Brokkoli
Brokkoli (Brassica oleracea var. italica, EPPO-Code: BRSOK), im deutschsprachigen Raum auch als Spargelkohl bezeichnet, ist eine ernährungsphysiologisch hochwertige Gemüsekultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). In Mitteleuropa hat sich der Anbau dieser Kultur in den letzten Jahrzehnten stark etabliert, wobei sowohl der Frischmarkt als auch die Frostungsindustrie bedient werden. Die Kultur stellt hohe Ansprüche an die Nährstoffversorgung und Wasserverfügbarkeit, liefert dafür jedoch bei fachgerechter Führung kontinuierliche Erträge über eine lange Erntesaison hinweg.
Die pflanzenbauliche Herausforderung beim Anbau von Brassica oleracea var. italica liegt in der präzisen Steuerung der Kopfentwicklung und der Vermeidung von physiologischen Störungen wie Leerschossigkeit oder vorzeitiger Blütenknospenöffnung. Da die Kultur in Sätzen gepflanzt wird, ist eine exakte Terminierung von der Jungpflanzenanzucht bis zur Ernte entscheidend. Ein tiefgründiger, humusreicher Boden mit stabiler Wasserführung bildet das Fundament für ein gleichmäßiges Wachstum und eine hohe Qualität der geernteten Blumen.
Bodenmanagement
Brokkoli benötigt tiefgründige, mittelschwere bis schwere Böden mit hoher Wasserhaltekapazität und einem stabilen Humusgehalt, um das rasche, ungestörte Wachstum zu sichern. Da die Kultur zu den Starkzehrern gehört, ist eine ausgewogene Grunddüngung basierend auf aktuellen Bodenanalysen unerlässlich, wobei insbesondere auf eine ausreichende Bor- und Molybdänversorgung geachtet werden muss, um Herzlosigkeit und Hohlstängeligkeit vorzubeugen. Eine Kalkung vor dem Anbau stabilisiert den pH-Wert im optimalen Bereich über 6,5, was gleichzeitig das Risiko eines Befalls mit Kohlhernie minimiert. Zur Schonung der Bodenstruktur und Förderung des Bodenlebens empfiehlt sich der Anbau von tiefwurzelnden Zwischenfrüchten in der Fruchtfolge. Während der Hauptwachstumsphase ist eine gleichmäßige Bewässerung erforderlich, da Trockenstress sofort zu vorzeitiger Knospenbildung und Ertragseinbußen führt.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei dieser Kultur basiert auf einer weiten Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen Kreuzblütlern, um bodenbürtige Schaderreger zu reduzieren. Gegen tierische Schädlinge wie die Kohlfliege (Delia radicum) und Kohlschaben (Plutella xylostella) hat sich der Einsatz von engmaschigen Kulturschutznetzen direkt nach der Pflanzung als hochwirksam erwiesen. Tritt dennoch ein kritischer Befall auf, müssen zugelassene Pflanzenschutzmittel gezielt unter Berücksichtigung der Schadschwellen und der gesetzlichen Wartezeit appliziert werden. Pilzliche Schaderreger wie Alternaria brassicae (Kohlschwärze) und Botrytis cinerea werden durch eine weite Pflanzdichte, die ein rasches Abtrocknen des Bestandes begünstigt, präventiv eingedämmt. Ein systematisches Monitoring ab dem BBCH-Stadium 15 sichert das rechtzeitige Erkennen von Erstinfektionen und optimiert jede notwendige Behandlung.
Sorten
Marathon F1
Mittelfrüh (ca. 75–80 Tage)Sehr hoch und extrem homogen im Einzelkopfgewicht.
Resistent gegen: Falscher Mehltau, Hitzestress
Anfällig für: Kohlhernie, Kohlschwärze
Sehr bewährte, ertragsstabile Standardsorte für den Sommer- und Herbstanbau mit gleichmäßigen, dunkelgrünen Köpfen.
Belstar F1
Mittelfrüh (ca. 75 Tage)Konstant hoch, auch unter suboptimalen Witterungsbedingungen.
