Brokkoli
Brokkoli (Brassica oleracea var. italica, EPPO-Code: BRSOK), im deutschsprachigen Raum auch als Spargelkohl bezeichnet, gehört zu den anspruchsvollsten und wirtschaftlich bedeutendsten Kohlgemüsearten im mitteleuropäischen Erwerbsanbau. Die Kultur zeichnet sich durch einen hohen physiologischen Bedarf an Wasser und Nährstoffen aus, da der vermarktete Kopf aus noch geschlossenen, gestauchten Blütenknospen besteht. Ein gleichmäßiges, stressfreies Wachstum ist für die Erzeugung kompakter, tiefgrüner Köpfe ohne vorzeitiges Schossen oder Knospenvergilbung entscheidend.
Der Anbau in Mitteleuropa erfolgt meist im gestaffelten Satzanbau vom zeitigen Frühjahr unter Vlies bis in den späten Herbst hinein. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Marktbelieferung, erfordert jedoch eine präzise Planung der Pflanztermine und eine konsequente Fruchtfolgegestaltung. Da die Kultur sehr anfällig für bodenbürtige Schaderreger ist, müssen Anbaupausen zu anderen Kreuzblütlern von mindestens vier Jahren strikt eingehalten werden.
Bodenmanagement
Brokkoli benötigt tiefgründige, humose Böden mit hoher Wasserhaltekapazität, da die Kultur sehr empfindlich auf Trockenstress reagiert. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung ohne Verdichtungen ist essenziell, um das tiefreichende Wurzelsystem optimal zu fördern. Aufgrund des hohen Stickstoffbedarfs (Sollwert oft bei 200–250 kg N/ha inklusive Boden-Nmin) ist eine exakte, teilflächenspezifische Düngeplanung ratsam. Organische Düngung im Vorfeld oder eine gezielte Gründüngung stabilisieren das Bodengefüge und fördern das Bodenleben nachhaltig. Zur Vermeidung von Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) ist ein pH-Wert im neutralen bis schwach alkalischen Bereich durch regelmäßige Erhaltungskalkung zwingend einzuhalten. Zudem sollte eine weite Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern konsequent umgesetzt werden.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei dieser Kultur erfordert eine engmaschige Überwachung, da optische Mängel an den Köpfen direkt zur Unverkäuflichkeit führen. Zu den wichtigsten tierischen Schaderregern gehören die Kleine Kohlfliege (Delia radicum), deren Maden den Wurzelhals schädigen, sowie Raupen der Kohlschabe (Plutella xylostella) und der Kohleule (Mamestra brassicae). Der Einsatz von Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung stellt eine hochwirksame mechanische Barriere gegen diese Schädlinge dar. Gegen pilzliche Schaderreger wie Alternaria brassicae (Schwärze) und Neopseudocercosporella brassicae (Blattflecken) helfen eine weite Pflanzweite zur schnellen Abtrocknung des Bestandes sowie der gezielte Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel. Bei jeder Applikation ist streng auf die Einhaltung der Wartezeit und die Schonung von Nützlingen zu achten.
Sorten
Marathon (F1)
Mittelfrüh (ca. 75–80 Tage)Sehr hoher, stabiler Ertrag auch unter wechselnden Witterungsbedingungen.
Resistent gegen: Falscher Mehltau
Anfällig für: Kohlhernie
Sehr bewährte, standfeste Standardsorte für den Sommer- und Herbstanbau mit gleichmäßigen, feinknospigen Köpfen.
Ironman (F1)
Mittelfrüh (ca. 75–80 Tage)Hoher Ertrag an erstklassigen Primärköpfen.
Resistent gegen: Nassfäule, Falscher Mehltau
Anfällig für: Kohlhernie
Sehr aufrechter Wuchs, dadurch gut maschinell zu ernten und weniger anfällig für bodennahe Fäulnis.
Chevalier (F1)
Früh bis mittelfrüh (ca. 70 Tage)Gute, frühe Erträge mit hohem Anteil an Vermarktungsklasse I.
Resistent gegen: Schossen
Anfällig für: Alternaria-Blattflecken
Hervorragend geeignet für den frühen Anbau unter Vlies. Zeigt eine sehr gute Kopfqualität und feste Knospen.
Stromboli (F1)
Spät (ca. 85–90 Tage)Sichere Erträge bis in den Spätherbst hinein.
Resistent gegen: Frost, Nassfäule
Anfällig für: Kohlhernie, Echter Mehltau
Spezialsorte für den späten Herbstanbau mit hoher Kältetoleranz und kompakter Kopfstruktur.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie kannst du den Befall mit der Kleinen Kohlfliege ohne chemische Pflanzenschutzmittel minimieren?
Der effektivste Schutz im Erwerbsanbau ist das lückenlose Auflegen von engmaschigen Kulturschutznetzen (Maschenweite maximal 1,35 mm) direkt nach der Pflanzung. Achte darauf, dass die Ränder vollständig mit Erde bedeckt sind, damit die Schaderreger keine Schlupflöcher finden. Zudem fördert eine tiefe Pflanzung die Stabilität und erschwert die Eiablage am empfindlichen Wurzelhals.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung gegen die Kohlschabe?
Überwache den Flug der Falter mithilfe von Pheromonfallen ab Mai. Eine gezielte Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln sollte erfolgen, sobald du die ersten Jungraupen (L1/L2) auf den Blattunterseiten entdeckst, da ältere Larvenstadien rasch eine Toleranz entwickeln und schweren Lochfraß verursachen.
Welche Rolle spielt die Mikronährstoffversorgung, insbesondere Bor, bei dieser Kultur?
Brokkoli hat einen extrem hohen Bedarf an Bor. Ein Mangel führt zu braunen Verfärbungen im Mark des Strunks (Herzbräune) und macht die Köpfe unverkäuflich. Du solltest daher bei der Bodenvorbereitung oder spätestens ab dem BBCH-Stadium 30 eine gezielte Blattdüngung mit Bor durchführen, besonders auf leichten oder frisch gekalkten Böden.
Wie verhinderst du das gefürchtete Schossen der Köpfe bei sommerlicher Hitze?
Schossen wird meist durch Hitze- und Trockenstress induziert. Du kannst dem entgegenwirken, indem du hitzetolerante Sorten wählst, eine lückenlose Tröpfchen- oder Überkopfberegnung installierst und durch flache Bodenbearbeitung die Bodenfeuchtigkeit bewahrst. Vermeide zudem jegliche Pflanzschocks beim Aussetzen der Jungpflanzen.
Wie findest du im Portal schnell die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Alternaria-Blattflecken?
Nutze die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere nach dem EPPO-Code ALTEBA oder dem Schaderreger 'Alternaria brassicae'. Dir werden dann alle aktuell in Deutschland für die Kultur Brokkoli zugelassenen Fungizide inklusive ihrer spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und einzuhaltenden Wartezeiten übersichtlich angezeigt.