem Kopfaufbau, besonders im ökologischen Anbau geschätzt.
Monument
Mittelspät (ca. 70–75 Tage nach Pflanzung)Guter bis sehr hoher Ertrag an zylindrischen Köpfen.
Anfällig für: Kohlhernie
Klassische, schlanke Kopfform mit exzellenter Innenqualität und gutem Geschmack.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Innenbrand bei Chinakohl im Feld minimieren?
Innenbrand ist eine physiologische Störung, die durch einen lokalen Calciummangel in den schnell wachsenden inneren Blättern verursacht wird. Um dies zu verhindern, muss eine gleichmäßige Wasserversorgung über eine Tröpfchenbewässerung oder Beregnung sichergestellt werden, da Calcium nur mit dem Transpirationsstrom transportiert wird. Zudem sollten übermäßige Stickstoffgaben vermieden und bei Bedarf gezielte Blattapplikationen mit Calciumchlorid oder Calciumnitrat in Phasen schnellen Wachstums durchgeführt werden.
Warum ist der Aussaattermin bei Chinakohl so kritisch für den Kulturerfolg?
Chinakohl reagiert als Langtagpflanze stark auf die Tageslänge und kühle Temperaturen in der Jugendphase (Vernalisation). Wird die Kultur vor der Sommersonnenwende (Ende Juni) ausgesät, führt der Reiz der langen Tage dazu, dass die Pflanzen direkt in die generative Phase übergehen und schoßen (blühen), ohne feste Köpfe zu bilden. Für den Herbstanbau liegt das optimale Zeitfenster daher zwischen Mitte Juli und Anfang August.
Welche Rolle spielen Kulturschutznetze beim Management von Schaderregern im Chinakohl?
Das Auflegen von feinmaschigen Netzen (Maschenweite maximal 0,8 mm) unmittelbar nach der Pflanzung ist die effektivste mechanische Schutzmaßnahme. Es verhindert die Eiablage der Kleinen Kohlfliege (Delia radicum) am Stängelgrund und schützt die Kultur vor Zuflug von Kohlschaben (Plutella xylostella) und Erdflöhen. Die Netze müssen am Rand lückenlos eingegraben werden und können bis kurz vor der Ernte auf der Kultur verbleiben.
Wie wird die Kohlhernie im Chinakohlanbau nachhaltig reguliert?
Da der Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) jahrzehntelang im Boden überdauern kann, ist eine weite Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren zu allen Kreuzblütlern (inklusive Raps und Senf als Gründüngung) zwingend erforderlich. Zudem sollte der Boden-pH-Wert durch gezielte Kalkung (z. B. mit Branntkalk oder kohlensaurem Kalk) im neutralen bis leicht basischen Bereich gehalten werden. Der Anbau resistenter Hybridsorten bietet zusätzlichen Schutz auf befallenen Flächen.
Wann ist der optimale Erntezeitpunkt für die Langzeitlagerung von Chinakohl?
Für die Lagerung bestimmte Köpfe sollten voll ausgebildet und fest, aber noch nicht überständig sein (BBCH-Stadium 49). Die Ernte muss vor den ersten stärkeren Frösten (unter -2 °C) trocken erfolgen, da frostgeschädigtes Gewebe extrem anfällig für Botrytis cinerea und bakterielle Nassfäulen im Lager ist. Beim Putzen sollten die äußeren Umblätter als Schutz belassen und erst vor dem Verkauf entfernt werden.