Resistent gegen: Falscher Mehltau, Nassfäule
Anfällig für: Kohlfliege, Kohlschwärze
Hervorragend für den ökologischen Anbau geeignet, zeichnet sich durch eine gute Feldhaltbarkeit und starke Seitentriebbildung nach der Hauptlese aus.
Ironman F1
Mittelspät (ca. 80–85 Tage)Hoher Ertrag an erstklassiger Ware für den Frischmarkt.
Resistent gegen: Nassfäule, Falscher Mehltau
Anfällig für: Kohlhernie
Aufrechter Wuchs, sehr gut für die maschinelle Ernte geeignet. Liefert feste, feinknospige Köpfe von intensiver Farbe.
Stromboli F1
Früh (ca. 65–70 Tage)Gute Früherträge bei hoher Gleichmäßigkeit.
Resistent gegen: Hohlstängeligkeit
Anfällig für: Falscher Mehltau, Spätfröste
Schnellwachsende Sorte für den frühesten Frühjahrsanbau unter Vlies oder Folie. Zeigt eine geringe Neigung zu Hohlstängeligkeit.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Hohlstängeligkeit (Hollow Stem) im Brokkolianbau pflanzenbaulich minimieren?
Hohlstängeligkeit wird meist durch ein zu rasches Wachstum bei gleichzeitigem Bormangel und überhöhter Stickstoffdüngung induziert. Zur Vorbeugung sollte die Stickstoffgabe in mehrere Gaben aufgeteilt und eine gezielte Blattdüngung mit Bor im BBCH-Stadium 13 bis 15 durchgeführt werden. Zudem hilft eine engere Pflanzdichte, das vegetative Einzelpflanzenwachstum zu bremsen und somit die Gewebestabilität zu erhöhen.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Kulturschutznetzen gegen die Kohlfliege?
Kulturschutznetze mit einer Maschenweite von maximal 1,35 mm müssen unmittelbar nach der Pflanzung lückenlos ausgelegt und an den Rändern fest im Boden verankert werden. Dies verhindert, dass die erste Generation der Kohlfliege (Delia radicum) ihre Eier am Wurzelhals ablegt. Das Netz sollte bis kurz vor der Ernte auf der Kultur verbleiben, es sei denn, Pflegearbeiten machen ein kurzzeitiges Öffnen bei kühler, windiger Witterung notwendig.
Wie beeinflusst die Temperatursteuerung in der Jungpflanzenphase das spätere Schossen der Kultur?
Brokkoli reagiert in der frühen Jugendphase ab dem 4-Blatt-Stadium (BBCH 14) empfindlich auf anhaltende Temperaturen unter 10 °C. Dieser Kältereiz (Vernalisation) kann zu vorzeitiger Blüteninduktion führen, wodurch sich nur winzige, unverkäufliche Köpfe bilden (sogenanntes Grießeln). Bei der frühen Jungpflanzenanzucht im Gewächshaus muss daher eine Mindesttemperatur von 12–14 °C eingehalten werden.
Welche Schadschwellen gelten für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen die Kohlschabe?
Für die Kohlschabe (Plutella xylostella) liegt die kritische Schadschwelle in der Phase der Kopfbildung (ab BBCH 41) bei etwa 5–10 % befallenen Pflanzen oder dem Fund von mehr als 2–3 Raupen pro Pflanze. Da die Raupen schnell Resistenzen entwickeln, ist ein Wirkstoffwechsel zwischen Bacillus thuringiensis-Präparaten und synthetischen Insektiziden im Rahmen des Resistenzmanagements zwingend erforderlich.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel für spezifische Schaderreger im Brokkoli?
Nutzen Sie hierzu die Suchfunktion im zentralen Pflanzenschutz-Hub der Plattform. Filtern Sie nach der Kultur 'Brokkoli' und wählen Sie den spezifischen Schaderreger (z. B. Alternaria brassicae oder Delia radicum) aus. Das System listet Ihnen alle aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmenge, der maximalen Anzahl der Anwendungen sowie der einzuhaltenden Wartezeit auf.